Ein Geständnis – und eine Liebeserklärung.

Ich bin ein sehr ehrlicher Mensch, und ein ebenso emotionaler –
eine manchmal schwierige Mischung.
Wieso?
Weil ich noch dazu mein Herz auf der Zunge trage und ebendieses Herz der Wahrheit und den Fakten verschrieben habe.

Nicht gerade einfach in Zeiten wie diesen, in denen Glauben und Spüren höher bewertet wird als Wissen und Fakten, und in denen jede/r meint, die eigene Meinung ist immer besser/gscheiter/toller/wichtiger als die des Gegenübers und übertrumpft sogar die Wissenschaft.

Als grundkritischer Mensch, interessiert an wissenschaftlichen Erkenntnissen und deren Auswirkungen auf unser aller Leben, tu ich mir gerade in der Yoga-Community manchmal ein wenig schwer, muss ich gestehen –
im Yoga geht es ja generell viel ums Spüren, das find ich auch richtig toll, weil es mich näher an mich selbst bringt, und das möchte ich auch gern weitergeben, weil das viele Menschen ein wenig verlernt haben, das sich-selber-Spüren, sich-selbst-Nahesein, zu erkennen, wer man eigentlich ist (oder wer man sein möchte) und dadurch ein besserer Mensch werden zu können …

aber für mich hat das alles Grenzen.

Wenn mir jemand erzählt, dass ein Kind erspüren kann, ob und welche Medizin es bekommen sollte, wenn es krank ist …
oder wenn mir jemand erklärt, die Gravitation könne es nicht geben, man spürt sie ja nicht, dafür wisse er, wie das damals mit dem Urknall war, sowas erkennt man in der Meditation, alle, die das nicht erkennen, sind noch nicht erwacht
oder wenn ich in den sozialen Medien lese, wie gerade in der Yoga-Community der Trend hin zur veganen Kinderernährung geht, zum Nicht-Impfen, zu Astrolog/innen als Ratgeber/innen, zu Flacherde-Theorien und Edelsteinen als Chakra-Reiniger, dann klappt das manchmal nicht so mit der inneren Seherin, die lächeln und einfach zusehen sollte, dann heult sie stattdessen laut auf und muss ihrem Unmut Luft machen.

Yoga ist wirklich eine tolle Sache –
Yoga entspannt Körper und Geist, kann vieles lindern und manches heilen, Yoga ist mein sicherer Hafen, mein Ich bin daheim, selbst wenn ich in einem fremden Land bin, Yoga holt mich auf den Boden zurück, wenn ich abzuheben drohe, und gibt mir die Kraft, die ich als berufstätige Mutter dreier Kinder brauche.

Doch eins ist für mich klar:
Yoga darf keine Ausrede sein, um krude Verschwörungstheorien zu verbreiten, der Wissenschaft Lebewohl zu sagen und sich selbst für einen besseren/schlaueren/tolleren Menschen zu halten, nur weil man eben Yoga macht.
Auch wenn man täglich mit Herz und Seele auf der Matte steht und meditiert, wenn man Patanjali liest und Räucherstäbchen mag, darf man weiterhin in Wissenschaftsmagazinen schmökern und Dogmen hinterfragen. Man darf trotzdem Fakten zu Dingen zeigen, die man halt einfach nicht erspüren kann (Stichwort impfen oder Urknall), und man darf sich im Krankheitsfall auch jemandem anvertrauen, der menschlichen Krankheiten und ihre Heilmethoden studiert und nicht nur erspürt hat.

Doch ein Diskurs ist meist kaum möglich:
Wissen scheint verpönt zu sein, Fakten werden einfach so geleugnet, Argumente mit einem Du bist halt noch nicht so weit vom Tisch gewischt –
und über allem, was die Wissenschaft erreicht und erforscht hat, steht plötzlich groß das, was Einzelne erspüren und als allumfassende Wahrheit verkaufen.
Schwierig.

Ich versuche jeden Menschen so zu akzeptieren, wie er oder sie eben ist –
ich erwarte das aber auch von meinem Gegenüber.
Wer öffentlich im Internet einen Aluhut trägt, muss damit rechnen, dass ihm jemand einen Spiegel vorhält –
Stichwort satya, die Wahrhaftigkeit.
(Und ja, ich weiß, es gibt verschiedene Wahrheiten für verschiedene Menschen – doch nicht für Dinge, die durch die Wissenschaft bewiesen sind, da gibt es nur eine Wahrheit, denn:
Wer etwa in der Meditation erkennt, dass die Erde eine Scheibe ist, irrt dennoch, auch wenn sich die eigene Wahrheit gut und wahr anfühlt.)

Dies soll also ein Aufruf sein:
ein Aufruf zur Rückbesinnung auf das, was unsere Vorfahren für uns erarbeitet haben, ein Aufruf zur Dankbarkeit für die Macht der Medizin, die uns ein vergleichsweise sorgloses und langes Leben beschert, ein Aufruf anzuerkennen, dass es Dinge gibt, die wir nicht wissen, und dass es eben Menschen gibt, die diese Dinge besser wissen als wir.

Es ist nicht großartig, mit Unwissen zu prahlen –
aber es ist wahre Größe zugeben zu können, etwas nicht zu wissen.
Und das ist etwas, was ich wirklich auf meiner Yogamatte erkannt habe.

#Namaste!

 

 

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