die sache mit der zeit.

Die Sache mit der Zeit, die kennen wir doch alle.
Wie gern würden wir mehr Zeit auf der Yogamatte verbringen –
aber die Zeit, die Zeit!

Ich verrat dir jetzt ein Geheimnis:
die Zeit, die musst du dir nehmen!

sinn.wort.spiel.

in der gestrigen schreib.werkstatt ergab sich eine kleine diskussion zum thema zeit –
denn mit der zeit ist es so eine sache:
wir haben scheinbar nie genug davon. 

so gern würden wir dieses und jenes machen –
wir möchten mehr sport betreiben, mehr schreiben, mehr zeit mit der familie verbringen und mehr zeit für uns selbst haben. stattdessen hat uns der alltag im griff, lässt uns in die arbeit hetzen, abends wieder nach hause, der haushalt muss gemacht werden, wäsche waschen, toiletten putzen, mehrmals täglich ein warmes essen auf den tisch zaubern, und dann sind da noch all die termine!
zeit? zeit hab ich keine, tut mir leid.

mit der zeit ist es aber so eine sache:
zeit hat man nicht, zeit muss man sich nehmen.
denn all diese dinge, die uns der alltag auferlegt, betreffen auch alle anderen menschen –
und trotzdem gibt es menschen, die viel schreiben, die…

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Yoga allein zu Haus? Bitte Vorsicht!

Letztens hab ich im Internet auf der Suche nach einem Rezept eine Werbung für eine neue Yoga-App gesehen, deren Zielgruppe Menschen sind, die zu Hause alleine auf ihrer Matte stehen und mit sich selbst und einem Onlineangebot yogieren –
und war schockiert:
Die Frau, die auf den Bildern zu den Anleitungen zu sehen ist, steht nie aufrecht und zieht immer ihre Schultern nach vorne, selbst in Samasthiti, der achtsamen und besonders aufmerksamen Berghaltung (Tadasana). In Trikonasana sinkt sie mit der oberen Schulter nach vorne Richtung Knie, und in Utkatsana fällt sie ins Hohlkreuz.

Korrekt ist nichts davon, gesund auch nicht –
wer das so zu Hause nachmacht, wird sich abends wundern, wieso der untere Rücken wehtut, und riskiert auf lange Sicht genau jene Verletzungen, denen Yoga eigentlich vorbeugen sollte.

Woher das kommt?
Naja, Yoga ist hip.

Jede/r macht Yoga, und jede/r darf Yoga unterrichten, in Yoga steckt das große Geld
doch die wenigsten interessieren sich wirklich für den menschlichen Körper. Yoga findet sich heutzutage als nette Draufgabe in Werbebotschaften für Gewürze, Klamotten, Mineralwasser oder bei Versicherungen –
korrekt sind die Haltungen, die man da sieht, aber nur selten. Wahrscheinlich, weil es bei Yoga als Werbung auch nicht um Yoga an sich geht, sondern nur um die Werbebotschaft, den Verkauf eines Produkt …
doch es suggiert:
Yoga ist einfach, das kann man locker allein zu Haus machen.

Falsch gedacht.
Und zwar grundlegend falsch.

Ich hab im Teacher Training erkannt, dass kaum jemand in der Lage ist, sich selbst korrekt auszurichten. Selbst erfahrene Yogi/nis und Lehrende müssen das üben, besonders viel Aufmerksamkeit auf ihre eigene Ausrichtung legen und in Workshops und Weiterbildungen immer wieder lernen, Haltungen so einzunehmen, dass sie dem Körper gut tun.

Wer keine Yoga- und Anatomieausbildung hat, Physiotherapeut/in oder Mediziner/in ist (oder einen anderen Beruf hat, in dem man viel vom menschlichen Körper lernt), dem bleibt nur eins:
regelmäßig einen Yogakurs zu besuchen.
Einerseits, weil nicht alle Asanas so korrekt sind, wie sie sich gut anfühlen, andererseits weil man nur in Yogakursen oder -workshops lernt, wie eine Asana ausschauen sollte und welche Variation man für sich selbst wählen muss.
Und weil es wichtig ist, dass manchmal ein fremdes, aber geschultes Auge darauf achtet, dass Yoga keinen bleibenden Schaden anrichtet.

Ich seh das in jeder Yogastunde:
Wir stehen zu Beginn in Tadasana, der Berghaltung, gehen über in Samasthiti –
und obwohl ich genau ansage, wie wir die Haltung aufbauen, und es natürlich vormache, gibt es den einen oder die andere, deren Schultern nach oben gezogen sind und fast die Ohrläppchen berühren.
Manchmal, weil der Körper es (noch) nicht anders kann, meistens aber weil man es selbst gar nicht bemerkt –
so steht man immer, man fühlt sich beschützt, der Körper hat es so gelernt, es fällt gar nicht mehr auf.

Yoga hilft uns dabei, alte Bewegungsmuster zu brechen –
aber nur, wenn wir das richtig machen.
Dass wir uns selbst (vor allem anfangs) noch nicht richtig einschätzen können, kann eine mögliche Gefahrenquelle sein.

Deswegen mein Tipp:
Du willst zu Hause auf deiner Matte Yoga praktizieren? Allein, mit einem Onlineyogakurs Deiner Wahl?
Dann besuch doch zuerst einen analogen Kurs oder Workshop, in dem du dich besser kennenlernst und die Basics von Yoga erlernst. Erst wenn das sitzt, solltest du zu Onlinekursen wechseln …
achte aber bitte darauf, dass du einen findest, in dem dir jemand sehr genau ansagt, was du tun musst:
Während der Praxis den Kopf zu drehen und auf den Bildschirm zu schauen, kann deine Wirblesäule und die Bandscheiben immens belasten!

Ich empfehle für Online-Yoga immer Yoga with Adriene
eine wunderbare Yogalehrerin, die so gut ansagt, dass man auch als Anfänger/in wunderbar mitkommt.
Dann kann eigentlich nichts schiefgehen!

#Namaste!

 

Wie man Power in eine Yogastunde bringt – oder: Ist das überhaupt sinnvoll?

Meine Yogastunden laufen im Grunde genommen immer recht ähnlich ab:
Jede Stunde hat ein Thema, Körper oder Geist betreffend, um das herum ich die Einheit aufbaue. Fixer Bestandteil sind natürlich Atemübungen (Pranayama), Körperübungen (Asana) und eine kleine Meditation zu Beginn oder am Ende der Stunde.

Ich bereite jedes Mal eine Stunde vor, halte aber nicht immer genau diese –
manchmal kommen die Menschen in die Yogastunde und haben einen Wunsch, sowas wie Können wir heute Yoga für den Nacken machen? Solchen Wünschen komm ich dann natürlich gerne nach.
Gestern in der ersten Fortgeschrittenen-Stunde diesen Herbst kam der Wunsch nach ein bisschen mehr Power auf …
keine einfache Aufgabe in einer Yogastunde für Senior/innen, in der fortgeschritten nicht gleichbedeutend ist mit Power und Zirkus-Asanas.
Und genau dieser Umstand hat mich dann abends ins Grübeln gebracht.

Fortgeschritten bedeutet im körperlichen Yoga vor allem, dass man die Asanas genauer und sicherer ausführt, dass man sich vom Atem leiten lässt und nicht den Übungen hinterherhechelt, es bedeutet, dass der Fokus der Asanas auf der eigenen Ausrichtung und dem ruhigen Geist in der Haltung liegt, nicht darauf, wie lange man die Haltung einnehmen kann oder wie viel man schwitzt.
Manchmal schwitzt man beim Yoga nämlich gar nicht:

Ich hab das gestern spontan so gelöst, dass ich zwischen den Haltungen Vinyasas eingebaut hab, Variationen des Sonnengrußes, die nur jene mitgemacht haben, die schwitzen wollten –
aber nach dem dritten Vinyasa war mir klar:
Eigentlich möchte ich das so nicht machen und werde es auch nicht mehr tun. 

Vinyasas sind anstrengend, man kommt damit ins Schwitzen, das stimmt.
Die übermäßige Anstrengung hat aber den Nebeneffekt, dass sich die Aufmerksamkeit in den Asanas verschlechtert, wenn man das nicht gewohnt ist, die Ausrichtung wird schlechter, die Haltung irgendwie müder.
Klar –
gerade wiederholtes Chaturanga Dandasana ist fordernd und lässt den Körper schneller müde werden.

Diesen Effekt hab ich auch gestern beobachtet, die Vinyasas dann beendet und andere, etwas anspruchsvollere Asanas eingebaut, immer mit leichteren Variationen –
denn gerade in Yogastunden für ältere Menschen ist nichts so wichtig wie die korrekte Ausrichtung, immerhin bringt jede/r ein Thema mit, das berücksichtigt werden muss.

An der korrekten Haltung muss ohnehin jede/r arbeiten, auch wir Yogalehrer/innen, denn:
Yoga ist ein Pfad, den wir ein Leben lang beschreiten.

Für die kommende Fortgeschrittenen-Stunde hab ich mir deshalb vorgenommen, den Fokus wieder mehr auf die Ausrichtung zu legen, weg von der Extraportion Power
damit steigt einerseits der gesundheitliche Nutzen, andererseits braucht man dafür echte Power, denn wer Utthita Hasta Padangusthasana korrekt ausführen möchte, kann das nur mit voller Kraft und ruhigem Geist.

Es war zwar wirklich toll zu sehen, wie viele meiner Yogi/nis den Sonnengruß können und das selbst nie gedacht hätten – und so ein Erfolgserlebnis ist natürlich klasse –, aber ich hab gestern, wie in vielen Power-Yoga-Stunden zuvor, bemerkt, dass die Ruhe und die korrekte Ausführung der Asanas leidet, wenn es zu viel um Kraft geht.
Das ist auch bei jüngeren Yogi/nis so –
und genau aus diesem Grund bin ich kein Fan von Power-Yoga.

Denn es gilt zu bedenken:
Das Schwierige an Yoga ist nicht, die jeweilige Haltung einzunehmen, sondern diese korrekt einzunehmen, korrekt einige Atemzüge lang zu halten, mit aktiven Bandhas, kontrolliertem Atem, ruhigem Geist –
und die Asana ebenso wieder zu verlassen.

Ein Bein hoch in den Baum zu drücken, mit angehaltenem Atem drei Sekunden zu wackeln und dann umzufallen, das mag leicht sein, Yoga ist es aber nicht.
Ein Bein nur an die Wade zu stellen, mit aktivem Körper, sanft und leicht, und diese Haltung dann einige Atemzüge lang zu halten, um danach achtsam wieder aus der Haltung zu kommen, das kann viel schwieriger und anstrengender sein –
und es ist echtes Yoga, denn:

Es führt uns langsam hin zu jener Baum-Haltung, die wir kennen, am Anfang des Yogaweges aber vielleicht noch nicht können.

Yoga hat viel mit dem Geist zu tun, damit, weniger zu wollen oder zu müssen und mehr zu schauen, was ist
und dieses dann als gegeben anzunehmen.
Deswegen ist ja auch Yoga und nicht Turnen.

Ich als Yogalehrerin möchte meine Yogi/nis auf ihrer Yoga-Reise begleiten –
und vielleicht muss ich dazu auch manchmal bremsen, anstatt zu ermutigen.

In diesem Sinne:
Frohes Yoga.

#Namaste

 

 

 

Der Tag des positiven Denkens – #Enjoy!

Heute ist der Tag des positiven Denkens
ein Tag, der daran erinnern soll, dass eine positive Lebenseinstellung viele Dinge einfacher macht.

Ein schöner Gedanke, finde ich …
denn egal, was passiert:
Eine positive Grundeinstellung lässt viele Dinge nicht so dramatisch erscheinen.

Etwa folgendes Szenario:
Schon am Morgen passiert ein kleines Missgeschick – sagen wir, ein Kaffeefleck auf der frisch gewaschenen Hose –, und der Tag ist gelaufen.
Schade eigentlich, oder?

Yoga kann dabei helfen, das Leben und sich selbst ein wenig positiver zu betrachten, schon allein wegen der Glückshormone, die man während der Praxis ausstößt. Im Yoga nennen wir das den Yoga After Glow.
Und ja, den kann man sehen, ganz ehrlich!

Wenn du also das nächste Mal vor einem Problem stehst, wenn du dich über etwas ärgerst, dann atme einmal tief durch und überleg dir:
Ist es das wirklich wert, dass ich mir den Tag versauen lasse?

In den allermeisten Fällen lautet die Antwort:
Nein!

In diesem Sinne:
Genieß diesen Freitag, den 13. –
der ist nämlich kein Unglückstag, das redet man sich nur ein.
Setz dich lieber in die Sonne, genieß den Augenblick, vielleicht mit einer Tasse Kaffee, und nimm dir vor, dir selbst jeden Morgen einen wunderbaren Gedanken zu schenken, dein persönliches Mantra, das dir den Tag versüßt.
Das wirkt Wunder!

#Namaste!
Und:
#DontWorryBeHappy!

 

Schwurbelkram mag ich nicht – oder: Warum muss es immer Zauberei sein?

Ein knappes Monat hab ich jetzt meine kleine Glatze, die durch Alopecia Areata, den kreisrunden Haarausfall, verursacht wurde.
Das Einzige, das sich seitdem verändert hat, ist meine Haarfarbe.

Ich hab seit vielen Jahren meine eigentlich mausbraunen Haare gefärbt …
meistens blond, manchmal rot oder braun. Gerade das blondieren ist aber sehr schlecht für die Haare, das möchte ich ihnen nicht mehr antun.
Also hab ich die Packung Henna geschnappt, die ich noch im Badezimmer stehen hatte, und als Start in den September meine blondgrauen Haare kurzerhand braun gefärbt.
Mit gutem Gewissen, denn Henna gilt als besonders gesund für Kopfhaut und Haare –
man merkt wirklich, wie dick und gesund sie sich danach anfühlen, und ich muss mich noch nicht mit grauen Haaren abfinden.
(Dazu bin ich leider zu eitel.)

September ist übrigens Alopecia Awareness Month
eine spannende Sache, weil ich dadurch viele Menschen kennenlerne, die darunter leiden, weil ich lerne, wie sie damit umgehen …
und leider auch, was sie alles machen, damit die Haare wieder sprießen.

Denn wie immer, wenn Menschen unter etwas leiden, für das es keine echte Therapie gibt, kommen jene aus ihren Löchern gekrochen, die daraus Profit schlagen wollen.

Ich habe Menschen kennengelernt, die Globuli aller Art zu sich nehmen, in diversen Mischungen. Ich bin aber nicht sicher, ob Zucker wirkungsvoll gegen entzündlichen Haarausfall ist.
Dann sind da Menschen, die Schüssler Salze einnehmen, auch in diversen Mischungen. Hier stellt sich ebenso die Frage: Was genau soll der Zucker für die Haare tun?
Andere schmieren sich allerlei Seren, Öle oder spezielle Mischungen auf die haarlosen Stellen. Klettenwurzelöl etwa –
das mach ich übrigens auch, aber einfach nur, weil die Stelle manchmal trocken ist und dann juckt, und weil es für die Psyche gut ist, etwas zu tun.
Dass Klettenwurzelöl von außen hilft, wenn mein Immunsystem meine eigenen Haarewurzeln angreift, ist aber nur Wunschdenken.
Viele diese Mittel und Seren kosten ein Vermögen, ebenso die Pillen, die man dazu einnehmen muss …
und nichts davon gilt aus medizinischer Sicht als wirkungsvoll.

Sämtliche Ärzt/innen, mit denen ich gesprochen habe, raten davon ab, allerhand teure Mittel zu schmieren oder einzunehmen, weil keins davon wirkt. Höchstens eine Psychotherapie wurde mir empfohlen, falls der Haarverlust mich psychisch belastet (was er nicht tut).
(Ich bin übrigens stark dafür, dem eigenen Arzt oder der Ärztin zu glauben, anstatt den Ausführungen auf einer Website, die mir etwas verkaufen möchte. Die Ärzte haben ja alle keine Ahnung – diesen Satz hab ich schon mehrmals gehört und jedes Mal vehement widersprochen.)

Natürlich liegt es in der Natur der Sache, dass Menschen etwas tun wollen –
das Problem ist nur:
Jedes dieser Mittelchen, die mir in den letzten Wochen untergekommen sind oder empfohlen wurden, ist wirklich teuer.
Die Hersteller verlassen sich darauf, dass die Erkrankten so verzweifelt sind, dass sie trotzdem zugreifen –
und das tun ja auch viele. Was bei kreisrundem Haarausfall, der vor allem ein kosmetisches Problem ist, nicht so tragisch ist, kann bei einem echten gesundheitlichen Problem aber gefährlich werden, denn:
Alternativmedizin wirkt nicht, sie lebt allein vom Glauben der Menschen.

Eins der Mittel, das mir eine Freundin empfohlen hat – ein Serum zum Auftragen auf die haarlose Stelle –, hat im Beipackzettel folgenden Satz stehen:
Erste mögliche Erfolge sind nach einer Anwendungsdauer von sechs bis zwölf Monaten sichtbar.

Das ist exakt jener Zeitraum, in dem sich bei den meisten Betroffenen vollkommen ohne Zutun ein neuer Flaum auf der Glatze bildet.
Spannend, nicht wahr?
Oder eher: Ziemlich gemein.

Was ich empfehle?
Yoga.
Klingt komisch, ist aber so, denn:

Das Einzige, was ich tun kann, ist, die Sache anzunehmen.
Mich anzunehmen, so wie ich bin, mit meiner kleinen Glatze.
Die Erkrankung anzunehmen, das Wissen, dass der Haarausfall mehr werden kann.
Tief durchzuatmen und mich nach jeder Yogapraxis dafür zu bedanken, dass ich eigentlich gesund bin, dass ich eine so tolle Familie habe, die mich unterstützt und auch ohne Haare lieb hat, dass ich Freund/innen habe, denen es egal ist, ob unter der Haube Haare sind oder nicht.

Lass dir nicht einreden, dass du selbst schuld bist an dieser Erkrankung.
Lass dir nicht einreden, dass nur dieses oder jenes Zaubermittel wirkt, zu einem wahnsinnig hohen Preis.
Nimm dir Zeit für dich, versuche Stress abzubauen und zu dir selbst zu finden.
Und vergiss nicht:
Du bist toll, mit oder ohne Haaren!

#Namaste

 

Die Sache mit dem Ego – oder: Muss es denn immer Zirkus sein?

Wer Yoga nicht nur privat, sondern auch beruflich praktiziert, kommt nicht umhin, sich selbst öffentlich darzustellen –
irgendwie müssen die Leute ja aufmerksam werden, und viele Yogi/nis möchten sich ansehen, mit wem sie da yogieren werden.
Yoga gibt es mittlerweile an jeder Ecke, die sozialen Medien sind voll von Yogis und Yoginis –
was da aber so gepostet wird, lässt mich manchmal erschaudern.

Da gibt es Menschen, die sich nur in den allerschwierigsten Posen zeigen, in Asanas, die kaum jemand auch nur annähernd beherrscht, am liebsten im Bikini oder wenigstens hautengen Klamotten.
(Klar, das bringt Anerkennung und Reichweite, ist also gut fürs Ego, auch wenn die Asanas manchmal so falsch ausgeführt werden, dass es beim Zusehen wehtut.)
Dann gibt es Menschen, die ständig vorgeben, schweben zu können, sich selbst in Posen präsentieren, die der Schwerkraft eine lange Nase zeigen –
und auf Kritik mit Schimpfwörtern reagieren.
(Dabei gilt ein gewaltfreies Leben im Yoga doch als besonders erstrebenswert, und das schließt auch Gewalt in der Sprache mit ein.)
Dann gibt es jene, die Yoga mit allerlei Hilfsmittel aufpeppen – Tiere, Feuer, Alkohol –, als wär Yoga allein zu langweilig, nicht genug.
(Dabei geht’s im Yoga darum, sich nach innen zu besinnen und das Außen einfach sein zu lassen. Ziegen oder Gin Tonic lenken aber nur ab.)
Und natürlich findet man viele, die Yoga a) nackt praktizieren oder b) sich für ihre Yogafotos ausziehen –
sex sells gilt natürlich auch im Yoga.
(Man stelle sich eine Yogagruppe im herabschauenden Hund vor, nackt, von hinten betrachtet. Also ich bin ja wirklich nicht prüde, aber: warum?)

Besonders verstörend finde ich Berichte von Yogalehrer/innen, die Vorträge zum yogischen Leben halten, die erklären, warum es im Yoga so wichtig ist, das Ego hintanzustellen, auf den eigenen Körper zu hören und sich auf das Innerste zu besinnen –
und die dann besagten herabschauenden Hund so übertreiben, dass ihre Achillessehne reißt.
Einfach so.
Plopp.

Weil das Ego dann doch stärker ist.
Weil die Anerkennung der virtuellen Fangemeinde doch wichtiger ist als das auf den eigenen Körper hören.

Warum ich das manchmal kritisiere?
Als Yogalehrerin könnte ich es ja auch einfach sehen und mir meinen Teil denken, nicht wahr?
Die Antwort ist einfach:
Weil all das ein falsches Bild von Yoga vermittelt, eines, das den Menschen Angst macht und ihnen sagt: Das kannst du eh alles nicht, probier’s erst gar nicht. 

Und das hat negative Auswirkungen auf das Leben vieler Menschen.
Nicht selten hör ich: Was, Yoga? Geh bitte, das kann doch kein Mensch, dafür muss man ja Zirkusartist/in sein.
Oder: Für Yoga bin ich zu alt/dick/unbeweglich.

Wenn ich dann nachfrage, woher diese Annahmen eigentlich kommen, ist die Antwort immer dieselbe:
Ich hab Yoga gegoogelt und mir die Bilder angeschaut.

Ist das nicht traurig?
Sollten wir den Leuten nicht lieber vermitteln, dass jede/r Yoga praktizieren kann, dass schon aktives tiefes Atmen Yoga ist und Zirkus-Asanas nichts mit Yoga zu tun haben –
eigentlich eher im Gegenteil?
Davon abgesehen kann Yoga gefährlich sein …
wer ohne Vorkenntnisse einen Skorpion probiert, kann sich tatsächlich schwer verletzen.

Natürlich freu auch ich mich, wenn ich eine Asana schaffe, die ich bisher nicht konnte.
Wenn ich nach einer Ashtanga-Einheit keinen Muskelkater habe.
Oder wenn auf Instagram jemand gefällt mir drückt, wenn ich ein Foto poste.
Ja, klar, auch ich hab ein Ego, das sich nicht immer unterdrücken lässt.

 

Am meisten aber freu ich mich, wenn ich vor einer Yogaklasse stehe und die Menschen sehe, die da vor mir auf ihren Matten sitzen –
Menschen, die noch sehr oder nicht mehr wirklich jung sind, die an den verschiedensten Krankheiten leiden, die mit dem Kreislauf zu kämpfen haben, und trotzdem jede Woche wieder zum Yoga kommen, mit einem Lächeln im Gesicht.
Wir sprechen in der Stunde oft darüber, dass sie sich gar nicht mehr anschauen wollen, was sich in Sachen Yoga so tut –
da kriegt man ja Angst, sagte unlängst eine Dame.

Ich möchte kein yogischer Zirkusclown sein. 
Ich möchte nicht, dass Menschen Angst haben, wenn sie an Yoga denken –
sie sollen sich freuen und es als Bereicherung ihres Lebens betrachten.
Deswegen poste ich auch nur sehr selten Asanas, die ich nicht auch unterrichte …
das mach ich wirklich nur, wenn ich nach langem Üben endlich sagen kann: Ja, klappt für mich, und dann natürlich doch ein bisschen stolz bin.

Ansonsten versuche ich sehr achtsam auszusuchen, womit ich meinen Instagram-Account oder meine Galerie hier fülle …
ich kann zwar einige Zirkus-Asanas, würde diese aber nie unterrichten, also poste ich sie auch nicht.

Wer meine Yogastunden besucht, erkennt alle Asanas wieder
meistens aber in anderer Form, mit Hilfsmitteln etwa, oder einfach sanfter.
So wie hier: ein sanfter Baum –
weil nicht jede/r Yogi/ni den Baum so macht, wie er in der yogischen Literatur beschrieben wird.

Sondern vielleicht so, sanft und leicht:

Vielleicht muss es, wie in allen Bereichen des Lebens, auch im Yoga Superstars geben –
aber wie in allen Bereichen des Lebens gilt auch im Yoga:
Es sind nicht immer die Superstars, an denen wir uns im Leben orientieren sollten.

(Danke an eins meiner yogischen Vorbilder für diese Erkenntnis.)

#Namaste!

* * *

PS:
Wer hier eine generelle Kritik an den Fotos anderer Menschen herausliest, irrt:
Natürlich darf jede/r posten, was er oder sie möchte – ich schau mir gern schöne Fotos anderer Yogi/nis an und bewundere manch eine/n für Asanas, die ich wohl nie beherrschen werde.
Ich hab für mich aber einen anderen Weg gewählt, vor allem, weil ich die Schattenseiten sehe –
und weil Yoga für mich mehr ist als Ich beherrsche einen Handstand.

Als Feministin alter Schule sind mir außerdem sexistische Inhalte ein wahrer Dorn im Auge … das muss gerade im Yoga echt nicht sein.

* * *

PPS:
Yoga kann übrigens Menschen egoistischer machen, kann dazu führen, dass sie sich gnadenlos selbst überschätzen.
Das ist keine Einschätzung von mir, das sagt die Wissenschaft. Weder Yoga noch Meditation machen das Ego kleiner, ganz im Gegenteil:
Yoga bläst unser Ego zu einem riesigen Luftballon auf.
(Das erklärt vielleicht die teilweise abstrusen Thesen der Yogis vor tausenden von Jahren.)
Diese Erkenntnis kann man aber nutzen:
Wovon ich weiß, dem kann ich gegensteuern.
Das ist natürlich immer eine gute Sache – denn die Wissenschaft sagt auch:
Wer sich gut (oder vielleicht sogar besser als andere) fühlt, dem geht es auch psychisch deutlich besser.

Und ganz ehrlich:
Man kann nur an Dingen arbeiten, die man hat –
wie also das Ego überwinden, wenn da keins ist?
Eben.

 

Von den Energievampiren – oder: Kann man fremde Probleme wegatmen?

Energievampir –
ein Begriff, den du sicher schon mal gehört hast.
Vor allem, wenn du gut zuhören und schlecht nein sagen kannst, hast du bestimmt schon Bekanntschaft mit dem einen oder der anderen gemacht.

Energievampire zeichnen sich dadurch aus, dass man sich nach ihrem Besuch immer ausgelaugt und kraftlos fühlt
und sehr oft auch verärgert darüber, dass man wieder einmal nicht nein sagen konnte.
Die Vorgehensweise dieser Menschen ist dabei verschieden –
da gibt es die Alleswisser, die nur ihre eigene Meinung zulassen und alles andere verurteilen, die emotionalen Erpresser/innen, die anderen gerne ein schlechtes Gewissen machen, es gibt die Pessimist/innen, die immer alles nur negativ sehen, und die Opfer, bei denen alles immer nur schlecht läuft. Es gibt die, die ständig Hilfe brauchen, aber nie helfen, und die, die stundenlang nur von sich selbst sprechen und beleidigt reagieren, wenn man selbst auch mal etwas sagen möchte.

Viele Jahre lang war ich umgeben von solchen Menschen, ohne es wirklich zu merken.
Ich hab jahrelang Beziehungsprobleme anderer Menschen gewälzt und zu meinen eigenen gemacht, obwohl ich keine eigenen hab.
Ich hab jahrelang Freundschaften gepflegt, die nur aus geben bestanden, ohne irgendwas dafür zu bekommen.
Und ich hab jahrelang gedacht, das wär schon in Ordnung so …
in Wahrheit hat es mich aufgefressen. 

Vor allem, weil ich irgendwann erkannt hab, dass diese Energievampire sich nur bei mir so verhalten, in Anwesenheit anderer waren sie oft komplett anders. Es musste also auch an mir liegen, irgendwie hab ich manchen Menschen vermittelt, dass man bei mir so agieren kann, dass man sich bei mir ausheulen und die eigenen Speicher wieder aufladen kann und dann befreit nach Hause gehen …
während ich auf dem fremden Problem herumkaue wie auf altem Kaugummi und nicht mal pro forma gefragt wurde, wie es mir geht.
Bemerkt hat das natürlich keine/r.

Das war tatsächlich sehr belastend, für mich und meine Beziehung –
bis zu jenem Tag vor ein paar Jahren, an dem es mir gereicht hat.

Ich kann mich noch genau an die Situation erinnen:
Eine damalige Freundin hat mir mal wieder von den Problemen ihres Kindes im Kindergarten erzählt, Probleme, die ich nicht nachvollziehen konnte, weil es eigentlich keine Probleme, sondern Chancen waren. Doch anstatt wie sonst zuzuhören und zu beruhigen, hab ich einfach mal geantwortet, freundlich, aber ehrlich –
und damit einen Sturm ausgelöst.
Ich sei gemein, weil meine drei Kinder ja wundersamerweise alle keine Probleme hätten und ich eine funktionierende Beziehung. Außerdem sei es nicht in Ordnung, wenn ich Ratschläge geben würde, weil bei mir alles so reibungslos funktioniere, von Problemen hätte ich ja keine Ahnung.
Ich hab dann geantwortet, dass ich Probleme aller Art sehr gut kenne, dass ich sie nur nicht jedem aufhalse, sondern versuche, sie zu lösen, und dass meine Beziehung deswegen funktioniert, weil ich daran arbeite. Und dass meine Kinder super sind, ist nicht nur Zufall, sondern hat auch mit Zuwendung, Aufmerksamkeit, Erziehung und Liebe zu tun.
Und dann hab ich das Gespräch beendet. 

Ich muss gestehen: Das war wirklich befreiend.
Plötzlich war mir klar, dass ich so nicht weitermachen kann.
Ich mag nicht nur angerufen werden, wenn sich jemand ausheulen will. Oder wenn jemand Hilfe bei den Orchideen braucht. Ich will mir nicht stundenlang fremde Probleme anhören, oder Lobeshymnen über sich selbst, und ich will auf keinen Fall mehr die Beziehungsprobleme anderer zu meinen eigenen machen.

Nicht aus Egoismus, sondern aus Selbstschutz
und Yoga ist mir dabei eine große Hilfe.

Natürlich verschließe ich mich nicht vor Gesprächen mit anderen Menschen. Natürlich höre ich mir weiterhin Probleme an und biete Freund/innen eine Schulter zum Ausweinen. Immer, wenn es nötig ist.
Aber ich versuche, genau darauf zu achten, dass es nicht nur um negative Dinge geht, dass ich mich nicht nach jedem Treffen wie ausgesaugt fühle und meinen Ehemann als Therapeuten benutzen muss.
Und ich setze mich nach solchen Gesprächen immer auf meine Yogamatte –
sitze, atme, versuche die unangenehmen Gedanken durch schöne zu ersetzen, mich auf das zu besinnen, was ich habe, auf mein Leben, das ich wirklich als wunderbar bezeichnen würde.
Durch langsames Ein- und Ausatmen verschwinden so die fremden Probleme, fast wie von selbst, und werden nicht zu meinen eigenen.

Auch nach Yogastunden ist das sehr heilsam, dieses bewusste Atmen –
denn in so mancher Yogastunde erfahre ich Dinge über meine lieben Yogi/nis, die belastend sein können. Für viele Menschen ist die wöchentliche Yogastunde die Gelegenheit zu Selbstreflexion, manchmal sogar ein wenig psychotherapeutisch …
ich glaube, das ist ein wirklich wichtiger Aspekt, den ich auch nicht missen möchte.
Wer mit Menschen arbeitet, darf aber nicht auf die Supervision vergessen –
mit jemandem darüber sprechen, was belastend ist, reflektieren, was Probleme bereitet und an diesen arbeiten, auch und besonders auf der eigenen Matte.
Dann macht man die fremden Probleme nicht zu seinen eigenen.

Im Freundeskreis aber sollte es selbstverständlich sein, dass man nicht alles einfach so ablädt und dann geht …
immer und immer wieder.
Ich möchte betonen: Es geht hier nicht um schlechte Zeiten, um Probleme, die mal auftauchen, oder um Dinge, die man besprechen möchte. Es geht um Menschen, die kein anderes Thema kennen als ihre Probleme oder sich selbst … Energievampire eben.

Wenn ich heute mit so jemandem zu tun habe, dann versuche ich, das anzusprechen – freundlich, aber bestimmt, und ziehe bei Bedarf die Notbremse.
Ich find Vampire nämlich wirklich spannend, aber nur jene, die das Sonnenlicht meiden müssen und sich von echtem Blut ernähren. 

#Namaste!

 

Ich bin dann mal am Meer. #Urlaub

Einatmen.
Ausatmen.
Warmen Sand spüren.
Den Wellen lauschen.
Und die Gedanken fliegen lassen.

Einfach sein.

Und irgendwann bin ich dann wieder da.
Ganz sicher.

<3

Galerie

Meine aktuelle #ZeroWaste-Liste oder: Es ist gar nicht so schwer!

Ein kleines Update meiner #ZeroWaste-Liste …
mit ein paar wirklich tollen Neuheiten, die es wert sind, ausprobiert zu werden.

Versprochen!

Sibl and the Wheel | Yoga

Immer wieder fragen mich Menschen, was man machen kann, wenn man unnötigen Verpackungsmüll und Plastik im Speziellen vermeiden möchte –
vor allem dann, wenn ich mich mal wieder über die Mengen an Plastikmüll in den Regalen aufrege.

Also hab ich mir gedacht, ich schreib einfach mal auf, was wir daheim umgestellt haben und woher ich die Dinge hab, ich versuch ja ständig, neue Wege zu gehen –
die Liste ist aber immer in Bearbeitung, weil ich dauernd was Neues entdecke.

>> Ich freu mich auch sehr über Anregungen!
Einfach einen Kommentar hinterlassen!

Im Badezimmer – Körperpflege:

Wattepads:Wattepads hab ich mir selbst gemacht, ganz einfach aus Garnresten gehäkelt, das funktioniert klasse:
Nach Gebrauch kommen sie in ein Wäschesackerl und werden mit der Wäsche mitgewaschen, dann lass ich sie trocknen, fertig. Man muss nur darauf achten, dass das verwendete Garn nicht recht haarig ist, denn das ist unangenehm beim Abschminken.

Damenhygiene:

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Zauberei gibt es nicht – oder: Warum ich gegen Schwurblerkram kämpfe

Ich bin in der Yogaszene wohl ziemlich allein mit meiner Ansicht, dass Wissenschaft toll ist und wir keinesfalls aufhören dürfen, dieser Wissenschaft zu vertrauen.
Ja, das Bauchgefühl ist was Schönes, und ja, darauf sollte man auch öfter mal hören –
es kommt aber immer darauf an, in welchem Kontext.
Denn das mit dem Erspüren und Erfühlen, das ist nicht immer sinnvoll.

Etwa dann, wenn ein Kind erspürt, dass die bevorstehende Impfung dem Körper gerade keinen Nutzen bringt. No na net will sich ein kleines Kind nicht unbedingt impfen lassen, wer freut sich schon über eine lange Nadel, mit der man gepiekst werden soll.
Meine Kinder haben von ihrer Oma, einer Ärztin, gelernt, warum impfen so wichtig ist und gehen freiwillig impfen –
Zitat meiner mittleren Tocher: Lieber einmal pieksen, dafür nachher keine Angst haben müssen.
Weise Worte aus dem Mund einer 11jährigen.

So weise sind viele Erwachsene aber nicht mehr –
selbst Menschen, die mit mir studiert haben und einen akademischen Titel tragen, fürchten sich vor den Nanobots, die angeblich in der MMR-Impfung stecken und den kindlichen Körper ausspionieren.

Und genau diese Menschen sind der Grund, warum ich so vehement reagiere, wenn jemand beginnt, sich für solchen Unsinn zu interessieren –
denn die Grenzen sind schwammig.
Werden heute noch lustige Tarotkarten gezogen, die ja jedesmal so treffsicher die eigene Situation beschreiben (Barnum lässt grüßen), ist es morgen schon die Impfkritik –
und ein paar Wochen später wird löffelweise Terpentin eingenommen, um sich von den Parasiten zu befreien, die angeblich im eigenen Darm wohnen und erstaunliche Ähnlichkeit mit Schleimhaut haben.

Egal wohin man blickt:
Die Schwurbler/innen sind überall.
Die einen ziehen täglich eine Engelskarte, die anderen malen sich Runen auf verstauchte Körperteile, manche lassen sich Haare als Glücksantennen auf den Zehen wachsen, andere schneiden ihren Kindern nie die Haare, weil da ja die vorgeburtlichen Erinnerungen drinstecken. Es gibt Menschen, die Steine mit Sonnenlicht aufladen, mit dem sie dann ihr Wasser energetisieren, oder welche, die sich jeden Abend in eine Wolke aus Weihrauch setzen, um sich vor den Dämonen zu schützen, die des Nachts von ihnen Besitz nehmen wollen. Einige glauben, Nahrungsergänzungsmittel bestimmter Firmen einnehmen zu müssen, um gesund zu bleiben, andere schwören auf die tägliche Dosis Zucker in Globuliform, egal bei welchem Leiden, und dann gibt es noch welche, die sich  gefährlichen Scharlatanen anschließen, Essig gegen Chemtrails verdampfen oder den Staat an sich ablehnen.
Sie alle eint der Glaube an die eine oder die andere Verschwörungstheorie, egal wie oft man ihnen erklärt, dass das Blödsinn ist.
Diskutieren ist aber unmöglich, die Argumente oder Beweise werden so gedreht und gewendet, wie es gerade in den Kram passt –
sogar von Menschen, die mit mir im Seminar ‚Wissenschaftliches Arbeiten‘ saßen und eine bessere Note hatten als ich.

(Meine Mutter versuchte übrigens ihre myotone Dystrophie mit den Zahlen eines russischen Gurus zu heilen, für die er ihr eine wirklich große Geldsumme abknöpfte. Außerdem wollte sie die böse Erdstrahlung mit einer speziellen, ebenfalls sehr teuren Matratze abwehren und gab eine Zeitlang viel Geld für Nahrungsergänzungsmittel aus. Beim Arzt war sie nach der Diagnose nicht mehr, bewegt hat sie sich auch nicht mehr. Wär vermutlich besser gewesen.)

Jetzt könnte man sagen: Lass sie doch.
Das geht aber leider nicht, und zwar aus zwei Gründen:
Einerseits, weil diese Menschen vom Hundertsten ins Tausendste kommen: Es geht mit einer Kleinigkeit los, etwa dem Ziehen der täglichen Engelskarte, und endet damit, dass sie ihren Kindern Chloreinläufe gegen überhaupt alles verabreichen.
Andererseits, weil sie ihre kruden Thesen lautstark in die Welt posaunen.
Gerade Yogalehrer/innen nutzen ihre Stunden und ihre Reichweite dafür, jeden Blödsinn, den sie angeblich erspürt haben, ihren Yogi/nis als Wahrheit zu verkaufen …
und da wir als Lehrende tatsächlich eine Sonderstellung einnehmen, glauben uns die Menschen, was wir sagen.
Ein Teufelskreis, den ich zu durchbrechen versuche, indem ich mich sehr für all diese Dinge interessiere, um sie dann entkräften zu können …
etwa mit einem Besuch bei der Esoterik-Messe.

Es mag seltsam anmuten, dass gerade ich als Yogalehrerin all diesen Schwurblerkram ablehne …
doch für mich ist es eigentlich ganz einfach:
Yoga an sich ist toll, kann aber nicht alles heilen
Yoga wirkt erwiesenermaßen bei einigen Leiden sehr gut – bei Depressionen etwa, oder bei Rückenleiden aller Art, und immer dann, wenn jemand Entspannung sucht oder einfach beweglich bleiben möchte.

Wenn jemand in meine Yogastunden kommt, dann frag ich immer sehr genau nach, was die Erwartungen sind und welche Leiden dieser Mensch mitbringt …
und dann beginnt für mich das Lernen:
Ich lern wieder Anatomie, befrage befreundete Physiotherapeut/innen und Ärzt/innen, manchmal auch Psychotherapeut/innen. Die Menschen sollen sich nach dem Yoga ja gut fühlen … und dafür ist ständiges Lernen wichtig, find ich. Manche Lehren des Yoga sind in der heutigen Zeit überholt, werden in den YTTs aber dennoch gelehrt, während das wirklich Wichtige, weil Aktuelle, einfach vergessen wird.
Das muss sich ändern!

In meinen Stunden gibt es keinerlei Zauberei, keine Mantras, keine pseudophilosophischen Merksätze, wir yogieren weder nach dem Horoskop noch nach den Mondphasen, wir singen keine Mantras oder Oms –
und dennoch kommen die Menschen immer wieder in die Stunde und verlassen sie vollkommen entspannt. Es geht nämlich auch ohne Schwurbeleien, Yoga muss weder esoterisch noch religiös sein, und auch Meditation funktioniert klasse auf wissenschaftlicher Basis, ganz ohne religiöse Mantras –
Religion ist für mich nämlich Privatsache:
Wer glauben will, darf das natürlich, in meiner Yogastunde hat das aber keinen Platz.

Und wenn Schwurbelei gefährlich wird, dann sollte sie nirgends Platz haben dürfen!

* * *
Alle von mir gebrachten Beispiele sind aus meinem Bekanntenkreis – erschreckend, oder?