Wir Frauen haben’s nicht leicht, oder: Gemeinsam sind wir stark!

Auch wenn ich momentan hauptberuflich Yogalehrerin bin:
Die Feministin in mir schläft nicht.

Gerade im Yoga, wo weit mehr als die Hälfte aller Unterrichtenden und Übenden Frauen sind, ist Feminismus aber etwas, das keine so wirklich interessiert.
Die Übenden werden als Kunden bezeichnet, die Unterrichtenden grundsätzlich als Lehrer 
und auch wenn ich mich darüber nicht mehr so aufrege wie in jüngeren Jahren, muss ich doch gestehen, dass ich das schade finde.

Gerade in der vermeintlich so achtsamen Yogawelt müsste doch klar sein, welche Macht Sprache hat, und dass wir zusammenhalten müssen, wir Frauen, egal wie alt oder jung, dick oder dünn wir sind.
Stattdessen schweigt die Mehrheit bei schwierigen Themen wie #MeToo und wirft sich wegen Kleinigkeiten Knüppel zwischen die Beine, anstatt diese aus dem Weg zu räumen und gemeinsam als starke Einheit in die Zukunft zu marschieren.

Vor allem, wenn es um die Optik geht, kennt manch weibliche Kratzbürstigkeit keine Gnade.

 

Wenn du das gerade liest und eine Frau bist, dann kennst du sicher das Problem, dass du es nie jemandem recht machen kannst
egal was du tust.

Du trägst kein Make-up?
Meine Güte, wie siehst du denn aus? Bist du krank?
Du trägst Make-up?
Eine Yogalehrerin, die Make-up trägt? Das ist nicht sehr passend!

Du hast Kinder?
Oh, wie egoistisch, noch mehr Bälger in die Welt zu setzen!
Du hast keine Kinder?
Ach, wie egoistisch, dir geht es ja nur um dich selbst!

Du hast Kinder und bleibst bei ihnen zu Hause?
Ach, jetzt spielst du also Hausfrau und liegst dem Mann auf der Tasche?
Du hast Kinder und gehst arbeiten?
Oh, du bist eine Rabenmutter und lässt deine Kinder fremdbetreuen!

Du trägst sexy oder bunte Klamotten, bist aber nicht mehr 20 Jahre alt?
Meine Güte, kleide doch doch deinem Alter entsprechend!
Du trägst keine bunten oder sexy Klamotten, bist aber unter 40 Jahre alt?
Lass dich doch nicht so gehen, wie willst du denn so einen Mann abbekommen?

Diese Liste lässt sich endlos weiterführen –
und meistens sind es Frauen, die anderen Frauen ungefragt ihre (vermutlich nicht einmal gut gemeinten) Ratschläge aufdrängen …
auch und gerade im Yoga.

Ich hab da keine Lust drauf, ich sag’s dir ganz ehrlich.
Ich leb so, wie es für mich und meine Familie richtig ist, und seh die Dinge gern ein wenig anders.

Ich beurteile dich nicht danach, wie du aussiehst oder lebst, wie du dich kleidest oder was du arbeitest, wen du liebst oder was du isst –
und ich wünsch mir das auch von dir.

So einfach ist das.

Manchmal, wenn die Verwunderung in mir zu groß wird, schreib ich drüber, hier zum Beispiel, lass meinen Gedanken freien Lauf, aber ich nehme mir (nicht mehr) das Recht heraus, alles zu be- oder verurteilen, was andere tun –
auch das hab ich in den letzten Jahren lernen dürfen.

Und jetzt, jetzt schalt ich meinen Computer aus und freu mich auf meinen morgigen Geburtstag –
ich werde 40, werde mich aber bestimmt nicht meinem Alter entsprechend  kleiden oder benehmen, so viel steht fest.
(Ich weiß ja nicht mal, was das bedeuten soll.)

 

Ich würde mich aber sehr freuen, wenn du anlässlich meines Geburtstages einen oder zwei Euro für meine Spendenaktion spenden würdest.

Vielen Dank!
<3

#Namaste!

Weihnachten ist wunderbar! – oder: Kein Urteil, bitte.

Weihnachten naht mit Riesenschritten –
und in der yogischen Welt macht sich die alljährliche Aufregung breit:

Weihnachten und die Adventszeit, das ist doch viel zu laut, zu wenig besinnlich, zu viel Konsum, nimm Abstand davon, kauf keine Geschenke, mach da nicht mit!

Aber warum eigentlich?
Ist es unyogisch, Weihnachten toll zu finden?
Ist es unyogisch, die Adventszeit mit der Familie oder Freund/innen zu genießen?

Was ist schlecht daran, kleine Geschenke für die Lieben vorzubereiten, sich daheim einzukuscheln, über einen Weihnachtsmarkt zu wandern und die strahlenden Gesichter zu betrachten, an einem regnerischen Sonntag einen Weihnachtsfilm anzuschauen, oder gemeinsam leckere Weihnachtskekse zu backen?

Ist nicht genau das der Kern von Yoga?
Das Rückbesinnen auf die Familie, auf die Ruhe, die Stille, auf jene, die man liebt und von denen man geliebt wird?
Der Blick auf eine brennende Kerze beruhigt selbst unstete Kinderherzen, man fühlt sich geborgen –
und nichts ist erfüllender als das Strahlen in den Augen der Familie zu sehen, wenn die Kekse auch wirklich schmecken, wenn der Christbaum erstrahlt und ein, zwei Geschenke ausgepackt werden dürfen.

Im Advent fühl ich mich auf meiner Yogamatte übrigens noch wohler als sonst –
im Kerzenlicht yogieren, leise Musik, vielleicht sogar ein paar Schneeflocken, die vor dem Fenster tanzen…
perfekt.
(Ja, ich liebe Weihnachten!)

Ich kann schon verstehen, dass die Weihnachtszeit stressig sein kann, viele Menschen kaufen viel zu viel, überall erschallt Weihnachtsmusik –
aber wir reden im Yoga immer davon, dass wir nur uns selbst ändern können, dass wir lernen müssen, mit dem Außen umzugehen, weil wir es eben kaum beeinflussen können, und dass wir nicht urteilen sollen.

Wenn der Advent dich also stresst, nimm dir eine Auszeit, gönn dir entspannte Minuten oder Stunden auf deiner Yogamatte –
und wenn du Weihnachten generell nicht magst, dann ist das natürlich ok so.
Niemand muss Weihnachten toll finden …
aber alle dürfen.

Also üben wir uns doch in Gleichmut.
Lassen wir anderen doch ihre Freude –
und wenn Weihnachten uns selbst nicht erfreut, dann erfreuen wir uns doch an der Freude der anderen.

Was kann es Schöneres geben?

#Namaste!

 

 

#Yoga kann nicht alles heilen – hört auf, das zu erzählen!

Vor knapp einer Woche diagnostizierte mein Hausarzt bei mir eine Nierenbeckenentzündung. Offenbar hab ich eine Blasenentzündung nicht bemerkt und deshalb verschleppt, die Nacht von Donnerstag auf Freitag war eher unschön, mittlerweile geht es mir aber wieder besser –
moderner Medizin sei dank.

Warum ich über dieses Thema schreibe?
Weil ich von mehreren Bekannten aus der Yogaszene gefragt wurde, wieso ich als Yogalehrerin überhaupt auf die Idee komme, wegen so etwas zum Arzt zu gehen und Medikamente zu nehmen.
Es gäbe doch so tolle Detox-Asanas, die meine Nieren entgiften, außerdem könne ich ayurvedische Tees trinken, tägliche Yoga-Praxis sei natürlich ein Muss, am besten viele Dreh-Haltungen, die ja meine Niere entgiften. Mit diesen Tipps würde ich rasch wieder gesund werden, immerhin könne Yoga ja alles heilen.

Blödsinn!

Eine Nierenbeckenentzündung wird von Bakterien ausgelöst, und Bakterien wird man (wie alles andere auch) mit Detox nicht los –
denn Detox gibt es nicht.
Eine bakterielle Infektion sollte mit Antibiotika behandelt werden, vor allem, wenn sie schnell verschwinden und nicht wiederkommen soll.

Ganz abgesehen davon, dass so etwas weh tut, und zwar sehr. 
Wer noch nie an einer Nierenbeckenentzündung litt, kann sich das nicht vorstellen:
Es ist, als würde jemand seine Finger in die Nieren bohren und fest zudrücken, man kann kaum atmen, und das macht Angst.
Abends eine Schmerztablette nehmen zu können und zu wissen, dass die Nacht schmerzfrei sein und man daher schlafen können wird, ist eine tolle Errungenschaft unserer Zeit, auf die wir stolz sein können.

Was ich aber wirklich entsetzlich finde, ist der Satz ‚Yoga kann alles heilen‘.
Nein, Yoga kann nicht alles heilen –
schon gar nicht, was von Bakterien oder Viren ausgelöst wurde, genetische Erkrankungen oder Krebs (auch das hört und liest man immer wieder).
Ja, Yoga kann unterstützen, vielleicht nicht so sehr die Heilung, aber die Psyche, Yoga kann die Seele streicheln, Yoga kann auch körperliche Leiden verbessern, Schmerzen im Rücken etwa, und es gibt Studien, die zeigen, dass Yoga bei psychischen Leiden wie Depressionen oder Angstzuständen Wunder wirken kann.

Doch Yoga kann nicht alles heilen! 
Wann immer du an etwas leidest, das den Einsatz von echten Medikamenten erfordert, dann vertrau deinem Arzt oder deiner Ärztin und befolge deren Rat.
(Homöopathie ist übrigens wirkungslos und zählt nicht zu echten Medikamenten, und ein Heilpraktiker ist kein Arzt.)

Wir als Yogalehrende sollten uns nicht herausnehmen, medizinische Ratschläge zu geben, immerhin ist Medizin ein eigenes Studium, wir aber haben nur ein Yoga Teacher Training hinter uns.
Und wir sollten den Satz ‚Yoga kann alles heilen‘ ganz dringend aus unserem Sprachgebrauch verbannen –
unseren Yogi/nis zuliebe.

Ich hab mich übrigens nur bedingt an die Ratschläge meiner Bekannten gehalten. Stattdessen schluck ich brav die Medikamente, die mir mein Arzt verschrieben hat, trink sehr viel Tee (und ja, da sind auch ein paar ayurvedische dabei), sitz abends in der Badewanne und trag ständig mein Lieblingskleidungsstück, das kidneykaren, weil es wunderbar warm hält.
Dreh-Haltungen hab ich gar keine geübt in den letzten Tagen, die tun nämlich höllisch weh, wenn die Nieren schmerzen, und wenn überhaupt, dann hab ich nur ganz sanft yogiert, damit der Rücken entlastet wird und ich ein wenig zur Ruhe komme.

Denn ich bin davon überzeugt:
Wir sollten uns nicht von den Erkenntnissen der modernen Medizin, der modernen Wissenschaft abwenden. Rückbesinnung kann etwas Gutes sein, wer erkältet ist, dem wird Ingwertee natürlich guttun, aber das darf nicht bedeuten, dass wir allem entsagen, wo Medizin draufsteht.

Wär es nicht viel Sinnvoller, beides zu kombinieren?
Ich find ja schon!

#Namaste!

 

Geschenke? Lieber eine #Spende, bitte!

Endlich ist Dezember!

Heute durfte das erste Türchen vom Adventskalender geöffnet werden, die Vorfreude auf Weihnachten wächst bei groß und klein.
Bevor bei uns daheim aber so richtig Weihnachtsstimmung aufkommt, feiern wir noch den Geburtstag meiner mittleren Tochter –
und am 15. auch meinen.
Deshalb möchte ich dich schon heute auf meine Geburtstags-Spendenaktion für die St. Anna Kinderkrebsforschung aufmerksam machen.

Bis 18. Dezember hast du die Möglichkeit, auf Facebook an meiner Spendenaktion mitzumachen.
Egal, wie viel oder wenig du geben kannst oder möchtest:
Jeder Euro zählt!

Danke!

* * *

Du bist nicht auf Facebook?
Kein Problem, auch dann kannst du mitmachen!

Hier kannst du direkt an St. Anna spenden, oder hier ein entzückendes Kuscheltier kaufen.
Alle nötigen Infos findest du hier.
Danke!

Ein yogisches Hilfsmittel aus der Kosmetikabteilung? Na logisch!

Letztens baten einige Damen in der Donnerstags-Yogastunde um eine spezielle Einheit –
eine für die Füße.

Eine wunderbare Idee –
immerhin vergessen wir gern, was unsere Füße für uns leisten:
Wir stehen den ganzen Tag auf ihnen, zwängen sie in enge, vielleicht sogar hochhackige Schuhe, ständig sind sie von Stoff bedeckt und kommen kaum an die frische Luft.
Warum nicht eine eigene Yogastunde machen, in der wir uns für diese wundervolle Arbeit bedanken?

Im Sommer haben’s unsere Füße leichter –
sie dürfen ohne Socken außer Haus, sogar meist in offenen Schuhen, und sie spüren auch mal das Gras an ihrer Haut.

Im Winter aber, da sieht die Sache ganz anders aus –
wir tragen immer Socken (manchmal sogar nachts, wenn es ganz besonders kalt ist), die Füße stecken in dicken Schuhe, und der rutschige Boden draußen erfordert wahre Kunststücke, damit wir nicht über jeden Schneehaufen purzeln.
Und obwohl unsere Füße so viel für uns tun, vergessen wir sie gerne.
Schade, eigentlich.

Darum freu ich mich besonders auf die morgige Stunde im Seniorenbund Salzburg
wir werden uns ganz intensiv mit unseren Füßen beschäftigen, werden sie kneten und massieren, wir werden sie dehnen und strecken und falten …
und ein ganz besonderes Hilfsmittel benutzen, eines, das du vermutlich eher aus der Nagellackabteilung deines Drogeriemarkts kennst:

Zehentrenner!

Ich muss gestehen:
Ich schätze diese Teile mittlerweile wirklich sehr!
Gar nicht so sehr zum Nägellackieren, nein, sondern um meinen Füßen und Zehen etwas Gutes zu tun. Dandasana oder Uttanasana fühlen sich komplett anders an, wenn diese Zehentrenner die Zehen spreizen. Manchmal lasse ich sie sogar während Janu Sirsasana drin.
Und das Schönste ist das Gefühl, wenn man die Zehentrenner nach einigen Minuten entfernt und plötzlich ein ganz anderes Gefühl in den Füßen hat.
Probier es mal aus!

Aber Vorsicht:
Mach es gerade anfangs nicht zu lange. Probier erst mal aus, ob es dir überhaupt gut tut, und wenn ja, wie lange.
Weniger ist meistens mehr, gerade im Yoga!

Wenn wir morgen in der Fuß-Stunde dann die Zehentrenner entfernt haben, gönnen wir unseren Füßen eine sanfte Massage, natürlich mit Fußcreme –
denn gerade im Winter freuen sich die Füße über eine Extraportion Feuchtigkeit.

Socken drüber –
und Savasana  kann kommen.

#Namaste!

 

Black Friday? Nein danke. #SeiKeinWerbeopfer!

Heut ist er wieder, dieser ominöser Freitag, an dem viele Menschen komplett durchdrehen und sich um Dinge prügeln, die sie eigentlich gar nicht brauchen.
Der Schwarze Freitag kommt aus den USA und ist immer der Freitag nach Thanksgiving –
eigentlich ein Familientag, und (leider) auch der Start in die Weihnachtseinkaufsaison.

Viele Läden öffnen schon in den frühen Morgenstunden und bieten (vermeintliche) Rabatte und Sonderaktionen. In Österreich und Deutschland findet der Black Friday aber vor allem online statt.

Der Verbraucherschutz kritisiert, dass die Rabatte künstlich aufgeblasen werden –
oft berechnen sich die Rabatte von der unverbindlichen Preisempfehlung, die meist über dem tatsächlichen Marktpreis liegt. Wer mit anderen Anbietern vergleicht, stellt dann fest, dass der Rabatt nicht so groß ist wie erhofft …
was wenig verwundert:
Die Läden wollen uns nichts schenken, sie wollen ein Geschäft machen.

Dennoch sind Bilder wie diese keine Seltenheit:

Ich muss gestehen:
Mich macht das jedes Jahr fassungslos.

Menschen streiten sich um Dinge, die sie in den allermeisten Fällen nicht brauchen und die sie sich im schlechtesten Fall auch nicht leisten können.
Und wenn ich mir ansehe, wie viel Verpackungsmüll allein an diesem einen Tag entsteht, dann frag ich mich schon:
Muss das wirklich sein? Könnten wir nicht auch ein bisschen an die Umwelt denken?

Ja, klar, auch ich kauf Geschenke für meine Lieben, aber ich hab da einen super Trick:
Ich kauf sie das ganze Jahr über.
Immer dann, wenn ich etwas entdecke, das jemandem eine Freude macht, greif ich zu. Das erspart mir einerseits vorweihnachtlichen Geschenkestress, andererseits schont es auch die Geldbörse –
denn ich kauf nicht dann, wenn mir jemand einredet, dass ich es tun muss und mich mit vermeintlichen Rabatten lockt, ich kauf dann, wenn der Preis wirklich gut ist.
(Wir alle wissen doch, dass nach Weihnachten die meisten Dinge weitaus günstiger sind als davor.)
Und noch viel wichtiger:
Ich kaufe das, was ich kaufen möchte, und nicht irgendwas, nur weil billig draufsteht.

Anstatt mich heute in Einkaufszentren von den Massen niederrennen zu lassen oder im Internet Dinge zu kaufen, die ich bei genauem Hinsehen gar nicht brauche, gestalte ich den Black Friday im ursprünglichen Sinn –
als entspannten Familientag:

 

Achtsamkeit ist nichts, was nur auf der Yogamatte stattfindet –
Achtsamkeit zieht sich durch das gesamte Leben. Und zwar nicht nur von Menschen, die Yoga üben –
jede/r kann und sollte achtsam sein im Tun.

Brauchen wir wirklich 15 verschiedene Outfits, um Yoga zu üben?
Brauchen wir wirklich ein neues Handy, wenn das alte noch gut funktioniert?
Und brauchen wir wirklich ein Ding aus der Wühlkiste, nur weil jemand anderer es zuerst gesehen hat?

Eigentlich nicht, oder?

#Namaste!

* * *

Übrigens:

Das soll kein Aufruf zum Nicht-Shoppen sein!
Einkaufen ist notwendig, kann Spaß machen –
und gerade Geschenke kaufen ist toll!

Wenn einkaufen aber zum Stress wird und ob der Menschenmassen sogar gefährlich, dann ist es an der Zeit, innezuhalten, umzudenken und nicht wie ein Lemming der Masse nachzulaufen.

 

Was aus meinem #Plastikfrei-Experiment geworden ist. (Mit Video!)

Vor einiger Zeit hab ich ja beschlossen, Müll und Plastikmüll im Speziellen zu reduzieren.

Und ich muss gestehen:
Es läuft hervorragend.

Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, umso einfacher wird es, Einweg-Plastik im Alltag zu vermeiden und andere davon zu überzeugen, es auch mal zu probieren und mit Kleinigkeiten wie Einweg-Strohhalmen zu beginnen –
ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder den Anspruch, besser oder moralisch wertvoller zu sein.
Nein, mir geht es tatsächlich nur darum, anderen zu zeigen, dass es möglich ist, weniger Müll zu produzieren, und dass wir alle gemeinsam etwas bewirken können.

Was ich aber vor allem in die Welt tragen möchte, ist die Tatsache, dass plastikfrei allein die Welt nicht retten wird, dass es einen großen Unterschied zwischen Einweg-Plastik und Mehrweg-Plastik gibt –
und dass der ökologische Fußabdruck, den wir alle hinterlassen, noch viel wichtiger ist, auch wenn er die Sache ein wenig komplizierter werden lässt.
Immerhin macht es einen großen Unterschied, ob ich in Österreich eine Glas- oder eine Plastikflasche kaufe und ob diese vielleicht sogar mit dem LKW oder dem Flugzeug hergeflogen ist.
(Spoiler: Die recyclebare Plastikflasche ist meist besser für die Umwelt, sofern sie auch wirklich recycelt wird.)
Und ob es wirklich sinnvoll ist, mit dem Flugzeug um die Welt zu jetten und Vorträge zum Thema Zero Waste zu halten, darf ebenso bezweifelt werden wie der Tipp, Müll einfach im Laden zu lassen –
das hinterlässt nur ein reines Gewissen, weil man den Müll nicht mit nach Hause nimmt, mehr nicht.

Du merkst, mir liegt das Thema wirklich am Herzen, deshalb durfte ich dazu sogar ein Interview geben:

 

Das ganze Interview findest du hier zum Nachlesen –
und es gibt mich sogar in Bild und Ton, bitte sehr:

Gemeinsam können wir es schaffen, die Welt ein kleines Stück besser zu machen –

machst du mit?

#Namaste!

#MeToo im #Yoga? (Ein #Aufschrei)

In den letzten Wochen hörte man in den Medien immer wieder von einem Missbrauchs-Skandal bei Agama Yoga
Frauen und Männer berichten von sexuellen Übergriffen, von sektenähnlichen Machtstrukturen und heilenden Therapien, die sich in Wahrheit als Sex mit dem Guru haben müssen entpuppten.

Wer sich jetzt fragt, wie etwas so Schreckliches gerade in einem vermeintlich so achtsamen Umfeld wie der Yogaszene passieren kann, dem möchte ich gerne eine Antwort darauf geben:
Das unerträgliche Schweigen macht’s möglich.

Denn:
Niemand aus meinem engeren Yoga-Umfeld –
ich wiederhole: niemand! –
hat auch nur ein Sterbenswörtchen dazu gesagt.
Und auch sonst kaum jemand.

Und ich meine damit nicht die Opfer, deren Schweigen nur allzu verständlich ist, nein:

Ich meine alle, die davon wissen und nichts dazu sagen, keinen Einspruch erheben.

Die vorwiegend weiblichen Yogalehrenden, die merken, was in manchen Yogastudios abgeht.
Die Yogalehrenden, die in den thailändischen Ashrams arbeiten und absichtlich wegsehen.
Jene, denen kein Es tut mir leid oder Kann ich dir helfen? über die Lippen kommt.
Nicht einmal ein Wir müssen da über etwas reden.
Und auch jene, die im Nachhinein sagen: Ja, davon hab ich gewusst.

Warum habt ihr dann nichts gesagt?!

Im Yoga reden wir immer davon, dass wir nur uns selbst ändern können, dass wir die Welt um uns deshalb akzeptieren müssen, weil uns ja gar nichts anderes übrig bleibt, wir fokussieren auf das, was in uns selbst stattfindet.
An sich ein gutes Konzept …
ändern können wir ja wirklich nur uns selbst.
In meiner Ausbildung aber sagte der Mann, der uns yogische Philosophie lehren sollte, dass wir uns emotional abkoppeln müssen von dem, was im Außen passiert, weil wir ja nur das Innen beeinflussen können –
und ich fand den Gedanken so unfassbar schlimm.
Warum?

Genau wegen Vorfällen wie jenen im Agama Yoga.

Vielleicht kann ich nur mich selbst ändern, mag sein, und ja, daran arbeite ich auch jeden Tag –
aber ich kann sehr wohl auch beeinflussen, wie es den Menschen rund um mich geht. Ich kann beeinflussen, was Menschen erleben, was sie wissen, ich kann ein Vorbild sein und anderen den Rücken stärken.
Und ich kann helfen.
Denn ich bin zwar Yogalehrerin, vor allem aber bin ich Frau, Mutter, Freundin und Kämpferin –
und ich finde, wie dürfen uns nicht vor der Verantwortung drücken und auf uralte yogische Philosophien verweisen, auch wenn wir Angst haben, wenn es schwierig ist, wenn wir nicht mehr weiter wissen.

Denn dieses Schweigen ist einfach nur feige –
und es hilft den Tätern in ihrem Tun.
Das kann ja wirklich niemand wollen, oder?

#Namaste.

* * *

Die Presse hat über Agama Yoga geschrieben, im Speziellen auch über das Studio in Linz. Mittlerweile ermittelt sogar schon die Staatsanwaltschaft.
Und ja, ich hab was dazu gesagt, denn ich hatte etwas zu sagen.
Ich bin knapp 40 Jahre alt und habe mehr als einmal (auch sexuelle) Übergriffe erlebt, wie vermutlich die Mehrheit aller Frauen –
nichts zu sagen ist in diesem Fall einfach keine Option.

Vielleicht ist Reden silber und Schweigen gold, auf viele Situationen im Leben mag das zutreffen –
im Fall von sexuellem Missbrauch aber gilt diese Regel nicht, da gibt’s nur eins, was hilft:

Drüber reden!

* * *

UPDATE:

Ich habe mich dazu entschieden, öffentlich mit meinem Namen gegen den Missbrauch einzutreten
danke an die Presse für diese Möglichkeit.

Nur unser gemeinsamer Aufschrei kann diese Machtstrukturen durchbrechen und aufzeigen, was hinter den Kulissen gespielt wird –
ein Spiel, das wir endlich beenden müssen!

Ich muss beweisen, dass ich stricken kann? oder: Warum sich #YTTs ändern müssen.

Seit einigen Wochen häufen sich wieder die Einladungen zu Yoga Teacher Trainings, die jetzt im Herbst oder kommenden Frühling losgehen.
Ich könnte, wenn ich wollte, aus einer breiten Palette von meist recht teuren Ausbildungen wählen, viele davon klingen so toll, dass man sich fragt, warum sie nur ein paar Tage dauern, manchmal sogar nur ein Wochenende lang.
Mittlerweile bieten auch Institutionen Yogaausbildungen an, die eigentlich wenig bis gar nichts mit Yoga am Hut haben –
Tanzstudios, das WIFI, sogar Privatpersonen, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie überhaupt Yoga machen.

Ein meiner Meinung nach grundlegendes Problem an all diesen Ausbildungen hab ich hier schon genauer beschrieben, seit ich aber vor allem ältere Menschen unterrichte, hab ich erkannt, dass es eigentlich ein viel größeres, weil gefährliches Problem gibt:
Es fehlen wirklich wichtige Inhalte.

Etwa die genaue Anatomie des Menschen, der Umgang mit physischen Krankheiten, und natürlich auch der mit psychischen Problemen.
Vor allem aber fehlt mir die Abkehr von althergebrachten Traditionen, die zwar interessant zu wissen, für den Unterrichtsalltag aber keine Hilfe sind –
irreführende Ausdrücke, Anweisungen, die nicht mehr zeitgemäß sind, Haltungen und Bewegungen, die früher als heilsam galten, von denen man heute aber weiß, dass sie eigentlich schaden, und die unsägliche Annahme, dass Yoga alles heilen kann.

 

 

 

Ich verbringe viel Zeit damit, Yoga-Magazine und -Bücher zu lesen, analog und digital, ich speichere jeden Artikel, der mit uralten Mythen aufräumt, und alles, was mit der körperlichen Gesundheit von Menschen zu tun hat, kommt überhaupt in einen eigenen Ordner, damit ich es sofort abrufen kann, wenn ich es brauche –
und ich brauche es ziemlich oft.
Das Unterrichten hat nämlich gezeigt, dass die Mehrzahl der Yogi/nis mit Problemen zu kämpfen hat und genau deswegen zum Yoga kommt. Egal, wie alt die Menschen sind, jede/r von ihnen hat ein Thema, das belastet, ein Thema, das ich als Yogalehrerin kennen sollte, gar nicht so sehr, um den Menschen zu helfen, sondern vor allem, um das Thema nicht zu verschlechtern. Die wenigsten meiner Kolleg/innen sind ausgebildetete Physio- oder Psychotherapeut/innen, ich leider auch nicht, obwohl das sicher kein Fehler wäre, denn (ich wiederhole mich):
Die wenigsten Menschen kommen zum Yoga, weil es ihnen so gut geht.

In meinen bisherigen Stunden hab ich schon eine Menge Themen gesehen:
angefangen von den klassischen Rückenproblemen über Bandscheibenvorfälle, Gelenksbeschwerden und Migräne, bis hin zu Osteochondrose und anderen Krankheitsbildern, von denen ich bisher noch nie gehört habe.
Außerdem treff ich häufig auf Verdauungsstörungen, hatte schon mehr als ein/en Yogi/ni mit Depressionen und Burn Out, jemand mit Borderline-Persönlichkeitsstörung besuchte einen Kurs, ich habe zwei Mal eine Panikattacke während des Unterrichts miterlebt, und auch Magersucht ist ein allgegenwärtiges Thema.
(Ich möchte hier aber darauf hinweisen, dass ich nicht übermäßig viel unterrichte und vermutlich auch nicht alle immer erzählen, woran sie wirklich leiden.)
Davon abgesehen hat jede/r von uns einen ganz eigenen Körperbau, was also auch bedeutet, dass manche Asanas rein anatomisch gar nicht machbar sind –
auch das ist etwas, was noch nicht zu vielen Yogalehrenden durchgedrungen ist.
(Mit ein Grund, warum ich nicht mehr allzu oft Yogakurse besuche.)

Mittlerweile hab ich es mir angewohnt, sehr genau nachzufragen, welche Themen es gibt, und da ich das Glück habe, Gruppen von höchstens 15 Menschen unterrichten zu dürfen, klappt das auch sehr gut –
die Menschen kennen sich untereinander und haben auch zu mir Vertrauen gefasst, am Anfang der Stunde erzählen wir uns immer, wie es uns gerade geht und welches vielleicht neue Thema sich ergeben hat. Stunden mit bis zu 30 (oder sogar mehr) Menschen möchte ich gar nicht mehr halten, einfach weil ich mittlerweile weiß, wie wichtig es ist, die Menschen und ihre persönlichen Bedürfnisse zu kennen.

 

Wenn jemand von einem Problem berichtet, dem ich noch nicht begegnet bin, ist meine Vorgehensweise immer dieselbe:
Ich schlage in Fachbüchern nach, ich befrage das Internet, ich kontaktiere die Ärztin meines Vertrauens, und manchmal frag ich auch einen Physiotherapeuten, der mir gern weiterhilft, denn die Menschen in den Yogastunden erwarten, dass ich weiß, was ich da tu, dass es ihnen gut geht, wenn sie nach Hause gehen, und dass die Beschwerden eher besser als schlechter werden.
Und jedes Mal, wenn ich dann zu Hause sitze und nachlese und lerne, wundert es mich ein wenig, dass diese Probleme in Yogaausbildungen so wenig Platz bekommen, dass der Fokus viel zu sehr auf der eigenen Yogapraxis liegt, und dass wir Mythen weitergeben und Praktiken beibehalten, die rein fachlich gesehen einfach falsch sind und Menschen schaden können –
etwas das unleidige Aufrollen der Wirbelsäule nach einer Vorbeuge.
Hätte ich den verlinkten Artikel nicht gelesen, ich würde diese Übung noch immer selbst so machen und natürlich auch weitergeben, und vermutlich hätten die Yogi/nis mit Rückenleiden wenig Freude daran, vor allem an den Folgen.
Oder auch das Öffnen der Hüften, ein Ausdruck, der in Yogastunden gern verwendet wird, der aber irreführend ist, weil ein Öffnen der Hüfte bei vielen Menschen rein anatomisch gar nicht möglich ist.
Ach, und die Mär, dass wir Frauen während unserer Periode keine Umkehrhaltungen machen dürfen, weil das Blut sonst in den Bauchraum zurückfließt (wo es eigentlich nie war und was anatomisch nicht möglich ist), sollten wir endlich aus unseren Yogastunden verbannen – jede/r Gynäkolog/in wird bestätigen, dass das Quatsch ist. Solange sich eine Haltung gut anfühlt, darf sie auch gemacht werden …
bei Bauchschmerzen während der Periode fühlen sich Umkehrhaltungen aber oft nicht so klasse an, dann meidet frau sie eben, ganz einfach.
(Und sollte unerwarteterweise wirklich mal irgendwas an eine Stelle fließen, wo es nicht hingehört, dann kann unser Körper das schnell und einfach von dort entfernen. Meine Gynäkologin hat das bestätigt – und nicht nur sie.)

Mir ist natürlich klar, dass nicht jedes Krankheitsbild in einem Teacher Training angesprochen werden kann, aber ich finde es trotzdem sehr schade, wie wenig sich die Ausbildungen an neuen Erkenntnissen orientieren.
Stattdessen werden Mythen gelehrt, die mit den realen Gegebenheiten nichts zu tun haben, und damit meine ich gar nicht Dinge wie die Vorstellung von Chakras oder Prana, die zwar keine wissenschaftliche Basis haben, die aber eng mit der Yogatradition verbunden sind und recht einfach auf die Realität übertragen werden können, nein, ich meine faktisch falsche Dinge wie das Aufrollen der Wirbelsäule, mit denen ich meinen Yogi/nis wirklichen Schaden zufüge, selbst denen, die einen gesunden Rücken haben.

 

 

Wir sollten langsam darüber nachdenken, Teacher Trainings anders anzulegen –
und zum Beispiel nur Menschen zulassen, die auch wirklich selbst Yoga praktizieren, oder vielleicht ganz einfach eine Trennlinie ziehen zwischen Ich mache das YTT nur für mich und Ich möchte gerne unterrichten.
In meinem YTT wurde sehr viel Zeit damit verbracht, einzelne Asanas zu lernen – nicht, wie man sie lehrt, sondern wie man sie macht, einfach weil es einige gab, deren eigene Yogapraxis aus den Wochenenden des Teacher Trainings bestand. Die Anatomieeinheiten fanden dafür nur an wenigen Tagen statt, da musste ich sehr viel selber nachlernen.

Das ist natürlich ok so, ich lerne ja gerne selber nach und mache Workshops, aber manchmal, wenn ich im Unterricht stehe und jedem Anwesenden eine eigene Variation einer Haltung anbiete, weil es die körperlichen Gegebenheiten eben so erfordern, da wäre ich froh um eine genauere Grundausbildung. Einfach, weil nicht alle solche Streberinnen sind wie ich, weil wir uns endlich klar machen müssen, dass wir mit der Gesundheit von Menschen arbeiten, und dass diese eng verbunden ist mit dem Wissen, das wir haben –
oder eben nicht.
Ein Wochenend-Teacher Training kann vermutlich nicht einmal die Grundbegriffe vermitteln, geschweige denn eine fundierte Ausbildung bieten, und dennoch darf in Österreich jede/r Yoga unterrichten, ganz egal, was er oder sie gelernt hat.

#Funfact:
Wenn ich am Christkindlmarkt selbst gestrickte Hauben verkaufen möchte, brauche ich einen Gewerbeschein und muss bei der Wirtschaftskammer beweisen, dass ich stricken kann.
Wenn ich aber Yoga unterrichten möchte, brauche ich weder einen Gewerbeschein noch kontrolliert jemand, ob ich eigentlich weiß, was ich da tue – obwohl es um die Gesundheit der Menschen geht.

So richtig logisch ist das nicht, finde ich.

#Namaste!