Was Yogalehrer/innen während Savasana tun – und warum ich das nicht mache.

Vergangenes Wochenende hab ich einen Artikel gelesen: Was Yogalehrer/innen machen, während die Yogi/nis in Savasana entspannen
ein Artikel, der mich etwas ratlos zurückgelassen hat.

Savasana, die Totenstellung, ist eine Entspannungshaltung, bei der man meist auf dem Rücken liegt, mit geschlossenen Augen und möglichst ruhiger Atmung. Es gibt in dieser Haltung nichts zu tun, außer entspannt zu atmen und (yogisch gesprochen) die während der Yogapraxis aufgebauten Energien (Prana) wirken zu lassen (in den Nadis, den Energiekanälen, zu speichern).
Meist hat man in Savasana damit zu kämpfen, dass störende Gedanken im Kopf kreisen, die man nur schwer wieder los wird –
was der oder die Unterrichtende währenddessen tut, darüber hab ich mir früher nie Gedanken gemacht.
Ich wär allerdings auch nie auf die Idee gekommen, dass da überhaupt irgendetwas getan wird, eine kleine Internet-Recherche allerdings zeigt, dass ich dabei nur von mir auf andere schließe.

Wenn ich Instagram glauben darf, dann machen so gut wie alle Yogalehrenden, auch die bekannten, Selfies, während ihre Yogi/nis sich entspannen. Auch ich hab das mal gemacht, ganz zu Beginn, als ich froh war, als Jung-Lehrerin die Yogastunde überlebt zu haben und mich noch sehr an berühmten Yogalehrenden orientiert habe –
und ich hab das exakt drei Mal gemacht.
Dann ist mir bewusst geworden, wie verrückt das eigentlich ist:
Alle sollen sich entspannen, sollen nach innen blicken, die Yogapraxis wirken lassen und sich dabei beschützt fühlen –
und ich fotografiere sie dabei? Wo bleibt da der Respekt den Yogierenden gegenüber, die Wahrung der Privatsphäre, das Lass dich in die Entspannung fallen, ich pass auf dich auf?

Von der Sekunde dieser Erkenntnis an hab ich keine Fotos mehr gemacht, von niemandem, höchstens mal ein Gruppenfoto, das sich Menschen nach einer gemeinsamen Yogapraxis wünschen. Und jedes Mal, wenn ich sehe, wie Yogalehrende auf Instagram live berichten, wie die Stunde war, während Dutzende Menschen reglos auf ihren Matten liegen, erinnere ich mich an jene drei Fotos, die auch ich gemacht habe, und schäme mich ein bisschen.

Andere Yogalehrende wollen Savasana für ihre Yogi/nis besonders ansprechend gestalten und überlegen sich allerhand Firlefanz: Sie massieren mit ätherischen Ölen, streichen Schultern aus und bewackeln Beine, sie räuchern die ganze Zeit mit vermeintlich wohltuenden Kräutern und berühren besondere Punkte, die Energien freisetzen sollen. Dazu wird gesungen, Musik abgespielt oder mit diversen Instrumenten gespielt, nicht nur kurz, sondern minutenlang.
Ich kann hier natürlich nur von mir sprechen, ich hab das alles schon erlebt, aber ich muss gestehen:
Ich finde es schrecklich.

Wenn ich in der Totenhaltung liege, richte ich mich in einer Haltung ein, die sich gut anfühlt und die mein Körper zu brauchen scheint, ich leg mir ein Kissen unter die Kniekehlen und decke mich manchmal zu –
und dann lieg ich da und versinke in mich, spüre die tiefe Ruhe und eine Stille, die fast körperlich spürbar ist, weil sie so laut zu sein scheint.
Ich möchte in Savasana meine Ruhe haben, jede Berührung lässt mich zusammenzucken, egal ob an den Schultern oder an angeblich energetischen Punkten. Musik lenkt mich ab, manchmal, weil ich den Song mag und unweigerlich beginne, mitzusummen, manchmal aber auch, weil der Song furchtbar ist und ich mir noch schwerer als sonst tue, zu entspannen.
Ätherische Öle sind mir meistens viel zu intensiv, und mit dem Räuchern ist es so eine Sache: Kurz, zu Beginn, ist es super, aber minutenlang während Savasana? Nein danke.

Savasana heßt auch deshalb Totenstellung, weil Tote nichts mehr tun –
sie sprechen nicht, bewegen sich nicht, sie denken nicht, sie riechen nichts.
Tote liegen einfach nur da.
Und genau das ist der Sinn von Savasana:
einfach nur dazuliegen, einfach nur zu sein, ohne irgendeine Ablenkung im Außen.
Mir ist klar, dass diese Stille für viele Menschen eine Herausforderung ist, weil wir das so nicht mehr kennen. Für mich war Savasana früher eine wahre Qual, ich war froh, wenn’s endlich vorbei war …
und heute liebe ich es, bin froh, wenn mich nichts in der Entspannung stört, nicht mal das Ticken einer Uhr.
Dass Nichtstun in Savasana aber auch für Unterrichtende eine Qual zu sein scheint, überrascht mich.

Was ich mache, während alle anderen in Savasana entspanne?
Das ist leicht erklärt: Nichts.

Während sich meine Yogi/nis für Savasana einrichten, sag ich noch leise an, welche Optionen es für sie gibt –
Socken anziehen, eine Jacke anziehen, in eine Decke wickeln, ein Kissen unter die Kniekehlen legen. Manche liegen in Savasana am Bauch, weil ihre Anatomie es so fordert, andere legen die Beine auf einen Sessel, auch das sag ich an. Wenn dann alle eine gute Haltung gefunden haben, führe ich sie in eine Entspannung, gebe Tipps, wie sie unliebsame Gedanken wegatmen können –
und dann bin ich still.
Manchmal sage ich eine Muskelentspannung an und entlasse sie danach in die Entspannung, manchmal gibt’s zum Einstimmen auf die Entspannung noch musikalische Untermalung mit einem Koshi-Klangspiel –
ab diesem Moment jedoch ist jede/r allein mit sich selbst auf der Matte. Allein mit dem eigenen Atem, den eigenen Gedanken, ganz für sich. Manchmal höre ich, wie jemand laut ein- und ausatmet, und dann weiß ich: Da atmet gerade jemand unliebsame Gedanken weg.

Ich sitze währenddessen auf meiner Matte, in eine Decke gewickelt, und bin still.
Ich bewege mich nicht, weil das Geraschle sehr störend sein kann, ich trinke nicht, weil man auch das hört, ich berühre niemanden und spreche nicht, ich greife nicht zu meinem Handy, denn das liegt die ganze Stunde über versteckt in meiner Tasche, ich atme nur ganz leise –
die einzige Bewegung, die ich noch mache, ist eine Verbeugung:
Wenn alle still liegen, wenn ich merke, dass wirklich alle in der Entspannung angekommen sind, verbeuge ich mich vor ihnen und bedanke mich innerlich für die wundervolle Stunde.

Das war’s.
Für die nächsten Minuten sitz ich dann da, blicke auf meine Yogi/nis, manchmal auch aus dem Fenster, oder ich schließe die Augen. Irgendwann greife ich zu meiner Klangschale und erwecke die Schlafenden mit sanften Tönen.
Ich berühre niemanden, dränge niemandem einen Duft auf, ich reibe keine Energiepunkte, an die weder ich noch meine Yogi/nis glauben, und ich spiele keine Musik ab, die den eigentlich Sinn von Savasana in den Hintergrund treten lässt:

einfach mal das Nichts genießen.

#Namaste

* * *
Mir ist natürlich klar, dass es Menschen gibt, die sich in Savasana nur allzu gerne ablenken lassen, dass es Menschen gibt, für die es eine Qual ist, still auf der Matte liegen zu müssen und sich mit nichts außer sich selbst zu beschäftigen –
aber eins ist für mich klar:
Gerade diese Menschen brauchen die Stille, die Erkenntnis, dass sie selbst genug sind
das kann wirklich befreiend sein!

 

Von nacktem Yoga und Feminismus – oder: Muss das sein?

In den sozialen Medien gibt es ein neues Phänomen, das mich als Feministin der alten Schule ein wenig ratlos hinterlässt:
In jeder erdenklichen Situation lassen Frauen aus vermeintlich feministischen Gründen die Hüllen fallen und beschweren sich dann darüber, sexualisiert zu werden.

Da ist zum Beispiel die üppige Yogini, die Yoga bevorzugt halbnackt an öffentlichen Plätzen praktiziert, die Fotos von sich postet, wie sie meditiert (natürlich barbusig, nur mit durchsichtigem Jäckchen bekleidet) –
und die in jedem Text schreibt, wie entsetzlich es ist, dass Frauenkörper sexualisiert werden, und welch eine Schande es ist, wenn ein Mann einer Frau auf den Busen schaut.
Gilt das aber auch, wenn Frau diesen Busen freiweillig zur Schau stellt?
Wer fragt, warum frau Yoga nackt praktizieren muss, um feministisch zu sein, wird kommentarlos blockiert. Die mehr als 600.000 Follower bejubeln jedes dieser Fotos –
die Frage ist nur: Hat diese Dame vielleicht wegen ihrer Nacktfotos so viele Follower?

Es gab auch Aufregung um ein bisher unbekanntes Model, das für Geld Nacktfotos von sich verschickt und den so gesammelten Betrag an australische Hilfsorganisationen spendet, die Buschbrände bekämpfen –
während sie sich gleichzeitig beschwert, dass Männer sich nur für ihren Körper, nicht aber ihre Persönlichkeit interessieren.
Für Australien zu spenden ist eine gute Sache, wer sich dafür ausziehen möchte, kann das natürlich tun, die Frage ist nur:
Warum beschwert frau sich dann, dass Männer sich nur für ihren Körper interessieren? Sie könnte ja auch Gedichte verschicken.

Seit ich diesen Trend beobachte, denke ich darüber nach, es beschäftigt mich wirklich.
Ich verstehe daran nämlich so einiges nicht –
obwohl ich mich wirklich bemühe.

Wer in sozialen Medien Bilder von sich postet, zeigt manchmal mehr Haut, manchmal weniger.
Ich persönlich wähle meistens Bilder, auf denen ich bekleidet bin –
manchmal ist aber auch bei mir ein Bikinifoto aus dem Urlaub dabei:

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💖 wir frauen hören ständig, dass wir nicht dünn genug sind – oder zu dünn. wir sind zu wenig geschminkt – oder zu viel. wir kleiden uns zu sexy – oder viel zu bieder. manchmal hat es den anschein, dass jede/r meint, sich einmischen zu dürfen in das leben anderer, in dinge, die nur uns allein betreffen. 𝗹𝗮𝘀𝘀 𝗱𝗮𝘀 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝘇𝘂! sei du selbst, lebe so, dass es sich für dich gut anfühlt … egal, was andere sagen! ich hab übrigens was über #bodyshaming im yog auf dem blog geschrieben. [link in bio] 💖 . . . . . #BeYou #sobinicheben #bikinigirl #heilerde #krk #embraceyourself #siblandthewheel #salzburg #igerssalzburg #beproudofyourself #loveyourself #thinshaming #selfie #ichmagmich

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Was ich aber nicht verstehe, ist die Tatsache, dass die Nacktbilder in den oben genannten Fällen einem leicht erkennbaren Zweck dienen, der jedoch vehement geleugnet wird:
Reichweite zu erzeugen und damit Geld zu verdienen.

Dabei ist das doch vollkommen legitim, jede/r wählt für sich den Weg, den er oder sie eben gehen will.
Wenn sich jemand gerne halbnackt zeigen möchte und dadurch auch noch die Anzahl der Follower steigert, dann ist das doch wunderbar.
Warum muss dann aber so getan werden, als wäre es furchtbar, dass die Menschen sich diese nackten Tatsachen dann auch ansehen? Wurden sie nicht genau aus diesem Grund fotografiert?
Der weibliche Busen ist nun mal ein sekundäres Geschlechtsmerkmal, dafür geschaffen, Partner/innen anzulocken. Wenn ich meinen Busen in eine Kamera halte, wird jemand hinschauen und sich vielleicht sexuell angeregt fühlen.
So einfach ist das eigentlich –
ein Busen ist eben kein kleiner Finger.

Spannend wird es für mich aber dann, wenn das Nacktsein in der Yogawelt ankommt –
denn #SexSells und Yoga haben eigentlich keine Gemeinsamkeiten.
Im Yoga geht’s um den Blick nach innen, darum, das Außen nicht mehr so wichtig sein zu lassen, zu erkennen, dass das eigene Innere immer wichtiger ist als all der Wahnsinn rund um uns herum.
Nacktbilder erfüllen jedoch nur eine Aufgabe: Aufmerksamkeit im Außen zu erzeugen.

Niemand macht Nacktbilder beim Yoga und postet diese auf Instagram, nur für sich selbst.
Niemand macht Nacktbilder beim Meditieren, auf denen man mehr sieht, als man bei fremden Menschen sehen möchte, nur für sich selbst.

Ich finde Nacktsein super, ich brauch dafür zwar keine Zuschauer/innen, aber das ist bei anderen eben anders.
Ich finde es auch absolut legitim, dass jemand sich gerne nackt zeigt, egal wie dick oder dünn dieser jemand ist – das beurteile ich nicht. Wir sollten noch viel öfter sehen, wie verschieden Menschen sein können, das würde unserer Gesellschaft wirklich gut tun.
Aber ich finde auch, ein wenig Ehrlichkeit wäre schön.

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𝓈𝓊𝓇𝓎𝒶 𝓃𝒶𝓂𝒶𝓈𝓀𝒶𝓇 … ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ diese variante des sonnengrußes mach ich immer mit meinen oldies – ohne liegestütz oder herabschauendem hund, dafür immer mit gebeugten knien, damit die kraft aus den beinen kommt und die bandscheiben geschont werden. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ ⠀ ❗️das aufrollen mit gestreckten beinen sollte unbedingt vermieden werden. es gibt noch immer yogalehrer/innen, die das ansagen, für die bandscheiben kann das aber zu viel sein. lieber nicht! ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ ⠀ #suryanamaskar #healthyyoga #yogaatthebeach #chaturangadandasana #adhomukhasvanasana #downdog #plank #sonnengruß #dontrollup #siblandthewheel #holidays #cres #throwback #yogavideo #yogagirl #beachyoga #variation #yogainspiration #atthebeach #sunsalutation

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Mit jedem Kleidungsstück, das auf einem Bild oder Video nicht getragen wird, steigt die Aufmerksamkeit der anderen. Obiges Video von mir ist eins der meist gesehenen in meinem Profil –
dabei sieht man wegen des Gegenlichts nicht mal wirklich was von mir.
Wer sich für diese Aufmerksamkeit, für die Reichweite, die Follower ausziehen möchte, soll das gerne machen –
aber auch so ehrlich sein, das zuzugeben.
Es ist nämlich weder megafeministisch noch superyogisch, wenn man in den sozialen Medien mehr Haut zeigt –
es zeigt nur, dass man eins verstanden hat:
#SexSells.

* * *

Zwei Dinge muss ich unbedingt klarstellen:

Erstens.
Dass ich es seltsam finde, Nacktfotos von sich zu posten und sich dann zu beschweren, dass jemand hinschaut, bedeutet nicht, dass ich auch glaube, dass Frauen in Miniröcken angegrapscht werden wollen. Natürlich nicht!
Jede Frau soll anziehen können, was sie möchte, ohne dafür in eine ungute oder gar gefährliche Situation zu kommen.
Was wir Frauen aber nicht vergessen dürfen, ist die Tatsache, dass wir noch nicht in einer solchen Welt leben –
auch wenn die Mehrheit der Männer weiß, dass eine Frau in knappen Klamotten einfach gern knappe Klamotten trägt und das kein Freibrief zu Übergriffen ist, gibt es noch jene Männer, denen das nicht klar ist.
Und genau diese Kerle bringen mich zu

zweitens.
Ich habe einen erwachsenen Sohn und zwei jüngere Töchter –
und ich habe alle drei zu Menschen erzogen, die andere als gleichberechtigt anerkennen. Und zwar alle anderen, egal was sie anhaben.
Es ist aber gerade bei den Mädels keine leichte Sache zu erklären, warum es möglich sein müsste, dass sie abends allein durch einen Park nach Hause gehen, in roten High Heels und Minirock, und warum es dennoch sicherer ist, eine Jeans zu tragen und einen männlichen Begleiter an der Seite zu haben.

Die Welt ist nicht so einfach, wie es uns manche Influencerinnen auf Instagram glauben machen wollen.
Ja, ich kann in einem durchsichtigen Shirt ohne BH in einem Kaffeehaus sitzen, das ist eine Errungenschaft unserer Urahninnen, und darauf können wir stolz sein. Niemand schreibt uns mehr vor, was wir tragen dürfen und was nicht.
Es muss mir aber auch klar sein, dass ich in diesem Aufzug die Blicke auf mich ziehen werde (was vermutlich ja auch der Grund ist, warum ich so dasitze), und dass es immer wieder Menschen geben wird, denen schauen allein nicht ausreicht.

Jemandem meine sekundären Geschlechtsmerkmale vor die Nase zu halten und mich dann zu beschweren, dass dieser jemand hinsieht, das ist jedenfalls weder feministisch noch yogisch und bringt auch unsere Gesellschaft nicht weiter.
Ganz im Gegenteil, befürchte ich.

#Namaste

 

 

die sache mit der zeit.

Die Sache mit der Zeit, die kennen wir doch alle.
Wie gern würden wir mehr Zeit auf der Yogamatte verbringen –
aber die Zeit, die Zeit!

Ich verrat dir jetzt ein Geheimnis:
die Zeit, die musst du dir nehmen!

sinn.wort.spiel.

in der gestrigen schreib.werkstatt ergab sich eine kleine diskussion zum thema zeit –
denn mit der zeit ist es so eine sache:
wir haben scheinbar nie genug davon. 

so gern würden wir dieses und jenes machen –
wir möchten mehr sport betreiben, mehr schreiben, mehr zeit mit der familie verbringen und mehr zeit für uns selbst haben. stattdessen hat uns der alltag im griff, lässt uns in die arbeit hetzen, abends wieder nach hause, der haushalt muss gemacht werden, wäsche waschen, toiletten putzen, mehrmals täglich ein warmes essen auf den tisch zaubern, und dann sind da noch all die termine!
zeit? zeit hab ich keine, tut mir leid.

mit der zeit ist es aber so eine sache:
zeit hat man nicht, zeit muss man sich nehmen.
denn all diese dinge, die uns der alltag auferlegt, betreffen auch alle anderen menschen –
und trotzdem gibt es menschen, die viel schreiben, die…

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Yoga allein zu Haus? Bitte Vorsicht!

Letztens hab ich im Internet auf der Suche nach einem Rezept eine Werbung für eine neue Yoga-App gesehen, deren Zielgruppe Menschen sind, die zu Hause alleine auf ihrer Matte stehen und mit sich selbst und einem Onlineangebot yogieren –
und war schockiert:
Die Frau, die auf den Bildern zu den Anleitungen zu sehen ist, steht nie aufrecht und zieht immer ihre Schultern nach vorne, selbst in Samasthiti, der achtsamen und besonders aufmerksamen Berghaltung (Tadasana). In Trikonasana sinkt sie mit der oberen Schulter nach vorne Richtung Knie, und in Utkatsana fällt sie ins Hohlkreuz.

Korrekt ist nichts davon, gesund auch nicht –
wer das so zu Hause nachmacht, wird sich abends wundern, wieso der untere Rücken wehtut, und riskiert auf lange Sicht genau jene Verletzungen, denen Yoga eigentlich vorbeugen sollte.

Woher das kommt?
Naja, Yoga ist hip.

Jede/r macht Yoga, und jede/r darf Yoga unterrichten, in Yoga steckt das große Geld
doch die wenigsten interessieren sich wirklich für den menschlichen Körper. Yoga findet sich heutzutage als nette Draufgabe in Werbebotschaften für Gewürze, Klamotten, Mineralwasser oder bei Versicherungen –
korrekt sind die Haltungen, die man da sieht, aber nur selten. Wahrscheinlich, weil es bei Yoga als Werbung auch nicht um Yoga an sich geht, sondern nur um die Werbebotschaft, den Verkauf eines Produkt …
doch es suggiert:
Yoga ist einfach, das kann man locker allein zu Haus machen.

Falsch gedacht.
Und zwar grundlegend falsch.

Ich hab im Teacher Training erkannt, dass kaum jemand in der Lage ist, sich selbst korrekt auszurichten. Selbst erfahrene Yogi/nis und Lehrende müssen das üben, besonders viel Aufmerksamkeit auf ihre eigene Ausrichtung legen und in Workshops und Weiterbildungen immer wieder lernen, Haltungen so einzunehmen, dass sie dem Körper gut tun.

Wer keine Yoga- und Anatomieausbildung hat, Physiotherapeut/in oder Mediziner/in ist (oder einen anderen Beruf hat, in dem man viel vom menschlichen Körper lernt), dem bleibt nur eins:
regelmäßig einen Yogakurs zu besuchen.
Einerseits, weil nicht alle Asanas so korrekt sind, wie sie sich gut anfühlen, andererseits weil man nur in Yogakursen oder -workshops lernt, wie eine Asana ausschauen sollte und welche Variation man für sich selbst wählen muss.
Und weil es wichtig ist, dass manchmal ein fremdes, aber geschultes Auge darauf achtet, dass Yoga keinen bleibenden Schaden anrichtet.

Ich seh das in jeder Yogastunde:
Wir stehen zu Beginn in Tadasana, der Berghaltung, gehen über in Samasthiti –
und obwohl ich genau ansage, wie wir die Haltung aufbauen, und es natürlich vormache, gibt es den einen oder die andere, deren Schultern nach oben gezogen sind und fast die Ohrläppchen berühren.
Manchmal, weil der Körper es (noch) nicht anders kann, meistens aber weil man es selbst gar nicht bemerkt –
so steht man immer, man fühlt sich beschützt, der Körper hat es so gelernt, es fällt gar nicht mehr auf.

Yoga hilft uns dabei, alte Bewegungsmuster zu brechen –
aber nur, wenn wir das richtig machen.
Dass wir uns selbst (vor allem anfangs) noch nicht richtig einschätzen können, kann eine mögliche Gefahrenquelle sein.

Deswegen mein Tipp:
Du willst zu Hause auf deiner Matte Yoga praktizieren? Allein, mit einem Onlineyogakurs Deiner Wahl?
Dann besuch doch zuerst einen analogen Kurs oder Workshop, in dem du dich besser kennenlernst und die Basics von Yoga erlernst. Erst wenn das sitzt, solltest du zu Onlinekursen wechseln …
achte aber bitte darauf, dass du einen findest, in dem dir jemand sehr genau ansagt, was du tun musst:
Während der Praxis den Kopf zu drehen und auf den Bildschirm zu schauen, kann deine Wirbelsäule und die Bandscheiben immens belasten!

Ich empfehle für Online-Yoga immer Yoga with Adriene
eine wunderbare Yogalehrerin, die so gut ansagt, dass man auch als Anfänger/in wunderbar mitkommt.
Dann kann eigentlich nichts schiefgehen!

#Namaste!

 

Wie man Power in eine Yogastunde bringt – oder: Ist das überhaupt sinnvoll?

Meine Yogastunden laufen im Grunde genommen immer recht ähnlich ab:
Jede Stunde hat ein Thema, Körper oder Geist betreffend, um das herum ich die Einheit aufbaue. Fixer Bestandteil sind natürlich Atemübungen (Pranayama), Körperübungen (Asana) und eine kleine Meditation zu Beginn oder am Ende der Stunde.

Ich bereite jedes Mal eine Stunde vor, halte aber nicht immer genau diese –
manchmal kommen die Menschen in die Yogastunde und haben einen Wunsch, sowas wie Können wir heute Yoga für den Nacken machen? Solchen Wünschen komm ich dann natürlich gerne nach.
Gestern in der ersten Fortgeschrittenen-Stunde diesen Herbst kam der Wunsch nach ein bisschen mehr Power auf …
keine einfache Aufgabe in einer Yogastunde für Senior/innen, in der fortgeschritten nicht gleichbedeutend ist mit Power und Zirkus-Asanas.
Und genau dieser Umstand hat mich dann abends ins Grübeln gebracht.

Fortgeschritten bedeutet im körperlichen Yoga vor allem, dass man die Asanas genauer und sicherer ausführt, dass man sich vom Atem leiten lässt und nicht den Übungen hinterherhechelt, es bedeutet, dass der Fokus der Asanas auf der eigenen Ausrichtung und dem ruhigen Geist in der Haltung liegt, nicht darauf, wie lange man die Haltung einnehmen kann oder wie viel man schwitzt.
Manchmal schwitzt man beim Yoga nämlich gar nicht:

Ich hab das gestern spontan so gelöst, dass ich zwischen den Haltungen Vinyasas eingebaut hab, Variationen des Sonnengrußes, die nur jene mitgemacht haben, die schwitzen wollten –
aber nach dem dritten Vinyasa war mir klar:
Eigentlich möchte ich das so nicht machen und werde es auch nicht mehr tun. 

Vinyasas sind anstrengend, man kommt damit ins Schwitzen, das stimmt.
Die übermäßige Anstrengung hat aber den Nebeneffekt, dass sich die Aufmerksamkeit in den Asanas verschlechtert, wenn man das nicht gewohnt ist, die Ausrichtung wird schlechter, die Haltung irgendwie müder.
Klar –
gerade wiederholtes Chaturanga Dandasana ist fordernd und lässt den Körper schneller müde werden.

Diesen Effekt hab ich auch gestern beobachtet, die Vinyasas dann beendet und andere, etwas anspruchsvollere Asanas eingebaut, immer mit leichteren Variationen –
denn gerade in Yogastunden für ältere Menschen ist nichts so wichtig wie die korrekte Ausrichtung, immerhin bringt jede/r ein Thema mit, das berücksichtigt werden muss.

An der korrekten Haltung muss ohnehin jede/r arbeiten, auch wir Yogalehrer/innen, denn:
Yoga ist ein Pfad, den wir ein Leben lang beschreiten.

Für die kommende Fortgeschrittenen-Stunde hab ich mir deshalb vorgenommen, den Fokus wieder mehr auf die Ausrichtung zu legen, weg von der Extraportion Power
damit steigt einerseits der gesundheitliche Nutzen, andererseits braucht man dafür echte Power, denn wer Utthita Hasta Padangusthasana korrekt ausführen möchte, kann das nur mit voller Kraft und ruhigem Geist.

Es war zwar wirklich toll zu sehen, wie viele meiner Yogi/nis den Sonnengruß können und das selbst nie gedacht hätten – und so ein Erfolgserlebnis ist natürlich klasse –, aber ich hab gestern, wie in vielen Power-Yoga-Stunden zuvor, bemerkt, dass die Ruhe und die korrekte Ausführung der Asanas leidet, wenn es zu viel um Kraft geht.
Das ist auch bei jüngeren Yogi/nis so –
und genau aus diesem Grund bin ich kein Fan von Power-Yoga.

Denn es gilt zu bedenken:
Das Schwierige an Yoga ist nicht, die jeweilige Haltung einzunehmen, sondern diese korrekt einzunehmen, korrekt einige Atemzüge lang zu halten, mit aktiven Bandhas, kontrolliertem Atem, ruhigem Geist –
und die Asana ebenso wieder zu verlassen.

Ein Bein hoch in den Baum zu drücken, mit angehaltenem Atem drei Sekunden zu wackeln und dann umzufallen, das mag leicht sein, Yoga ist es aber nicht.
Ein Bein nur an die Wade zu stellen, mit aktivem Körper, sanft und leicht, und diese Haltung dann einige Atemzüge lang zu halten, um danach achtsam wieder aus der Haltung zu kommen, das kann viel schwieriger und anstrengender sein –
und es ist echtes Yoga, denn:

Es führt uns langsam hin zu jener Baum-Haltung, die wir kennen, am Anfang des Yogaweges aber vielleicht noch nicht können.

Yoga hat viel mit dem Geist zu tun, damit, weniger zu wollen oder zu müssen und mehr zu schauen, was ist
und dieses dann als gegeben anzunehmen.
Deswegen ist ja auch Yoga und nicht Turnen.

Ich als Yogalehrerin möchte meine Yogi/nis auf ihrer Yoga-Reise begleiten –
und vielleicht muss ich dazu auch manchmal bremsen, anstatt zu ermutigen.

In diesem Sinne:
Frohes Yoga.

#Namaste

 

 

 

Der Tag des positiven Denkens – #Enjoy!

Heute ist der Tag des positiven Denkens
ein Tag, der daran erinnern soll, dass eine positive Lebenseinstellung viele Dinge einfacher macht.

Ein schöner Gedanke, finde ich …
denn egal, was passiert:
Eine positive Grundeinstellung lässt viele Dinge nicht so dramatisch erscheinen.

Etwa folgendes Szenario:
Schon am Morgen passiert ein kleines Missgeschick – sagen wir, ein Kaffeefleck auf der frisch gewaschenen Hose –, und der Tag ist gelaufen.
Schade eigentlich, oder?

Yoga kann dabei helfen, das Leben und sich selbst ein wenig positiver zu betrachten, schon allein wegen der Glückshormone, die man während der Praxis ausstößt. Im Yoga nennen wir das den Yoga After Glow.
Und ja, den kann man sehen, ganz ehrlich!

Wenn du also das nächste Mal vor einem Problem stehst, wenn du dich über etwas ärgerst, dann atme einmal tief durch und überleg dir:
Ist es das wirklich wert, dass ich mir den Tag versauen lasse?

In den allermeisten Fällen lautet die Antwort:
Nein!

In diesem Sinne:
Genieß diesen Freitag, den 13. –
der ist nämlich kein Unglückstag, das redet man sich nur ein.
Setz dich lieber in die Sonne, genieß den Augenblick, vielleicht mit einer Tasse Kaffee, und nimm dir vor, dir selbst jeden Morgen einen wunderbaren Gedanken zu schenken, dein persönliches Mantra, das dir den Tag versüßt.
Das wirkt Wunder!

#Namaste!
Und:
#DontWorryBeHappy!

 

Die Sache mit dem Ego – oder: Muss es denn immer Zirkus sein?

Wer Yoga nicht nur privat, sondern auch beruflich praktiziert, kommt nicht umhin, sich selbst öffentlich darzustellen –
irgendwie müssen die Leute ja aufmerksam werden, und viele Yogi/nis möchten sich ansehen, mit wem sie da yogieren werden.
Yoga gibt es mittlerweile an jeder Ecke, die sozialen Medien sind voll von Yogis und Yoginis –
was da aber so gepostet wird, lässt mich manchmal erschaudern.

Da gibt es Menschen, die sich nur in den allerschwierigsten Posen zeigen, in Asanas, die kaum jemand auch nur annähernd beherrscht, am liebsten im Bikini oder wenigstens hautengen Klamotten.
(Klar, das bringt Anerkennung und Reichweite, ist also gut fürs Ego, auch wenn die Asanas manchmal so falsch ausgeführt werden, dass es beim Zusehen wehtut.)
Dann gibt es Menschen, die ständig vorgeben, schweben zu können, sich selbst in Posen präsentieren, die der Schwerkraft eine lange Nase zeigen –
und auf Kritik mit Schimpfwörtern reagieren.
(Dabei gilt ein gewaltfreies Leben im Yoga doch als besonders erstrebenswert, und das schließt auch Gewalt in der Sprache mit ein.)
Dann gibt es jene, die Yoga mit allerlei Hilfsmittel aufpeppen – Tiere, Feuer, Alkohol –, als wär Yoga allein zu langweilig, nicht genug.
(Dabei geht’s im Yoga darum, sich nach innen zu besinnen und das Außen einfach sein zu lassen. Ziegen oder Gin Tonic lenken aber nur ab.)
Und natürlich findet man viele, die Yoga a) nackt praktizieren oder b) sich für ihre Yogafotos ausziehen –
sex sells gilt natürlich auch im Yoga.
(Man stelle sich eine Yogagruppe im herabschauenden Hund vor, nackt, von hinten betrachtet. Also ich bin ja wirklich nicht prüde, aber: warum?)

Besonders verstörend finde ich Berichte von Yogalehrer/innen, die Vorträge zum yogischen Leben halten, die erklären, warum es im Yoga so wichtig ist, das Ego hintanzustellen, auf den eigenen Körper zu hören und sich auf das Innerste zu besinnen –
und die dann besagten herabschauenden Hund so übertreiben, dass ihre Achillessehne reißt.
Einfach so.
Plopp.

Weil das Ego dann doch stärker ist.
Weil die Anerkennung der virtuellen Fangemeinde doch wichtiger ist als das auf den eigenen Körper hören.

Warum ich das manchmal kritisiere?
Als Yogalehrerin könnte ich es ja auch einfach sehen und mir meinen Teil denken, nicht wahr?
Die Antwort ist einfach:
Weil all das ein falsches Bild von Yoga vermittelt, eines, das den Menschen Angst macht und ihnen sagt: Das kannst du eh alles nicht, probier’s erst gar nicht. 

Und das hat negative Auswirkungen auf das Leben vieler Menschen.
Nicht selten hör ich: Was, Yoga? Geh bitte, das kann doch kein Mensch, dafür muss man ja Zirkusartist/in sein.
Oder: Für Yoga bin ich zu alt/dick/unbeweglich.

Wenn ich dann nachfrage, woher diese Annahmen eigentlich kommen, ist die Antwort immer dieselbe:
Ich hab Yoga gegoogelt und mir die Bilder angeschaut.

Ist das nicht traurig?
Sollten wir den Leuten nicht lieber vermitteln, dass jede/r Yoga praktizieren kann, dass schon aktives tiefes Atmen Yoga ist und Zirkus-Asanas nichts mit Yoga zu tun haben –
eigentlich eher im Gegenteil?
Davon abgesehen kann Yoga gefährlich sein …
wer ohne Vorkenntnisse einen Skorpion probiert, kann sich tatsächlich schwer verletzen.

Natürlich freu auch ich mich, wenn ich eine Asana schaffe, die ich bisher nicht konnte.
Wenn ich nach einer Ashtanga-Einheit keinen Muskelkater habe.
Oder wenn auf Instagram jemand gefällt mir drückt, wenn ich ein Foto poste.
Ja, klar, auch ich hab ein Ego, das sich nicht immer unterdrücken lässt.

 

Am meisten aber freu ich mich, wenn ich vor einer Yogaklasse stehe und die Menschen sehe, die da vor mir auf ihren Matten sitzen –
Menschen, die noch sehr oder nicht mehr wirklich jung sind, die an den verschiedensten Krankheiten leiden, die mit dem Kreislauf zu kämpfen haben, und trotzdem jede Woche wieder zum Yoga kommen, mit einem Lächeln im Gesicht.
Wir sprechen in der Stunde oft darüber, dass sie sich gar nicht mehr anschauen wollen, was sich in Sachen Yoga so tut –
da kriegt man ja Angst, sagte unlängst eine Dame.

Ich möchte kein yogischer Zirkusclown sein. 
Ich möchte nicht, dass Menschen Angst haben, wenn sie an Yoga denken –
sie sollen sich freuen und es als Bereicherung ihres Lebens betrachten.
Deswegen poste ich auch nur sehr selten Asanas, die ich nicht auch unterrichte …
das mach ich wirklich nur, wenn ich nach langem Üben endlich sagen kann: Ja, klappt für mich, und dann natürlich doch ein bisschen stolz bin.

Ansonsten versuche ich sehr achtsam auszusuchen, womit ich meinen Instagram-Account oder meine Galerie hier fülle …
ich kann zwar einige Zirkus-Asanas, würde diese aber nie unterrichten, also poste ich sie auch nicht.

Wer meine Yogastunden besucht, erkennt alle Asanas wieder
meistens aber in anderer Form, mit Hilfsmitteln etwa, oder einfach sanfter.
So wie hier: ein sanfter Baum –
weil nicht jede/r Yogi/ni den Baum so macht, wie er in der yogischen Literatur beschrieben wird.

Sondern vielleicht so, sanft und leicht:

Vielleicht muss es, wie in allen Bereichen des Lebens, auch im Yoga Superstars geben –
aber wie in allen Bereichen des Lebens gilt auch im Yoga:
Es sind nicht immer die Superstars, an denen wir uns im Leben orientieren sollten.

(Danke an eins meiner yogischen Vorbilder für diese Erkenntnis.)

#Namaste!

* * *

PS:
Wer hier eine generelle Kritik an den Fotos anderer Menschen herausliest, irrt:
Natürlich darf jede/r posten, was er oder sie möchte – ich schau mir gern schöne Fotos anderer Yogi/nis an und bewundere manch eine/n für Asanas, die ich wohl nie beherrschen werde.
Ich hab für mich aber einen anderen Weg gewählt, vor allem, weil ich die Schattenseiten sehe –
und weil Yoga für mich mehr ist als Ich beherrsche einen Handstand.

Als Feministin alter Schule sind mir außerdem sexistische Inhalte ein wahrer Dorn im Auge … das muss gerade im Yoga echt nicht sein.

* * *

PPS:
Yoga kann übrigens Menschen egoistischer machen, kann dazu führen, dass sie sich gnadenlos selbst überschätzen.
Das ist keine Einschätzung von mir, das sagt die Wissenschaft. Weder Yoga noch Meditation machen das Ego kleiner, ganz im Gegenteil:
Yoga bläst unser Ego zu einem riesigen Luftballon auf.
(Das erklärt vielleicht die teilweise abstrusen Thesen der Yogis vor tausenden von Jahren.)
Diese Erkenntnis kann man aber nutzen:
Wovon ich weiß, dem kann ich gegensteuern.
Das ist natürlich immer eine gute Sache – denn die Wissenschaft sagt auch:
Wer sich gut (oder vielleicht sogar besser als andere) fühlt, dem geht es auch psychisch deutlich besser.

Und ganz ehrlich:
Man kann nur an Dingen arbeiten, die man hat –
wie also das Ego überwinden, wenn da keins ist?
Eben.

 

Von den Energievampiren – oder: Kann man fremde Probleme wegatmen?

Energievampir –
ein Begriff, den du sicher schon mal gehört hast.
Vor allem, wenn du gut zuhören und schlecht nein sagen kannst, hast du bestimmt schon Bekanntschaft mit dem einen oder der anderen gemacht.

Energievampire zeichnen sich dadurch aus, dass man sich nach ihrem Besuch immer ausgelaugt und kraftlos fühlt
und sehr oft auch verärgert darüber, dass man wieder einmal nicht nein sagen konnte.
Die Vorgehensweise dieser Menschen ist dabei verschieden –
da gibt es die Alleswisser, die nur ihre eigene Meinung zulassen und alles andere verurteilen, die emotionalen Erpresser/innen, die anderen gerne ein schlechtes Gewissen machen, es gibt die Pessimist/innen, die immer alles nur negativ sehen, und die Opfer, bei denen alles immer nur schlecht läuft. Es gibt die, die ständig Hilfe brauchen, aber nie helfen, und die, die stundenlang nur von sich selbst sprechen und beleidigt reagieren, wenn man selbst auch mal etwas sagen möchte.

Viele Jahre lang war ich umgeben von solchen Menschen, ohne es wirklich zu merken.
Ich hab jahrelang Beziehungsprobleme anderer Menschen gewälzt und zu meinen eigenen gemacht, obwohl ich keine eigenen hab.
Ich hab jahrelang Freundschaften gepflegt, die nur aus geben bestanden, ohne irgendwas dafür zu bekommen.
Und ich hab jahrelang gedacht, das wär schon in Ordnung so …
in Wahrheit hat es mich aufgefressen. 

Vor allem, weil ich irgendwann erkannt hab, dass diese Energievampire sich nur bei mir so verhalten, in Anwesenheit anderer waren sie oft komplett anders. Es musste also auch an mir liegen, irgendwie hab ich manchen Menschen vermittelt, dass man bei mir so agieren kann, dass man sich bei mir ausheulen und die eigenen Speicher wieder aufladen kann und dann befreit nach Hause gehen …
während ich auf dem fremden Problem herumkaue wie auf altem Kaugummi und nicht mal pro forma gefragt wurde, wie es mir geht.
Bemerkt hat das natürlich keine/r.

Das war tatsächlich sehr belastend, für mich und meine Beziehung –
bis zu jenem Tag vor ein paar Jahren, an dem es mir gereicht hat.

Ich kann mich noch genau an die Situation erinnen:
Eine damalige Freundin hat mir mal wieder von den Problemen ihres Kindes im Kindergarten erzählt, Probleme, die ich nicht nachvollziehen konnte, weil es eigentlich keine Probleme, sondern Chancen waren. Doch anstatt wie sonst zuzuhören und zu beruhigen, hab ich einfach mal geantwortet, freundlich, aber ehrlich –
und damit einen Sturm ausgelöst.
Ich sei gemein, weil meine drei Kinder ja wundersamerweise alle keine Probleme hätten und ich eine funktionierende Beziehung. Außerdem sei es nicht in Ordnung, wenn ich Ratschläge geben würde, weil bei mir alles so reibungslos funktioniere, von Problemen hätte ich ja keine Ahnung.
Ich hab dann geantwortet, dass ich Probleme aller Art sehr gut kenne, dass ich sie nur nicht jedem aufhalse, sondern versuche, sie zu lösen, und dass meine Beziehung deswegen funktioniert, weil ich daran arbeite. Und dass meine Kinder super sind, ist nicht nur Zufall, sondern hat auch mit Zuwendung, Aufmerksamkeit, Erziehung und Liebe zu tun.
Und dann hab ich das Gespräch beendet. 

Ich muss gestehen: Das war wirklich befreiend.
Plötzlich war mir klar, dass ich so nicht weitermachen kann.
Ich mag nicht nur angerufen werden, wenn sich jemand ausheulen will. Oder wenn jemand Hilfe bei den Orchideen braucht. Ich will mir nicht stundenlang fremde Probleme anhören, oder Lobeshymnen über sich selbst, und ich will auf keinen Fall mehr die Beziehungsprobleme anderer zu meinen eigenen machen.

Nicht aus Egoismus, sondern aus Selbstschutz
und Yoga ist mir dabei eine große Hilfe.

Natürlich verschließe ich mich nicht vor Gesprächen mit anderen Menschen. Natürlich höre ich mir weiterhin Probleme an und biete Freund/innen eine Schulter zum Ausweinen. Immer, wenn es nötig ist.
Aber ich versuche, genau darauf zu achten, dass es nicht nur um negative Dinge geht, dass ich mich nicht nach jedem Treffen wie ausgesaugt fühle und meinen Ehemann als Therapeuten benutzen muss.
Und ich setze mich nach solchen Gesprächen immer auf meine Yogamatte –
sitze, atme, versuche die unangenehmen Gedanken durch schöne zu ersetzen, mich auf das zu besinnen, was ich habe, auf mein Leben, das ich wirklich als wunderbar bezeichnen würde.
Durch langsames Ein- und Ausatmen verschwinden so die fremden Probleme, fast wie von selbst, und werden nicht zu meinen eigenen.

Auch nach Yogastunden ist das sehr heilsam, dieses bewusste Atmen –
denn in so mancher Yogastunde erfahre ich Dinge über meine lieben Yogi/nis, die belastend sein können. Für viele Menschen ist die wöchentliche Yogastunde die Gelegenheit zu Selbstreflexion, manchmal sogar ein wenig psychotherapeutisch …
ich glaube, das ist ein wirklich wichtiger Aspekt, den ich auch nicht missen möchte.
Wer mit Menschen arbeitet, darf aber nicht auf die Supervision vergessen –
mit jemandem darüber sprechen, was belastend ist, reflektieren, was Probleme bereitet und an diesen arbeiten, auch und besonders auf der eigenen Matte.
Dann macht man die fremden Probleme nicht zu seinen eigenen.

Im Freundeskreis aber sollte es selbstverständlich sein, dass man nicht alles einfach so ablädt und dann geht …
immer und immer wieder.
Ich möchte betonen: Es geht hier nicht um schlechte Zeiten, um Probleme, die mal auftauchen, oder um Dinge, die man besprechen möchte. Es geht um Menschen, die kein anderes Thema kennen als ihre Probleme oder sich selbst … Energievampire eben.

Wenn ich heute mit so jemandem zu tun habe, dann versuche ich, das anzusprechen – freundlich, aber bestimmt, und ziehe bei Bedarf die Notbremse.
Ich find Vampire nämlich wirklich spannend, aber nur jene, die das Sonnenlicht meiden müssen und sich von echtem Blut ernähren. 

#Namaste!

 

Die Sache mit dem Annehmen – oder: Haare werden überbewertet.

Im Yoga ist ja immer wieder die Rede davon, dass wir uns so lieben sollen, wie wir sind, dass wir Dinge im Alltag, die uns stören, nicht so wichtig nehmen, sondern dankbar dafür sein sollen, was wir haben.
Wir sollen einfach annehmen, was kommt.

Das ist für die meisten von uns relativ einfach:
Wir haben genug zu essen, ein Dach über dem Kopf, wir können uns einiges an Luxus leisten und so ziemlich jeden Aspekt unseres Lebens so gestalten, wie wir es möchten.
Wenn wir uns zu dick fühlen, können wir entscheiden, abzunehmen, wenn wir einen neuen Job wollen, suchen wir uns einen, wenn wir krank sind, versorgt uns ein tolles medizinisches System.

Zugegeben, ich geh da jetzt ganz einfach von mir aus –
die Sache mit dem Annehmen war für mich bis vor kurzem eine rein hypothetische.
Meine Hüften sind nicht so toll? Ok, damit kann ich sehr gut leben.
Ich hab einige Allergien? Stimmt, aber keine davon ist lebensbedrohlich.
Ich finde mich manchmal zu üppig und meine Hüften zu breit?
Ich könnt auch einfach zufrieden sein:

Wenn ich also im Yogaunterricht davon spreche, dass wir uns selbst annehmen sollen, dann tu ich mir damit recht leicht –
immerhin hatte ich bisher keine Ahnung, was es heißt, etwas wirklich annehmen zu müssen.

Das hat sich allerdings vor einer Woche – ausgerechnet im Urlaub – schlagartig geändert.
Denn einfach so, völlig überraschend, hab ich nach dem Duschen entdeckt, dass ich Alopecia areata habe, kreisrunden Haarausfall. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, genauer gesagt um entzündlichen Haarausfall, der weitgehend unerforscht ist und für den es keine Behandlung gibt.
Ich hab momentan einen kleinen haarlosen Kreis, es können aber mehrere werden –
im schlimmsten Fall weitet sich die Krankheit auf den ganzen Körper aus.


Zugegeben:

Ich bin generell kein großer Haar-Fan, finde meine Haare nicht super, aber immerhin ok, und überleg jeden Sommer, ob ich mir aus praktischen Gründen nicht vielleicht doch den Kopf rasieren soll, weil mich Haare im Sommer nerven und ich im Winter ohnehin nie ohne Haube anzutreffen bin –
es ist aber eine ganz andere Liga, wenn aus diesen eigentlich scherzhaften Überlegungen plötzlich Wirklichkeit wird.
Denn eins ist sicher:
Sollte ich mehr als zwei solcher Stellen entdecken, dann greif ich zum Rasierer.
Mehrere Glatzen an verschiedenen Stellen sind keine Option für mich …
dann lieber Vollglatze, cooles Styling und noch mehr Hauben als bisher.

Auch wenn das (ganz ehrlich) kein Riesending für mich ist:
Plötzlich weiß ich, wie das mit dem Annehmen ist –
wenn man keine andere Wahl hat, als das anzunehmen, was auftaucht, weil es keine andere Option gibt.
Wenn man sich täglich im Spiegel betrachtet und sich unweigerlich fragt: Wie werd ich mit Glatze aussehen? Und wann werd ich das herausfinden?
Wenn man lernen muss, mit der Unwissenheit zu leben, wie es weitergeht, ob es weitergeht.
Auch wenn es nicht lebensbedrohlich ist.

Ich werd mich im Herbst wieder in jeder Yogastunde mehrfach vor- und verbeugen, und während ich das mache, werden meine Yogi/nis auf meine kleine Glatze blicken –
mit ein Grund, warum ich die Erkrankung nicht geheimhalten und verstecken werde, sondern offen darüber rede:
Momentan sieht es zwar keine/r, aber das kann sich ändern –
ganz dramatisch sogar.

Nicht umsonst hat mich mein Hausarzt gefragt, ob ich psychologische Betreuung möchte (und sich dann gleich selbst verbessert: ‚Nein, Sie nicht, das ist gut zu wissen.‘) –
Haarausfall ist ja gerade für Frauen ein Riesenproblem.

Doch ich werde nicht zulassen, dass es zu einem Riesenproblem wird.
Ich werde das vermutlich erste Mal in meinem Leben etwas wirklich als unabänderbar annehmen (müssen).
Ich werde tief einatmen und wieder ausatmen –
jedes Mal, wenn es mich fertig macht, wenn ich traurig bin, wenn ich mich frage: Warum ich?

Und ich werde mir immer und immer wieder sagen, dass meine Haare mich nicht zu der Person machen, die ich bin –
und dass ich mit kleiner Glatze immer noch dieselbe bin.

#Namaste!

* * *

Du bist ebenfalls betroffen und brauchst Hilfe?
Lies mal hier nach!

 

 

Ich bin dann mal am Meer. #Urlaub

Einatmen.
Ausatmen.
Warmen Sand spüren.
Den Wellen lauschen.
Und die Gedanken fliegen lassen.

Einfach sein.

Und irgendwann bin ich dann wieder da.
Ganz sicher.

<3