die sache mit der zeit.

Die Sache mit der Zeit, die kennen wir doch alle.
Wie gern würden wir mehr Zeit auf der Yogamatte verbringen –
aber die Zeit, die Zeit!

Ich verrat dir jetzt ein Geheimnis:
die Zeit, die musst du dir nehmen!

sinn.wort.spiel.

in der gestrigen schreib.werkstatt ergab sich eine kleine diskussion zum thema zeit –
denn mit der zeit ist es so eine sache:
wir haben scheinbar nie genug davon. 

so gern würden wir dieses und jenes machen –
wir möchten mehr sport betreiben, mehr schreiben, mehr zeit mit der familie verbringen und mehr zeit für uns selbst haben. stattdessen hat uns der alltag im griff, lässt uns in die arbeit hetzen, abends wieder nach hause, der haushalt muss gemacht werden, wäsche waschen, toiletten putzen, mehrmals täglich ein warmes essen auf den tisch zaubern, und dann sind da noch all die termine!
zeit? zeit hab ich keine, tut mir leid.

mit der zeit ist es aber so eine sache:
zeit hat man nicht, zeit muss man sich nehmen.
denn all diese dinge, die uns der alltag auferlegt, betreffen auch alle anderen menschen –
und trotzdem gibt es menschen, die viel schreiben, die…

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Yoga allein zu Haus? Bitte Vorsicht!

Letztens hab ich im Internet auf der Suche nach einem Rezept eine Werbung für eine neue Yoga-App gesehen, deren Zielgruppe Menschen sind, die zu Hause alleine auf ihrer Matte stehen und mit sich selbst und einem Onlineangebot yogieren –
und war schockiert:
Die Frau, die auf den Bildern zu den Anleitungen zu sehen ist, steht nie aufrecht und zieht immer ihre Schultern nach vorne, selbst in Samasthiti, der achtsamen und besonders aufmerksamen Berghaltung (Tadasana). In Trikonasana sinkt sie mit der oberen Schulter nach vorne Richtung Knie, und in Utkatsana fällt sie ins Hohlkreuz.

Korrekt ist nichts davon, gesund auch nicht –
wer das so zu Hause nachmacht, wird sich abends wundern, wieso der untere Rücken wehtut, und riskiert auf lange Sicht genau jene Verletzungen, denen Yoga eigentlich vorbeugen sollte.

Woher das kommt?
Naja, Yoga ist hip.

Jede/r macht Yoga, und jede/r darf Yoga unterrichten, in Yoga steckt das große Geld
doch die wenigsten interessieren sich wirklich für den menschlichen Körper. Yoga findet sich heutzutage als nette Draufgabe in Werbebotschaften für Gewürze, Klamotten, Mineralwasser oder bei Versicherungen –
korrekt sind die Haltungen, die man da sieht, aber nur selten. Wahrscheinlich, weil es bei Yoga als Werbung auch nicht um Yoga an sich geht, sondern nur um die Werbebotschaft, den Verkauf eines Produkt …
doch es suggiert:
Yoga ist einfach, das kann man locker allein zu Haus machen.

Falsch gedacht.
Und zwar grundlegend falsch.

Ich hab im Teacher Training erkannt, dass kaum jemand in der Lage ist, sich selbst korrekt auszurichten. Selbst erfahrene Yogi/nis und Lehrende müssen das üben, besonders viel Aufmerksamkeit auf ihre eigene Ausrichtung legen und in Workshops und Weiterbildungen immer wieder lernen, Haltungen so einzunehmen, dass sie dem Körper gut tun.

Wer keine Yoga- und Anatomieausbildung hat, Physiotherapeut/in oder Mediziner/in ist (oder einen anderen Beruf hat, in dem man viel vom menschlichen Körper lernt), dem bleibt nur eins:
regelmäßig einen Yogakurs zu besuchen.
Einerseits, weil nicht alle Asanas so korrekt sind, wie sie sich gut anfühlen, andererseits weil man nur in Yogakursen oder -workshops lernt, wie eine Asana ausschauen sollte und welche Variation man für sich selbst wählen muss.
Und weil es wichtig ist, dass manchmal ein fremdes, aber geschultes Auge darauf achtet, dass Yoga keinen bleibenden Schaden anrichtet.

Ich seh das in jeder Yogastunde:
Wir stehen zu Beginn in Tadasana, der Berghaltung, gehen über in Samasthiti –
und obwohl ich genau ansage, wie wir die Haltung aufbauen, und es natürlich vormache, gibt es den einen oder die andere, deren Schultern nach oben gezogen sind und fast die Ohrläppchen berühren.
Manchmal, weil der Körper es (noch) nicht anders kann, meistens aber weil man es selbst gar nicht bemerkt –
so steht man immer, man fühlt sich beschützt, der Körper hat es so gelernt, es fällt gar nicht mehr auf.

Yoga hilft uns dabei, alte Bewegungsmuster zu brechen –
aber nur, wenn wir das richtig machen.
Dass wir uns selbst (vor allem anfangs) noch nicht richtig einschätzen können, kann eine mögliche Gefahrenquelle sein.

Deswegen mein Tipp:
Du willst zu Hause auf deiner Matte Yoga praktizieren? Allein, mit einem Onlineyogakurs Deiner Wahl?
Dann besuch doch zuerst einen analogen Kurs oder Workshop, in dem du dich besser kennenlernst und die Basics von Yoga erlernst. Erst wenn das sitzt, solltest du zu Onlinekursen wechseln …
achte aber bitte darauf, dass du einen findest, in dem dir jemand sehr genau ansagt, was du tun musst:
Während der Praxis den Kopf zu drehen und auf den Bildschirm zu schauen, kann deine Wirblesäule und die Bandscheiben immens belasten!

Ich empfehle für Online-Yoga immer Yoga with Adriene
eine wunderbare Yogalehrerin, die so gut ansagt, dass man auch als Anfänger/in wunderbar mitkommt.
Dann kann eigentlich nichts schiefgehen!

#Namaste!

 

Wie man Power in eine Yogastunde bringt – oder: Ist das überhaupt sinnvoll?

Meine Yogastunden laufen im Grunde genommen immer recht ähnlich ab:
Jede Stunde hat ein Thema, Körper oder Geist betreffend, um das herum ich die Einheit aufbaue. Fixer Bestandteil sind natürlich Atemübungen (Pranayama), Körperübungen (Asana) und eine kleine Meditation zu Beginn oder am Ende der Stunde.

Ich bereite jedes Mal eine Stunde vor, halte aber nicht immer genau diese –
manchmal kommen die Menschen in die Yogastunde und haben einen Wunsch, sowas wie Können wir heute Yoga für den Nacken machen? Solchen Wünschen komm ich dann natürlich gerne nach.
Gestern in der ersten Fortgeschrittenen-Stunde diesen Herbst kam der Wunsch nach ein bisschen mehr Power auf …
keine einfache Aufgabe in einer Yogastunde für Senior/innen, in der fortgeschritten nicht gleichbedeutend ist mit Power und Zirkus-Asanas.
Und genau dieser Umstand hat mich dann abends ins Grübeln gebracht.

Fortgeschritten bedeutet im körperlichen Yoga vor allem, dass man die Asanas genauer und sicherer ausführt, dass man sich vom Atem leiten lässt und nicht den Übungen hinterherhechelt, es bedeutet, dass der Fokus der Asanas auf der eigenen Ausrichtung und dem ruhigen Geist in der Haltung liegt, nicht darauf, wie lange man die Haltung einnehmen kann oder wie viel man schwitzt.
Manchmal schwitzt man beim Yoga nämlich gar nicht:

Ich hab das gestern spontan so gelöst, dass ich zwischen den Haltungen Vinyasas eingebaut hab, Variationen des Sonnengrußes, die nur jene mitgemacht haben, die schwitzen wollten –
aber nach dem dritten Vinyasa war mir klar:
Eigentlich möchte ich das so nicht machen und werde es auch nicht mehr tun. 

Vinyasas sind anstrengend, man kommt damit ins Schwitzen, das stimmt.
Die übermäßige Anstrengung hat aber den Nebeneffekt, dass sich die Aufmerksamkeit in den Asanas verschlechtert, wenn man das nicht gewohnt ist, die Ausrichtung wird schlechter, die Haltung irgendwie müder.
Klar –
gerade wiederholtes Chaturanga Dandasana ist fordernd und lässt den Körper schneller müde werden.

Diesen Effekt hab ich auch gestern beobachtet, die Vinyasas dann beendet und andere, etwas anspruchsvollere Asanas eingebaut, immer mit leichteren Variationen –
denn gerade in Yogastunden für ältere Menschen ist nichts so wichtig wie die korrekte Ausrichtung, immerhin bringt jede/r ein Thema mit, das berücksichtigt werden muss.

An der korrekten Haltung muss ohnehin jede/r arbeiten, auch wir Yogalehrer/innen, denn:
Yoga ist ein Pfad, den wir ein Leben lang beschreiten.

Für die kommende Fortgeschrittenen-Stunde hab ich mir deshalb vorgenommen, den Fokus wieder mehr auf die Ausrichtung zu legen, weg von der Extraportion Power
damit steigt einerseits der gesundheitliche Nutzen, andererseits braucht man dafür echte Power, denn wer Utthita Hasta Padangusthasana korrekt ausführen möchte, kann das nur mit voller Kraft und ruhigem Geist.

Es war zwar wirklich toll zu sehen, wie viele meiner Yogi/nis den Sonnengruß können und das selbst nie gedacht hätten – und so ein Erfolgserlebnis ist natürlich klasse –, aber ich hab gestern, wie in vielen Power-Yoga-Stunden zuvor, bemerkt, dass die Ruhe und die korrekte Ausführung der Asanas leidet, wenn es zu viel um Kraft geht.
Das ist auch bei jüngeren Yogi/nis so –
und genau aus diesem Grund bin ich kein Fan von Power-Yoga.

Denn es gilt zu bedenken:
Das Schwierige an Yoga ist nicht, die jeweilige Haltung einzunehmen, sondern diese korrekt einzunehmen, korrekt einige Atemzüge lang zu halten, mit aktiven Bandhas, kontrolliertem Atem, ruhigem Geist –
und die Asana ebenso wieder zu verlassen.

Ein Bein hoch in den Baum zu drücken, mit angehaltenem Atem drei Sekunden zu wackeln und dann umzufallen, das mag leicht sein, Yoga ist es aber nicht.
Ein Bein nur an die Wade zu stellen, mit aktivem Körper, sanft und leicht, und diese Haltung dann einige Atemzüge lang zu halten, um danach achtsam wieder aus der Haltung zu kommen, das kann viel schwieriger und anstrengender sein –
und es ist echtes Yoga, denn:

Es führt uns langsam hin zu jener Baum-Haltung, die wir kennen, am Anfang des Yogaweges aber vielleicht noch nicht können.

Yoga hat viel mit dem Geist zu tun, damit, weniger zu wollen oder zu müssen und mehr zu schauen, was ist
und dieses dann als gegeben anzunehmen.
Deswegen ist ja auch Yoga und nicht Turnen.

Ich als Yogalehrerin möchte meine Yogi/nis auf ihrer Yoga-Reise begleiten –
und vielleicht muss ich dazu auch manchmal bremsen, anstatt zu ermutigen.

In diesem Sinne:
Frohes Yoga.

#Namaste

 

 

 

Der Tag des positiven Denkens – #Enjoy!

Heute ist der Tag des positiven Denkens
ein Tag, der daran erinnern soll, dass eine positive Lebenseinstellung viele Dinge einfacher macht.

Ein schöner Gedanke, finde ich …
denn egal, was passiert:
Eine positive Grundeinstellung lässt viele Dinge nicht so dramatisch erscheinen.

Etwa folgendes Szenario:
Schon am Morgen passiert ein kleines Missgeschick – sagen wir, ein Kaffeefleck auf der frisch gewaschenen Hose –, und der Tag ist gelaufen.
Schade eigentlich, oder?

Yoga kann dabei helfen, das Leben und sich selbst ein wenig positiver zu betrachten, schon allein wegen der Glückshormone, die man während der Praxis ausstößt. Im Yoga nennen wir das den Yoga After Glow.
Und ja, den kann man sehen, ganz ehrlich!

Wenn du also das nächste Mal vor einem Problem stehst, wenn du dich über etwas ärgerst, dann atme einmal tief durch und überleg dir:
Ist es das wirklich wert, dass ich mir den Tag versauen lasse?

In den allermeisten Fällen lautet die Antwort:
Nein!

In diesem Sinne:
Genieß diesen Freitag, den 13. –
der ist nämlich kein Unglückstag, das redet man sich nur ein.
Setz dich lieber in die Sonne, genieß den Augenblick, vielleicht mit einer Tasse Kaffee, und nimm dir vor, dir selbst jeden Morgen einen wunderbaren Gedanken zu schenken, dein persönliches Mantra, das dir den Tag versüßt.
Das wirkt Wunder!

#Namaste!
Und:
#DontWorryBeHappy!

 

Die Sache mit dem Ego – oder: Muss es denn immer Zirkus sein?

Wer Yoga nicht nur privat, sondern auch beruflich praktiziert, kommt nicht umhin, sich selbst öffentlich darzustellen –
irgendwie müssen die Leute ja aufmerksam werden, und viele Yogi/nis möchten sich ansehen, mit wem sie da yogieren werden.
Yoga gibt es mittlerweile an jeder Ecke, die sozialen Medien sind voll von Yogis und Yoginis –
was da aber so gepostet wird, lässt mich manchmal erschaudern.

Da gibt es Menschen, die sich nur in den allerschwierigsten Posen zeigen, in Asanas, die kaum jemand auch nur annähernd beherrscht, am liebsten im Bikini oder wenigstens hautengen Klamotten.
(Klar, das bringt Anerkennung und Reichweite, ist also gut fürs Ego, auch wenn die Asanas manchmal so falsch ausgeführt werden, dass es beim Zusehen wehtut.)
Dann gibt es Menschen, die ständig vorgeben, schweben zu können, sich selbst in Posen präsentieren, die der Schwerkraft eine lange Nase zeigen –
und auf Kritik mit Schimpfwörtern reagieren.
(Dabei gilt ein gewaltfreies Leben im Yoga doch als besonders erstrebenswert, und das schließt auch Gewalt in der Sprache mit ein.)
Dann gibt es jene, die Yoga mit allerlei Hilfsmittel aufpeppen – Tiere, Feuer, Alkohol –, als wär Yoga allein zu langweilig, nicht genug.
(Dabei geht’s im Yoga darum, sich nach innen zu besinnen und das Außen einfach sein zu lassen. Ziegen oder Gin Tonic lenken aber nur ab.)
Und natürlich findet man viele, die Yoga a) nackt praktizieren oder b) sich für ihre Yogafotos ausziehen –
sex sells gilt natürlich auch im Yoga.
(Man stelle sich eine Yogagruppe im herabschauenden Hund vor, nackt, von hinten betrachtet. Also ich bin ja wirklich nicht prüde, aber: warum?)

Besonders verstörend finde ich Berichte von Yogalehrer/innen, die Vorträge zum yogischen Leben halten, die erklären, warum es im Yoga so wichtig ist, das Ego hintanzustellen, auf den eigenen Körper zu hören und sich auf das Innerste zu besinnen –
und die dann besagten herabschauenden Hund so übertreiben, dass ihre Achillessehne reißt.
Einfach so.
Plopp.

Weil das Ego dann doch stärker ist.
Weil die Anerkennung der virtuellen Fangemeinde doch wichtiger ist als das auf den eigenen Körper hören.

Warum ich das manchmal kritisiere?
Als Yogalehrerin könnte ich es ja auch einfach sehen und mir meinen Teil denken, nicht wahr?
Die Antwort ist einfach:
Weil all das ein falsches Bild von Yoga vermittelt, eines, das den Menschen Angst macht und ihnen sagt: Das kannst du eh alles nicht, probier’s erst gar nicht. 

Und das hat negative Auswirkungen auf das Leben vieler Menschen.
Nicht selten hör ich: Was, Yoga? Geh bitte, das kann doch kein Mensch, dafür muss man ja Zirkusartist/in sein.
Oder: Für Yoga bin ich zu alt/dick/unbeweglich.

Wenn ich dann nachfrage, woher diese Annahmen eigentlich kommen, ist die Antwort immer dieselbe:
Ich hab Yoga gegoogelt und mir die Bilder angeschaut.

Ist das nicht traurig?
Sollten wir den Leuten nicht lieber vermitteln, dass jede/r Yoga praktizieren kann, dass schon aktives tiefes Atmen Yoga ist und Zirkus-Asanas nichts mit Yoga zu tun haben –
eigentlich eher im Gegenteil?
Davon abgesehen kann Yoga gefährlich sein …
wer ohne Vorkenntnisse einen Skorpion probiert, kann sich tatsächlich schwer verletzen.

Natürlich freu auch ich mich, wenn ich eine Asana schaffe, die ich bisher nicht konnte.
Wenn ich nach einer Ashtanga-Einheit keinen Muskelkater habe.
Oder wenn auf Instagram jemand gefällt mir drückt, wenn ich ein Foto poste.
Ja, klar, auch ich hab ein Ego, das sich nicht immer unterdrücken lässt.

 

Am meisten aber freu ich mich, wenn ich vor einer Yogaklasse stehe und die Menschen sehe, die da vor mir auf ihren Matten sitzen –
Menschen, die noch sehr oder nicht mehr wirklich jung sind, die an den verschiedensten Krankheiten leiden, die mit dem Kreislauf zu kämpfen haben, und trotzdem jede Woche wieder zum Yoga kommen, mit einem Lächeln im Gesicht.
Wir sprechen in der Stunde oft darüber, dass sie sich gar nicht mehr anschauen wollen, was sich in Sachen Yoga so tut –
da kriegt man ja Angst, sagte unlängst eine Dame.

Ich möchte kein yogischer Zirkusclown sein. 
Ich möchte nicht, dass Menschen Angst haben, wenn sie an Yoga denken –
sie sollen sich freuen und es als Bereicherung ihres Lebens betrachten.
Deswegen poste ich auch nur sehr selten Asanas, die ich nicht auch unterrichte …
das mach ich wirklich nur, wenn ich nach langem Üben endlich sagen kann: Ja, klappt für mich, und dann natürlich doch ein bisschen stolz bin.

Ansonsten versuche ich sehr achtsam auszusuchen, womit ich meinen Instagram-Account oder meine Galerie hier fülle …
ich kann zwar einige Zirkus-Asanas, würde diese aber nie unterrichten, also poste ich sie auch nicht.

Wer meine Yogastunden besucht, erkennt alle Asanas wieder
meistens aber in anderer Form, mit Hilfsmitteln etwa, oder einfach sanfter.
So wie hier: ein sanfter Baum –
weil nicht jede/r Yogi/ni den Baum so macht, wie er in der yogischen Literatur beschrieben wird.

Sondern vielleicht so, sanft und leicht:

Vielleicht muss es, wie in allen Bereichen des Lebens, auch im Yoga Superstars geben –
aber wie in allen Bereichen des Lebens gilt auch im Yoga:
Es sind nicht immer die Superstars, an denen wir uns im Leben orientieren sollten.

(Danke an eins meiner yogischen Vorbilder für diese Erkenntnis.)

#Namaste!

* * *

PS:
Wer hier eine generelle Kritik an den Fotos anderer Menschen herausliest, irrt:
Natürlich darf jede/r posten, was er oder sie möchte – ich schau mir gern schöne Fotos anderer Yogi/nis an und bewundere manch eine/n für Asanas, die ich wohl nie beherrschen werde.
Ich hab für mich aber einen anderen Weg gewählt, vor allem, weil ich die Schattenseiten sehe –
und weil Yoga für mich mehr ist als Ich beherrsche einen Handstand.

Als Feministin alter Schule sind mir außerdem sexistische Inhalte ein wahrer Dorn im Auge … das muss gerade im Yoga echt nicht sein.

* * *

PPS:
Yoga kann übrigens Menschen egoistischer machen, kann dazu führen, dass sie sich gnadenlos selbst überschätzen.
Das ist keine Einschätzung von mir, das sagt die Wissenschaft. Weder Yoga noch Meditation machen das Ego kleiner, ganz im Gegenteil:
Yoga bläst unser Ego zu einem riesigen Luftballon auf.
(Das erklärt vielleicht die teilweise abstrusen Thesen der Yogis vor tausenden von Jahren.)
Diese Erkenntnis kann man aber nutzen:
Wovon ich weiß, dem kann ich gegensteuern.
Das ist natürlich immer eine gute Sache – denn die Wissenschaft sagt auch:
Wer sich gut (oder vielleicht sogar besser als andere) fühlt, dem geht es auch psychisch deutlich besser.

Und ganz ehrlich:
Man kann nur an Dingen arbeiten, die man hat –
wie also das Ego überwinden, wenn da keins ist?
Eben.

 

Von den Energievampiren – oder: Kann man fremde Probleme wegatmen?

Energievampir –
ein Begriff, den du sicher schon mal gehört hast.
Vor allem, wenn du gut zuhören und schlecht nein sagen kannst, hast du bestimmt schon Bekanntschaft mit dem einen oder der anderen gemacht.

Energievampire zeichnen sich dadurch aus, dass man sich nach ihrem Besuch immer ausgelaugt und kraftlos fühlt
und sehr oft auch verärgert darüber, dass man wieder einmal nicht nein sagen konnte.
Die Vorgehensweise dieser Menschen ist dabei verschieden –
da gibt es die Alleswisser, die nur ihre eigene Meinung zulassen und alles andere verurteilen, die emotionalen Erpresser/innen, die anderen gerne ein schlechtes Gewissen machen, es gibt die Pessimist/innen, die immer alles nur negativ sehen, und die Opfer, bei denen alles immer nur schlecht läuft. Es gibt die, die ständig Hilfe brauchen, aber nie helfen, und die, die stundenlang nur von sich selbst sprechen und beleidigt reagieren, wenn man selbst auch mal etwas sagen möchte.

Viele Jahre lang war ich umgeben von solchen Menschen, ohne es wirklich zu merken.
Ich hab jahrelang Beziehungsprobleme anderer Menschen gewälzt und zu meinen eigenen gemacht, obwohl ich keine eigenen hab.
Ich hab jahrelang Freundschaften gepflegt, die nur aus geben bestanden, ohne irgendwas dafür zu bekommen.
Und ich hab jahrelang gedacht, das wär schon in Ordnung so …
in Wahrheit hat es mich aufgefressen. 

Vor allem, weil ich irgendwann erkannt hab, dass diese Energievampire sich nur bei mir so verhalten, in Anwesenheit anderer waren sie oft komplett anders. Es musste also auch an mir liegen, irgendwie hab ich manchen Menschen vermittelt, dass man bei mir so agieren kann, dass man sich bei mir ausheulen und die eigenen Speicher wieder aufladen kann und dann befreit nach Hause gehen …
während ich auf dem fremden Problem herumkaue wie auf altem Kaugummi und nicht mal pro forma gefragt wurde, wie es mir geht.
Bemerkt hat das natürlich keine/r.

Das war tatsächlich sehr belastend, für mich und meine Beziehung –
bis zu jenem Tag vor ein paar Jahren, an dem es mir gereicht hat.

Ich kann mich noch genau an die Situation erinnen:
Eine damalige Freundin hat mir mal wieder von den Problemen ihres Kindes im Kindergarten erzählt, Probleme, die ich nicht nachvollziehen konnte, weil es eigentlich keine Probleme, sondern Chancen waren. Doch anstatt wie sonst zuzuhören und zu beruhigen, hab ich einfach mal geantwortet, freundlich, aber ehrlich –
und damit einen Sturm ausgelöst.
Ich sei gemein, weil meine drei Kinder ja wundersamerweise alle keine Probleme hätten und ich eine funktionierende Beziehung. Außerdem sei es nicht in Ordnung, wenn ich Ratschläge geben würde, weil bei mir alles so reibungslos funktioniere, von Problemen hätte ich ja keine Ahnung.
Ich hab dann geantwortet, dass ich Probleme aller Art sehr gut kenne, dass ich sie nur nicht jedem aufhalse, sondern versuche, sie zu lösen, und dass meine Beziehung deswegen funktioniert, weil ich daran arbeite. Und dass meine Kinder super sind, ist nicht nur Zufall, sondern hat auch mit Zuwendung, Aufmerksamkeit, Erziehung und Liebe zu tun.
Und dann hab ich das Gespräch beendet. 

Ich muss gestehen: Das war wirklich befreiend.
Plötzlich war mir klar, dass ich so nicht weitermachen kann.
Ich mag nicht nur angerufen werden, wenn sich jemand ausheulen will. Oder wenn jemand Hilfe bei den Orchideen braucht. Ich will mir nicht stundenlang fremde Probleme anhören, oder Lobeshymnen über sich selbst, und ich will auf keinen Fall mehr die Beziehungsprobleme anderer zu meinen eigenen machen.

Nicht aus Egoismus, sondern aus Selbstschutz
und Yoga ist mir dabei eine große Hilfe.

Natürlich verschließe ich mich nicht vor Gesprächen mit anderen Menschen. Natürlich höre ich mir weiterhin Probleme an und biete Freund/innen eine Schulter zum Ausweinen. Immer, wenn es nötig ist.
Aber ich versuche, genau darauf zu achten, dass es nicht nur um negative Dinge geht, dass ich mich nicht nach jedem Treffen wie ausgesaugt fühle und meinen Ehemann als Therapeuten benutzen muss.
Und ich setze mich nach solchen Gesprächen immer auf meine Yogamatte –
sitze, atme, versuche die unangenehmen Gedanken durch schöne zu ersetzen, mich auf das zu besinnen, was ich habe, auf mein Leben, das ich wirklich als wunderbar bezeichnen würde.
Durch langsames Ein- und Ausatmen verschwinden so die fremden Probleme, fast wie von selbst, und werden nicht zu meinen eigenen.

Auch nach Yogastunden ist das sehr heilsam, dieses bewusste Atmen –
denn in so mancher Yogastunde erfahre ich Dinge über meine lieben Yogi/nis, die belastend sein können. Für viele Menschen ist die wöchentliche Yogastunde die Gelegenheit zu Selbstreflexion, manchmal sogar ein wenig psychotherapeutisch …
ich glaube, das ist ein wirklich wichtiger Aspekt, den ich auch nicht missen möchte.
Wer mit Menschen arbeitet, darf aber nicht auf die Supervision vergessen –
mit jemandem darüber sprechen, was belastend ist, reflektieren, was Probleme bereitet und an diesen arbeiten, auch und besonders auf der eigenen Matte.
Dann macht man die fremden Probleme nicht zu seinen eigenen.

Im Freundeskreis aber sollte es selbstverständlich sein, dass man nicht alles einfach so ablädt und dann geht …
immer und immer wieder.
Ich möchte betonen: Es geht hier nicht um schlechte Zeiten, um Probleme, die mal auftauchen, oder um Dinge, die man besprechen möchte. Es geht um Menschen, die kein anderes Thema kennen als ihre Probleme oder sich selbst … Energievampire eben.

Wenn ich heute mit so jemandem zu tun habe, dann versuche ich, das anzusprechen – freundlich, aber bestimmt, und ziehe bei Bedarf die Notbremse.
Ich find Vampire nämlich wirklich spannend, aber nur jene, die das Sonnenlicht meiden müssen und sich von echtem Blut ernähren. 

#Namaste!

 

Die Sache mit dem Annehmen – oder: Haare werden überbewertet.

Im Yoga ist ja immer wieder die Rede davon, dass wir uns so lieben sollen, wie wir sind, dass wir Dinge im Alltag, die uns stören, nicht so wichtig nehmen, sondern dankbar dafür sein sollen, was wir haben.
Wir sollen einfach annehmen, was kommt.

Das ist für die meisten von uns relativ einfach:
Wir haben genug zu essen, ein Dach über dem Kopf, wir können uns einiges an Luxus leisten und so ziemlich jeden Aspekt unseres Lebens so gestalten, wie wir es möchten.
Wenn wir uns zu dick fühlen, können wir entscheiden, abzunehmen, wenn wir einen neuen Job wollen, suchen wir uns einen, wenn wir krank sind, versorgt uns ein tolles medizinisches System.

Zugegeben, ich geh da jetzt ganz einfach von mir aus –
die Sache mit dem Annehmen war für mich bis vor kurzem eine rein hypothetische.
Meine Hüften sind nicht so toll? Ok, damit kann ich sehr gut leben.
Ich hab einige Allergien? Stimmt, aber keine davon ist lebensbedrohlich.
Ich finde mich manchmal zu üppig und meine Hüften zu breit?
Ich könnt auch einfach zufrieden sein:

Wenn ich also im Yogaunterricht davon spreche, dass wir uns selbst annehmen sollen, dann tu ich mir damit recht leicht –
immerhin hatte ich bisher keine Ahnung, was es heißt, etwas wirklich annehmen zu müssen.

Das hat sich allerdings vor einer Woche – ausgerechnet im Urlaub – schlagartig geändert.
Denn einfach so, völlig überraschend, hab ich nach dem Duschen entdeckt, dass ich Alopecia areata habe, kreisrunden Haarausfall. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, genauer gesagt um entzündlichen Haarausfall, der weitgehend unerforscht ist und für den es keine Behandlung gibt.
Ich hab momentan einen kleinen haarlosen Kreis, es können aber mehrere werden –
im schlimmsten Fall weitet sich die Krankheit auf den ganzen Körper aus.


Zugegeben:

Ich bin generell kein großer Haar-Fan, finde meine Haare nicht super, aber immerhin ok, und überleg jeden Sommer, ob ich mir aus praktischen Gründen nicht vielleicht doch den Kopf rasieren soll, weil mich Haare im Sommer nerven und ich im Winter ohnehin nie ohne Haube anzutreffen bin –
es ist aber eine ganz andere Liga, wenn aus diesen eigentlich scherzhaften Überlegungen plötzlich Wirklichkeit wird.
Denn eins ist sicher:
Sollte ich mehr als zwei solcher Stellen entdecken, dann greif ich zum Rasierer.
Mehrere Glatzen an verschiedenen Stellen sind keine Option für mich …
dann lieber Vollglatze, cooles Styling und noch mehr Hauben als bisher.

Auch wenn das (ganz ehrlich) kein Riesending für mich ist:
Plötzlich weiß ich, wie das mit dem Annehmen ist –
wenn man keine andere Wahl hat, als das anzunehmen, was auftaucht, weil es keine andere Option gibt.
Wenn man sich täglich im Spiegel betrachtet und sich unweigerlich fragt: Wie werd ich mit Glatze aussehen? Und wann werd ich das herausfinden?
Wenn man lernen muss, mit der Unwissenheit zu leben, wie es weitergeht, ob es weitergeht.
Auch wenn es nicht lebensbedrohlich ist.

Ich werd mich im Herbst wieder in jeder Yogastunde mehrfach vor- und verbeugen, und während ich das mache, werden meine Yogi/nis auf meine kleine Glatze blicken –
mit ein Grund, warum ich die Erkrankung nicht geheimhalten und verstecken werde, sondern offen darüber rede:
Momentan sieht es zwar keine/r, aber das kann sich ändern –
ganz dramatisch sogar.

Nicht umsonst hat mich mein Hausarzt gefragt, ob ich psychologische Betreuung möchte (und sich dann gleich selbst verbessert: ‚Nein, Sie nicht, das ist gut zu wissen.‘) –
Haarausfall ist ja gerade für Frauen ein Riesenproblem.

Doch ich werde nicht zulassen, dass es zu einem Riesenproblem wird.
Ich werde das vermutlich erste Mal in meinem Leben etwas wirklich als unabänderbar annehmen (müssen).
Ich werde tief einatmen und wieder ausatmen –
jedes Mal, wenn es mich fertig macht, wenn ich traurig bin, wenn ich mich frage: Warum ich?

Und ich werde mir immer und immer wieder sagen, dass meine Haare mich nicht zu der Person machen, die ich bin –
und dass ich mit kleiner Glatze immer noch dieselbe bin.

#Namaste!

* * *

Du bist ebenfalls betroffen und brauchst Hilfe?
Lies mal hier nach!

 

 

Ich bin dann mal am Meer. #Urlaub

Einatmen.
Ausatmen.
Warmen Sand spüren.
Den Wellen lauschen.
Und die Gedanken fliegen lassen.

Einfach sein.

Und irgendwann bin ich dann wieder da.
Ganz sicher.

<3

Adieu, Facebook! Das war’s mit uns.

So, ich hab’s getan.
Endgültig.
Nicht nur drüber nachdenken, oder nur drüber reden –
nein.
Aus, weg damit!

Ich habe meinen Facebook-Account gelöscht.

Davon träum ich in Wahrheit ja schon seit langem.
Denn seit Jahren beobachte ich, wie aus einem einst netten sozialen Netzwerk eine Hassmaschine wurde. Unter jedem Beitrag, so harmlos kann der gar nicht sein, schlägt einem eine Welle des Hasses entgegen.
Selbst wenn es nur um Meerschweinchen geht (wie unlängst passiert), schaffen es die Menschen nicht, ganz normal miteinander zu plaudern, nein, es muss geschimpft werden, dass es nur so raucht.

Manchmal, wenn mir das alles zu viel geworden ist, hab ich mir eingeredet, dass irgendjemand dagegenhalten muss, wir dürfen den Hatern doch nicht das Feld überlassen –
egal, wie ich mich dabei gefühlt hab, denn:
Schön ist das nicht, das Dagegenhalten.
Mit der Zeit hab ich gelernt, damit besser umzugehen, hab mir die Zeit auf Facebook eingeteilt, hab die App vom Handy gelöscht, aber was nutzt das schon?
Gegen Facebook ist das monkey mind ein (wie man in Österreich sagt) Lercherlschas.

Das monkey mind, das ist das Gedankenkarussell, das sich den ganzen Tag in unserem Kopf dreht und nie still steht, das uns Stress bereitet und wirklich ganz schön lästig sein.
Im Yoga versuchen wir sowohl durch Asanas als auch durch Meditation und Pranayama dieses Gedankenkarussell zu stoppen, wenigstens für kurze Zeit, um durchatmen zu können, innere Ruhe zu finden –
und dann sitz ich da auf meiner Matte, atme, versuche die Affen in meinem Kopf einfach auszublenden …
aber wozu, wenn ich ohnehin ständig mit den Affen auf Facebook beschäftigt bin?
Mit Menschen, die andere absichtlich trollen, die hetzen und Hass verbreiten, die Aktivist/innen wie Greta Thunberg den Tod wünschen und applaudieren, wenn im Mittelmeer Menschen ertrinken?

Dagegenreden hilft leider nicht. 
Facebook agiert strikt nach Gemeinschaftsstandards, die von Menschen im Ausland kontrolliert werden –
von Menschen aus anderen Kulturkreisen, die keine Ahnung haben, warum ein Hakenkreuz nicht so klasse ist, bei Brustwarzen dafür aber rot sehen.
(Mehr Infos dazu kann man hier nachlesen. Schockierend.)
Satire ist ein Fremdwort für dieses System, dafür ist es total ok, wenn Menschen öffentlich posten, dass sie ihre Kinder nicht impfen, sondern stattdessen mit Chlorbleiche ‚behandeln‘.

In diesem undurchsichtigen System aus Affen und Bots, die gezielt steuern, was wir sehen, fühlt man sie wie einem Wirbelsturm, der kein Ende nimmt –
andauernd kommen neue schockierende Berichte, neuer Hass, neue Hetze.
Und wie bei einer Sucht kommt man nicht davon weg, ergibt sich hilflos dem Wirbelsturm, Stunde um Stunde.

Das kann man nicht aushalten, da wird man verrückt.
Aber das will ich nicht mehr.
Ich will aber wieder zur Ruhe kommen, will Songtexte schreiben, Brot backen, will mit meinen Kindern spielen und mit meinen Schreib-Eleven neue Texte erarbeiten.
Und ich will wieder viel mehr analog unterwegs sein …
Kaffee trinken, ratschen, einfach mal nix tun, und mir keine Gedanken über Affen machen, die sich diebisch freuen, wenn ich mich ärgere.
Nein danke.
Ich drück jetzt auf Pause und atme einfach tief durch.

Facebook ist für mich Geschichte –
und ich vermisse es jetzt schon nicht mehr, ganz ehrlich.

#EsGibtEinLebenNachFacebook –
und das kann nur besser sein.

PS.
Manch eine/r könnte meinen, Facebook wäre geeignet für Werbung –
mitnichten.
Werbung kostet, und zwar massiv, und bringt so wenig, dass es fast lächerlich ist. Dazu kommt, dass meine Zielgruppe nicht auf Facebook unterwegs ist.
Darauf kann ich also wirklich verzichten.
Stattdessen hab ich mich wieder für das tägliche Nachrichten-Update meiner Lieblingszeitung angemeldet …
und krieg alle wichtigen Infos frühmorgens auf dem Silbertablett serviert.

Ganz ohne Affen.
Hach.

PPS.
Ich mag Affen, sehr sogar.
Aber nur die in der freien Wildbahn, die im Dschungel leben und gerne auf Bäumen klettern. Die echten Affen.
Von denen kann man nämlich eine Menge lernen …
und sie sind wirklich süß.

 

Zauberei gibt es nicht – oder: Warum ich gegen Schwurblerkram kämpfe

Ich bin in der Yogaszene wohl ziemlich allein mit meiner Ansicht, dass Wissenschaft toll ist und wir keinesfalls aufhören dürfen, dieser Wissenschaft zu vertrauen.
Ja, das Bauchgefühl ist was Schönes, und ja, darauf sollte man auch öfter mal hören –
es kommt aber immer darauf an, in welchem Kontext.
Denn das mit dem Erspüren und Erfühlen, das ist nicht immer sinnvoll.

Etwa dann, wenn ein Kind erspürt, dass die bevorstehende Impfung dem Körper gerade keinen Nutzen bringt. No na net will sich ein kleines Kind nicht unbedingt impfen lassen, wer freut sich schon über eine lange Nadel, mit der man gepiekst werden soll.
Meine Kinder haben von ihrer Oma, einer Ärztin, gelernt, warum impfen so wichtig ist und gehen freiwillig impfen –
Zitat meiner mittleren Tocher: Lieber einmal pieksen, dafür nachher keine Angst haben müssen.
Weise Worte aus dem Mund einer 11jährigen.

So weise sind viele Erwachsene aber nicht mehr –
selbst Menschen, die mit mir studiert haben und einen akademischen Titel tragen, fürchten sich vor den Nanobots, die angeblich in der MMR-Impfung stecken und den kindlichen Körper ausspionieren.

Und genau diese Menschen sind der Grund, warum ich so vehement reagiere, wenn jemand beginnt, sich für solchen Unsinn zu interessieren –
denn die Grenzen sind schwammig.
Werden heute noch lustige Tarotkarten gezogen, die ja jedesmal so treffsicher die eigene Situation beschreiben (Barnum lässt grüßen), ist es morgen schon die Impfkritik –
und ein paar Wochen später wird löffelweise Terpentin eingenommen, um sich von den Parasiten zu befreien, die angeblich im eigenen Darm wohnen und erstaunliche Ähnlichkeit mit Schleimhaut haben.

Egal wohin man blickt:
Die Schwurbler/innen sind überall.
Die einen ziehen täglich eine Engelskarte, die anderen malen sich Runen auf verstauchte Körperteile, manche lassen sich Haare als Glücksantennen auf den Zehen wachsen, andere schneiden ihren Kindern nie die Haare, weil da ja die vorgeburtlichen Erinnerungen drinstecken. Es gibt Menschen, die Steine mit Sonnenlicht aufladen, mit dem sie dann ihr Wasser energetisieren, oder welche, die sich jeden Abend in eine Wolke aus Weihrauch setzen, um sich vor den Dämonen zu schützen, die des Nachts von ihnen Besitz nehmen wollen. Einige glauben, Nahrungsergänzungsmittel bestimmter Firmen einnehmen zu müssen, um gesund zu bleiben, andere schwören auf die tägliche Dosis Zucker in Globuliform, egal bei welchem Leiden, und dann gibt es noch welche, die sich  gefährlichen Scharlatanen anschließen, Essig gegen Chemtrails verdampfen oder den Staat an sich ablehnen.
Sie alle eint der Glaube an die eine oder die andere Verschwörungstheorie, egal wie oft man ihnen erklärt, dass das Blödsinn ist.
Diskutieren ist aber unmöglich, die Argumente oder Beweise werden so gedreht und gewendet, wie es gerade in den Kram passt –
sogar von Menschen, die mit mir im Seminar ‚Wissenschaftliches Arbeiten‘ saßen und eine bessere Note hatten als ich.

(Meine Mutter versuchte übrigens ihre myotone Dystrophie mit den Zahlen eines russischen Gurus zu heilen, für die er ihr eine wirklich große Geldsumme abknöpfte. Außerdem wollte sie die böse Erdstrahlung mit einer speziellen, ebenfalls sehr teuren Matratze abwehren und gab eine Zeitlang viel Geld für Nahrungsergänzungsmittel aus. Beim Arzt war sie nach der Diagnose nicht mehr, bewegt hat sie sich auch nicht mehr. Wär vermutlich besser gewesen.)

Jetzt könnte man sagen: Lass sie doch.
Das geht aber leider nicht, und zwar aus zwei Gründen:
Einerseits, weil diese Menschen vom Hundertsten ins Tausendste kommen: Es geht mit einer Kleinigkeit los, etwa dem Ziehen der täglichen Engelskarte, und endet damit, dass sie ihren Kindern Chloreinläufe gegen überhaupt alles verabreichen.
Andererseits, weil sie ihre kruden Thesen lautstark in die Welt posaunen.
Gerade Yogalehrer/innen nutzen ihre Stunden und ihre Reichweite dafür, jeden Blödsinn, den sie angeblich erspürt haben, ihren Yogi/nis als Wahrheit zu verkaufen …
und da wir als Lehrende tatsächlich eine Sonderstellung einnehmen, glauben uns die Menschen, was wir sagen.
Ein Teufelskreis, den ich zu durchbrechen versuche, indem ich mich sehr für all diese Dinge interessiere, um sie dann entkräften zu können …
etwa mit einem Besuch bei der Esoterik-Messe.

Es mag seltsam anmuten, dass gerade ich als Yogalehrerin all diesen Schwurblerkram ablehne …
doch für mich ist es eigentlich ganz einfach:
Yoga an sich ist toll, kann aber nicht alles heilen
Yoga wirkt erwiesenermaßen bei einigen Leiden sehr gut – bei Depressionen etwa, oder bei Rückenleiden aller Art, und immer dann, wenn jemand Entspannung sucht oder einfach beweglich bleiben möchte.

Wenn jemand in meine Yogastunden kommt, dann frag ich immer sehr genau nach, was die Erwartungen sind und welche Leiden dieser Mensch mitbringt …
und dann beginnt für mich das Lernen:
Ich lern wieder Anatomie, befrage befreundete Physiotherapeut/innen und Ärzt/innen, manchmal auch Psychotherapeut/innen. Die Menschen sollen sich nach dem Yoga ja gut fühlen … und dafür ist ständiges Lernen wichtig, find ich. Manche Lehren des Yoga sind in der heutigen Zeit überholt, werden in den YTTs aber dennoch gelehrt, während das wirklich Wichtige, weil Aktuelle, einfach vergessen wird.
Das muss sich ändern!

In meinen Stunden gibt es keinerlei Zauberei, keine Mantras, keine pseudophilosophischen Merksätze, wir yogieren weder nach dem Horoskop noch nach den Mondphasen, wir singen keine Mantras oder Oms –
und dennoch kommen die Menschen immer wieder in die Stunde und verlassen sie vollkommen entspannt. Es geht nämlich auch ohne Schwurbeleien, Yoga muss weder esoterisch noch religiös sein, und auch Meditation funktioniert klasse auf wissenschaftlicher Basis, ganz ohne religiöse Mantras –
Religion ist für mich nämlich Privatsache:
Wer glauben will, darf das natürlich, in meiner Yogastunde hat das aber keinen Platz.

Und wenn Schwurbelei gefährlich wird, dann sollte sie nirgends Platz haben dürfen!

* * *
Alle von mir gebrachten Beispiele sind aus meinem Bekanntenkreis – erschreckend, oder?