An die Bildungsverantwortlichen dieses Landes. – ein offener Brief

Wer dieser Tage eine Zeitung aufschlägt oder in den Fernseher schaut, der kommt am ernsten Gesicht Greta Thunbergs nicht vorbei, die uns unbeirrbar daran erinnert, dass die Uhr tickt –
wer nicht mit geschlossenen Augen durchs Leben geht, weiß, dass wir jetzt aktiv werden müssen, wenn wir die Erde für unsere Kinder lebenswert erhalten wollen.
Auch Greta Thunberg weiß das, und dieses Wissen macht ihr (und vielen anderen) Angst. Seit ihrem achten Lebensjahr interessiert sich die junge Schwedin für die vom Mensch gemachte Erderwärmung, ist seitdem aktiv in Sachen Klima- und Umweltschutz und erreicht mit ihrer stillen Beharrlichkeit hunderttausende Menschen, spricht vor Politiker/innen, wurde sogar für den Friedensnobelpreis nominiert.

Wir sehen diese junge Frau (’so eine entzückende junge Dame‘), wir bewundern ihr Engagement (‚ist es nicht toll, wenn junge Menschen sich so für unsere Umwelt einsetzen?‘), uns allen ist klar, wie wichtig ihr Tun ist (‚immerhin sind es unsere Kinder, die einmal auf dieser Erde leben werden‘) –
aber wehe, unsere Kinder wollen es ihr nachtun.

Dann diskutieren wir plötzlich über unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht, wir drohen mit unentschuldigten Fehlstunden und Verhaltensnoten, wir verurteilen Lehrpersonen, die mit ihren Klassen gemeinsam streiken und das als basisdemokratische Exkursion anmelden –
und vergessen völlig, dass auch und gerade unsere Kinder das Recht haben, für den Schutz des einzigen Planeten einzutreten, den wir haben. Demonstrationen sind ein Grundrecht jedes Menschen, eingetragen in der Verfassung und in der europäischen Menschenrechtskonvention (Artikel 20, das Recht auf friedliche Versammlung) –
und welches Thema könnte wichtiger sein als der Schutz unseres eigenen Lebensraums?

Denn wenn wir ehrlich sind:
Was genau tun wir eigentlich für den Schutz unserer Umwelt, unseres Planeten?
Klar, an vielen Dingen, die falsch laufen, können wir kaum etwas ändern, aber im Kleinen, da könnten wir viel bewirken –
stattdessen kaufen wir noch immer massenweise Einwegplastik, fahren jede kleine Strecke mit dem Auto, wir verwenden Duschgel voller Mikroplastik, packen die Jause unserer Kinder in Plastiksackerl, in den meisten Schulen stehen noch immer Kaffeeautomaten, die Plastikbecher ausspucken, und wenn unsere Kinder den Müll in ihren Klassenräumen trennen wollen, dann müssen sie sich selbst um die entsprechenden Mülleimer kümmern.
Und dann wundern wir uns, wenn sie plötzlich aufstehen und für eine Welt eintreten, in der nicht an jeder Ecke Müll liegt, in der auch ihre Kindeskinder noch ohne Schutzmaske atmen können?

Wann sind wir, die Erwachsenen, so beherzt für etwas eingetreten wie jene junge Frau, die in ihrer Beharrlichkeit fast beängstigend ist?
Wann haben wir, die Eltern, zuletzt unseren Protest formuliert, sind auf die Straße gegangen, haben unserem Unmut Luft gemacht?
Wann haben wir, die Vorbilder, die Augen vor der Realität verschlossen und aufgehört, an eine lebenswertere Welt zu glauben, nur weil wir darin nicht mehr leben werden?

Natürlich ist es für die Verantwortlichen an den Schulen ein schwieriges Thema, die Kinder müssen beaufsichtigt werden, niemand darf einfach so die Schule verlassen, jedes Kind braucht eine Entschuldigung der Eltern –
mit dieser allerdings sollte das Eintreten für die gute Sache möglich sein.

Ich muss gestehen:
In Sachen ‚möglich sein‘ würde ich mir (und mit mir sehr viele andere Eltern) etwas mehr Unterstützung für unsere Kinder wünschen, Verständnis dafür, dass sie Teil dieser überaus wichtigen Bewegung sein wollen, und auch ein wenig Respekt für das Engagement und den Mut –
der Schulstreik findet heute in mehr als 40 Ländern statt, tausende Kinder und viele Eltern und Lehrpersonen werden um fünf vor zwölf auf die Straße gehen, es ist kein ‚Heute schwänze ich die Schule‘, es ist ein ‚Wir müssen die Welt retten, denn niemand rettet sie für uns‘.

Deshalb, liebe Bildungsverantwortliche dieses Landes:
Fasst euch ein Herz!
Versucht zu verstehen, worum es geht, versucht, das große Ganze zu sehen, hebt die Augen von eurem eigenen Teller und blickt über den Rand:
Denn das geht uns alle an!

Niemandem darf die Zukunft unseres Planeten einfach egal sein –
auch wenn wir diese Zukunft nicht mehr erleben werden.
‚Hinter mir die Sintflut‘ hat uns erst an diesen Punkt gebracht, jetzt müssen wir gemeinsam dafür eintreten, dass die Sintflut uns nicht verschlingt, denn es geht um ein bisschen mehr als zwei unentschuldigte Fehlstunden.

In diesem Sinne:
Frohes Streiken allerseits!
Friedlich bleiben, keinen Unsinn machen, und nicht vergessen:
Gemeinsam sind wir stark!

Mit freundlichen Grüßen,
eine umweltbewußte Mutter aus Salzburg, in Vertretung vieler anderer Mütter und Väter, die stolz auf ihre Kinder ist, die heute für den Klimaschutz streiken –
und auf alle anderen Menschen, die das ebenso tun.

* * *

Liebe streikende Schülerinnen und Schüler, liebe Lehrpersonen, die ihr mitstreikt, liebe Direktor/innen, die ihr das Streiken zwar nicht erlauben könnt, aber unterstützt:
Danke!
Das Thema ist viel zu wichtig, um es nicht wenigstens gutzuheißen, denn es betrifft uns alle.

#FridaysForFuture!

* * *

Dies ist ein offener Brief an die Bildungsverantwortlichen unseres Landes –
teilen ist nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht!

* * *

Nachtrag:

‚Fehlstunden verkraftet man, den Klimawandel eher nicht.‘
Genau darum geht’s.
Hier im Live-Ticker sieht man:
Unglaublich viele Schülerinnen und Schüler sind trotz starken Regens auf den Straßen Salzburgs unterwegs –
Danke!

von den kleinen dingen. (#kolumne) (#ytt)

sinn.wort.spiel.

zwanzig kleine gesichter sehen mich erwartungs.voll an.
zwanzig kleine gesichter, die nicht genau wissen, was auf sie zu.kommt –
außer der tat.sache, dass mein für sie überraschender besuch eine aus.zeit vom schnöden schul.alltag bedeutet.

wir sitzen im sessel.kreis und sprechen über yoga
denn die lehrerinnen der alters.gemischten volksschul.klasse meiner tocher haben mich gefragt, ob ich kleine yoga.einheiten in ihren montäglichen schul.alltag einbauen könnte …
einerseits um für ein wenig abwechslung zu sorgen –
andererseits aber auch, um den kindern ein bisschen achtsamkeit zu lehren, körper.bewußtsein, und vielleicht sogar das wissen um die macht des eigenen atems.

die erste einheit ist eine frage.antwort.stunde.
eigentlich soll ich kurz erzählen, was yoga eigentlich ist, als auch schon die ersten kinder ihre arme in die luft strecken, um mitreden zu dürfen –
und ich stelle voller staunen fest, dass jedes kind zumindest schon einmal von yoga gehört hat, einige kennen es von ihren…

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