Was ‚Let it go‘ für mich bedeutet, und wieso es mich frei macht.

2018 sehe ich als mein persönliches Jahr an, um Dinge ziehen zu lassen –

Dinge, die mich belasten, Dinge, die ich nicht mehr brauche, aber auch Menschen, deren Wege sich mit meinem nicht mehr kreuzen, denen ich aber noch auf irgendeine Art und Weise verbunden bin.
Das Ziehenlassen hat nämlich den wunderbaren Nebeneffekt, dass es den Blick öffnet für Dinge, die jetzt da sind, die jetzt wichtig sind, und auf jene Menschen, die neben mir hergehen, nicht einfach nur so, sondern als Begleiter/innen.

Mitte Dezember, pünktlich zu meinem 40. Geburtstag, hab ich damit begonnen.
Ich hab als erstes mehrere Instagram-Accounts gelöscht, die zu betreuen mich eigentlich meist nur genervt hat, nur mehr mein Yoga-Account ist online, denn den lieb ich heiß.

Außerdem versuch ich schon länger, Dinge herzugeben, die ich nicht mehr brauche, Klamotten auszumisten, Bücher nur mehr zu leihen anstatt zu kaufen.
Auch auf Facebook bin ich viel weniger aktiv, vor allem deswegen, weil es nur Zeit frisst und mir als Gegenleistung ein schlechtes Gefühl gibt –
die Medien berichten vor allem Schlechtes, unsere momentane Regierung bringt auch kaum Gutes zustande, und die meisten Menschen nutzen Facebook vor allem dazu, um Gewinnspiele zu teilen oder ein bissl Dampf abzulassen.
Das kann schon recht belastend sein, muss ich zugeben.

Und ich hab meine Kontaktliste am Telefon durchgesehen und mir angeschaut, wen ich da seit Jahren drin hab, wer von diesen Menschen mir wirklich am Herzen liegt, und wer sich nur meldet, wenn es ihm oder ihr schlecht geht oder etwas gebraucht wird.

Und weißt du, was das Erstaunliche daran war?
Ich hab plötzlich erkannt, wer mir wirklich am Herzen liegt, wem ich wirklich am Herzen liege –
und dass die Flut an Kontakten, die man heutzutage hat, oft den Blick auf jene verschleiert, die immer da sind und neben uns hergehen, durch dick und dünn.
Das hat mir tatsächlich die Augen geöffnet.

Denn da sind eine Menge Menschen, die mir wirklich ans Herz gewachsen sind.

Die eine Yogini, die mir zum Geburtstag eine irrsinnig nette Nachricht schreibt.
Die andere Yogini, die mir eine tolle Amaryllis vorbeibringt.
Der Freund, der zu meinem Geburtstag extra aus Wien anreist.
Die Kinder, die jeden Tag wunderbar sind.
Der Gatte, der mir immer zur Seite steht.
Der Freund, der seit knapp 20 Jahren neben mir hergeht.
Die Freundin, die am Geburtstagsmorgen mit einer Orchidee vor der Tür steht.
Die inspirierenden Yogi/nis, die jede Woche in meine Kurse kommen, immer wieder, manche schon seit einigen Semestern.

Einfach alle, die mein Leben so wunderbar machen –
danke!

Genießt die Weihnachtsfeiertage!
#Namaste!

 

 

Wir Frauen haben’s nicht leicht, oder: Gemeinsam sind wir stark!

Auch wenn ich momentan hauptberuflich Yogalehrerin bin:
Die Feministin in mir schläft nicht.

Gerade im Yoga, wo weit mehr als die Hälfte aller Unterrichtenden und Übenden Frauen sind, ist Feminismus aber etwas, das keine so wirklich interessiert.
Die Übenden werden als Kunden bezeichnet, die Unterrichtenden grundsätzlich als Lehrer 
und auch wenn ich mich darüber nicht mehr so aufrege wie in jüngeren Jahren, muss ich doch gestehen, dass ich das schade finde.

Gerade in der vermeintlich so achtsamen Yogawelt müsste doch klar sein, welche Macht Sprache hat, und dass wir zusammenhalten müssen, wir Frauen, egal wie alt oder jung, dick oder dünn wir sind.
Stattdessen schweigt die Mehrheit bei schwierigen Themen wie #MeToo und wirft sich wegen Kleinigkeiten Knüppel zwischen die Beine, anstatt diese aus dem Weg zu räumen und gemeinsam als starke Einheit in die Zukunft zu marschieren.

Vor allem, wenn es um die Optik geht, kennt manch weibliche Kratzbürstigkeit keine Gnade.

 

Wenn du das gerade liest und eine Frau bist, dann kennst du sicher das Problem, dass du es nie jemandem recht machen kannst
egal was du tust.

Du trägst kein Make-up?
Meine Güte, wie siehst du denn aus? Bist du krank?
Du trägst Make-up?
Eine Yogalehrerin, die Make-up trägt? Das ist nicht sehr passend!

Du hast Kinder?
Oh, wie egoistisch, noch mehr Bälger in die Welt zu setzen!
Du hast keine Kinder?
Ach, wie egoistisch, dir geht es ja nur um dich selbst!

Du hast Kinder und bleibst bei ihnen zu Hause?
Ach, jetzt spielst du also Hausfrau und liegst dem Mann auf der Tasche?
Du hast Kinder und gehst arbeiten?
Oh, du bist eine Rabenmutter und lässt deine Kinder fremdbetreuen!

Du trägst sexy oder bunte Klamotten, bist aber nicht mehr 20 Jahre alt?
Meine Güte, kleide doch doch deinem Alter entsprechend!
Du trägst keine bunten oder sexy Klamotten, bist aber unter 40 Jahre alt?
Lass dich doch nicht so gehen, wie willst du denn so einen Mann abbekommen?

Diese Liste lässt sich endlos weiterführen –
und meistens sind es Frauen, die anderen Frauen ungefragt ihre (vermutlich nicht einmal gut gemeinten) Ratschläge aufdrängen …
auch und gerade im Yoga.

Ich hab da keine Lust drauf, ich sag’s dir ganz ehrlich.
Ich leb so, wie es für mich und meine Familie richtig ist, und seh die Dinge gern ein wenig anders.

Ich beurteile dich nicht danach, wie du aussiehst oder lebst, wie du dich kleidest oder was du arbeitest, wen du liebst oder was du isst –
und ich wünsch mir das auch von dir.

So einfach ist das.

Manchmal, wenn die Verwunderung in mir zu groß wird, schreib ich drüber, hier zum Beispiel, lass meinen Gedanken freien Lauf, aber ich nehme mir (nicht mehr) das Recht heraus, alles zu be- oder verurteilen, was andere tun –
auch das hab ich in den letzten Jahren lernen dürfen.

Und jetzt, jetzt schalt ich meinen Computer aus und freu mich auf meinen morgigen Geburtstag –
ich werde 40, werde mich aber bestimmt nicht meinem Alter entsprechend  kleiden oder benehmen, so viel steht fest.
(Ich weiß ja nicht mal, was das bedeuten soll.)

 

Ich würde mich aber sehr freuen, wenn du anlässlich meines Geburtstages einen oder zwei Euro für meine Spendenaktion spenden würdest.

Vielen Dank!
<3

#Namaste!

Weihnachten ist wunderbar! – oder: Kein Urteil, bitte.

Weihnachten naht mit Riesenschritten –
und in der yogischen Welt macht sich die alljährliche Aufregung breit:

Weihnachten und die Adventszeit, das ist doch viel zu laut, zu wenig besinnlich, zu viel Konsum, nimm Abstand davon, kauf keine Geschenke, mach da nicht mit!

Aber warum eigentlich?
Ist es unyogisch, Weihnachten toll zu finden?
Ist es unyogisch, die Adventszeit mit der Familie oder Freund/innen zu genießen?

Was ist schlecht daran, kleine Geschenke für die Lieben vorzubereiten, sich daheim einzukuscheln, über einen Weihnachtsmarkt zu wandern und die strahlenden Gesichter zu betrachten, an einem regnerischen Sonntag einen Weihnachtsfilm anzuschauen, oder gemeinsam leckere Weihnachtskekse zu backen?

Ist nicht genau das der Kern von Yoga?
Das Rückbesinnen auf die Familie, auf die Ruhe, die Stille, auf jene, die man liebt und von denen man geliebt wird?
Der Blick auf eine brennende Kerze beruhigt selbst unstete Kinderherzen, man fühlt sich geborgen –
und nichts ist erfüllender als das Strahlen in den Augen der Familie zu sehen, wenn die Kekse auch wirklich schmecken, wenn der Christbaum erstrahlt und ein, zwei Geschenke ausgepackt werden dürfen.

Im Advent fühl ich mich auf meiner Yogamatte übrigens noch wohler als sonst –
im Kerzenlicht yogieren, leise Musik, vielleicht sogar ein paar Schneeflocken, die vor dem Fenster tanzen…
perfekt.
(Ja, ich liebe Weihnachten!)

 

Ich kann schon verstehen, dass die Weihnachtszeit stressig sein kann, viele Menschen kaufen viel zu viel, überall erschallt Weihnachtsmusik –
aber wir reden im Yoga immer davon, dass wir nur uns selbst ändern können, dass wir lernen müssen, mit dem Außen umzugehen, weil wir es eben kaum beeinflussen können, und dass wir nicht urteilen sollen.

Wenn der Advent dich also stresst, nimm dir eine Auszeit, gönn dir entspannte Minuten oder Stunden auf deiner Yogamatte –
und wenn du Weihnachten generell nicht magst, dann ist das natürlich ok so.
Niemand muss Weihnachten toll finden …
aber alle dürfen.

Also üben wir uns doch in Gleichmut.
Lassen wir anderen doch ihre Freude –
und wenn Weihnachten uns selbst nicht erfreut, dann erfreuen wir uns doch an der Freude der anderen.

Was kann es Schöneres geben?

#Namaste!

 

 

Ein yogisches Hilfsmittel aus der Kosmetikabteilung? Na logisch!

Letztens baten einige Damen in der Donnerstags-Yogastunde um eine spezielle Einheit –
eine für die Füße.

Eine wunderbare Idee –
immerhin vergessen wir gern, was unsere Füße für uns leisten:
Wir stehen den ganzen Tag auf ihnen, zwängen sie in enge, vielleicht sogar hochhackige Schuhe, ständig sind sie von Stoff bedeckt und kommen kaum an die frische Luft.
Warum nicht eine eigene Yogastunde machen, in der wir uns für diese wundervolle Arbeit bedanken?

Im Sommer haben’s unsere Füße leichter –
sie dürfen ohne Socken außer Haus, sogar meist in offenen Schuhen, und sie spüren auch mal das Gras an ihrer Haut.

Im Winter aber, da sieht die Sache ganz anders aus –
wir tragen immer Socken (manchmal sogar nachts, wenn es ganz besonders kalt ist), die Füße stecken in dicken Schuhe, und der rutschige Boden draußen erfordert wahre Kunststücke, damit wir nicht über jeden Schneehaufen purzeln.
Und obwohl unsere Füße so viel für uns tun, vergessen wir sie gerne.
Schade, eigentlich.

Darum freu ich mich besonders auf die morgige Stunde im Seniorenbund Salzburg
wir werden uns ganz intensiv mit unseren Füßen beschäftigen, werden sie kneten und massieren, wir werden sie dehnen und strecken und falten …
und ein ganz besonderes Hilfsmittel benutzen, eines, das du vermutlich eher aus der Nagellackabteilung deines Drogeriemarkts kennst:

Zehentrenner!

Ich muss gestehen:
Ich schätze diese Teile mittlerweile wirklich sehr!
Gar nicht so sehr zum Nägellackieren, nein, sondern um meinen Füßen und Zehen etwas Gutes zu tun. Dandasana oder Uttanasana fühlen sich komplett anders an, wenn diese Zehentrenner die Zehen spreizen. Manchmal lasse ich sie sogar während Janu Sirsasana drin.
Und das Schönste ist das Gefühl, wenn man die Zehentrenner nach einigen Minuten entfernt und plötzlich ein ganz anderes Gefühl in den Füßen hat.
Probier es mal aus!

Aber Vorsicht:
Mach es gerade anfangs nicht zu lange. Probier erst mal aus, ob es dir überhaupt gut tut, und wenn ja, wie lange.
Weniger ist meistens mehr, gerade im Yoga!

Wenn wir morgen in der Fuß-Stunde dann die Zehentrenner entfernt haben, gönnen wir unseren Füßen eine sanfte Massage, natürlich mit Fußcreme –
denn gerade im Winter freuen sich die Füße über eine Extraportion Feuchtigkeit.

Socken drüber –
und Savasana  kann kommen.

#Namaste!

 

Ich muss beweisen, dass ich stricken kann? oder: Warum sich #YTTs ändern müssen.

Seit einigen Wochen häufen sich wieder die Einladungen zu Yoga Teacher Trainings, die jetzt im Herbst oder kommenden Frühling losgehen.
Ich könnte, wenn ich wollte, aus einer breiten Palette von meist recht teuren Ausbildungen wählen, viele davon klingen so toll, dass man sich fragt, warum sie nur ein paar Tage dauern, manchmal sogar nur ein Wochenende lang.
Mittlerweile bieten auch Institutionen Yogaausbildungen an, die eigentlich wenig bis gar nichts mit Yoga am Hut haben –
Tanzstudios, das WIFI, sogar Privatpersonen, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie überhaupt Yoga machen.

Ein meiner Meinung nach grundlegendes Problem an all diesen Ausbildungen hab ich hier schon genauer beschrieben, seit ich aber vor allem ältere Menschen unterrichte, hab ich erkannt, dass es eigentlich ein viel größeres, weil gefährliches Problem gibt:
Es fehlen wirklich wichtige Inhalte.

Etwa die genaue Anatomie des Menschen, der Umgang mit physischen Krankheiten, und natürlich auch der mit psychischen Problemen.
Vor allem aber fehlt mir die Abkehr von althergebrachten Traditionen, die zwar interessant zu wissen, für den Unterrichtsalltag aber keine Hilfe sind –
irreführende Ausdrücke, Anweisungen, die nicht mehr zeitgemäß sind, Haltungen und Bewegungen, die früher als heilsam galten, von denen man heute aber weiß, dass sie eigentlich schaden, und die unsägliche Annahme, dass Yoga alles heilen kann.

Ich verbringe viel Zeit damit, Yoga-Magazine und -Bücher zu lesen, analog und digital, ich speichere jeden Artikel, der mit uralten Mythen aufräumt, und alles, was mit der körperlichen Gesundheit von Menschen zu tun hat, kommt überhaupt in einen eigenen Ordner, damit ich es sofort abrufen kann, wenn ich es brauche –
und ich brauche es ziemlich oft.
Das Unterrichten hat nämlich gezeigt, dass die Mehrzahl der Yogi/nis mit Problemen zu kämpfen hat und genau deswegen zum Yoga kommt. Egal, wie alt die Menschen sind, jede/r von ihnen hat ein Thema, das belastet, ein Thema, das ich als Yogalehrerin kennen sollte, gar nicht so sehr, um den Menschen zu helfen, sondern vor allem, um das Thema nicht zu verschlechtern. Die wenigsten meiner Kolleg/innen sind ausgebildetete Physio- oder Psychotherapeut/innen, ich leider auch nicht, obwohl das sicher kein Fehler wäre, denn (ich wiederhole mich):
Die wenigsten Menschen kommen zum Yoga, weil es ihnen so gut geht.

In meinen bisherigen Stunden hab ich schon eine Menge Themen gesehen:
angefangen von den klassischen Rückenproblemen über Bandscheibenvorfälle, Gelenksbeschwerden und Migräne, bis hin zu Osteochondrose und anderen Krankheitsbildern, von denen ich bisher noch nie gehört habe.
Außerdem treff ich häufig auf Verdauungsstörungen, hatte schon mehr als ein/en Yogi/ni mit Depressionen und Burn Out, jemand mit Borderline-Persönlichkeitsstörung besuchte einen Kurs, ich habe zwei Mal eine Panikattacke während des Unterrichts miterlebt, und auch Magersucht ist ein allgegenwärtiges Thema.
(Ich möchte hier aber darauf hinweisen, dass ich nicht übermäßig viel unterrichte und vermutlich auch nicht alle immer erzählen, woran sie wirklich leiden.)
Davon abgesehen hat jede/r von uns einen ganz eigenen Körperbau, was also auch bedeutet, dass manche Asanas rein anatomisch gar nicht machbar sind –
auch das ist etwas, was noch nicht zu vielen Yogalehrenden durchgedrungen ist.
(Mit ein Grund, warum ich nicht mehr allzu oft Yogakurse besuche.)

Mittlerweile hab ich es mir angewohnt, sehr genau nachzufragen, welche Themen es gibt, und da ich das Glück habe, Gruppen von höchstens 15 Menschen unterrichten zu dürfen, klappt das auch sehr gut –
die Menschen kennen sich untereinander und haben auch zu mir Vertrauen gefasst, am Anfang der Stunde erzählen wir uns immer, wie es uns gerade geht und welches vielleicht neue Thema sich ergeben hat. Stunden mit bis zu 30 (oder sogar mehr) Menschen möchte ich gar nicht mehr halten, einfach weil ich mittlerweile weiß, wie wichtig es ist, die Menschen und ihre persönlichen Bedürfnisse zu kennen.

Wenn jemand von einem Problem berichtet, dem ich noch nicht begegnet bin, ist meine Vorgehensweise immer dieselbe:
Ich schlage in Fachbüchern nach, ich befrage das Internet, ich kontaktiere die Ärztin meines Vertrauens, und manchmal frag ich auch einen Physiotherapeuten, der mir gern weiterhilft, denn die Menschen in den Yogastunden erwarten, dass ich weiß, was ich da tu, dass es ihnen gut geht, wenn sie nach Hause gehen, und dass die Beschwerden eher besser als schlechter werden.
Und jedes Mal, wenn ich dann zu Hause sitze und nachlese und lerne, wundert es mich ein wenig, dass diese Probleme in Yogaausbildungen so wenig Platz bekommen, dass der Fokus viel zu sehr auf der eigenen Yogapraxis liegt, und dass wir Mythen weitergeben und Praktiken beibehalten, die rein fachlich gesehen einfach falsch sind und Menschen schaden können –
etwas das unleidige Aufrollen der Wirbelsäule nach einer Vorbeuge.
Hätte ich den verlinkten Artikel nicht gelesen, ich würde diese Übung noch immer selbst so machen und natürlich auch weitergeben, und vermutlich hätten die Yogi/nis mit Rückenleiden wenig Freude daran, vor allem an den Folgen.
Oder auch das Öffnen der Hüften, ein Ausdruck, der in Yogastunden gern verwendet wird, der aber irreführend ist, weil ein Öffnen der Hüfte bei vielen Menschen rein anatomisch gar nicht möglich ist.
Ach, und die Mär, dass wir Frauen während unserer Periode keine Umkehrhaltungen machen dürfen, weil das Blut sonst in den Bauchraum zurückfließt (wo es eigentlich nie war und was anatomisch nicht möglich ist), sollten wir endlich aus unseren Yogastunden verbannen – jede/r Gynäkolog/in wird bestätigen, dass das Quatsch ist. Solange sich eine Haltung gut anfühlt, darf sie auch gemacht werden …
bei Bauchschmerzen während der Periode fühlen sich Umkehrhaltungen aber oft nicht so klasse an, dann meidet frau sie eben, ganz einfach.
(Und sollte unerwarteterweise wirklich mal irgendwas an eine Stelle fließen, wo es nicht hingehört, dann kann unser Körper das schnell und einfach von dort entfernen. Meine Gynäkologin hat das bestätigt – und nicht nur sie.)

Mir ist natürlich klar, dass nicht jedes Krankheitsbild in einem Teacher Training angesprochen werden kann, aber ich finde es trotzdem sehr schade, wie wenig sich die Ausbildungen an neuen Erkenntnissen orientieren.
Stattdessen werden Mythen gelehrt, die mit den realen Gegebenheiten nichts zu tun haben, und damit meine ich gar nicht Dinge wie die Vorstellung von Chakras oder Prana, die zwar keine wissenschaftliche Basis haben, die aber eng mit der Yogatradition verbunden sind und recht einfach auf die Realität übertragen werden können, nein, ich meine faktisch falsche Dinge wie das Aufrollen der Wirbelsäule, mit denen ich meinen Yogi/nis wirklichen Schaden zufüge, selbst denen, die einen gesunden Rücken haben.

Wir sollten langsam darüber nachdenken, Teacher Trainings anders anzulegen –
und zum Beispiel nur Menschen zulassen, die auch wirklich selbst Yoga praktizieren, oder vielleicht ganz einfach eine Trennlinie ziehen zwischen Ich mache das YTT nur für mich und Ich möchte gerne unterrichten.
In meinem YTT wurde sehr viel Zeit damit verbracht, einzelne Asanas zu lernen – nicht, wie man sie lehrt, sondern wie man sie macht, einfach weil es einige gab, deren eigene Yogapraxis aus den Wochenenden des Teacher Trainings bestand. Die Anatomieeinheiten fanden dafür nur an wenigen Tagen statt, da musste ich sehr viel selber nachlernen.

Das ist natürlich ok so, ich lerne ja gerne selber nach und mache Workshops, aber manchmal, wenn ich im Unterricht stehe und jedem Anwesenden eine eigene Variation einer Haltung anbiete, weil es die körperlichen Gegebenheiten eben so erfordern, da wäre ich froh um eine genauere Grundausbildung. Einfach, weil nicht alle solche Streberinnen sind wie ich, weil wir uns endlich klar machen müssen, dass wir mit der Gesundheit von Menschen arbeiten, und dass diese eng verbunden ist mit dem Wissen, das wir haben –
oder eben nicht.
Ein Wochenend-Teacher Training kann vermutlich nicht einmal die Grundbegriffe vermitteln, geschweige denn eine fundierte Ausbildung bieten, und dennoch darf in Österreich jede/r Yoga unterrichten, ganz egal, was er oder sie gelernt hat.

#Funfact:
Wenn ich am Christkindlmarkt selbst gestrickte Hauben verkaufen möchte, brauche ich einen Gewerbeschein und muss bei der Wirtschaftskammer beweisen, dass ich stricken kann.
Wenn ich aber Yoga unterrichten möchte, brauche ich weder einen Gewerbeschein noch kontrolliert jemand, ob ich eigentlich weiß, was ich da tue – obwohl es um die Gesundheit der Menschen geht.

So richtig logisch ist das nicht, finde ich.

#Namaste!

 

Es herbstlt! oder: Warum ich nicht perfekt sein muss.

Der Wind, der uns die Haare ins Gesicht weht, fühlt sich kühler an –
und auch, wenn wir noch mutig barfuß durchs Gras laufen, merken wir doch, dass der Boden nicht mehr so warm ist wie noch vor einem Monat.
Rotgoldene Blätter fallen von den Bäumen –
und die Laubhaufen am Boden verleiten uns dazu, lustige Fotos zu machen und herumzualbern.

 

 

Dieses Foto hab ich übrigens gestern im Hellbrunner Park gemacht –
Bhujapidasana, die Armdruck-Haltung.
Gar nicht so einfach in Jeans.

Ich bin ein Fan von Ehrlichkeit, von Authentizität, und ich finde, das darf man auch auf Instagram sehen –
perfekt dürfen gern die anderen sein, ich mach lieber Quatsch mit meinen Kindern:

 

Habt eine feine Woche!
#Namaste!

Es muss nicht immer Zirkus sein. #KeepItSimple

Wenn ich morgens Kaffee trinke oder abends im Bett liege, scroll ich manchmal durch diverse Social Media Kanäle und schau mir Yogabilder und – videos an.

Vor allem Beiträge von Menschen, die mit dem Yogawheel arbeiten, haben es mir angetan –
doch in letzter Zeit finde ich verstärkt Beiträge, die zwar bewundernswert und wirklich toll sind, die mit Yoga aber nur mehr am Rande zu tun haben.
Hier ist etwa so ein Beispiel –
die Bilder und Videos sind ein Traum, kaum zu glauben, dass jemand wirklich sowas draufhat!

Ich merke aber verstärkt, dass die Menschen abwehrend reagieren, wenn ich das Yogawheel erwähne, und Dinge sagen wie:
Oh, das hab ich letztens auf Instagram gesehen, das ist viel zu arg, das kann ich sicher nicht.

Stimmt wahrscheinlich, ich kann das auch alles nicht. Und das, obwohl ich täglich auf meinem Wheel liege und damit yogiere.
Aber unter uns gesagt:
Das ist halt auch nicht das Yoga, das unsereins zu Hause macht.

Denn das ist High Level-Yoga, Profi-Yoga, vielleicht sogar eher Kunstturnen oder Akrobatik.
Bewundernswert, keine Frage –
aber sicher nicht das, was wir in Kursen oder daheim mit dem Wheel machen. Oder machen sollten –
immerhin kann man sich bei einigen dieser Kunststücke wirklich verletzen, wenn man sie einfach so zu Hause nachübt.

Die Yogapraxis auf dem heimischen Wheel sieht bei mir (und vermutlich den meisten anderen) eher so aus:

Ganz unspektakulär, dafür umso entspannender und eine große Unterstützung für viele Asanas. Und genau darum geht’s für mich, daheim und in den Kursen.
Yoga muss nämlich nicht spektakulär sein, Yoga steckt auch in den kleinen Dingen …
lasst uns diese Botschaft doch wieder in die Welt hinausschreien:

Keep it simple!

#Namaste!

Ich bin wieder da! <3

Was mich in den letzten Wochen und Monaten so abgelenkt hat vom Schreiben?
Der Alltag –
und dieser Alltag hatte mich wahrlich fest im Griff.
Arbeiten, Kinder betreuen, den Urlaub planen und dann genießen, Yoga am Strand genießen, eine kleine Ausbildung einbauen, wieder arbeiten …
und zwischendrin immer denken:

Wann ist denn endlich wieder September?
Denn:
Yoga zu unterrichten ist etwas besonderes –
die Stimmung, die Menschen, die Stille, das Atmen, und am Ende die lächelnden Gesichter und die Freude in mir, die wahrlich unübertroffen schön ist.

Und jetzt, Anfang Oktober, bin ich wieder drin im Unterrichten, im Ansagen, im Stunden erdenken und Flows aufschreiben, und ich muss gestehen:
Ich hab das wirklich vermisst!

Genießt die wunderbaren Sonnenstrahlen –
genau das werd ich jetzt auch machen!

#Namaste!

Was mich meine elektrische Schall-Zahnbürste gelehrt hat – und was das mit #Yoga zu tun hat.

Wir alle haben es schon oft gehört:
Yoga hat eine lange Tradition, bis zu 4.000 Jahre soll er schon auf dem Buckel haben –
plusminus.

Dabei hat Patanjali, der oft als jener Mann angeführt wird, der Yoga als erster beschrieben/erfunden/in Worte gefasst hat, nur davon geschrieben, wie die Sitzhaltung sein soll, in der wir meditieren, sthira sukham asanam, fest und entspannt, mit keinem Wort erwähnt er die 2.100 Haltungen, die es heute im Yoga zu geben scheint –
und es werden immer mehr.
Die Asanas, die wir heutzutage im Yoga gelehrt bekommen und lehren, haben eine weitaus kürzere Tradition –
und irgendwie scheint sich niemand so wirklich klar darüber zu sein, woher sie eigentlich kommen.
Aber ich schweife vom Thema ab …
denn darum geht es mir heute gar nicht.

In der Ausbildung haben wir grundlegende Regeln gelernt, wie Asanas auszuführen sind, und hier kommt sthira sukham asanam wieder ins Spiel, denn die Yoga-Haltungen sollen fest und stabil, aber auch entspannt und leicht ausgeführt werden.
Und natürlich lernt man in so einer Ausbildung ebenso, wie sich der Körper laut Yoga-Handbuch in den einzelnen Asanas bewegen soll, wie er dastehen soll –
und das ist etwas, worüber ich mir sehr oft Gedanken mache, weil diese Regeln oft im krassen Widerspruch zu wissenschaftlichen Anatomie-Büchern stehen …
oder zu meinem eigenen Körper.

Wenn ich mir den nämlich ansehe, erkenne ich schnell, dass diese angeblich Jahrtausende alten Regeln nicht für alle gelten –
sehr oft hab ich den Eindruck, sie gelten eigentlich nur für mega durchtrainierte Menschen, die hyperflexibel sind und täglich mehrere Stunden Yoga praktizieren.
Nicht für mich also – obwohl ich täglich praktiziere.

In unserer heutigen Welt, in der wir alle viel zu oft vor dem Computer sitzen, in der wir keine Zeit für morgendliche Dehneinheiten und viele von uns mit kleineren oder größeren Wehwehchen zu kämpfen haben, sind viele dieser Alignment-Vorgaben vor allem eines:
ungültig.

Wie ich das meine?

Ein Beispiel:
Jahrelang wurde ich in Yoga-Klassen angewiesen, aus Uttanasana langsam Wirbel für Wirbel aufzurollen. Niemand hat mir je gesagt, ich solle dabei die Knie leicht beugen
und obwohl ich aus früheren Trainingseinheiten eigentlich weiß, dass man beim Heben schwerer Gewichte immer die Knie beugen soll, hab ich die Anweisungen befolgt, ohne darüber nachzudenken.
Seit vielen Jahren gibt es im Yoga offenbar den Irrglauben, dieses Aufrollen mit gestreckten Knien sei generell sanfter für den Rücken –
aber das ist falsch, rein anatomisch gesehen.
Besser wäre es für die meisten, bei gestreckten Beinen den Rücken gerade nach oben zu führen –
oder eben die Beine zu beugen.
Ich bevorzuge übrigens ‚gebeugte Beine und gerader Rücken‘, das fühlt sich für mich am natürlichsten an.

Ich weiß nicht, ob auch dieses Aufrollen eine lange Tradition hinter sich hat, aber so muss es wohl sein, denn anscheinend wird es auch in indischen Yogaschulen so gelehrt –
und das bringt mich genau zu dem Punkt, zu dem ich heute kommen möchte:

Davon ausgehend, dass Yoga auf eine lange Geschichte zurückblicken kann, dürfen wir hier im Westen nicht ausblenden, dass die Wissenschaft weitergegangen ist.
Gerade in der Yoga-Community wird gerne vergessen, dass das Verständnis unseres Körpers, das Wissen um Krankheiten, Anatomie, Auswirkungen verschiedener Haltungen, uns einen anderen Blick auf einzelne Asanas und ihre Wirkung erlaubt, als es noch vor einigen Jahren möglich war.
Galt es früher als gesund, sehr lange im Kopfstand zu stehen, weiß man heute, dass das sogar gefährlich sein kann.
Wurde man früher in gewisse Haltungen hinein gedrückt, weiß man heute, dass manche Körper manche Asanas einfach nicht so ausführen können, wie sie beschrieben werden –
und benutzt stattdessen Gurte und Blöcke, um die Haltung dennoch möglich zu machen.
Auch wenn es im Yoga viel ums Spüren geht, um innere Ruhe, um Spiritualität und den Weg zu sich selbst, dürfen wir die Wissenschaft nicht vollkommen ausgrenzen –
unsere Vorfahren haben ganz wunderbare Erfindungen für uns gemacht, haben Medikamente entwickelt, Impfungen, haben den menschlichen Körper erforscht, innen und außen …
wir sollten diese Geschenke nicht mit Füßen treten, nur weil es gerade angesagt ist, sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen: Das bedeutet nämlich nicht, der Wissenschaft und der Medizin zu entsagen und wieder so zu leben wie vor ein paar tausend Jahren –
es geht auch anders.

Für mich bedeutet das:
Yoga muss immer direkt an den Menschen angepasst werden, der vor mir auf der Matte steht.
Der eine muss mit geradem Rücken üben, die andere langsam aufrollen, mancher braucht einen Gurt, und andere können die Haltungen genau so ausführen, wie so vor vielleicht Jahrtausenden erdacht wurden.
Natürlich macht das den Yoga-Unterricht um einiges schwieriger, denn das bedeutet, dass wir genau wissen müssen, wer da vor uns auf der Matte steht, dass wir jede Anweisung personalisieren müssen, und vielleicht damit aufhören, in einer Yoga-Klasse mehr als zwanzig Menschen zu unterrichten –
den Menschen zuliebe, die uns ihre Gesundheit anvertrauen.

Ich glaube, wir sollten wieder ein wenig davon abkommen, Dinge aus Prinzip so zu machen, wie sie vor vielen tausend Jahren in einem fremden Land gemacht wurden, und öfter darüber nachdenken, ob das heutzutage bei uns im Westen wirklich immer sinnvoll ist –
und ich gebe zu:
Das wurde mir letztens klar, als ich mit meiner neuen elektrischen Schall-Zahnbürste morgens im Badezimmer stand.

Über mehrere Jahre hinweg hab ich versucht, eine ökologische, biologische und dennoch sinnvolle Zahnhygiene in meinen Alltag einzubauen.
Ich hab morgens mit ayurvedischen Zahnölen gespült, minutenlang, was meinem Abluss nur bedingt gut getan hat. Klar fühlen sich die Zähne nach dem Ölziehen toll und glatt an, sie sind ja quasi eingeschmiert, aber so richtig begeistert hat mich das nicht.
Ich bin von Plastikzahnbürsten auf welche aus Bambus umgestiegen (und benutze diese manchmal immer noch, ebenso wie meine Familie, weil sie wirklich toll sind), und hab natürlich keine herkömmliche Zahnpasta mehr benutzt, sondern selbst gemachte mit Kokosöl (was mein Abfluss noch blöder fand) oder auf Basis von Natron oder Salz (mein Zahnfleisch hat gebrannt wie Feuer, schrecklich).
Außerdem hab ich mehrmals in der Woche auf Anraten einer Ayurveda-Beraterin meine Zähne mit Kurkuma geputzt – als Tee- und Kaffeeliebhaberin will ich ja trotzdem keine gelblich-braunen Zähne haben, und der gelbe Gatsch soll angeblich die Zähne aufhellen.
Nach mehreren Monaten, in denen ich das wirklich regelmäßig gemacht habe, kann ich nun sagen: Nein, Kurkuma hilft überhaupt nicht, ganz im Gegenteil.

Dann wurde meine alte elektrische Zahnbürste kaputt und ich hab mich im Geschäft spontan für eine Schallzahnbürste entschieden –
die ich jetzt seit drei Wochen benutze, meine Zähne sind mittlerweile strahlend weiß und fühlen sich toll an, dabei benutz ich nicht mal mehr Zahnpasta, sondern geb einen Tropfen Mundwasser (bio, aus einer Glasflasche) auf das Bürstchen, bevor ich putze.

Was ich damit sagen will:
Viele der Hausmittel, die wir von früher kennen, und auch viele der ayurvedischen Tipps, die auch ich gerne in meinen Alltag einbaue, stammen aus einer Zeit, in der die Menschen nichts anderes hatten.
Wer in der Apotheke kein Medikament kaufen kann, weil es keine Apotheke gibt, der nutzt natürlich die Kraft der Natur –
und gerade ich bin großer Fan von Naturheilkunde und hab mir auch einen Ruf als Kräuterhexe erarbeitet.
Trotzdem sollten wir nicht vergessen, all die wunderbaren Errungenschaften unserer Zeit zu nutzen –
und dazu gehört eben auch:

Lasst uns Yoga als etwas sehen, das sich entwickelt, lasst uns Naturheilkunde als etwas sehen, das wir mit Schulmedizin kombinieren, ohne diese abzulehnen –
wir dürfen und sollen auch im Yoga nach vorne schauen, der Zukunft entgegenschreiten …
auch wenn wir die alten Traditionen ehren.

#Namaste!

***

Wenn ich in diesem Artikel Yoga schreibe, meine ich damit den körperlichen Aspekt der Asanas.

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