Die Stille in uns selbst – oder: Lasst euch bloß keinen Stress einreden!

Gestern war ich unerhört mutig:
Ich war in einem Einkaufszentrum! So kurz vor Weihnachten! Und das auch noch freiwillig!
In diversen sozialen Medien hab ich auch heuer wieder recht oft gelesen, wie schrecklich das angeblich ist –
die vielen Menschen, die Hektik, alle stressen und kaufen und keiner ist besinnlich, es geht allen nur um den Konsum! Wer weiß denn schon, was Weihnachten wirklich bedeutet? Nur wer Weihnachten fernab von all dem Konsumwahn und Lichterketten feiert, begreift den eigentlichen Sinn davon.

Da ich heuer aber beschlossen hab, Geschenke nicht im Internet zu besorgen, und mir noch ein, zwei Kleinigkeiten gefehlt haben, bin ich also morgens früh um neun losgefahren, um der allzu großen Hektik zu entgehen.
Das haben sich außer mir aber noch ein paar andre Leute gedacht, schon der Parkplatz war brechend voll, ich hab mich also für das Schlimmste gewappnet, tief durchgeatmet …
und meine erste Überraschung erlebt:
Eine ältere Dame hat in der Hektik ein Schild übersehen und ist versehentlich einige Meter gegen die Einbahn gefahren.
Ich hab wirklich damit gerechnet, jetzt ein Hupkonzert zu erleben, aber weit gefehlt:
Ein Dutzend Autos fuhren einfach langsam ein Stück zurück, damit die Dame wenden konnte, es gab keine Aufregung, niemand hat gehupt, ein älterer Herr hat ihr beim Wenden geholfen.
Einfach so.

Eigentlich war ich der Ansicht, dass ich eben zufällig an ein paar entspannte Leute geraten bin –
aber auch damit lag ich falsch:
Obwohl wirklich sehr viele Menschen im Einkaufszentrum herumliefen, war es eigentümlich still, sanfte Weihnachtsmusik war zu hören, die Leut haben sogar miteinander geredet!
Und als plötzlich eine Durchsage kam, dass sich doch bitte ein Arzt oder eine Ärztin bei der Information einfinden soll, sind allein aus dem Laden, in dem ich war, drei Leute losgelaufen.

Hm.
War ich im falschen Film? Wo war jetzt der Konsumwahn, die Hektik, der Egoismus, so knapp vor Weihnachten?

An einem Stand mit Produkten heimischer Imker/innen hab ich dann wirklich lang mit der Verkäuferin geplaudert und ein Geschenk bekommen, der Apropos-Verkäufer war umringt von Menschen, die ihm Geld und kleine Geschenke überreichten, und überall waren lachende Gesichter zu sehen.
Es herrschte eine so angenehme Stimmung, dass ich mir spontan einen Kaffee gekauft und mich mitten zwischen die Leut auf eine Bank gesetzt hab …
einfach weil es so fein war.
(Alle Vorbeigehenden haben mich übrigens angelächelt, manche sind sogar stehen geblieben und haben mir Frohe Weihnachten gewünscht. Mein Trick? Ich hab gelächelt.)

Und während ich so auf dieser Bank gesessen bin, ist mir ein Licht aufgegangen:

Weihnachten ist das, was wir draus machen.

Ich als bekennender Weihnachts-Fan brauch nicht viel, um in Weihnachtsstimmung zu kommen –
eigentlich bin ich ja das ganze Jahr in Weihnachtsstimmung, ich verberg es nur (mehr oder weniger) gekonnt.
Und mir ist klar, dass es vielen Menschen anders geht.

Aber ich denke, wir dürfen nicht einen schweren Fehler begehen:
zu glauben, dass wir das Recht haben zu kritisieren, was wir vielleicht einfach nicht verstehen oder anders empfinden.

Manch eine/r entflieht dem weihnachtlichen Trubel auf eine einsame Insel, andere verbringen die Tage in den Bergen, manche feiern im Kreise der Familie, andere wiederum mit Freund/innen auf einer Party …
manch eine/r beschenkt seine Familie reichlich, andere haben für jeden lieben Menschen genau ein Geschenk, manche sammeln schon unterm Jahr Geschenke, andere wiederum besorgen sie im letzten Moment …

und das ist okay so!

Gerade in yogischen Kreisen wird es gern für schlecht befunden, wenn man Weihnachten ganz klassisch angeht –
im dunklen Wohnzimmer, nur erhellt vom Licht der Christbaumkerzen, mit ein paar Geschenken unter dem Baum und leckerem Essen auf den Tellern.
Der Konsum wird kritisiert, die Abhängigkeit von Annehmlichkeiten wie Strom oder dem Auto, die Hektik und der viele Stress …
und dabei vergessen die Kritiker/innen recht oft, dass Stress etwas ist, das man sich selber macht –
und dass gerade wir Yogi/nis gelernt haben sollten, damit umzugehen.

Wer an Weihnachten um die halbe Welt fliegt, um dem Konsum zu entgehen, macht einen entscheidenden Denkfehler …
wer Weihnachten nur als stressige Zeit voll nervtötender Songs betrachtet, sollte mal in sein Inneres lauschen …
wer Weihnachten so entsetzlich findet, dass er in die Berge flüchten muss, soll das machen …
aber bitte:

Macht uns anderen kein schlechtes Gewissen!

Ich liebe Weihnachten, den Duft von Weihrauch, leuchtende Kinderaugen, Vanillekipferl und Bing Crosby –
und ich darf das!

Und vielleicht, ganz vielleicht, kann es sein, dass Ihr Weihnachtsmuffel einfach noch nie einen wirklich besinnlichen, gemütlichen Weihnachtsabend mit der Familie erlebt habt …
probiert es mal aus, das ist wirklich schön!
(Und ganz nebenbei auch Weihnachten im eigentlichen Sinn.)

Denn eins ist sicher:
Weihnachten ist das, was wir draus machen.

***

Happy Weihnachten, Ihr Lieben!

 

 

2 Kommentare zu „Die Stille in uns selbst – oder: Lasst euch bloß keinen Stress einreden!

  1. Ein wundervoller und ehrlicher Beitrag!!!! Ich denke auch oft, dass Stress hausgemacht ist. Manchmal lassen wir uns Stress einreden und machen ihn uns selbst….

    Wundervolle Weihnachtstage wünsche ich dir!

    Gefällt 1 Person

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