Zauberei gibt es nicht – oder: Warum ich gegen Schwurblerkram kämpfe

Ich bin in der Yogaszene wohl ziemlich allein mit meiner Ansicht, dass Wissenschaft toll ist und wir keinesfalls aufhören dürfen, dieser Wissenschaft zu vertrauen.
Ja, das Bauchgefühl ist was Schönes, und ja, darauf sollte man auch öfter mal hören –
es kommt aber immer darauf an, in welchem Kontext.
Denn das mit dem Erspüren und Erfühlen, das ist nicht immer sinnvoll.

Etwa dann, wenn ein Kind erspürt, dass die bevorstehende Impfung dem Körper gerade keinen Nutzen bringt. No na net will sich ein kleines Kind nicht unbedingt impfen lassen, wer freut sich schon über eine lange Nadel, mit der man gepiekst werden soll.
Meine Kinder haben von ihrer Oma, einer Ärztin, gelernt, warum impfen so wichtig ist und gehen freiwillig impfen –
Zitat meiner mittleren Tocher: Lieber einmal pieksen, dafür nachher keine Angst haben müssen.
Weise Worte aus dem Mund einer 11jährigen.

So weise sind viele Erwachsene aber nicht mehr –
selbst Menschen, die mit mir studiert haben und einen akademischen Titel tragen, fürchten sich vor den Nanobots, die angeblich in der MMR-Impfung stecken und den kindlichen Körper ausspionieren.

Und genau diese Menschen sind der Grund, warum ich so vehement reagiere, wenn jemand beginnt, sich für solchen Unsinn zu interessieren –
denn die Grenzen sind schwammig.
Werden heute noch lustige Tarotkarten gezogen, die ja jedesmal so treffsicher die eigene Situation beschreiben (Barnum lässt grüßen), ist es morgen schon die Impfkritik –
und ein paar Wochen später wird löffelweise Terpentin eingenommen, um sich von den Parasiten zu befreien, die angeblich im eigenen Darm wohnen und erstaunliche Ähnlichkeit mit Schleimhaut haben.

Egal wohin man blickt:
Die Schwurbler/innen sind überall.
Die einen ziehen täglich eine Engelskarte, die anderen malen sich Runen auf verstauchte Körperteile, manche lassen sich Haare als Glücksantennen auf den Zehen wachsen, andere schneiden ihren Kindern nie die Haare, weil da ja die vorgeburtlichen Erinnerungen drinstecken. Es gibt Menschen, die Steine mit Sonnenlicht aufladen, mit dem sie dann ihr Wasser energetisieren, oder welche, die sich jeden Abend in eine Wolke aus Weihrauch setzen, um sich vor den Dämonen zu schützen, die des Nachts von ihnen Besitz nehmen wollen. Einige glauben, Nahrungsergänzungsmittel bestimmter Firmen einnehmen zu müssen, um gesund zu bleiben, andere schwören auf die tägliche Dosis Zucker in Globuliform, egal bei welchem Leiden, und dann gibt es noch welche, die sich  gefährlichen Scharlatanen anschließen, Essig gegen Chemtrails verdampfen oder den Staat an sich ablehnen.
Sie alle eint der Glaube an die eine oder die andere Verschwörungstheorie, egal wie oft man ihnen erklärt, dass das Blödsinn ist.
Diskutieren ist aber unmöglich, die Argumente oder Beweise werden so gedreht und gewendet, wie es gerade in den Kram passt –
sogar von Menschen, die mit mir im Seminar ‚Wissenschaftliches Arbeiten‘ saßen und eine bessere Note hatten als ich.

(Meine Mutter versuchte übrigens ihre myotone Dystrophie mit den Zahlen eines russischen Gurus zu heilen, für die er ihr eine wirklich große Geldsumme abknöpfte. Außerdem wollte sie die böse Erdstrahlung mit einer speziellen, ebenfalls sehr teuren Matratze abwehren und gab eine Zeitlang viel Geld für Nahrungsergänzungsmittel aus. Beim Arzt war sie nach der Diagnose nicht mehr, bewegt hat sie sich auch nicht mehr. Wär vermutlich besser gewesen.)

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💚 out of bed, onto your mat. Klingt immer super, oder? Ist aber meistens nicht die Realität … denn als #Yogamom muss frau vorher noch: – die Kinder wecken – das Frühstück machen – die Jause machen und einpacken – diverse Frisuren checken – manchmal Nerven beruhigen – die Meerschweinchen mit Futter versorgen und natürlich die ganze Familie zum Abschied küssen 😊 … und erst dann ist kurz Zeit für ein paar Sonnengrüße auf der Matte im Garten. Und das ist wunderbar so! 🙏🏼 #nomakeup #nobra #gartenyoga #timelapse #video #kinder #mama #outdooryoga #morninghasbroken #siblandthewheel #yogateacher #yoga #salzburg #igerssalzburg #yogaspace #yogalover #yogini #yogaaddict #mindful #achtsamkeit #mindfulmoments #namaste #yogaeverydamnday #instayoga #yogagram

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Jetzt könnte man sagen: Lass sie doch.
Das geht aber leider nicht, und zwar aus zwei Gründen:
Einerseits, weil diese Menschen vom Hundertsten ins Tausendste kommen: Es geht mit einer Kleinigkeit los, etwa dem Ziehen der täglichen Engelskarte, und endet damit, dass sie ihren Kindern Chloreinläufe gegen überhaupt alles verabreichen.
Andererseits, weil sie ihre kruden Thesen lautstark in die Welt posaunen.
Gerade Yogalehrer/innen nutzen ihre Stunden und ihre Reichweite dafür, jeden Blödsinn, den sie angeblich erspürt haben, ihren Yogi/nis als Wahrheit zu verkaufen …
und da wir als Lehrende tatsächlich eine Sonderstellung einnehmen, glauben uns die Menschen, was wir sagen.
Ein Teufelskreis, den ich zu durchbrechen versuche, indem ich mich sehr für all diese Dinge interessiere, um sie dann entkräften zu können …
etwa mit einem Besuch bei der Esoterik-Messe.

Es mag seltsam anmuten, dass gerade ich als Yogalehrerin all diesen Schwurblerkram ablehne …
doch für mich ist es eigentlich ganz einfach:
Yoga an sich ist toll, kann aber nicht alles heilen
Yoga wirkt erwiesenermaßen bei einigen Leiden sehr gut – bei Depressionen etwa, oder bei Rückenleiden aller Art, und immer dann, wenn jemand Entspannung sucht oder einfach beweglich bleiben möchte.

Wenn jemand in meine Yogastunden kommt, dann frag ich immer sehr genau nach, was die Erwartungen sind und welche Leiden dieser Mensch mitbringt …
und dann beginnt für mich das Lernen:
Ich lern wieder Anatomie, befrage befreundete Physiotherapeut/innen und Ärzt/innen, manchmal auch Psychotherapeut/innen. Die Menschen sollen sich nach dem Yoga ja gut fühlen … und dafür ist ständiges Lernen wichtig, find ich. Manche Lehren des Yoga sind in der heutigen Zeit überholt, werden in den YTTs aber dennoch gelehrt, während das wirklich Wichtige, weil Aktuelle, einfach vergessen wird.
Das muss sich ändern!

In meinen Stunden gibt es keinerlei Zauberei, keine Mantras, keine pseudophilosophischen Merksätze, wir yogieren weder nach dem Horoskop noch nach den Mondphasen, wir singen keine Mantras oder Oms –
und dennoch kommen die Menschen immer wieder in die Stunde und verlassen sie vollkommen entspannt. Es geht nämlich auch ohne Schwurbeleien, Yoga muss weder esoterisch noch religiös sein, und auch Meditation funktioniert klasse auf wissenschaftlicher Basis, ganz ohne religiöse Mantras –
Religion ist für mich nämlich Privatsache:
Wer glauben will, darf das natürlich, in meiner Yogastunde hat das aber keinen Platz.

Und wenn Schwurbelei gefährlich wird, dann sollte sie nirgends Platz haben dürfen!

* * *
Alle von mir gebrachten Beispiele sind aus meinem Bekanntenkreis – erschreckend, oder?

‚ich geh jetzt in eine spezielle energie‘ – oder einfach auf die esoterikmesse. (#kolumne)

Gestern war ich auf der Esoterikmesse –
und seitdem ist mir noch klarer als zuvor:
Gerade als Yogalehrerin will ich mit all dem nichts zu tun haben.

Grauslich!
Aber lies selbst.

sinn.wort.spiel.

eines wird mir ganz plötzlich klar, als ich auf der esoterikmesse spontan beschließe, doch einen artikel über meinen besuch hier zu schreiben:
die zahl meiner facebook.freund/innen wird sich danach drastisch verkleinern.
kritik an allem, was man nur spürt (wenn überhaupt), was man aber auf keinen fall beweisen kann (wozu auch?), ist heutzutage nicht gern gesehen –
nicht mal unter meinen studierten freund/innen.
und richtig:
schon die ankündigung eines solchen artikels lässt die emotionen hochkochen:

‚du bist so gemein!‘
‚du verbreitest negative energie, merkst du das denn nicht?‘
‚deine fb.seite ist so negativ, poste doch mehr guglhupf.bilder!‘

nein. möchte ich nicht.
ich möchte euch viel lieber erzählen, was ich auf der esoterikmesse erlebt habe –
denn das war so schlimm, dass ich selbst beim daran denken noch bauchweh bekomme.
aber lest selbst.

***

gut gelaunt betrete ich mit einer freundin die halle, in der die aussteller/innen ihre stände aufgebaut haben. es…

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Einfach ehrliches Yoga, ohne jeglicher Zauberei.

Wer sich dazu entschließt, Yoga zu unterrichten, muss sich erst einmal fragen:

Was für eine Art von Yoga möchte ich unterrichten?

Wie möchte ich den Menschen vermitteln, dass Yoga toll ist – gerade ich, der unesoterischste Mensch, den ich kenne?!
Ständig sagen mir die Leute:
Dass gerade du Yoga unterrichtest, du magst doch Esoterik nicht.
Oder:
Yoga ist mir zuviel Shanti shanti …
was auch immer das bedeuten soll. Denn Yoga an sich ist weder esoterisch, noch hat es was zu tun mit Gesangsübungen in fremder Sprache.
Ich war also selbst ein bisschen unsicher, was ich auf all diese Fragen eigentlich antworten soll.

Gestern abend auf meiner Yogamatte jedoch hatte ich dann auf einmal den ganz klaren Gedanken:
Ich möchte bloß ehrlich sein.

Yoga ist gut für Körper und Geist –
unzählige Studien beweisen das mittlerweile.
(Ja, andere Studien beweisen das Gegenteil, das ist mir klar, aber diese Studien beziehen sich meist darauf, dass etwa Anfänger/innen versuchen, sich in den Skorpion zu drücken und sich dabei verletzen … was mir immer im Herzen weh tut. Drum kämpf ich auch für Yoga ohne Ego, denn:
Wer nicht aufrecht im Berg stehen kann, braucht an den Kopfstand nicht zu denken.)

Sich yogisch zu bewegen, den Geist zu beruhigen und sich selbst einfach mal eine Auszeit zu gönnen – das ist für mich Yoga.
Ich bin auch keine Yoga-Therapeutin … dafür gibt es andere.
Wer also mit schweren Verletzungen zu kämpfen hat, der sollte lieber ausgebildete Therapeut/innen aufsuchen, die eine jahrelange Ausbildung in Sachen Anatomie hinter sich haben.
Mir und dem eigenen Körper zuliebe.

Auch Meditation ist toll für uns –
nicht umsonst meditieren Spitzensportler/innen und Top-Manager/innen täglich.


Meditieren hat aber nichts mit Räucherstäbchen zu tun, man muss nicht unbedingt still sitzen, Mantras singen oder verschiedenste Sanskrit-Silben summen, von denen man nicht einmal weiß, was sie bedeuten.
Man kann auch unter einem Baum liegen und mit geschlossenen Augen das Gras spüren.
Oder sich auf der Matte einkuscheln und einfach mal in sich hineinhören.
Das tun wir nämlich viel zu selten, obwohl es so gut tut – es zahlt sich wirklich aus, das mal zu probieren.
Ohne Druck, ohne ‚das muss genau so sein‘, einfach zur Ruhe kommen und für wenigstens ein paar Minuten den Alltag vergessen.
Ich versprech euch: Das ist genial!

Für mich zum Beispiel ist auch Stricken Meditation –
der Geist ist vollkommen frei von Gedanken, ich seh nur, wie die Maschen sich vermehren und bin ganz bei mir.

Ich möchte aber auch ehrlich sein in der Art, wie ich mein Yoga präsentiere.
Detox Flow?
Braucht kein Mensch – das klingt vielleicht gut und ist gerade ein Trend in Sachen Wellness  –
aber in unserem Körper gibt es keine Gifte, die man mit ein paar Drehhaltungen entfernen könnte.
(Und das ist gut so, wir würden sonst relativ schnell sterben, es macht ja nicht jede/r Yoga oder wöchenliche Detox-Kuren.)
Drehhaltungen sind toll, keine Frage, ich liebe sie vor allem, weil sie oft so fordernd sind, sie haben mit ‚Detox‘ aber nichts zu tun.

Und ich muss gestehen: Ich halte auch wenig von ‚alternativen‘ Dingen aller Art – und das, obwohl ich mittlerweile mit Leib und Seele Yogalehrerin bin.
Klingt komisch? Ist aber so.
Homöopathie? Ist kein guter Ersatz für echte Medizin, dazu müssten Wirkstoffe enthalten sein.
Impfgegner/innen? Sind gefährlich, das unterstütze ich auf keinen Fall.
Horoskope? Hab ich ohne weitere Vorkenntnisse neben dem Studium für Frauen-Magazine geschrieben. Muss ich mehr sagen?

Und genau, weil ich eigentlich ein so kritischer Mensch bin, finde ich Yoga genial –
weil ich spüre, dass es wirkt, ganz ohne Zauberei, weil ich nach zehn tiefen Atemzügen auf meiner Matte (logischerweise) spüren kann, wie mein Herzschlag sich verändert, weil ich es genieße, abends mal für kurze Zeit mein Gedankenkarussell ausschalten oder meine Restless legs beruhigen zu können …
eine Wohltat!
Dafür zünd ich zwar auch manchmal Räucherstäbchen an, weil ich Räucherstäbchen liebe, nicht aber, weil sie meine Chakren stimulieren, und ich singe auf der Matte sogar laut Om, wenn ich Lust darauf habe, weil ich die Vibration liebe und die Art, wie sich meine Stimme beim Singen verändert …
aber ich würde niemanden dazu zwingen.

Und ich glaube, darum geht’s im Yoga:
niemanden zu etwas zwingen, das tun, was aus dem Herzen kommt, was sich richtig anfühlt, und die anderen so akzeptieren, wie sie sind.
Wer gern Mantras singt und chanten möchte, ist jederzeit dazu eingeladen, das auch zu tun –
in meinen Yogastunden wird es das allerdings nicht geben.
Ich hab auch nicht vor, allzuviele Sanskrit-Worte zu verwenden …
einfach weil ich mit Menschen arbeite, die sich bewegen und entspannen wollen, vermutlich aber keine Fremdsprache erlernen.

Ich werde einfach versuchen, achtsam auf jede/n Einzelne/n einzugehen, sodass auch wirklich jede/r mit einem Lächeln im Gesicht den Raum verlässt –
ausgepowert vom Yoga, erholt von der Entspannung samt Augenkissen und sanfter Musik oder auch mal in totaler Stille.

Klar, auch mein geliebtes Yogarad werde ich in die Stunden einbauen, aber ich glaube, ich weiß jetzt, wie mein persönliches Yoga aussieht (denn ich bin überzeugt davon, dass jede/r von uns einen persönlichen Yogastil hat):

achtsam und klar, lustig und spannend, unesoterisch und ohne Dogmen – und vollkommen ohne religiösen Touch.
Denn Yoga ist mittlerweile im Jahr 2018 angekommen, gerade hier in Westeuropa. Yoga ist natürlich stark von Traditionen geprägt, und ich bin stolz darauf, diese Wurzeln kennengelernt zu haben und mein Wissen darüber zu vertiefen, weil es spannend und interessant ist zu lernen, woher das kommt, was man so liebt …
aber das ist mein Hobby, nicht meine Berufung:
Einfach, weil es viele Menschen gibt, die denken wie ich, und die trotzdem gern yogieren möchten …

weil es so gut tut!

#Namaste!

*

Wichtiger Nachtrag:
Wenn ich schreibe, dass mein Yoga ehrlich ist, frei von Mantras und Esoterik, dann heißt das nicht, dass Mantra singende Yogalehrer/innen nicht ehrlich sind –
es wäre bloß nicht ehrlich, wenn ich das machen würde.
Weil es nicht meins ist, weil es nicht von Herzen käme, weil ich jemanden spielen würde, der ich nicht bin –
und das ist ganz bestimmt nicht der Sinn von Yoga.
Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass es unehrlich ist, sich auf Gesundheits-Trends wie etwa Detox zu berufen und so Kund/innen zu gewinnen –
weil nix dahintersteckt, weil man den Menschen einredet, dass sie etwas in sich haben (in diesem Fall Schlacken), das sie loswerden müssten –
und das ist Unsinn.
Und unehrlich.

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