#MeToo im #Yoga? (Ein #Aufschrei)

In den letzten Wochen hörte man in den Medien immer wieder von einem Missbrauchs-Skandal bei Agama Yoga
Frauen und Männer berichten von sexuellen Übergriffen, von sektenähnlichen Machtstrukturen und heilenden Therapien, die sich in Wahrheit als Sex mit dem Guru haben müssen entpuppten.

Wer sich jetzt fragt, wie etwas so Schreckliches gerade in einem vermeintlich so achtsamen Umfeld wie der Yogaszene passieren kann, dem möchte ich gerne eine Antwort darauf geben:
Das unerträgliche Schweigen macht’s möglich.

Denn:
Niemand aus meinem engeren Yoga-Umfeld –
ich wiederhole: niemand! –
hat auch nur ein Sterbenswörtchen dazu gesagt.
Und auch sonst kaum jemand.

Und ich meine damit nicht die Opfer, deren Schweigen nur allzu verständlich ist, nein:

Ich meine alle, die davon wissen und nichts dazu sagen, keinen Einspruch erheben.

Die vorwiegend weiblichen Yogalehrenden, die merken, was in manchen Yogastudios abgeht.
Die Yogalehrenden, die in den thailändischen Ashrams arbeiten und absichtlich wegsehen.
Jene, denen kein Es tut mir leid oder Kann ich dir helfen? über die Lippen kommt.
Nicht einmal ein Wir müssen da über etwas reden.
Und auch jene, die im Nachhinein sagen: Ja, davon hab ich gewusst.

Warum habt ihr dann nichts gesagt?!

Im Yoga reden wir immer davon, dass wir nur uns selbst ändern können, dass wir die Welt um uns deshalb akzeptieren müssen, weil uns ja gar nichts anderes übrig bleibt, wir fokussieren auf das, was in uns selbst stattfindet.
An sich ein gutes Konzept …
ändern können wir ja wirklich nur uns selbst.
In meiner Ausbildung aber sagte der Mann, der uns yogische Philosophie lehren sollte, dass wir uns emotional abkoppeln müssen von dem, was im Außen passiert, weil wir ja nur das Innen beeinflussen können –
und ich fand den Gedanken so unfassbar schlimm.
Warum?

Genau wegen Vorfällen wie jenen im Agama Yoga.

Vielleicht kann ich nur mich selbst ändern, mag sein, und ja, daran arbeite ich auch jeden Tag –
aber ich kann sehr wohl auch beeinflussen, wie es den Menschen rund um mich geht. Ich kann beeinflussen, was Menschen erleben, was sie wissen, ich kann ein Vorbild sein und anderen den Rücken stärken.
Und ich kann helfen.
Denn ich bin zwar Yogalehrerin, vor allem aber bin ich Frau, Mutter, Freundin und Kämpferin –
und ich finde, wie dürfen uns nicht vor der Verantwortung drücken und auf uralte yogische Philosophien verweisen, auch wenn wir Angst haben, wenn es schwierig ist, wenn wir nicht mehr weiter wissen.

Denn dieses Schweigen ist einfach nur feige –
und es hilft den Tätern in ihrem Tun.
Das kann ja wirklich niemand wollen, oder?

#Namaste.

* * *

Die Presse hat über Agama Yoga geschrieben, im Speziellen auch über das Studio in Linz. Mittlerweile ermittelt sogar schon die Staatsanwaltschaft.
Und ja, ich hab was dazu gesagt, denn ich hatte etwas zu sagen.
Ich bin knapp 40 Jahre alt und habe mehr als einmal (auch sexuelle) Übergriffe erlebt, wie vermutlich die Mehrheit aller Frauen –
nichts zu sagen ist in diesem Fall einfach keine Option.

Vielleicht ist Reden silber und Schweigen gold, auf viele Situationen im Leben mag das zutreffen –
im Fall von sexuellem Missbrauch aber gilt diese Regel nicht, da gibt’s nur eins, was hilft:

Drüber reden!

* * *

UPDATE:

Ich habe mich dazu entschieden, öffentlich mit meinem Namen gegen den Missbrauch einzutreten
danke an die Presse für diese Möglichkeit.

Nur unser gemeinsamer Aufschrei kann diese Machtstrukturen durchbrechen und aufzeigen, was hinter den Kulissen gespielt wird –
ein Spiel, das wir endlich beenden müssen!

4 Kommentare zu „#MeToo im #Yoga? (Ein #Aufschrei)

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