Schwurbelkram mag ich nicht – oder: Warum muss es immer Zauberei sein?

Ein knappes Monat hab ich jetzt meine kleine Glatze, die durch Alopecia Areata, den kreisrunden Haarausfall, verursacht wurde.
Das Einzige, das sich seitdem verändert hat, ist meine Haarfarbe.

Ich hab seit vielen Jahren meine eigentlich mausbraunen Haare gefärbt …
meistens blond, manchmal rot oder braun. Gerade das blondieren ist aber sehr schlecht für die Haare, das möchte ich ihnen nicht mehr antun.
Also hab ich die Packung Henna geschnappt, die ich noch im Badezimmer stehen hatte, und als Start in den September meine blondgrauen Haare kurzerhand braun gefärbt.
Mit gutem Gewissen, denn Henna gilt als besonders gesund für Kopfhaut und Haare –
man merkt wirklich, wie dick und gesund sie sich danach anfühlen, und ich muss mich noch nicht mit grauen Haaren abfinden.
(Dazu bin ich leider zu eitel.)

September ist übrigens Alopecia Awareness Month
eine spannende Sache, weil ich dadurch viele Menschen kennenlerne, die darunter leiden, weil ich lerne, wie sie damit umgehen …
und leider auch, was sie alles machen, damit die Haare wieder sprießen.

Denn wie immer, wenn Menschen unter etwas leiden, für das es keine echte Therapie gibt, kommen jene aus ihren Löchern gekrochen, die daraus Profit schlagen wollen.

Ich habe Menschen kennengelernt, die Globuli aller Art zu sich nehmen, in diversen Mischungen. Ich bin aber nicht sicher, ob Zucker wirkungsvoll gegen entzündlichen Haarausfall ist.
Dann sind da Menschen, die Schüssler Salze einnehmen, auch in diversen Mischungen. Hier stellt sich ebenso die Frage: Was genau soll der Zucker für die Haare tun?
Andere schmieren sich allerlei Seren, Öle oder spezielle Mischungen auf die haarlosen Stellen. Klettenwurzelöl etwa –
das mach ich übrigens auch, aber einfach nur, weil die Stelle manchmal trocken ist und dann juckt, und weil es für die Psyche gut ist, etwas zu tun.
Dass Klettenwurzelöl von außen hilft, wenn mein Immunsystem meine eigenen Haarewurzeln angreift, ist aber nur Wunschdenken.
Viele diese Mittel und Seren kosten ein Vermögen, ebenso die Pillen, die man dazu einnehmen muss …
und nichts davon gilt aus medizinischer Sicht als wirkungsvoll.

Sämtliche Ärzt/innen, mit denen ich gesprochen habe, raten davon ab, allerhand teure Mittel zu schmieren oder einzunehmen, weil keins davon wirkt. Höchstens eine Psychotherapie wurde mir empfohlen, falls der Haarverlust mich psychisch belastet (was er nicht tut).
(Ich bin übrigens stark dafür, dem eigenen Arzt oder der Ärztin zu glauben, anstatt den Ausführungen auf einer Website, die mir etwas verkaufen möchte. Die Ärzte haben ja alle keine Ahnung – diesen Satz hab ich schon mehrmals gehört und jedes Mal vehement widersprochen.)

Natürlich liegt es in der Natur der Sache, dass Menschen etwas tun wollen –
das Problem ist nur:
Jedes dieser Mittelchen, die mir in den letzten Wochen untergekommen sind oder empfohlen wurden, ist wirklich teuer.
Die Hersteller verlassen sich darauf, dass die Erkrankten so verzweifelt sind, dass sie trotzdem zugreifen –
und das tun ja auch viele. Was bei kreisrundem Haarausfall, der vor allem ein kosmetisches Problem ist, nicht so tragisch ist, kann bei einem echten gesundheitlichen Problem aber gefährlich werden, denn:
Alternativmedizin wirkt nicht, sie lebt allein vom Glauben der Menschen.

Eins der Mittel, das mir eine Freundin empfohlen hat – ein Serum zum Auftragen auf die haarlose Stelle –, hat im Beipackzettel folgenden Satz stehen:
Erste mögliche Erfolge sind nach einer Anwendungsdauer von sechs bis zwölf Monaten sichtbar.

Das ist exakt jener Zeitraum, in dem sich bei den meisten Betroffenen vollkommen ohne Zutun ein neuer Flaum auf der Glatze bildet.
Spannend, nicht wahr?
Oder eher: Ziemlich gemein.

Was ich empfehle?
Yoga.
Klingt komisch, ist aber so, denn:

Das Einzige, was ich tun kann, ist, die Sache anzunehmen.
Mich anzunehmen, so wie ich bin, mit meiner kleinen Glatze.
Die Erkrankung anzunehmen, das Wissen, dass der Haarausfall mehr werden kann.
Tief durchzuatmen und mich nach jeder Yogapraxis dafür zu bedanken, dass ich eigentlich gesund bin, dass ich eine so tolle Familie habe, die mich unterstützt und auch ohne Haare lieb hat, dass ich Freund/innen habe, denen es egal ist, ob unter der Haube Haare sind oder nicht.

Lass dir nicht einreden, dass du selbst schuld bist an dieser Erkrankung.
Lass dir nicht einreden, dass nur dieses oder jenes Zaubermittel wirkt, zu einem wahnsinnig hohen Preis.
Nimm dir Zeit für dich, versuche Stress abzubauen und zu dir selbst zu finden.
Und vergiss nicht:
Du bist toll, mit oder ohne Haaren!

#Namaste

 

Nicht radikal genug? Na hoffentlich! – oder: Gemeinsam sind wir stark.

Letzte Woche wurde ich aus der Zero Waste Austria: Salzburg-Facebookgruppe gekickt.
Und zwar nicht nur gekickt, sondern gleich auch noch blockiert, ich kann die Gruppe nicht mal mehr suchen.

Ich muss gestehen: Ich war verwirrt.
Ich hatte mich nicht im Ton vergriffen, ich war immer nett gewesen, ich hab diskutiert, ja, aber immer freundlich –
ganz anders als so mancher Troll:
Während einiger Diskussionen wurde ich persönlich angegriffen, auf wirklich tiefem Niveau, und bekam etliche Hassnachrichten.
Ich hab mich gewehrt und diese Leute dann blockiert, wie man es eben so macht im Internet, und dann war’s auch wieder gut.

Der Rauswurf kam also aus dem Nichts, und meine Nachfrage ergab ebenso nichts.
Niemand wisse genau, warum und wieso. Sehr kryptisch alles.

Bis ich Freitagabend eine Nachricht von einem Fakeaccount bekam, der mich nach absenden selbiger auch gleich blockierte –
eins ist diesen Trollen nämlich immer gemein:
Sie sind unglaublich feig.

Die Nachricht hatte in etwa folgenden Inhalt:
Ich sei nicht radikal genug für die Gruppe, weil ich als Yogalehrerin nicht vegan lebe, außerdem sei es nicht radikal genug, wie ich Müll vermeide, weil ich immer noch einiges mit oder aus Plastik kaufe bzw. besitze, und noch dazu ist es blöd, dass ich manches infrage stelle, wie etwa Zahnbürsten aus Bambus. Fragen sind blöd, die nerven nur.
Also gusch und raus aus der Gruppe.

Echt jetzt?
Radikal ist wieder in, Fragen stellen out?
Ganz abgesehen davon, dass Fragen zu stellen das Beste ist, was man machen kann –
Liebe Kinder, wenn ihr das lest: Hört nie auf, Fragen zu stellen!
war ich dann doch ein wenig erstaunt:
Die Nachricht musste von einem Admin gekommen sein, wer sonst konnte wissen, dass ich überhaupt rausgeschmissen wurde?

Deswegen an dieser Stelle ein paar Worte an diesen unbekannten Jemand, der anonyme Nachrichten für klasse und radikal für eh total super hält – auf Facebook konnte ich ja nicht mehr antworten.

Lieber Troll,
danke für deine Nachricht.

Leider muss ich dich aber enttäuschen: Du hast unrecht.
Radikal ist nie der richtige Weg, niemals.
Und gerade ich als Yogalehrerin bin nicht radikal, auch Yoga ist es nicht.
Wenn wir die Welt vom Müll befreien wollen, müssen wir gemeinsam die Masse der Menschen erreichen, sprich: alle –
das klappt aber nicht, wenn wir radikal vorgehen, wenn wir radikale Lebensweisen als die einzig wahren darstellen.
Es ist für einzelne Menschen sicher machbar, allein auf 15m2 zu leben, sich rohvegan zu ernähren und sämtliches Plastik zu verbannen bzw. zu vermeiden –
für die große Masse der Menschen ist das aber weder machbar noch erstrebenswert. Ich würde niemals meine Familie eintauschen wollen, meinen Garten oder gewisse Dinge im Alltag, die aus Plastik sind –
meine Kontaktlinsen etwa. Oder alte Lebensmittelbehälter, die erst zu Plastikmüll werden, wenn ich sie wegwerfe.
Und trotzdem versuche ich Müll zu vermeiden, wo es nur geht, und möchte auch andere dazu anregen.

Wenn wir radikale Lebensweisen propagieren, dürfen wir uns nicht wundern, wenn andere uns für verrückt halten, wenn sie dann erst recht nicht mitmachen, wenn sie nicht mal Kleinigkeiten ändern. Das wissen wir aus der Psychologie.
Nicht jede/r ist sofort bereit für große Veränderungen, nicht jeder Lebensweg eignet sich fürs Radikale.
Zeigen wir den Menschen aber Kleinigkeiten, die sich leicht umsetzen lassen, holen wir sie ins Boot und können sie vielleicht für weitere Schritte begeistern –
mein Mann hätte vor einem Jahr auch nicht gedacht, dass er gern Zahnputztabletten verwenden wird. Hätt ich ihm radikal einfach seine Zahnpasta weggenommen, wär das wohl auch heut noch anders.

Radikal, lieber Troll, ist immer der falsche Weg, und keine Fragen mehr zu stellen ebenso.
Vielleicht verlernt man allein in einer Blockhütte nach Jahren der Einsamkeit jegliche soziale Kompetenz, die in Zeiten der sozialen Medien ohnehin zu kurz kommt –
aber ich helf dir gern.
Meld dich einfach, gemeinsam ist alles schöner, und gemeinsam sind wir vor allem stärker.
Und bitte, trau dich das nächste Mal, mir eine Nachricht zu schicken und mir dabei deinen echten Namen zu verraten –
ich bin anders, als du glaubst, ich antworte auch auf fiese Nachrichten freundlich.

Alles Liebe,
Sibl

PS: Yoga ist ein toller Weg, zu dir selbst zu finden, zur Ruhe zu kommen, und die Liebenswürdigkeit in dir wieder zu entdecken. Das ist nämlich viel schöner als das andauernde Hassen und Aufregen.
Namaste.

* * *

Du bekommst anonyme Hassnachrichten, siehst strafrechtlich relevante Kommentare, wirst von Trollen verfolgt?
Ban Hate kann dir helfen.

Und schweige nicht, schrei auf!
Erst das Schweigen gibt den Trollen ihre Macht –
was sie aber hassen, sind offene, ehrliche Worte, Fakten und Freundlichkeit, denn das kennen sie nicht von sich selbst.

 

Ich hab ein Experiment gemacht … und niemand hat es bemerkt. Toll!

Ich hab schon immer einen leichten Öko-Fimmel gehabt –
aber in den letzten Jahren wurde der immer größer. Das hat unter anderem mit wachsender Achtsamkeit durch Yoga und Meditation zu tun –
vor allem aber mit der Tatsache, dass wir durch die sozialen Medien und das Internet immer mehr Informationen darüber haben, was wir unserem Planeten mit unseren Gewohnheiten eigentlich antun.
(Spoiler: Es ist wenig Gutes dabei.)

Also hab ich vor etwa einem Jahr beschlossen, meine Gewohnheiten zu ändern und vor allem im Badezimmer damit zu beginnen, weil dort immer am meisten Plastik und Chemie herumsteht –
nicht auf einen Schlag, sondern nach und nach, damit sich auch meine Familie an die Veränderungen gewöhnen kann.
An sich ist das jetzt nichts besonderes, das ist mir klar, viele Menschen ändern aufgrund der Dinge, die auf unserem Planeten passieren, ihre Lebensweise und versuchen, achtsamer mit den Dingen umzugehen –
aber ich möchte trotzdem darüber berichten, und zwar wegen der vielen Menschen, die damals meinten, mir ins Gewissen reden zu müssen.

Ich würde ganz sicher stinken, wenn ich auf Naturkosmetik umsteige, alle Ökos stinken, und ich würde die unzähligen Duschgelflaschen und Shampoos vermissen, und natürlich die Kaffees, die ich mir gerne unterwegs hole, die aber immer in Papp- oder Plastikbechern daherkommen und auch noch mit Plastikstrohhalm serviert werden und die ich deshalb nicht mehr kaufen kann, oh und die Badesalze, die ich im Winter so liebe, die kann ich dann leider auch nicht mehr verwenden, außerdem werde ich ganz sicher um Jahre älter aussehen, weil ich so viele graue Haare bekommen werde (und färben darf ich ja nicht mehr), und die Zähne werden mir alle ausfallen, weil ich mir ja keine Zahnbürsten mehr kaufen kann. Überall werd ich Haare haben, weil ich mich ja nicht mehr rasieren kann, und meine Haut! Um Himmels willen, meine Haut! Cremes sind immer in Plastikdöschen verpackt, wie werde ich mich denn einschmieren im Winter? Und was mach ich gegen Pickel?

Jedes Mal, wenn ich mit jemandem gesprochen und erwähnt habe, dass ich gern vor allem in Sachen Kosmetik ein bissl umdenken möchte, kamen solche Aussagen. Also hab ich zu manchen Leuten nichts mehr gesagt und einfach damit begonnen.

Und weil Achtsamkeit nicht nur damit zu tun hat, achtsam mit uns selbst umzugehen, sondern mit allem rund um uns, schreib ich heute, das allererste Mal, einen Beauty-Beitrag inklusive Werbung (ich kann es eh selber kaum glauben) –
es ist nämlich wirklich leicht, Plastik und Geld zu sparen und sich dabei trotzdem gut zu fühlen …
in meinem Fall bedeutet das: sauber, frisch, gepflegt und geschmiert.

Als erstes haben wir die Kapsel-Kaffeemaschine gegen einen tollen Vollautomaten ersetzt –
der steht zwar nicht im Badezimmer, aber wenn drei Kaffeetrinker/innen im Haushalt leben, sind die Kapseln erstens extrem teuer und produzieren zweitens eine immense Menge an Müll. Mittlerweile trinken wir weitaus wohlschmeckenderen Fairtrade-Kaffe nur minimal Müll produziert, weil die Reste entweder auf den Kompost, ins Hochbeet oder in die Öl-Peeling-Mischung wandern.

Dann wurden die Plastikzahnbürsten aus dem Badezimmer verbannt. Die ganze Familie und alle unsere Gäste mussten auf Bambus-Zahnbürsten umsteigen, die man nach dem Gebrauch im Biomüll entsorgen kann – und sogar die Zahnpasta kommt ohne Plastik aus (und reicht dreimal so lang wie herkömmliche).
Lustigerweise sind die Bambus-Zahnbürsten im Mund aber so angenehm, dass sich alle auf’s Zähneputzen freuen und sogar meine Schwiegermama alle paar Monate eine Bestellung aufgibt –
diese Umstellung ist keinem von uns schwergefallen.
(Und ja, wir benutzen alle auch eine elektrische Zahnbürste, die natürlich Plastikteile enthält – die Mundhygiene meiner Familie ist mir sehr wichtig, und wir schmeißen die elektrische Zahnbürste ja nicht alle paar Wochen weg.)
Ich hab noch alle Zähne, ich stinke nicht, meine Zähne sind auch nicht gelb und voller Beläge – ein Wunder.
Auf dem Bild sieht man auch ein Sammelsurium an Seifen – denn Flüssigseife findet man nur in kleinen Plastikbehältern. Alle Reststücke wandern daher auf die Muschelschale und werden zum Hände waschen benutzt – wir haben also auch keine Schmutzränder unter den Fingernägeln.

Links im Bild: meine Alepposeife und die wunderbare Salzseife, die für Gesicht, Körper, Haare und Zähne geeignet ist (und in Papier verpackt geliefert wird). Ich brauch nämlich auch zum Abschminken nix Chemisches mehr aus einer Plastikflasche, die nach fünfmal benutzen leer ist, sondern ich wende die so genannte Oil Cleansing Methode an, gepaart mit einer der beiden Seifen – und war wohl noch nie zuvor so pickelfrei wie jetzt. (Hätte mir das bloß jemand in meiner Jugend verraten!)
Keine Spur von schlechter Haut, ganz im Gegenteil: Meine Haut freut sich offensichtlich darüber, nicht mehr mit Chemie vollgepumpt zu werden.
Zum Abschminken nehm ich übrigens selbst gemachte Wattepads – die sind waschbar und aus Garnresten gehäkelt. Ziemlich super und schnell gemacht.
Und sparen massig Müll, wenn man sich, wie ich, jeden Abend abschminkt.

Und nach der Reinigung?
Kommt die Pflege, eh klar –
aber auch hier: möglichst Chemie- und Plastikfrei.
Erst durch meine Recherche, was ich denn anstelle diverser Cremes in Plastikdosen verwenden könnte, hab ich herausgefunden, dass so genannte Trockenöle das Beste bei Mischhaut sind, dass ich weniger Pickel bekomme, auch keine Falten, und dass ich wirklich Unmengen an Geld spare. Mit so einer Flasche Kokos- oder Olivenöl kommt man echt lange aus, und selbst die teureren, weil besonderen Öle halten ewig.
Im Winter mit ein wenig Sheabutter gemischt, im Sommer mit einem Tropfen Pfefferminzöl – perfekt.
Mit dieser geballten Pflegekraft kann keine Creme mithalten, die ich je gekauft habe – und ich weiß genau, was drin ist.
Außerdem eignen sich die Öle auch für den ganzen Körper (auch als After Sun etwa) und je nach Sorte für alle Bedürfnisse in der Familie.

Danach ging es meiner Flaschensammlung in der Dusche an den Kragen –
ich hab seit mehreren Monaten für’s Badezimmer nichts mehr in kleinen Plastikflaschen gekauft. Nur die 1,5 Liter Apfelessig sind in einer Plastikflasche – und zwar deswegen. Glas ist nicht immer besser als Plastik, gerade in Österreich nicht.
(Einzige Ausnahme: Sonnencreme. Ich hab noch keine gefunden, die nicht in Plastik verkauft wird – meine Kinder und mich selbst vor allem am Meer oder auf den Bergen  nicht einzucremen, kommt aber nicht in Frage. Wer Tipps hat: Ich freu mich drüber. Und nein, Kokosöl mit weniger Lichtschutzfaktor als Nutella ist keine Option.)

Das Problem an den Shampoos und Duschgels sind aber auch die Inhaltsstoffe, die etwa Lotionen flüssig halten und vor dem Schimmeln bewahren sollen, oder das Mikroplastik, das aus unerfindlichen Gründen überall versteckt ist – nichts davon möchte ich auf meiner Haut oder der meiner Kinder.

Zum Duschen verwenden meine Töchter und ich mittlerweile nur mehr Naturseifen (etwa von hier oder hier oder hier) –
die gibt es in allen Variationen, stark überfettet für trockene und empfindliche Haut, oder intensiv reinigend und sogar als Peeling, wenn man das möchte. Fast immer sind sie in Papier oder praktische Säckchen verpackt, die man gleich zum Duschen verwenden kann, und sie duften toll!
Sogar zum Rasieren hab ich ein Waschstück gefunden.
Und wenn ich aus der Dusche komme, benutze ich ein Natur-Deo, das so gut wirkt, dass noch keiner bemerkt hat, dass irgendetwas anders ist. Ich stinke also wirklich nicht und mir wächst auch kein Fell.

Wunderbarerweise gibt es auch Haarseifen, etwas, wovon ich schon oft gehört, das ich aber noch probiert hab, einfach weil ich es komisch fand, mir meine vom langen Bleichen kaputten Haare mit Seife zu waschen.
Nur mit Wasser wollte ich mir die Haare aber auch nicht waschen, also hab ich irgendwann doch diese Haarseife ausprobiert –
und seitdem schon dreimal nachbestellt:
Haare waschen, mit kaltem Wasser und manchmal Apfelessig nachspülen, in die feuchten Haare ein bisschen Klettenwurzel- oder Rizinusöl, fertig. Sogar die Kleinen lieben diese Haarseife.
Ich hab ein bissl einen Vogel mit meinen Haaren, nach zwanzig Jahren chemischer Farbe und viel zu viel silikonhaltigen Haarmitteln waren die echt am Ende, ohne Haarprodukte aller Art hab ich mich kaum außer Haus getraut. Ständig hab ich irgendwelche Beautybloggerinnen gesehen, die davon geschwafelt haben, dass sie jetzt no’Poo gehen, hab das zwar bewundert, aber auch für a bissl irre gehalten, und im Hinterkopf hab ich immer die Stimmen diverser Friseur/innen gehört, die mir zugeflüstert haben:

Haare wäscht man nur mit Shampoo, sonst sind sie grauslich, du musst das und das kaufen, dann werden sie schön, und das natürlich auch, und wehe, du wendest das nicht an
aber gestimmt hat es nie.
Gestern abend hab ich auf Empfehlung meine Haare übrigens mit selbst gekochtem Waschnuss-Rosmarin-Shampoo gewaschen –
genial, sag ich euch. Quietschsauber, gepflegt, glänzend –
und das um ca. fünfzehn Cent. Wenn überhaupt.
(Das werd ich sicher wiederholen.)
Bemerkt hat die Umstellung übrigens niemand, ich stinke nicht und hab keine fettigen Haare, ganz im Gegenteil, denn:

Seit der Umstellung auf Natur merk ich einen riesigen Unterschied. Meine Haare fühlen sich dicker an, gesünder, wachsen schneller, müssen weniger oft gewaschen werden.
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal in der Früh außer Haus gegangen bin, ohne langwierig meine Haare zu stylen.
Stylingprodukte verwend ich jetzt aber gar nicht mehr, überhaupt keine. Auch keine Pflegespülungen oder sowas. Gefärbt hab ich letztens übrigens schon, mit Hennapulver, ist super geworden, graue Haare weg, Farbe toll, und gesund ist es auch noch.
Wenn jemand was bemerkt, dann eher, dass es gut ausschaut und sich gesund anfühlt –
aber ich hab weder Haarausfall noch vor Fett triefende Haare. Und wenn sie doch einmal am Ansatz ein wenig fettig sind, benutz ich Heilerde als Trockenshampooersatz –
gesund, günstig, leicht anzuwenden, und kaufen kann ich’s im Karton.
Als ich letztens auf einer Hochzeit war und meine Hochsteckfrisur fixieren wollt, hab ich ein wenig Honig mit warmem Wasser gemischt und wie Haarspray benutzt – wunderbar, und so duftig!

Was werd ich aber im nächsten Winter tun, als riesengroßer Badewannen-Fan?
Ich werd zu meiner Badewannen-Bar greifen und mir ein Genussbad einlassen –
mit Seifenraspeln aus Seifenresten, Meersalz, Milchpulver, Lavendelblüten und Kokosöl, alles aus Glas- oder Kartonverpackungen …

und den Rest aus der Flasche rechts, Kräutersalz für die Badewanne aus Rumänien, die noch aus Plastik ist, aber vor dem Entsorgen natürlich verbraucht wird.

Komisch, irgendwie. Vor allem komisch, dass ich mittlerweile so wenige Plastikflaschen in meinem Bad stehen hab. Und je mehr ich nachdenke, was ich alles verbannen könnt, umso mehr fällt auf, wie sehr man sich eigentlich auf natürliche Dinge rückbesinnen kann –
und wie wenige Dinge man eigentlich wirklich braucht.
Denn mit der Abkehr von all den Kosmetikartikeln, die in Plastik verpackt verkauft werden, kam auch die Einsicht, dass ich vieles davon einfach nicht brauche.
Ich benutze gern Kosmetikartikel, das geb ich zu  –
aber brauch ich wirklich fünf Lippenstifte, sieben Duschgels, und für jeden Körperteil eine eigene Lotion, alles in kleinen Plastikflaschen und voller Inhaltsstoffe, die ich nicht mal kenn?

Minimalismus heißt das Zauberwort –
das ist wirklich befreiend und irrsinnig angenehm.

All jene, die mich vor den schlimmen Sachen gewarnt haben, haben nix bemerkt und hatten auch nicht recht, nicht mal ansatzweise –
es fühlt sich großartig an zu wissen, was man benutzt, vor allem wenn man weiß, dass die Haut alles aufnimmt, was wir draufschmieren.
Wer wie ich also nicht komplett auf Kosmetik verzichten möchte, dem sei gesagt:
Es geht ganz leicht, man muss nur wollen –
und man braucht auch keine Angst haben:

Es wird kein stinken geben, keinen Haarausfall, keine Haare auf dem Körper (außer man mag die), die Zähne werden heil bleiben, man kann trotzdem jeden Abend mit einem anderen Duft duschen, so man das möchte –

und man kann weiterhin in einem feinen Café einen Kaffee zum Mitnehmen ordern, oder einen Smoothie oder einfach Wasser.
So ein Bambusbecher lässt sich nämlich sehr einfach in der Handtasche oder dem Rucksack verstauen und nahezu überall befüllen, auch im Urlaub eine tolle Option.
Gepaart mit einem waschbaren Strohhalm aus Aluminium ist man dann mindestens so cool wie all jene, die einen Plastikbecher in der Hand tragen –
weiß aber, dass man dem Planeten etwas Gutes tut.

Und jetzt?
Jetzt werd ich das Experiment auf das restliche Haus ausdehnen.
In der Küche bin ich schon gut dabei, auch wenn es schwer ist, müllvermeidend einzukaufen –
aber ich hab hier im Haushalt wirklich tolle Helfer/innen, das klappt bestimmt.

Wenn ihr Tipps habt –
ich freu mich drüber:

Weil wir nur diesen einen Planeten haben.
#SaveThePlanet!

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