Ich mach das jetzt auch! – oder: Die Nomaden des Yoga

Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, wie aufgeregt ich war, als ich vor Jahren mein erstes Yogawheel ausgepackt hab. Kaum hatte ich das Paket geöffnet, lief ich auch schon in den Garten, um es auszuprobieren –
und was soll ich sagen:

Es war Liebe auf den ersten Blick!

Meine ersten Wheel-Bilder

Nach Wochen der Recherche, was ich mit dem Teil eigentlich alles anstellen kann, hatte ich mich dazu durchgerungen, eins zu bestellen, und ich fand es von Anfang an genial.
Die mir früher verhassten Rückbeugen konnte ich so erlernen, ich hab auch meine Angst überwunden, in Ustrasana, dem Kamel, zu den Fersen zu greifen.
Je nach Lust und Laune kann ich auf dem Wheel entspannen oder aus der Yogapraxis ein richtig hartes Workout machen.
Und in vielen Asanas, die mir als Hüftopfer wahrlich schwer fallen, leistet mir das Wheel bis heute gute Dienste.

Ich hab Tage, wenn nicht gar Wochen und Monate, auf dem Wheel verbracht, hab geübt und recherchiert, hab jede Asana für mich auf dem Wheel erarbeitet, vor allem auch deswegen, weil es dazu bisher kaum Anleitungen gibt.
Wen wundert’s: Schließlich ist das Wheel nur in Kleingruppen für eher geübte Yogierende geeignet, und all die Fotos, die man im Internet findet, sind für mich sehr abschreckend –
außer Skorpion, Handstand und irre anstrengenden Übungen findet man da recht wenig.
Leider –
denn das Wheel ist unglaublich genial, wenn es darum geht, Yogierende zu unterstützen. Hat man sich mal an das Gefühl gewöhnt, unterstützt das Yogarad den Körper in seinen Bewegungen, es ist fast schwierig, die Wheel-Asanas nicht korrekt auszuführen, man muss anfangs nur ein wenig aufpassen, nicht umzufallen.

Als ich im Yoga Teacher Training das erste Mal vom Yogawheel gesprochen hab, haben mich alle ganz komisch angeschaut.
Yogawheel, was soll das denn sein? Das klingt ja komisch, ist das schon was Gescheites?
Ich hab es dann mal mitgenommen, und siehe da:
Alle, auch meine Ausbildnerin, fanden es toll, plötzlich verstanden alle, warum ich so verrückt nach dem Rad war, oder eher: bin.

Kaufen wollt es sich trotzdem kaum jemand, und verwenden ebenso nicht, manche hatten es sogar schon eine Zeit lang zu Hause, verwendeten es aber nie, andere haben es weiterverkauft –
und Kurse damit anbieten? Na geh bitte, wer soll denn da kommen?

Ein paar Monate später ist das Yogawheel auf einmal wahnsinnig hip.
Es gibt Wheel-Ambassadors, weil es natürlich auch Firmen gibt, die mit dem Trend verdienen wollen, es gibt plötzlich Workshops und sogar Teacher Trainings, es gibt extra Klamotten, damit man auf dem Wheel nicht rutscht, und natürlich allerhand Merchandisingartikel rund um das Yogarad.
Braucht man natürlich alles nicht, aber:
Jede/r will dabei sein und an dem Trend mitverdienen.

Wheel-Selfie

Ich geb zu, ich find das schon sehr lustig.
Ich bin sonst eher nicht so die Trendsetterin, ich mach das, was ich halt spannend find oder was mir gut tut, und ich lass mich auch nicht davon aus der Ruhe bringen, ob das grad in ist oder nicht.
Aber ich finde es schon ein wenig seltsam, dass es gerade im Yoga so viele … hm … nennen wir sie doch … Nomaden …
also dass es gerade im Yoga so viele Nomaden gibt:

Menschen, die irgendwie nicht ihren eigenen Weg gehen, sondern überall dort stehen bleiben, wo schon andere Leute stehen, und mitmachen wollen.
Genauer gesagt: Menschen, die mitverdienen wollen, und zwar nicht mit ihren eigenen Ideen, und die nach einiger Zeit eine neue heiße Liebe haben, immer gerade das, was halt alle machen.
Das betrifft gar nicht so sehr das Yogawheel, das ist vermutlich wirklich grad in Mode –
aber es ist auch im Kinderyoga so:
Kaum wussten ein paar Leute, dass ich für den Gesunden Kindergarten / die Gesunde Schule Yoga anbiete, kamen sofort Nachrichten, in denen ich gefragt wurde, wie man da als Expert/in mitmachen kann und wie viel man da verdient, teilweise von Leuten, die mir bisher immer erklärten, Kinderyoga wäre nichts für sie, weil sie mit Kindern nicht so gut können.
Warum dann ins Kinderyoga einsteigen?

Ich hab das Gefühl, jede/r will überall mitmachen und alles anbieten, solange es einen Markt dafür gibt, dann wird sich nach etwas Neuem umgeschaut –
aber ist das echt, ist das glaubwürdig, ist das Yoga?
Was ist mit den viel gepriesenen yamas und niyamas, von denen alle immer reden und schreiben –
alles vergessen, wenn es um das eigene Bankkonto geht?

Ich verbeuge mich.

Im Yoga geht es viel um Hingabe, die Hingabe zum Selbst, zum Leben, zur eigenen Praxis, auch die Hingabe zu den Menschen, die man unterrichtet, generell zu den Menschen –
ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber ich finde, Hingabe ist etwas Schwieriges, etwas, das geübt, erlernt werden muss, und etwas, das man nicht auf dutzende Dinge aufteilen kann.

Ich weiß, dass es schwierig ist, einerseits Yoga zu leben, andererseits aber auch vom Yoga leben zu können –
aber eins hab ich von all den inspirierenden Menschen gelernt, denen ich auf Instagram folge oder zu deren Youtube-Videos ich selbst praktiziere:

Erfolg hat nur, wer sich selbst treu bleibt – egal wie man diesen Erfolg definiert.

Wer plant, Kindern Yoga zu vermitteln, der sollte Kinder wirklich aus ganzem Herzen respektieren und mögen, alle Kinder, auch die lästigen, die, die stören und ein bisschen länger brauchen, bis sie merken, wie sehr ihnen Yoga helfen kann.
Wer plant, Yogakurse mit dem Wheel zu machen, sollte mehr Erfahrung haben als ein kurzes Teacher Training, gerade auf dem Wheel ist die eigene Praxis alles.
Und ganz ehrlich:
Wer Yoga unterrichten möchte, der sollte sich generell im Klaren darüber sein, dass ein Teacher Training allein nicht hilft, nichts ersetzt die eigene tägliche Praxis, die einsamen Stunden auf der Matte, das Lernen und Üben und Studieren, auch wenn das Teacher Training schon vorbei ist –
der Gesundheit der Menschen zuliebe.

Ich bin überzeugt davon, dass wir immer nur in dem gut sein werden, was wir wirklich wollen, was aus uns kommt und was wir mit echter Hingabe machen –
alles andere ist nur ein Abklatsch dessen, was andere tun, etwas, das wir kopieren wollen, es aber im seltensten Fall schaffen.
Das ist nicht nur im Yoga so, sondern betrifft das ganze Leben –
wie oft hab ich mir etwa sagen lassen müssen, dass meine Art zu schreiben niemandem gefällt, ich soll es lieber gleich lassen –
was ich niemals geschafft hätte, weil schreiben für mich ein immens wichtiger Teil meines Lebens ist.
Und heute, knapp zehn Jahre später, zeigt mir dir Anzahl meiner mittlerweile täglichen Leser/innen: Gut, dass ich weitergemacht hab, dass ich geübt und geschrieben hab, denn es ist wirklich erfüllend, zu schreiben, Menschen damit zu bewegen, sich gesellschaftspolitisch zu engagieren.

Also lass dich nicht von Modeströmungen und Trendsetter/innen beeinflussen, schau einfach tief in dich hinein, was es ist, das dich wirklich bewegt –
und folge diesem Pfad.
Folge ihm, solange es dir gut tut, egal was andere Menschen sagen, und versuche, aus deinen eigenen Fehlern und Schwächen zu lernen, um immer besser zu werden.
(Und ja, dafür braucht man auch manchmal Menschen, die einem jene Fehler und Schwächen zeigen, die man gern vor sich selbst verheimlicht.)

Nur dann bist du authentisch, nur dann kannst du wahres Glück finden –
und im allerbesten Fall sogar deine Miete bezahlen.

#Namaste!

 

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Ist bio und öko wirklich immer die bessere Wahl?

Die Reaktionen auf meinen Beauty-Artikel letztens waren ein Hit –
danke sehr!
Ich hab sehr viele sehr nette Zuschriften bekommen, einerseits von Menschen, die sich für Ideen bedankt haben, andererseits von Leuten, die neue Ideen eingebracht haben, und manch eine/r wollte einfach nur danke sagen –
ich hab mich über jede einzelne Nachricht sehr gefreut!
Zu einem anderen Artikel wiederum hab ich sehr durchwachsene Reaktionen bekommen –
auch, weil ich darin die vegane Lebensweise ein wenig kritisiere, das kommt nie gut an, das weiß ich schon. Nötig ist es manchmal aber trotzdem.

Doch gerade wegen des großen, nicht nur positiven Feedbacks auf die beiden Artikel hab ich angefangen, weiter nachzudenken und zu recherchieren.
Und nach und nach wird klar:
Bio und öko ist nicht immer die bessere Wahl.

Ausschlaggebend für meine Gedanken waren die Bambus-Zahnbürsten, die ich wirklich sehr gern mag, weil sie eben nicht aus Plastik sind, weil sie in den Bio-Müll geworfen werden dürfen, und weil sie mir (zugegeben) ein recht gutes Gewissen machen, genauer gesagt die Firma, die neben Zahnbürsten nun auch Toilettenpapier aus Bambus anbietet –
genauer betrachtet aber sind diese Teile ebenso wie das Klopapier der helle Wahnsinn:
Immerhin werden sie vom anderen Ende der Welt zu uns geflogen, nachdem das Rohmaterial in China verarbeitet wurde. Nix mit ‚Kauf im Ort, fahr nicht fort‘, ganz im Gegenteil:
Die Flugkilometer dieser Zahnbürsten zerstören komplett meinen ökologischen Fußabdruck, ebenso das Toilettenpapier.
Ob es da nicht besser ist, österreichisches Recycling-Papier für das heimische Klo zu kaufen, das zwar in Plastik verpackt ist, weil die rauen Fasern Papierverpackungen zerstören, das aber nicht um die halbe Welt reist –
plus: Diese Plastikverpackung landet weder im Meer noch in der Natur, sondern wird entsorgt, wie in Österreich üblich, und schädigt somit die Umwelt weniger als vermeintliches Bio-Bambus-Papier ‚Made in China‘.

Das mit dem Bio-Label ist ohnehin so eine Sache:
Die Bio-Avocados, die viele Menschen (inklusive mir) so lieben, sind vom Umweltstandpunkt her ein Graus
durch den vegetarischen/veganen Lebenstil vieler Menschen hat sich der pro Kopf-Verbrauch mehr als verdreifacht, die Folgen davon sind für die Umwelt fatal.
Zitat aus dem verlinkten Artikel:
Durchschnittlich verbraucht ein Kilogramm Avocados 1000 Liter (Wasser). Zum Vergleich: Ein Kilogramm Tomaten kommt auf 180 Liter. Eine Avocado wiegt durchschnittlich 400 Gramm. Das heißt: 1000 Liter Wasser für zweieinhalb Avocados. Und das in Regionen, wo es so schon wenig Wasser gibt.
Doch damit nicht genug:
Im Normalfall (kommt die Avocado) jedoch aus Brasilien, Chile, Südafrika oder Peru. Während der gesamten Reise lagert die Butterfrucht, gut gepolstert, in einem strombetriebenen Container, in dem neben der Temperatur auch die Luftfeuchtigkeit und die CO2-Konzentration kontrolliert werden. Bei Nature’s Pride, einem der größten Avocado-Erzeuger, kommt sie außerdem noch in eine Reifekammer.

Wow.
Sogar Greenpeace warnt vor den Folgen des zu hohen Avocado-Konsums.
Wer also anstelle eines heimischen Bio-Wurstsemmerls einen hippen Avocado-Tofu-Snack verspeist, tut der Welt nichts Gutes, ganz im Gegenteil, so zerstören wir Wälder und damit auch Tiere. Nix mit achtsamer Genuss also.
Schreckliche Nachrichten für Menschen wie mich, die Avocados lieben …
aber dennoch:
Seit ich das weiß, greif ich im Bio-Supermarkt nicht mehr zu den essfertigen Avocados, sondern vermehrt zu Gemüse, das in Österreich gerade Saison hat.

Auch die Waschnüsse, die ich wirklich liebe, werde ich nicht mehr so oft nachkaufen.
Wieso?
Weil die Nüsse, die aus Indien stammen, durch den Bio-Boom bei uns für die Inder/innen so teuer geworden sind, dass die Menschen sich dort nicht mehr leisten können, damit ihre Wäsche zu waschen.
Dass die Inder/innen das nicht mehr tun, weil die meisten ohnehin Waschmaschinen besitzen, tut hier wenig zur Sache, denn auch die Waschnüsse haben einen zu weiten Weg hinter sich.
Wenn ich mir also meine Lieblings-Biohaarseife kaufe, von Hand hergestellt in Wien, in Papier verpackt und CO2-neutral mit der Post zu mir geschickt, dann ist das für den Planeten gesehen um ein Vielfaches besser.
Auch der Wascherde aus Frankreich, die so genial zum Duschen und Haarewaschen ist, werd ich den Vorzug geben und dafür die Waschnüsse von meiner Einkaufsliste streichen, so gern ich sie hab.

Es gibt dutzende Dinge, die vor allem Vegetarier/innen, Veganer/innen und Bio-Fetischist/innen wie ich gern als Ersatz für vermeintlich schlechtes kaufen, die bei näherer Betrachtung aber keineswegs besser sind.
Der Umstand allein, dass kein Tier leiden soll, reicht nicht, weil das ohnehin Augenauswischerei ist –
die Tatsache, dass der Klimawandel so schnell voran schreitet, sollte uns jedoch alle zum Nachdenken anregen.

Um das ganze aber noch komplizierter zu machen:
Wer meint, mit heimischen Produkten immer richtig zu liegen, irrt nämlich ebenso.
Bestes Beispiel: Äpfel.
Fast jede/r von uns greift zu den heimischen, das muss aber nicht unbedingt besser für’s Klima sein.
Hier ist gut beschrieben, warum ein Apfel aus Übersee nicht wirklich schlechter für unser Klima sein muss als ein Apfel aus der Heimat.
Im Winter, wenn heimische Äpfel in großen Kühlhäusern gelagert werden, ist so ein österreichisches/deutsches Apferl sogar schlechter als die Avocado aus Mexiko.
Es ist zum Davonlaufen.

Seit ich soviel recherchiert hab, steht für mich eines fest:
Lokal, regional und saisonal werd ich in Zukunft den Vorzug geben, immerhin hab ich Kinder, denen ich eine möglichst intakte Welt hinterlassen möchte. Das wird nur so funktionieren –

und wenn möglichst viele Menschen mitmachen, denn (Zitat):
Wer einerseits den Klimawandel verhindern, andererseits aber nicht auf frisches Obst verzichten will, kann im Frühjahr ruhigen Gewissens Obst von der Südhalbkugel kaufen. Um die Sünde wettzumachen, reicht es schon, statt mit dem Auto mit dem Fahrrad zum Supermarkt zu fahren. 

Ich werde weiterhin lieber Omas Bio-Äpfel essen, ich werde auf Kokoswasser verzichten, weil es super Wasser aus Österreich gibt (oder wer mag: Birkenwasser etwa, das hat keine lange Reise hinter sich), ich kauf keine Sachen mehr, die es auch ‚Made in Austria/Europe‘ gibt, und ich verzichte auf Dinge, die mir nur ein gutes Gewissen machen, im Endeffekt für unseren Planeten aber tödlich sind.

Wir alle möchten etwas Gutes tun.
Und jede/r von uns tut es auf die eigene Weise.
Ich glaub mittlerweile aber, dass es mit einer Entscheidung nicht getan ist –
wir müssen uns jedes Mal, wenn wir etwas kaufen, neu überlegen, ob es das ist, was wir wollen, was wir brauchen, und was die Welt retten wird …
denn darauf wird es im Endeffekt hinauslaufen.

Machen wir das gemeinsam, ja?

#Namaste!

***

Nachtrag 1: Wer sich für das Thema interessiert, lese sich bitte ein, Google ist voller Informationen –
es ist wahrlich unglaublich, was man für das gute Gewissen alles macht, das aber keineswegs gut ist. Dieses Wissen macht das Leben nicht einfacher, nein, unseren Planeten aber vielleicht ein Stückweit besser –
und nur darum geht’s.
Nicht um das eigene Gewissen, für das wir keine Tiere essen, nicht um das eigene Gewissen, für das wir Waschnüsse verwenden –
es geht nur darum, wie wir diesen Planeten unseren Kindern übergeben. Nur darum.
Denn das sollte unser aller Ziel sein: die Erde lebenswert erhalten.

Nachtrag 2: Ich hab bezüglich der CO2-Emissionen der Bambus-Zahnbürsten zwar nachgefragt, bisher aber keine Stellungnahme der Herstellerfirmen erhalten. Wenn ich was erfahre, trag ich es nach.

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Wann wird die Yogablase platzen?

Der Sommer hat seinen Höhepunkt erreicht, langsam trudeln die Menschen wieder aus ihren Sommerurlauben ein, und auch ich widme mich wieder vermehrt meinen yogischen Pflichten –
ich erarbeite neue Stundenbilder fürs Kinderyoga, tüftle an Stunden für die Senior/innen und an weiteren Ideen für Workshops mit dem Yogawheel, und bin rundum zufrieden.
Mein Email-Postfach zeigt mir, dass auch andere Yogis und Yoginis wieder aktiv werden, dass es neue Kurse und Workshops gibt –
und zu meiner Überraschung auch massenhaft Ausbildungen.

SUP-Yogalehrerin könnt ich werden, extra Kinder-Yogalehrerin und Wheel-Yogalehrerin, natürlich werden auch sämtliche Yoga-Richtungen angeboten, die man sich nur vorstellen kann, außerdem Ausbildungen zur Meditationstrainerin, Tier-Yogalehrerin wurde mir nahegelegt, reine Pranayama-Lehrausbildungen gibt es, Yoga-Lehrgänge für die Psychohygiene, eigene Ausbildungen für Yoga und (man setze ein, was die Fantasie so hergibt), natürlich auch Ausbildungen zu allen Yoga-Stilen, die jemand selbst erdacht hat  –
und mit Sicherheit noch etliches mehr.

Jede dieser Ausbildungen kostet eine Stange Geld, und alle Ausbildungen haben eines gemeinsam:

Sie werfen pro Lehrgang um die zwanzig Yogalehrer/innen auf den Markt, von denen etwa die Hälfte auch wirklich unterrichten möchte – pro Ausbildungslehrgang, nicht pro Jahr, wohl gemerkt.

Viele dieser Menschen, die in Salzburg ihre Ausbildung gemacht haben, durfte ich im Co-WorkingStudio kennenlernen, weil sie einen Ort suchen, an dem sie unterrichten können –
sich als Anfänger/in in einem etablierten Studio einzumieten, ist oft kaum leistbar, vor allem, wenn man noch keinen festen Kund/innenstamm hat.

Nachdem ich aber immer noch Nachrichten von frisch gebackenen Yogalehrer/innen bekomme, die sich bei mir einmieten möchten (obwohl es das Co-Working-Studio nicht mehr gibt, man findet es aber nach wie vor im Internet), und nachdem sich die Zahl der angebotenen Ausbildungen in den letzten Monaten scheinbar vervielfacht hat, frag ich mich:
Wann wird die Yogablase platzen?

In einem Artikel hab ich letztens gelesen, dass Yogastudios heutzutage Ausbildungslehrgänge brauchen, um zu überleben, weil die wöchentlichen Kund/innen ausbleiben –
doch da frag ich mich:
Wenn allein in Salzburg jedes Jahr etwa 60 neue Yogalehrer/innen auf den Markt drängen, von denen die Hälfte unterrichten möchte, wie lange kann das weitergehen?
Irgendwann kommt auf jeden Menschen in Salzburg ein/e Yogalehrer/in, es ist allerdings keineswegs so, dass alle Einwohner/innen Yoga praktizieren wollen, und viele der frisch ausgebildeten Yogalehrer/innen (wie ich etwa) besuchen dann auch keine Kurse mehr, weil sie selbst unterrichten oder hauptsächlich alleine yogieren …
machen wir uns mit diesem System also selber den Markt kaputt?

Ich für meinen Teil bin sehr froh, im Kinder- und Senior/innen-Yoga eine tolle Aufgabe gefunden zu haben und nicht täglich um Kund/innen buhlen zu müssen, weil ich weiß, wie schwer das ist und wie furchtbar es sein kann, wenn die Yogi/nis ausbleiben –
wie soll man Fremde dazu überreden, zum Yoga zu kommen, wenn es nicht mal im eigenen Freundeskreis einfach ist?
Ich freu mich natürlich wieder auf meine wöchentlichen Kurse und Workshops, aber ich weiß auch:
Das Angebot an Yogalehrenden ist unglaublich riesig, fast unüberschaubar, dabei ist Salzburg gar nicht besonders groß –
und es werden nicht weniger, ganz im Gegenteil.

Ich versteh ja beide Seiten:
einerseits die Studios, die Geld verdienen wollen/müssen, andererseits die Menschen, die diese Ausbildungen besuchen –
aber ich weiß auch, dass viele Menschen die Ausbildung für sich selbst machen, weil sie eigentlich gar nicht unterrichten möchten.
Wäre es nicht besser, Lehrgangsabschlüsse aufzuteilen in ‚Lehrzertifikat‚ und ‚Erfolgreich teilgenommen‚?
Jemand wie ich, der das Teacher Training anfangs für sich machen möchte und dann doch ins Unterrichten hineinfällt, weil der Weg eben dorthin führt, der könnte ja die Prüfung nachmachen –

denn auch wenn es in Yogakreisen oft als unyogisch gilt, Prüfungen abzulegen:
Wenn es so viele Menschen gibt, die Yoga unterrichten möchten, dann sollte so eine Ausbildung auch sicherstellen, dass die Teilnehmer/innen das danach auch wirklich können, dass sie selbst Yoga praktizieren, dass sie sich klar darüber sind, dass sie mit Menschen und deren Gesundheit arbeiten, eine verantwortungsvolle Aufgabe, die viel Wissen erfordert (was ich immer wieder bemerke, wenn ich vor Yogierenden stehe und sehe: Die meisten sind hier, weil sie ein gesundheitliches Problem haben, kaum jemand kommt, weil es ihm oder ihr so gut geht).

Natürlich eignet man sich dieses Wissen aus Büchern, in Workshops und Weiterbildungen an, aber auch und vor allem in der eigenen Praxis. Wer nicht täglich auf der heimischen Matte steht, dem helfen auch Dutzende Ausbildungen nicht weiter –
die man sich vor allem auch kaum leisten kann, wenn die Kund/innen ausbleiben …
ein Teufelskreis.

Und die eigentliche Frage bleibt weiterhin:
Wann wird die Yogablase platzen?
Denn platzen wird sie, so viel steht fest –
vielleicht könnten wir dem entgegenwirken, würden wir zusammenhalten und gemeinsam Strategien entwickeln, wie und womit wir die Kund/innen ansprechen …
zum Beispiel, indem nicht jede/r Lehrende und jedes Studio alles anbietet, was es so gibt (was auch die Kund/innen verwirrt), sondern wenn sich jede/r spezialisiert und den anderen gönnt, sich ebenfalls zu spezialisieren.
Es ist vermutlich auch nicht notwendig, mit immer abgefahreneren Yoga-Ideen Kund/innen anzulocken –
auch wenn in Amerika Yoga mit Tequila, Bier, Ziegen, Seifenblasen oder bei 45 Grad boomt.

Aber eins hab ich schon gelernt:
In der Yogaphilosophie lernen wir zwar von aparigraha, einem der fünf Yamas nach Patanjali, das mit Nicht-Besitzen-Wollen, Nicht-Gierig-Sein, Unbestechlichkeit, Zufrieden sein übersetzt wird –
doch das gilt meistens nur für die anderen.

#Namaste

*
Dieser Artikel wurde überarbeitet. (2019)

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Ich hab ein Experiment gemacht … und niemand hat es bemerkt. Toll!

Ich hab schon immer einen leichten Öko-Fimmel gehabt –
aber in den letzten Jahren wurde der immer größer. Das hat unter anderem mit wachsender Achtsamkeit durch Yoga und Meditation zu tun –
vor allem aber mit der Tatsache, dass wir durch die sozialen Medien und das Internet immer mehr Informationen darüber haben, was wir unserem Planeten mit unseren Gewohnheiten eigentlich antun.
(Spoiler: Es ist wenig Gutes dabei.)

Also hab ich vor etwa einem Jahr beschlossen, meine Gewohnheiten zu ändern und vor allem im Badezimmer damit zu beginnen, weil dort immer am meisten Plastik und Chemie herumsteht –
nicht auf einen Schlag, sondern nach und nach, damit sich auch meine Familie an die Veränderungen gewöhnen kann.
An sich ist das jetzt nichts besonderes, das ist mir klar, viele Menschen ändern aufgrund der Dinge, die auf unserem Planeten passieren, ihre Lebensweise und versuchen, achtsamer mit den Dingen umzugehen –
aber ich möchte trotzdem darüber berichten, und zwar wegen der vielen Menschen, die damals meinten, mir ins Gewissen reden zu müssen.

Ich würde ganz sicher stinken, wenn ich auf Naturkosmetik umsteige, alle Ökos stinken, und ich würde die unzähligen Duschgelflaschen und Shampoos vermissen, und natürlich die Kaffees, die ich mir gerne unterwegs hole, die aber immer in Papp- oder Plastikbechern daherkommen und auch noch mit Plastikstrohhalm serviert werden und die ich deshalb nicht mehr kaufen kann, oh und die Badesalze, die ich im Winter so liebe, die kann ich dann leider auch nicht mehr verwenden, außerdem werde ich ganz sicher um Jahre älter aussehen, weil ich so viele graue Haare bekommen werde (und färben darf ich ja nicht mehr), und die Zähne werden mir alle ausfallen, weil ich mir ja keine Zahnbürsten mehr kaufen kann. Überall werd ich Haare haben, weil ich mich ja nicht mehr rasieren kann, und meine Haut! Um Himmels willen, meine Haut! Cremes sind immer in Plastikdöschen verpackt, wie werde ich mich denn einschmieren im Winter? Und was mach ich gegen Pickel?

Jedes Mal, wenn ich mit jemandem gesprochen und erwähnt habe, dass ich gern vor allem in Sachen Kosmetik ein bissl umdenken möchte, kamen solche Aussagen. Also hab ich zu manchen Leuten nichts mehr gesagt und einfach damit begonnen.

Und weil Achtsamkeit nicht nur damit zu tun hat, achtsam mit uns selbst umzugehen, sondern mit allem rund um uns, schreib ich heute, das allererste Mal, einen Beauty-Beitrag inklusive Werbung (ich kann es eh selber kaum glauben) –
es ist nämlich wirklich leicht, Plastik und Geld zu sparen und sich dabei trotzdem gut zu fühlen …
in meinem Fall bedeutet das: sauber, frisch, gepflegt und geschmiert.

Als erstes haben wir die Kapsel-Kaffeemaschine gegen einen tollen Vollautomaten ersetzt –
der steht zwar nicht im Badezimmer, aber wenn drei Kaffeetrinker/innen im Haushalt leben, sind die Kapseln erstens extrem teuer und produzieren zweitens eine immense Menge an Müll. Mittlerweile trinken wir weitaus wohlschmeckenderen Fairtrade-Kaffe nur minimal Müll produziert, weil die Reste entweder auf den Kompost, ins Hochbeet oder in die Öl-Peeling-Mischung wandern.

Dann wurden die Plastikzahnbürsten aus dem Badezimmer verbannt. Die ganze Familie und alle unsere Gäste mussten auf Bambus-Zahnbürsten umsteigen, die man nach dem Gebrauch im Biomüll entsorgen kann – und sogar die Zahnpasta kommt ohne Plastik aus (und reicht dreimal so lang wie herkömmliche).
Lustigerweise sind die Bambus-Zahnbürsten im Mund aber so angenehm, dass sich alle auf’s Zähneputzen freuen und sogar meine Schwiegermama alle paar Monate eine Bestellung aufgibt –
diese Umstellung ist keinem von uns schwergefallen.
(Und ja, wir benutzen alle auch eine elektrische Zahnbürste, die natürlich Plastikteile enthält – die Mundhygiene meiner Familie ist mir sehr wichtig, und wir schmeißen die elektrische Zahnbürste ja nicht alle paar Wochen weg.)
Ich hab noch alle Zähne, ich stinke nicht, meine Zähne sind auch nicht gelb und voller Beläge – ein Wunder.
Auf dem Bild sieht man auch ein Sammelsurium an Seifen – denn Flüssigseife findet man nur in kleinen Plastikbehältern. Alle Reststücke wandern daher auf die Muschelschale und werden zum Hände waschen benutzt – wir haben also auch keine Schmutzränder unter den Fingernägeln.

Links im Bild: meine Alepposeife und die wunderbare Salzseife, die für Gesicht, Körper, Haare und Zähne geeignet ist (und in Papier verpackt geliefert wird). Ich brauch nämlich auch zum Abschminken nix Chemisches mehr aus einer Plastikflasche, die nach fünfmal benutzen leer ist, sondern ich wende die so genannte Oil Cleansing Methode an, gepaart mit einer der beiden Seifen – und war wohl noch nie zuvor so pickelfrei wie jetzt. (Hätte mir das bloß jemand in meiner Jugend verraten!)
Keine Spur von schlechter Haut, ganz im Gegenteil: Meine Haut freut sich offensichtlich darüber, nicht mehr mit Chemie vollgepumpt zu werden.
Zum Abschminken nehm ich übrigens selbst gemachte Wattepads – die sind waschbar und aus Garnresten gehäkelt. Ziemlich super und schnell gemacht.
Und sparen massig Müll, wenn man sich, wie ich, jeden Abend abschminkt.

Und nach der Reinigung?
Kommt die Pflege, eh klar –
aber auch hier: möglichst Chemie- und Plastikfrei.
Erst durch meine Recherche, was ich denn anstelle diverser Cremes in Plastikdosen verwenden könnte, hab ich herausgefunden, dass so genannte Trockenöle das Beste bei Mischhaut sind, dass ich weniger Pickel bekomme, auch keine Falten, und dass ich wirklich Unmengen an Geld spare. Mit so einer Flasche Kokos- oder Olivenöl kommt man echt lange aus, und selbst die teureren, weil besonderen Öle halten ewig.
Im Winter mit ein wenig Sheabutter gemischt, im Sommer mit einem Tropfen Pfefferminzöl – perfekt.
Mit dieser geballten Pflegekraft kann keine Creme mithalten, die ich je gekauft habe – und ich weiß genau, was drin ist.
Außerdem eignen sich die Öle auch für den ganzen Körper (auch als After Sun etwa) und je nach Sorte für alle Bedürfnisse in der Familie.

Danach ging es meiner Flaschensammlung in der Dusche an den Kragen –
ich hab seit mehreren Monaten für’s Badezimmer nichts mehr in kleinen Plastikflaschen gekauft. Nur die 1,5 Liter Apfelessig sind in einer Plastikflasche – und zwar deswegen. Glas ist nicht immer besser als Plastik, gerade in Österreich nicht.
(Einzige Ausnahme: Sonnencreme. Ich hab noch keine gefunden, die nicht in Plastik verkauft wird – meine Kinder und mich selbst vor allem am Meer oder auf den Bergen  nicht einzucremen, kommt aber nicht in Frage. Wer Tipps hat: Ich freu mich drüber. Und nein, Kokosöl mit weniger Lichtschutzfaktor als Nutella ist keine Option.)

Das Problem an den Shampoos und Duschgels sind aber auch die Inhaltsstoffe, die etwa Lotionen flüssig halten und vor dem Schimmeln bewahren sollen, oder das Mikroplastik, das aus unerfindlichen Gründen überall versteckt ist – nichts davon möchte ich auf meiner Haut oder der meiner Kinder.

Zum Duschen verwenden meine Töchter und ich mittlerweile nur mehr Naturseifen (etwa von hier oder hier oder hier) –
die gibt es in allen Variationen, stark überfettet für trockene und empfindliche Haut, oder intensiv reinigend und sogar als Peeling, wenn man das möchte. Fast immer sind sie in Papier oder praktische Säckchen verpackt, die man gleich zum Duschen verwenden kann, und sie duften toll!
Sogar zum Rasieren hab ich ein Waschstück gefunden.
Und wenn ich aus der Dusche komme, benutze ich ein Natur-Deo, das so gut wirkt, dass noch keiner bemerkt hat, dass irgendetwas anders ist. Ich stinke also wirklich nicht und mir wächst auch kein Fell.

Wunderbarerweise gibt es auch Haarseifen, etwas, wovon ich schon oft gehört, das ich aber noch probiert hab, einfach weil ich es komisch fand, mir meine vom langen Bleichen kaputten Haare mit Seife zu waschen.
Nur mit Wasser wollte ich mir die Haare aber auch nicht waschen, also hab ich irgendwann doch diese Haarseife ausprobiert –
und seitdem schon dreimal nachbestellt:
Haare waschen, mit kaltem Wasser und manchmal Apfelessig nachspülen, in die feuchten Haare ein bisschen Klettenwurzel- oder Rizinusöl, fertig. Sogar die Kleinen lieben diese Haarseife.
Ich hab ein bissl einen Vogel mit meinen Haaren, nach zwanzig Jahren chemischer Farbe und viel zu viel silikonhaltigen Haarmitteln waren die echt am Ende, ohne Haarprodukte aller Art hab ich mich kaum außer Haus getraut. Ständig hab ich irgendwelche Beautybloggerinnen gesehen, die davon geschwafelt haben, dass sie jetzt no’Poo gehen, hab das zwar bewundert, aber auch für a bissl irre gehalten, und im Hinterkopf hab ich immer die Stimmen diverser Friseur/innen gehört, die mir zugeflüstert haben:

Haare wäscht man nur mit Shampoo, sonst sind sie grauslich, du musst das und das kaufen, dann werden sie schön, und das natürlich auch, und wehe, du wendest das nicht an
aber gestimmt hat es nie.
Gestern abend hab ich auf Empfehlung meine Haare übrigens mit selbst gekochtem Waschnuss-Rosmarin-Shampoo gewaschen –
genial, sag ich euch. Quietschsauber, gepflegt, glänzend –
und das um ca. fünfzehn Cent. Wenn überhaupt.
(Das werd ich sicher wiederholen.)
Bemerkt hat die Umstellung übrigens niemand, ich stinke nicht und hab keine fettigen Haare, ganz im Gegenteil, denn:

Seit der Umstellung auf Natur merk ich einen riesigen Unterschied. Meine Haare fühlen sich dicker an, gesünder, wachsen schneller, müssen weniger oft gewaschen werden.
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal in der Früh außer Haus gegangen bin, ohne langwierig meine Haare zu stylen.
Stylingprodukte verwend ich jetzt aber gar nicht mehr, überhaupt keine. Auch keine Pflegespülungen oder sowas. Gefärbt hab ich letztens übrigens schon, mit Hennapulver, ist super geworden, graue Haare weg, Farbe toll, und gesund ist es auch noch.
Wenn jemand was bemerkt, dann eher, dass es gut ausschaut und sich gesund anfühlt –
aber ich hab weder Haarausfall noch vor Fett triefende Haare. Und wenn sie doch einmal am Ansatz ein wenig fettig sind, benutz ich Heilerde als Trockenshampooersatz –
gesund, günstig, leicht anzuwenden, und kaufen kann ich’s im Karton.
Als ich letztens auf einer Hochzeit war und meine Hochsteckfrisur fixieren wollt, hab ich ein wenig Honig mit warmem Wasser gemischt und wie Haarspray benutzt – wunderbar, und so duftig!

Was werd ich aber im nächsten Winter tun, als riesengroßer Badewannen-Fan?
Ich werd zu meiner Badewannen-Bar greifen und mir ein Genussbad einlassen –
mit Seifenraspeln aus Seifenresten, Meersalz, Milchpulver, Lavendelblüten und Kokosöl, alles aus Glas- oder Kartonverpackungen …

und den Rest aus der Flasche rechts, Kräutersalz für die Badewanne aus Rumänien, die noch aus Plastik ist, aber vor dem Entsorgen natürlich verbraucht wird.

Komisch, irgendwie. Vor allem komisch, dass ich mittlerweile so wenige Plastikflaschen in meinem Bad stehen hab. Und je mehr ich nachdenke, was ich alles verbannen könnt, umso mehr fällt auf, wie sehr man sich eigentlich auf natürliche Dinge rückbesinnen kann –
und wie wenige Dinge man eigentlich wirklich braucht.
Denn mit der Abkehr von all den Kosmetikartikeln, die in Plastik verpackt verkauft werden, kam auch die Einsicht, dass ich vieles davon einfach nicht brauche.
Ich benutze gern Kosmetikartikel, das geb ich zu  –
aber brauch ich wirklich fünf Lippenstifte, sieben Duschgels, und für jeden Körperteil eine eigene Lotion, alles in kleinen Plastikflaschen und voller Inhaltsstoffe, die ich nicht mal kenn?

Minimalismus heißt das Zauberwort –
das ist wirklich befreiend und irrsinnig angenehm.

All jene, die mich vor den schlimmen Sachen gewarnt haben, haben nix bemerkt und hatten auch nicht recht, nicht mal ansatzweise –
es fühlt sich großartig an zu wissen, was man benutzt, vor allem wenn man weiß, dass die Haut alles aufnimmt, was wir draufschmieren.
Wer wie ich also nicht komplett auf Kosmetik verzichten möchte, dem sei gesagt:
Es geht ganz leicht, man muss nur wollen –
und man braucht auch keine Angst haben:

Es wird kein stinken geben, keinen Haarausfall, keine Haare auf dem Körper (außer man mag die), die Zähne werden heil bleiben, man kann trotzdem jeden Abend mit einem anderen Duft duschen, so man das möchte –

und man kann weiterhin in einem feinen Café einen Kaffee zum Mitnehmen ordern, oder einen Smoothie oder einfach Wasser.
So ein Bambusbecher lässt sich nämlich sehr einfach in der Handtasche oder dem Rucksack verstauen und nahezu überall befüllen, auch im Urlaub eine tolle Option.
Gepaart mit einem waschbaren Strohhalm aus Aluminium ist man dann mindestens so cool wie all jene, die einen Plastikbecher in der Hand tragen –
weiß aber, dass man dem Planeten etwas Gutes tut.

Und jetzt?
Jetzt werd ich das Experiment auf das restliche Haus ausdehnen.
In der Küche bin ich schon gut dabei, auch wenn es schwer ist, müllvermeidend einzukaufen –
aber ich hab hier im Haushalt wirklich tolle Helfer/innen, das klappt bestimmt.

Wenn ihr Tipps habt –
ich freu mich drüber:

Weil wir nur diesen einen Planeten haben.
#SaveThePlanet!

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Was mich meine elektrische Schall-Zahnbürste gelehrt hat – und was das mit #Yoga zu tun hat.

Wir alle haben es schon oft gehört:
Yoga hat eine lange Tradition, bis zu 4.000 Jahre soll er schon auf dem Buckel haben –
plusminus.

Dabei hat Patanjali, der oft als jener Mann angeführt wird, der Yoga als erster beschrieben/erfunden/in Worte gefasst hat, nur davon geschrieben, wie die Sitzhaltung sein soll, in der wir meditieren, sthira sukham asanam, fest und entspannt, mit keinem Wort erwähnt er die 2.100 Haltungen, die es heute im Yoga zu geben scheint –
und es werden immer mehr.
Die Asanas, die wir heutzutage im Yoga gelehrt bekommen und lehren, haben eine weitaus kürzere Tradition –
und irgendwie scheint sich niemand so wirklich klar darüber zu sein, woher sie eigentlich kommen.
Aber ich schweife vom Thema ab …
denn darum geht es mir heute gar nicht.

In der Ausbildung haben wir grundlegende Regeln gelernt, wie Asanas auszuführen sind, und hier kommt sthira sukham asanam wieder ins Spiel, denn die Yoga-Haltungen sollen fest und stabil, aber auch entspannt und leicht ausgeführt werden.
Und natürlich lernt man in so einer Ausbildung ebenso, wie sich der Körper laut Yoga-Handbuch in den einzelnen Asanas bewegen soll, wie er dastehen soll –
und das ist etwas, worüber ich mir sehr oft Gedanken mache, weil diese Regeln oft im krassen Widerspruch zu wissenschaftlichen Anatomie-Büchern stehen …
oder zu meinem eigenen Körper.

Wenn ich mir den nämlich ansehe, erkenne ich schnell, dass diese angeblich Jahrtausende alten Regeln nicht für alle gelten –
sehr oft hab ich den Eindruck, sie gelten eigentlich nur für mega durchtrainierte Menschen, die hyperflexibel sind und täglich mehrere Stunden Yoga praktizieren.
Nicht für mich also – obwohl ich täglich praktiziere.

In unserer heutigen Welt, in der wir alle viel zu oft vor dem Computer sitzen, in der wir keine Zeit für morgendliche Dehneinheiten und viele von uns mit kleineren oder größeren Wehwehchen zu kämpfen haben, sind viele dieser Alignment-Vorgaben vor allem eines:
ungültig.

Wie ich das meine?

Ein Beispiel:
Jahrelang wurde ich in Yoga-Klassen angewiesen, aus Uttanasana langsam Wirbel für Wirbel aufzurollen. Niemand hat mir je gesagt, ich solle dabei die Knie leicht beugen
und obwohl ich aus früheren Trainingseinheiten eigentlich weiß, dass man beim Heben schwerer Gewichte immer die Knie beugen soll, hab ich die Anweisungen befolgt, ohne darüber nachzudenken.
Seit vielen Jahren gibt es im Yoga offenbar den Irrglauben, dieses Aufrollen mit gestreckten Knien sei generell sanfter für den Rücken –
aber das ist falsch, rein anatomisch gesehen.
Besser wäre es für die meisten, bei gestreckten Beinen den Rücken gerade nach oben zu führen –
oder eben die Beine zu beugen.
Ich bevorzuge übrigens ‚gebeugte Beine und gerader Rücken‘, das fühlt sich für mich am natürlichsten an.

https://www.instagram.com/p/BTjLRNvDw_1/?taken-by=sibl_and_the_wheel

Ich weiß nicht, ob auch dieses Aufrollen eine lange Tradition hinter sich hat, aber so muss es wohl sein, denn anscheinend wird es auch in indischen Yogaschulen so gelehrt –
und das bringt mich genau zu dem Punkt, zu dem ich heute kommen möchte:

Davon ausgehend, dass Yoga auf eine lange Geschichte zurückblicken kann, dürfen wir hier im Westen nicht ausblenden, dass die Wissenschaft weitergegangen ist.
Gerade in der Yoga-Community wird gerne vergessen, dass das Verständnis unseres Körpers, das Wissen um Krankheiten, Anatomie, Auswirkungen verschiedener Haltungen, uns einen anderen Blick auf einzelne Asanas und ihre Wirkung erlaubt, als es noch vor einigen Jahren möglich war.
Galt es früher als gesund, sehr lange im Kopfstand zu stehen, weiß man heute, dass das sogar gefährlich sein kann.
Wurde man früher in gewisse Haltungen hinein gedrückt, weiß man heute, dass manche Körper manche Asanas einfach nicht so ausführen können, wie sie beschrieben werden –
und benutzt stattdessen Gurte und Blöcke, um die Haltung dennoch möglich zu machen.
Auch wenn es im Yoga viel ums Spüren geht, um innere Ruhe, um Spiritualität und den Weg zu sich selbst, dürfen wir die Wissenschaft nicht vollkommen ausgrenzen –
unsere Vorfahren haben ganz wunderbare Erfindungen für uns gemacht, haben Medikamente entwickelt, Impfungen, haben den menschlichen Körper erforscht, innen und außen …
wir sollten diese Geschenke nicht mit Füßen treten, nur weil es gerade angesagt ist, sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen: Das bedeutet nämlich nicht, der Wissenschaft und der Medizin zu entsagen und wieder so zu leben wie vor ein paar tausend Jahren –
es geht auch anders.

Für mich bedeutet das:
Yoga muss immer direkt an den Menschen angepasst werden, der vor mir auf der Matte steht.
Der eine muss mit geradem Rücken üben, die andere langsam aufrollen, mancher braucht einen Gurt, und andere können die Haltungen genau so ausführen, wie so vor vielleicht Jahrtausenden erdacht wurden.
Natürlich macht das den Yoga-Unterricht um einiges schwieriger, denn das bedeutet, dass wir genau wissen müssen, wer da vor uns auf der Matte steht, dass wir jede Anweisung personalisieren müssen, und vielleicht damit aufhören, in einer Yoga-Klasse mehr als zwanzig Menschen zu unterrichten –
den Menschen zuliebe, die uns ihre Gesundheit anvertrauen.

Ich glaube, wir sollten wieder ein wenig davon abkommen, Dinge aus Prinzip so zu machen, wie sie vor vielen tausend Jahren in einem fremden Land gemacht wurden, und öfter darüber nachdenken, ob das heutzutage bei uns im Westen wirklich immer sinnvoll ist –
und ich gebe zu:
Das wurde mir letztens klar, als ich mit meiner neuen elektrischen Schall-Zahnbürste morgens im Badezimmer stand.

Über mehrere Jahre hinweg hab ich versucht, eine ökologische, biologische und dennoch sinnvolle Zahnhygiene in meinen Alltag einzubauen.
Ich hab morgens mit ayurvedischen Zahnölen gespült, minutenlang, was meinem Abluss nur bedingt gut getan hat. Klar fühlen sich die Zähne nach dem Ölziehen toll und glatt an, sie sind ja quasi eingeschmiert, aber so richtig begeistert hat mich das nicht.
Ich bin von Plastikzahnbürsten auf welche aus Bambus umgestiegen (und benutze diese manchmal immer noch, ebenso wie meine Familie, weil sie wirklich toll sind), und hab natürlich keine herkömmliche Zahnpasta mehr benutzt, sondern selbst gemachte mit Kokosöl (was mein Abfluss noch blöder fand) oder auf Basis von Natron oder Salz (mein Zahnfleisch hat gebrannt wie Feuer, schrecklich).
Außerdem hab ich mehrmals in der Woche auf Anraten einer Ayurveda-Beraterin meine Zähne mit Kurkuma geputzt – als Tee- und Kaffeeliebhaberin will ich ja trotzdem keine gelblich-braunen Zähne haben, und der gelbe Gatsch soll angeblich die Zähne aufhellen.
Nach mehreren Monaten, in denen ich das wirklich regelmäßig gemacht habe, kann ich nun sagen: Nein, Kurkuma hilft überhaupt nicht, ganz im Gegenteil.

Dann wurde meine alte elektrische Zahnbürste kaputt und ich hab mich im Geschäft spontan für eine Schallzahnbürste entschieden –
die ich jetzt seit drei Wochen benutze, meine Zähne sind mittlerweile strahlend weiß und fühlen sich toll an, dabei benutz ich nicht mal mehr Zahnpasta, sondern geb einen Tropfen Mundwasser (bio, aus einer Glasflasche) auf das Bürstchen, bevor ich putze.

Was ich damit sagen will:
Viele der Hausmittel, die wir von früher kennen, und auch viele der ayurvedischen Tipps, die auch ich gerne in meinen Alltag einbaue, stammen aus einer Zeit, in der die Menschen nichts anderes hatten.
Wer in der Apotheke kein Medikament kaufen kann, weil es keine Apotheke gibt, der nutzt natürlich die Kraft der Natur –
und gerade ich bin großer Fan von Naturheilkunde und hab mir auch einen Ruf als Kräuterhexe erarbeitet.
Trotzdem sollten wir nicht vergessen, all die wunderbaren Errungenschaften unserer Zeit zu nutzen –
und dazu gehört eben auch:

Lasst uns Yoga als etwas sehen, das sich entwickelt, lasst uns Naturheilkunde als etwas sehen, das wir mit Schulmedizin kombinieren, ohne diese abzulehnen –
wir dürfen und sollen auch im Yoga nach vorne schauen, der Zukunft entgegenschreiten …
auch wenn wir die alten Traditionen ehren.

#Namaste!

***

Wenn ich in diesem Artikel Yoga schreibe, meine ich damit den körperlichen Aspekt der Asanas.

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Von der Liebe zur Einsamkeit – oder: Warum einsames #Yoga für mich erfüllender ist.

Bevor ich das Yoga Teacher Training begonnen habe, war ich jede Woche in einem abendlichen Yoga-Kurs –
manchmal auch öfter.
Außerdem hab ich am Wochenende Workshops besucht, auch Festivals, und natürlich: Yoga daheim gemacht.

Je mehr ich aber über die einzelnen Asanas gelernt und erkannt habe, wie Yoga eigentlich praktiziert werden soll – oder besser: kann –, umso mehr lernte ich die Einsamkeit zu schätzen.
Auch, weil ich in dieser Zeit selbst unterrichtet und erst da wirklich gesehen habe: Unterrichten hat mit der eigenen Praxis nichts zu tun, ganz im Gegenteil, das Unterrichten klappt nur, wenn ich daheim sehr achtsam und am besten täglich praktiziere –
und das ist wirklich schwer!

An manchen Tagen betrete ich frühmorgens die Matte, stelle die Zehen auf, setze mich in den Fersensitz und dehne minutenlang meine Fußsohlen –
und manchmal war’s das dann auch schon …
entweder weil ich keine Zeit oder manchmal auch einfach keine Lust habe.
An anderen Tagen verbringe ich den ganzen Nachmittag auf der Matte und mache nur das, was mir gerade in den Sinn kommt, was sich gut anfühlt, wonach mein Körper sich sehnt, und vergesse dabei völlig, wie lange ich mich bewege oder unbewegt auf der Matte sitze.
Manchmal ist es auch einfach nur der Wunsch nach einem Workout, der mich antreibt, dann möchte ich schwitzen und mich einfach nur bewegen, am besten zu lauter Musik.

Und an wieder anderen Tagen ruft die Matte abends nach mir, um mir Ruhe zu schenken, meine rastlosen Beine zu entspannen, oder damit ich einfach mal nichts tun zu muss, außer in Stille einfach nur zu sein.
Wie schön sind diese Momente, in denen man als Mutter oder Vater keine kindlichen Anfragen beantworten muss –
oder nach einem langen Arbeitstag kein/e Chef/in Arbeitsaufträge erteilt.

Selten, aber doch, komm ich auch nachts auf meine Matte, wenn ich nicht schlafen kann, wenn meine Beine zucken, wenn ich aber niemanden nerven möchte und auf der Matte abwarte, bis es wieder besser wird.

Ich möchte in diesen Momenten nicht auf die Uhr schauen, mich an niemand anderen als mich selbst anpassen müssen, ich möchte solange in Savasana liegen, wie ich mag, oder auch gar nicht, ich möchte Musik hören, laut atmen, ich möchte mich weder besonders stylen noch irgendetwas besonderes anziehen, ich möchte keine komischen Blicke bekommen, wenn ich der oder dem Unterrichtenden erkläre, wieso mein Körper ein wenig komisch auf der Matte steht, ich möchte jede Asana so kurz oder lang halten, wie ich sie gerade brauche, und nicht nach einem von jemand anderem geplanten Schema exakt 75 Minuten yogieren –
ich möchte einfach mein Yoga machen.

Ich möchte mit meiner Matte an besonderen Orten yogieren, nur mit mir selbst, ich möchte dabei keine Zuschauer/innen haben und nur meiner eigenen inneren Uhr folgen –
einfach, weil es eben mein Yoga ist.

https://www.instagram.com/p/BU4e2cJD9WG/

Mir ist klar, dass das auf manche ein wenig egoistisch wirkt, auch wenn ich nicht nachvollziehen kann, warum –
denn das ist der Kern von Yoga:
mit sich selbst ins Reine kommen, sich selbst genügen, sich so annehmen, wie man ist, den Körper auf langes Sitzen in der Meditation vorbereiten, und so zu agieren, wie der Körper es braucht.
Ich muss mich in keine Asanas quetschen, die mein Körper (noch) nicht beherrscht, und wenn ich die Arme beim Sonnengruß nicht über die Seite nach oben führen kann, ohne jemandem ins Gesicht zu schlagen, dann fühle ich mich in meiner Praxis eingeengt.

Wanderlust Festival München

Natürlich kommt es vor, dass ich Workshops von wunderbaren Yogi/nis besuche und diese so voll sind, dass man kaum Platz für die eigene Matte findet, aber solche Workshops zählen für mich nicht als mein Yoga, sondern sind Weiterbildung, neue Erfahrung, Erweiterung des eigenen Horizonts.

Ebenso wie die vielen Events, die es rund um Yoga gibt –
die sind lustig, keine Frage, aber vor allem zum Schauen, Lachen, vielleicht Lernen. Wie ein netter Ausflug in eine andere Welt …

meine Yogawelt aber ist zu 98 Prozent dort, wo ich mit meiner Matte allein bin, egal ob zu Hause oder irgendwo in der Natur.
Und ich muss gestehen:
Seit ich das weiß, kann ich innerlich während des Yogierens noch besser abschalten als zuvor – egal wo ich mich gerade befinde.

Eins aber ist wirklich wichtig und muss an dieser Stelle extra erwähnt werden, denn:
Wie immer im Yoga gilt auch bei diesem Thema:
Sei achtsam!
Überfordere deinen Körper nicht mit Haltungen, die er noch nicht kennt – vor allem, wenn du Anfänger/in bist!
Das bedeutet auch:
Praktiziere nicht rein nach deinem Empfinden, manchmal ist gerade das besonders schlecht für den Körper, was sich besonders gut anfühlt. Es reicht auch nicht, nur nach Onlinevideos zu praktizieren, denn da gibt es niemanden, der dich korrigiert, dir die Grundlagen beibringt, deinen Körper in der Haltung ansieht und so entscheiden kann, welches die beste Variante einer Asana für dich ist.
Auch wenn du am liebsten zu Hause praktizierst: Besuche dennoch hin und wieder einen Kurs mit echten Unterrichtenden, damit du deine persönliche Ausrichtung kennenlernst und dann nicht wieder verlierst!
Erst wenn du die Grundlagen kennst und beherrschst, solltest du es wagen, nur mit dir allein zu üben –
deiner Gesundheit zuliebe.

Auch wer wie ich ein Teacher Training hinter sich hat, sollte nicht rein mit sich alleine praktizieren –
ich hab in so manchem Workshop beobachten dürfen, wie auch jene Menschen korrigiert wurden, die mehrere Ausbildungen hinter sich haben und auf jahrelange Praxis zurückblicken können, denn:
Jede/r macht mal Fehler, Körper verändern sich ebenso wie Sichtweisen, es gibt neue Erkenntnisse in Sachen Asanas und Ausrichtung …
wer auf seinen Körper achtet, sollte ihn deshalb auch hin und wieder dem geschulten Auge einer/s Unterrichtenden zeigen, er wird es euch danken.
(Der Körper, aber vermutlich auch der oder die Unterrichtende.)

#namaste!

***

Das soll natürlich kein Plädoyer gegen Yogakurse sein, nur ein kleiner Einblick in meine persönliche Praxis –
und die findet, wie vermutlich bei den meisten, die mit Yoga ihr Geld verdienen, doch meistens allein daheim statt.
<3

 

 

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Warum #Bodyshaming ein Blödsinn ist – und warum es uns alle betrifft.

Eigentlich sollte ich gerade an meinem Computer sitzen und an einer Übersetzung arbeiten –
aber während einer kleinen Kaffeepause vorhin hab ich einen Blick auf Instagram geworfen und einen Post entdeckt, der mich so fassungslos gemacht hat, dass ich beschlossen hab, darüber zu schreiben.

Auf dem Account einer sehr inspirierenden Yogini war ein Video zu sehen, die junge Dame trug einen Bikini, weil sie am Strand war, und zeigte im Sand allerhand Asanas, manche sehr perfekt, andere ein bisserl wackelig –
ich möchte noch mal wiederholen: Sie stand am Strand, unter ihr nur Sand, da wackelt man gerne mal während Vrksasana, zum Beispiel –
wer das nicht glaubt:
Schuhe ausziehen und auf einem Bein in die Wiese stellen, Arme nach oben, Blick ebenfalls nach oben, in den Himmel, in etwa so:

ein Baum am Meer

Das Setting des Videos war super, tolles Licht, eine tolle Frau am Strand, die Yoga macht und sich wenig um Perfektion schert –
was kann da schon komisch dran sein, fragt man sich, das klingt doch wunderbar.

Bis man die Kommentare liest.
Dutzende Menschen lassen sich über den Körper der jungen Frau aus, der – no na – beim Bewegen und Drehen und Beugen mal hier, mal da eine Falte wirft …
Menschen, die die junge Frau nicht kennen und die, wenn es nach ihnen selbst geht, beim Blick in den Spiegel tot umfallen müssten.

Ich sehe in dem Video eine junge Frau, die den Mut hat, ohne Photoshop-Tricks, ohne Visagistin oder teurer Ausstattung einfach zu zeigen, was sie macht –
und das, was sie macht, macht sie richtig klasse:
Die Asanas werden korrekt ausgeführt, sie lässt sich Zeit, ich bin sicher, ihr Atem fließt ruhig, und ein Lächeln umspielt ihre Lippen.
Genau so sollte Yoga sein, genau so sieht es aus, wenn jemand mit sich und der Welt im Reinen ist und einfach fließt.

Ich wollte das wunderbare Video eigentlich hier verlinken, aber es wurde wohl ob der vielen negativen Kommentare gelöscht –
und deshalb hab ich beschlossen:
Ich kann das so nicht hinnehmen!

Wie kann es sein, dass jemand ein wunderschönes Video postet, und hunderte andere beschließen einfach so, einen Shitstorm auszulösen, aus dem einfachen Grund, dass sich unser Körper der Bewegung anpasst und es sich erlaubt, auch mal Falten zu werfen –
sowas aber auch!
Natürlich ist mir klar, dass Übergewicht weltweit ein großes Problem ist, und ich weiß auch, dass es viel zu viele magersüchtige Menschen gibt, diese Probleme möchte ich in keinster Weise verharmlosen –
aber manchmal hab ich das Gefühl, dass gerade in den sozialen Medien die Leute komplett den Bezug zur Realität verloren haben.

Können wir das nicht bitte einfach sein lassen?
Können wir nicht bitte einfach wieder den Mittelweg entdecken?
Weder zu viel noch zu wenig ist erstrebenswert, das gilt für so ziemlich alles im Leben –
aber am Wichtigsten ist: Urteilma doch bitte nicht über alle anderen –
und auch nicht so harsch über uns selbst!

Lasst uns ein Zeichen setzen, wir alle, die wir als Yogaunterrichtende (oder Yoga-Praktizierende) täglich mit Menschen jeden Alters zu tun haben!

Ich fang einfach mal damit an, Hashtag: #SoBinIchEben –
bitte sehr, so seh ich aus, wenn ich auf der heimischen Matte Yoga übe:

https://www.instagram.com/p/B2ymnJIog_N/

 

https://www.instagram.com/p/BklOkdinTWW/

Das bin ich, Sybille, ich bin mittlerweile 40 Jahre alt und habe drei Kinder. Ich freue mich, dass ich trotz meiner drei Schwangerschaften nicht wirklich zugenommen habe – aber ich würde niemals eine Frau verspotten, bei der das anders ist. Laut BMI bin ich untergewichtig, eine Tatsache, die mich als Jugendliche irrsinnig gestört und mir auch schon des öfteren Hasstiraden anderer Frauen eingebracht hat (Stichwort #Thinshaming) – aber dafür kann ich nichts. Ich ernähre mich gesund, beweg mich recht viel und hab wohl auch einfach Glück – denn ich esse sehrsehr gern, auch und gerade Schokolade und all die Dinge, die gemeinhin als Dickmacher gelten.
Natürlich hab auch ich so meine Problemzonen, die mich manchmal nerven, mir aber meistens ziemlich egal sind.
Und wie man sieht: Beim Bewegen entstehen Falten! Überall, am ganzen Körper! Trotz angeblichem Untergewicht! Und das ist auch noch bei jedem Menschen so, krass oder?

https://www.instagram.com/p/B2yOxJ3IqSb/

Ich glaube, dass es an der Zeit ist, endlich wieder die viel zitierte goldene Mitte zu entdecken und interessant zu machen:
ein bisserl gesunde Ernährung, ein bisserl Bewegung, ein bisserl Achtsamkeit, ein bisserl mehr Toleranz und ganz viel mehr Liebe!

Wär das nicht eine tolle Idee?
Dann mach doch mit und zeig dir und den anderen, wie toll du bist –
ich glaub wirklich, dass das wichtig ist!

(Hashtag: #SoBinIchEben – dann finden es auch andere.)

#Namaste!

***

Übrigens, nur damit ich es angesprochen hab:

Zwischen all den Hasskommentaren gab es auch eine Vielzahl von meist männlichen Kommentierenden, die in sexuell sehr anzüglicher Weise über die Frau schrieben –
auch das ist nicht okay!
Wir schreiben das Jahr 2017, und jede Frau darf sich im Bikini filmen lassen, ohne eine Karriere in der Pornoindustrie anzustreben …
manchmal vergessen das die Leute.

Aber das ist wichtig!

 

 

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Wenn das Problem zur Chance wird oder: Wie es ist, ein Hüftopfer zu sein.

Bei der Anfertigung meines Körpers haben sich leider ein paar Produktionsfehler eingeschlichen –

ich hab eine Vielzahl an Allergien, die mich in meiner Kindheit in den Wahnsinn getrieben haben und das Personal diverser Allergiezentren alljährlich zum Staunen bringen, ich hab das so genannte Restless Legs Syndrom, das mich in vielen Nächten nicht schlafen lässt, und ich kam mit dem Po voran auf die Welt, denn:

Meine Hüften waren bei der Geburt so gut wie nicht vorhanden. Das erste, was der Arzt nach meiner Geburt damals zu meiner Mutter gesagt hat, war, dass ich niemals richtig gehen können werde –
der Arzt war wohl wirklich ein … sagen wir es mal freundlich: Idiot.

Ich wurde also von Geburt an mittels Gipsschale breit gewickelt –

hier auf dem Bild sieht man die Gurte dieser Schale.
Lustigerweise schau ich auf dem Bild so drein, als würde mich das fürchterlich stören –
und das kann ich mir fast vorstellen:

Meine Kinder musste ich auch alle breit wickeln, als Vorsichtsmaßnahme, weil Hüftprobleme ausgeschlossen werden sollten, ich wickelte sie aber auf Anraten meiner Ärzt/innen mit einer Stoffwindel einfach dicker …
sicher die angenehmere Variante.
Aber eins muss man natürlich sagen: Die Gipsschale hat ihren Zweck erfüllt.

Später bekam ich eine Art Laufgestell mit Spreizhose, ein Wägelchen, in dem meine Beine breit zur Seite standen, das es mir aber ermöglichte, mich in der Wohnung fortzubewegen.

Meine Mutter hat mir einmal erzählt, dass sie die mitleidigen Blicke mancher Mitmenschen kaum aushalten konnte, oder die Frage, welche Behinderung ich denn hätte –
wobei eine direkte Frage sicher angenehmer ist als das verstohlene Flüstern und Schauen.
Und es gibt die Anekdote, dass Bekannte meiner Eltern sie als schlechte Eltern bezeichneten, zu jung und dumm für ein Kind, weil ich als Baby diese Gipsschale tragen musste –
es wäre ja viel besser, ein körperlich behindertes, aber psychisch gesundes Kind zu haben.
(Manchmal fragt man sich, was in den Köpfen der Mitmenschen so vorgeht.
Deshalb:
Danke für die Gipsschale, Mama und Papa! Ich find gehen können schon ziemlich lässig – und meiner Psyche geht’s auch ganz gut.)

Ich bin mir aber ganz sicher, dass ich dieses Wägelchen recht lustig gefunden hab, ich mein: Schaut euch mal an, wie ich dreinschau! So schaut kein Kind drein, das traurig ist oder sich über etwas ärgert.

Irgendwann waren meine Hüften dann bereit zum Einsatz, ich lernte gehen. Und laufen!
Ich glaube, ich kann mich noch daran erinnern, wie genial ich das fand.

Einige Jahre lang waren meine Hüften dann kein Thema mehr für mich –
bis ich im Gymnasium eine Sportlehrerin bekam, die sich zwar freute, dass ich im Leichtathletik-Team war und einige Wettkämpfe für meine Schule gewinnen konnte, die mir aber dennoch eine schlechte Note ins Zeugnis schrieb, weil ich (Zitat) so schirch (also hässlich) laufen würde.

Erst ein Attest meines Orthopäden konnte sie davon überzeugen, dass das keine sehr objektive Beurteilung meiner Leistung im Sportunterricht war. Ich wiederhole: Ich war die Schnellste im Leichtathletik-Team der Schule!

Und bumm!
Schon waren meine Hüften wieder ein Thema –
denn es stimmt: Wenn ich gehe oder laufe, sieht es wirklich anders aus als bei anderen.
Doch nicht nur das:
Meine Hüften hatten früher auch die Tendenz, hin und wieder den Oberschenkel zu entkoppeln, einfach so. Oder in Situationen, in denen es toll wäre, schnell reagieren zu können, einfach gar nicht zu reagieren, mit dem Erfolg, dass man auf der Nase landet. Manchmal machen meine Hüften auch Geräusche, sie knirschen und knacken, oder es blubbert, so als würden Bläschen aus meinen Hüften aufsteigen – und zwar so laut, dass es manchmal auch andere Leute hören und vor Schreck ganz blass werden.

Natürlich ist diese Hüftproblematik auch ein Thema im Yoga.
Es gibt einige Asanas, die ich nicht nach Lehrbuch ausführen kann, einfach weil mein Körper nicht mitspielt.
Vorbeugen im Sitzen mit gleichzeitiger Grätsche etwa, oder Haltungen wie Virabhadrasana 1 / Krieger 1, bei denen man die Beine in gewissem Abstand hintereinander platziert, die Hüften aber parallel halten soll. Auch Trikonasana / Dreieck gehört dazu, da hört man ja oft die Anweisung, dass man die Hüften übereinander stapeln soll – ein Ding der Unmöglichkeit.
Alle Asanas, die eine sehr hohe Beweglichkeit in den Hüften verlangen, sind für mich der blanke Horror.

Ich hab in vielen Yogastunden versucht, mich in der letzten Reihe zu verstecken, damit kein/e engagierte/r Yogalehrer/in auf die Idee kommt, mich in die korrekte Haltung pressen zu wollen –
diese gut gemeinten Korrekturen führen bei mir nur zu Hüftschmerzen, schlimmstenfalls sogar zu Entzündungen im Gelenk.
Zu den Yogastunden gegangen bin ich aber trotzdem weiterhin:
Weil ich gemerkt hab, wie gut die Dehnung und die Bewegung tut, und weil die durch Yoga gewonnene Stabilität mir geholfen hat, die Unbeweglichkeit meiner Hüften auszugleichen.

Lange Zeit war ich aber der Meinung, dass ich es eben nicht besser könnte, dass Yoga halt vielleicht doch nichts für mich wäre, wenn ich schon so einfache Haltungen wie Krieger 1 nicht hinbekomme –
bis ich dann im Teacher Training meine Ausbildnerin kennenlernte, die ein ähnliches Hüftproblem hat wie ich, und die mir die Augen öffnete, denn:
Ich kann natürlich Yoga machen – und muss dabei auch nicht glauben, dass ich es falsch mache!

Ich muss in manchen Fällen mehr Unterstützung in Form von Block, Gurt oder Wheel verwenden als andere, ich werde wohl nie entspannt in der Grätsche sitzen können, meine Taube sieht immer ein wenig komisch aus, und ich stehe in Krieger 1 anders als alle anderen, damit meine Hüften mitspielen, aber hey:

Das ist eben mein Yoga!

In der Ausbildung wurde ich dann recht schnell zum Hüft-Testobjekt, denn es gibt einige Tricks, mit denen man Menschen unterstützen kann, deren Hüften nicht nur ein bisschen ungelenkig sind, sondern wie in meinem Fall einfach … nun, nennen wir es: von der Natur mit weniger Beweglichkeit versehen.

Keine Sorge:
Auf den Bildern sieht das viel wilder aus, als es war –
denn ich sage euch: Es war wunderbar!
Dieses Gefühl, wenn die Hüften sich plötzlich annähernd so bewegen, wie sie sollen, weil jemand weiß, wo sie hingreifen, wie sie ziehen muss – himmlisch!
(Vielen Dank, liebe Selma, das war echt genial!)

Auch die Anatomiestunden in der Ausbildung waren toll, weil mir endlich klar wurde, wie mein Körper eigentlich funktioniert, wie ich ihm helfen kann, im Alltag und im Yoga, und dass ich als selbst ernanntes Hüftopfer mein bisheriges Problem in Zukunft als Chance sehen werde:

Ich kann mich sehr gut in Yogi/nis hineinversetzen, die sich mit gewissen Asanas quälen, denn das sind meistens jene, die mich auch quälen –
und unter uns gesagt:
Mich quälen eine Menge Asanas.
Ich weiß mittlerweile aber sehr genau, welche Unterstützung ich brauche, damit ich die für mich problematischen Haltungen korrekt ausführen kann –
und kann dieses Wissen meinen Yogi/nis weitergeben.
Ich hab auch erkannt, dass die perfekte Ausrichtung nicht alles ist –
ich weiß nämlich nicht, wie die Leute innen drinnen aussehen, vielleicht haben sie ähnliche Probleme wie ich und die Ausrichtung nach Lehrbuch macht ihnen mehr Probleme als kleinere Unrichtigkeiten.
Ich werde ganz sicher nie die Lehrende sein, die ihre Yogi/nis ins Schwitzen bringt, weil sie alles so perfekt vormacht, dass sich die anderen im Raum denken:
Das werd ich nie schaffen!
meine Senior/innen danken es mir jedes Mal, wenn ich in Vorbeugen nicht wie ein Taschenmesser zusammenklappe oder für Trikonasana ebenso einen Block verwende wie sie.
Und ja, ich sitze mittlerweile immer auf einem dünnen Kissen oder einer gefalteten Decke, wenn ich Sitzhaltungen übe oder vorzeige –
das ist vielleicht uncool, aber was soll’s?
Ich muss nicht cool sein, um Yoga üben zu können.

Aber ich hab beim Yoga mittlerweile immer einen Gurt dabei, auch ein Kissen und mein Wheel, einfach weil ich weiß:
Es hilft mir.

Und das ist mir weitaus wichtiger als alles andere –
denn ich bin jetzt 38 Jahre alt und hab die Hüftprobleme, die andere erst im hohen Alter bekommen, schon hinter mir, nein danke, die brauch ich nicht mehr.

Wenn ich nach einer Trikonasana-Ardha Chandrasana-Session abends noch die Treppe hinaufgehen können möchte, muss ich mit Block und Wheel arbeiten –
nicht weil Yoga schlecht für die Gelenke ist, sondern weil meine Gelenke das eben so brauchen, damit sie bestmöglich unterstützt werden …

und genau darauf kommt es an:
Im Yoga darauf schauen, was man selbst braucht oder was die anderen brauchen, und den Schüler/innen klar machen:

Nur weil all die Insta-Yogi/nis ausschließlich Fotos von Kopfstand, Handstand und Skorpion posten, heißt das noch lange nicht, dass es nicht andere, weitaus forderende Asanas für sie gibt …
und es ist weder peinlich noch uncool, das auch zuzugeben.

Manch eine/r tut sich irrsinnig leicht mit dem Handstand, schafft aber grade mal so Trikonasana, manche posten unzählige Fotos von Unterarmständen, können aber kaum gerade in Tadasana, der Berghaltung, stehen –
und ich kann mittlerweile angenehm im Kopfstand stehen, scheitere aber nach wie vor an Krieger 1.

So ist es eben –
und es ist gut so!

***

Dank an meinen Vater für die entzückenden Fotos! Und für die Gipsschale.

 

 

 

 

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Und ewig dreht sich das Gedankenkarussell.

Gibt es einen guten Zeitpunkt, um krank zu werden?
Vermutlich nicht –
aber unzählige schlechte.

Jetzt gerade, zum Beispiel:
Ich habe hunderte Dinge zu erledigen, müsste denken und tüfteln und hier anrufen und dort vorsprechen, eine Website erstellen und über hundert weitere Dinge nachdenken …
stattdessen lieg ich mit Halsweh am Sofa, trink literweise Tee mit Kurkuma-Honig und bekomm schon einen Schweißausbruch, wenn ich nur ans Aufstehen denke.
https://www.instagram.com/p/BRAm7Tbj36J/?taken-by=sibl_and_the_wheel
Gestern hab ich es nicht mal auf die Matte geschafft, obwohl ich mich ein wenig bewegen wollte, das möchte ich heute unbedingt  schaffen –
denn es ist  furchtbar, abends ins Bett zu gehen, wenn man eh den ganzen Tag nur rumliegen musste.

Krank sein macht aber noch etwas mit mir:
Es treibt mein ohnehin schon rastloses Gedankenkarussell noch mehr an.

Gerade jetzt, wo ich nicht mehr nur noch plane, sondern aktiv an meinem (nennen wir es mal) Co-Working-Space für … hm … Body and Soul arbeite (jaaa, am Namen tüftle ich auch noch), gerade jetzt wollen meine Gedanken einfach keine Ruhe finden:

Ist es die richtige Idee? Was hab ich übersehen? Klappt das mit meinen Kindern? Werden da überhaupt irgendwelche Leute kommen? Wie erreiche ich diese Leute? Wird es finanziell leistbar sein? Was muss ich alles anschaffen? Schaff ich alles, was ich mir vornehme, bis April? Was wird das mit mir machen, mit meiner Familie? Wird es Auswirkungen auf meine Beziehung haben?

Und das ist nur eine kleine Auswahl an Fragen, die mir durch den Kopf gehen, tagsüber auf dem Sofa, und vor allem nachts im Bett, wenn ich nicht schlafen kann.

Deshalb werd ich mich heute auf meine Matte setzen, tief durchatmen, und die Welt einfach Welt sein lassen.
https://www.instagram.com/p/BOHhIwADmEb/?taken-by=sibl_and_the_wheel
Auf mich selbst achten, meinen Kopf freiatmen, abends in der Badewanne entspannen –
und erst morgen wieder die Welt neu erfinden.

Denn wie heißt es so schön?

Genießt euren Faschingsdienstag, und passt auf euch auf.

#Namaste!

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Einfach ehrliches Yoga, ohne jeglicher Zauberei.

Wer sich dazu entschließt, Yoga zu unterrichten, muss sich erst einmal fragen:

Was für eine Art von Yoga möchte ich unterrichten?

Wie möchte ich den Menschen vermitteln, dass Yoga toll ist – gerade ich, der unesoterischste Mensch, den ich kenne?!
Ständig sagen mir die Leute:
Dass gerade du Yoga unterrichtest, du magst doch Esoterik nicht.
Oder:
Yoga ist mir zuviel Shanti shanti …
was auch immer das bedeuten soll. Denn Yoga an sich ist weder esoterisch, noch hat es was zu tun mit Gesangsübungen in fremder Sprache.
Ich war also selbst ein bisschen unsicher, was ich auf all diese Fragen eigentlich antworten soll.

Gestern abend auf meiner Yogamatte jedoch hatte ich dann auf einmal den ganz klaren Gedanken:
Ich möchte bloß ehrlich sein.

Yoga ist gut für Körper und Geist –
unzählige Studien beweisen das mittlerweile.
(Ja, andere Studien beweisen das Gegenteil, das ist mir klar, aber diese Studien beziehen sich meist darauf, dass etwa Anfänger/innen versuchen, sich in den Skorpion zu drücken und sich dabei verletzen … was mir immer im Herzen weh tut. Drum kämpf ich auch für Yoga ohne Ego, denn:
Wer nicht aufrecht im Berg stehen kann, braucht an den Kopfstand nicht zu denken.)

Sich yogisch zu bewegen, den Geist zu beruhigen und sich selbst einfach mal eine Auszeit zu gönnen – das ist für mich Yoga.
Ich bin auch keine Yoga-Therapeutin … dafür gibt es andere.
Wer also mit schweren Verletzungen zu kämpfen hat, der sollte lieber ausgebildete Therapeut/innen aufsuchen, die eine jahrelange Ausbildung in Sachen Anatomie hinter sich haben.
Mir und dem eigenen Körper zuliebe.

Auch Meditation ist toll für uns –
nicht umsonst meditieren Spitzensportler/innen und Top-Manager/innen täglich.


Meditieren hat aber nichts mit Räucherstäbchen zu tun, man muss nicht unbedingt still sitzen, Mantras singen oder verschiedenste Sanskrit-Silben summen, von denen man nicht einmal weiß, was sie bedeuten.
Man kann auch unter einem Baum liegen und mit geschlossenen Augen das Gras spüren.
Oder sich auf der Matte einkuscheln und einfach mal in sich hineinhören.
Das tun wir nämlich viel zu selten, obwohl es so gut tut – es zahlt sich wirklich aus, das mal zu probieren.
Ohne Druck, ohne ‚das muss genau so sein‘, einfach zur Ruhe kommen und für wenigstens ein paar Minuten den Alltag vergessen.
Ich versprech euch: Das ist genial!

Für mich zum Beispiel ist auch Stricken Meditation –
der Geist ist vollkommen frei von Gedanken, ich seh nur, wie die Maschen sich vermehren und bin ganz bei mir.
https://www.instagram.com/p/BQsnCwRDjsV/?taken-by=sibl_and_the_wheel
Ich möchte aber auch ehrlich sein in der Art, wie ich mein Yoga präsentiere.
Detox Flow?
Braucht kein Mensch – das klingt vielleicht gut und ist gerade ein Trend in Sachen Wellness  –
aber in unserem Körper gibt es keine Gifte, die man mit ein paar Drehhaltungen entfernen könnte.
(Und das ist gut so, wir würden sonst relativ schnell sterben, es macht ja nicht jede/r Yoga oder wöchenliche Detox-Kuren.)
Drehhaltungen sind toll, keine Frage, ich liebe sie vor allem, weil sie oft so fordernd sind, sie haben mit ‚Detox‘ aber nichts zu tun.

Und ich muss gestehen: Ich halte auch wenig von ‚alternativen‘ Dingen aller Art – und das, obwohl ich mittlerweile mit Leib und Seele Yogalehrerin bin.
Klingt komisch? Ist aber so.
Homöopathie? Ist kein guter Ersatz für echte Medizin, dazu müssten Wirkstoffe enthalten sein.
Impfgegner/innen? Sind gefährlich, das unterstütze ich auf keinen Fall.
Horoskope? Hab ich ohne weitere Vorkenntnisse neben dem Studium für Frauen-Magazine geschrieben. Muss ich mehr sagen?

Und genau, weil ich eigentlich ein so kritischer Mensch bin, finde ich Yoga genial –
weil ich spüre, dass es wirkt, ganz ohne Zauberei, weil ich nach zehn tiefen Atemzügen auf meiner Matte (logischerweise) spüren kann, wie mein Herzschlag sich verändert, weil ich es genieße, abends mal für kurze Zeit mein Gedankenkarussell ausschalten oder meine Restless legs beruhigen zu können …
eine Wohltat!
Dafür zünd ich zwar auch manchmal Räucherstäbchen an, weil ich Räucherstäbchen liebe, nicht aber, weil sie meine Chakren stimulieren, und ich singe auf der Matte sogar laut Om, wenn ich Lust darauf habe, weil ich die Vibration liebe und die Art, wie sich meine Stimme beim Singen verändert …
aber ich würde niemanden dazu zwingen.

Und ich glaube, darum geht’s im Yoga:
niemanden zu etwas zwingen, das tun, was aus dem Herzen kommt, was sich richtig anfühlt, und die anderen so akzeptieren, wie sie sind.
Wer gern Mantras singt und chanten möchte, ist jederzeit dazu eingeladen, das auch zu tun –
in meinen Yogastunden wird es das allerdings nicht geben.
Ich hab auch nicht vor, allzuviele Sanskrit-Worte zu verwenden …
einfach weil ich mit Menschen arbeite, die sich bewegen und entspannen wollen, vermutlich aber keine Fremdsprache erlernen.

Ich werde einfach versuchen, achtsam auf jede/n Einzelne/n einzugehen, sodass auch wirklich jede/r mit einem Lächeln im Gesicht den Raum verlässt –
ausgepowert vom Yoga, erholt von der Entspannung samt Augenkissen und sanfter Musik oder auch mal in totaler Stille.
https://www.instagram.com/p/BQNm-pVgqIB/?taken-by=sibl_and_the_wheel
Klar, auch mein geliebtes Yogarad werde ich in die Stunden einbauen, aber ich glaube, ich weiß jetzt, wie mein persönliches Yoga aussieht (denn ich bin überzeugt davon, dass jede/r von uns einen persönlichen Yogastil hat):

achtsam und klar, lustig und spannend, unesoterisch und ohne Dogmen – und vollkommen ohne religiösen Touch.
Denn Yoga ist mittlerweile im Jahr 2018 angekommen, gerade hier in Westeuropa. Yoga ist natürlich stark von Traditionen geprägt, und ich bin stolz darauf, diese Wurzeln kennengelernt zu haben und mein Wissen darüber zu vertiefen, weil es spannend und interessant ist zu lernen, woher das kommt, was man so liebt …
aber das ist mein Hobby, nicht meine Berufung:
Einfach, weil es viele Menschen gibt, die denken wie ich, und die trotzdem gern yogieren möchten …

weil es so gut tut!

#Namaste!

*

Wichtiger Nachtrag:
Wenn ich schreibe, dass mein Yoga ehrlich ist, frei von Mantras und Esoterik, dann heißt das nicht, dass Mantra singende Yogalehrer/innen nicht ehrlich sind –
es wäre bloß nicht ehrlich, wenn ich das machen würde.
Weil es nicht meins ist, weil es nicht von Herzen käme, weil ich jemanden spielen würde, der ich nicht bin –
und das ist ganz bestimmt nicht der Sinn von Yoga.
Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass es unehrlich ist, sich auf Gesundheits-Trends wie etwa Detox zu berufen und so Kund/innen zu gewinnen –
weil nix dahintersteckt, weil man den Menschen einredet, dass sie etwas in sich haben (in diesem Fall Schlacken), das sie loswerden müssten –
und das ist Unsinn.
Und unehrlich.

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