Warum uns nur Ehrlichkeit weiterbringt – oder: Lügen? Echt jetzt?

Im Yoga gibt es die yamas und niyamas, eine Art Verhaltensempfehlung für den Umgang mit der Umwelt, unseren Mitmenschen und uns selbst.
Natürlich interpretiert die jede/r so für sich, dass es sich gut danach leben lässt, wie bei allem im Leben –
allerdings halte ich das Interpretieren bei satya, der Wahrhaftigkeit, für am Schwierigsten.

Denn welche Möglichkeiten hab ich?
Ich kann die Wahrheit sagen, lügen oder schweigen, wenn ich jemanden mit der Wahrheit verletzen würde und das nicht möchte (Stichwort ahimsa, die Gewaltlosigkeit in Gedanken, Worten und Taten).
Ich kann aber auch schweigen, weil ich nicht die Wahrheit sagen möchte, und das hat mit Wahrhaftigkeit rein gar nichts zu tun.

Ich lege großen Wert auf Wahrhaftigkeit –
da ich mein Herz auf der Zunge trage, kommen mir Lügen schon seit Jahren nicht mehr über die Lippen.
Klar war das in meiner Kindheit und Jugend anders, wie bei allen von uns vermutlich, aber je älter ich werde, umso weniger Kraft habe ich für falsches Lächeln und irgendwelche Lügen.

Umso erstaunter war ich, als bei den Recherchen zu meiner Zero Waste-Liste auf einige Unwahrheiten gestoßen bin.

Ja, #ZeroWaste ist ein Lifestyle geworden, es ist in, und das ist natürlich toll, denn je mehr Menschen sich Gedanken um den Zustand unseres Planeten machen, umso besser.
Es ist nur leider vollkommen sinnlos, wenn Menschen sich im Internet als müllfrei präsentieren und stolz erzählen, wie sie es schaffen, in einem Jahr nur wenige Gramm an Müll zu produzieren, um diesen dann in einem Glas zu sammeln –
so einfach ist das nämlich leider nicht.
Und deswegen wird auch immer einiges verschwiegen.

Solche Beiträge sind eigentlich ziemlich fies, denn:
Unsereiner liest sie und ist enttäuscht, weil es zu Hause nicht gelingt, wenige Gramm an Müll zu produzieren, egal wie sehr wir uns bemühen.
Und was macht Enttäuschung mit uns?
Genau, wir geben auf und machen lieber gar nichts mehr.
Schade eigentlich.

Deswegen geb ich auch immer unumwunden zu:
Von #ZeroWaste und #Plastikfrei bin ich meilenweit entfernt, auch wenn ich mich wirklich bemühe.

Um den Müll eines Jahres wirklich in nur einem Glas unterzubringen, müssen nämlich die Rahmenbedingungen stimmen –
und ein paar davon hab ich in den letzten Tagen herausgefunden.

Der Wohnort:
Es ist tatsächlich unheimlich wichtig, wo man wohnt –
in coolen Großstädten wie Berlin ist es einfach, müllfrei einkaufen zu gehen, weil es dort etliche Unverpackt-Läden gibt. Wer aber in, sagen wir, Oberösterreich auf dem Land lebt, wird sich da schwerer tun, vor allem wenn etwas anderes als Obst oder Gemüse eingekauft werden muss.
Außerdem leben viele der Zero-Waste-Ikonen in tropischen Regionen, in denen man Obst, Gemüse und Snacks in Banenenblättern verpackt auf Märkten kaufen und Kokoswasser direkt aus der Nuss trinken kann –
das nützt uns hier in Europa aber leider wenig, da kommen uns die vielen Regeln und Hygienevorschriften in die Quere.
(Und das ist ja auch gut so.)

Die Lebenssituation:
Viele derer, die sich im Internet als komplett müllfrei präsentieren, sind sehr junge Frauen, meist Single und kinderlos.
Gerade die Kinderlosigkeit macht die Sache natürlich um ein Vielfaches einfacher –
ich brauche keine Babysachen, keine Windeln, keine Medizin, ich muss keine Schulsachen besorgen (probier das mal Müll- und Plastikfrei), keine Jause herrichten und täglich mehrere Mahlzeiten kochen, ich muss keine Kinderwünsche erfüllen, ich hab generell viel mehr Zeit, mir Gedanken um ein plastikfreies Leben zu machen.
Natürlich klappt es auch mit Kindern, ich hab ja selbst drei, aber einfacher ist es natürlich, wenn ich ganz für mich allein Dinge entscheiden kann, wenn ich keinen Partner habe, auf den ich Rücksicht nehmen möchte, wenn ich müllfrei kochen kann, was ich will, weil niemand anderer da ist, dessen Vorlieben ich beachten muss.
(Eine traurige Vorstellung, eigentlich.)

Wer eine Familie gründet und eine gemeinsame Wohnung bezieht, tut sich sehr schwer, das müllfrei zu tun –
das ist in einer schicken, fertig möblierten Wohnung in einer hippen Stadt natürlich alles viel einfacher.

Denn es ist doch so:
Klar klappt es plastik- und müllfrei auch unter (nennen wir es) erschwerten Bedingungen, solche Blogs findet man ebenso, wenn auch selten –
wer allerdings schwanger ist, ein Neugeborenes zu versorgen hat oder sich mit (chronischen) Erkrankungen herumschlagen muss, dem fehlt ziemlich sicher die Muse, sich Gedanken um ein müllfreies Leben zu machen.

Persönliche Voraussetzungen:
Bei meinen Recherchen zu plastikfreiem bzw. -reduziertem Make-up hab ich außerdem festgestellt, dass viele der Beauty-Bloggerinnen einen tollen Teint haben und selbst im Winter nicht so leichenblass sind wie ich, oft gepaart mit wunderbar langen Wimpern und pflegeleichter Haut.
Wäre ich mit einem solchen Teint gesegnet, ich würde auch auf Foundation und Puder verzichten –
ich aber schlag mich mit bleicher Haut, Pickeln und kaum sichtbaren Wimpern herum, und ich muss gestehen:
So lauf ich nur sehr ungern herum, auch wenn das vielleicht ein wenig eitel ist.
(Ok, nicht vielleicht, es ist eitel.)

Außerdem sind viele der Blogger/innen scheinbar nie krank, haben nie Kopfschmerzen, nehmen keinerlei Medikamente und benutzen keine Verhütungsmittel –
sowas findet sich nämlich nie in den Müllgläsern.
Das kann gar nicht wahr sein, so sehr ich jedem Menschen ewige Gesundheit vergönne.

Die Prioritäten:
Ganz oft hab ich bemerkt, dass die Produkte, die vorgestellt werden, zwar plastikfrei sind, dafür aus fernen Ländern zu uns fliegen –
die tolle Foundation im Karton, die aus Australien kommt, die Cake Mascara aus den USA, die Bienenwachstücher, die ebenfalls aus Amerika kommen.
Ich halte das für keine guten Alternativen, vor allem dann nicht, wenn es gleichwertige Produkte aus Österreich oder zumindest näher gelegenen Gegenden gibt –
und die gibt es immer, man muss nur ein wenig länger suchen.

Überhaupt stört es viele gar nicht, wenn die seltsamsten Dinge rund um die Welt fliegen –
wer sich in Österreich mit Klopapier aus Bambus den Po putzt, hat #ZeroWaste und #SaveThePlanet nicht verstanden.

Gerade bei Blogger/innen kommt dann außerdem dazu, dass sie viele der vorgestellten Produkte gratis zur Verfügung gestellt bekommen –
und einem geschenkten Gaul schaut man ja bekanntlich nicht ins Maul.

Die Sache mit der Wahrheit:
Was mich aber wirklich stört, ist Unehrlichkeit – die Rahmenbedingungen kann man ja nur bedingt beeinflussen.

Eine neue Wimperntusche im angesagten Bambus-Look und noch dazu vegan? Toll!
(Dass sie im Inneren aber trotzdem Plastikteile versteckt, wird charmant verschwiegen.)
Bienenwachstücher, in denen das Jausenbrot verpackt wird? Klasse!
(Dass sie aus Amerika kommen, weiß ja keine/r. Dabei gibt’s tolle aus Österreich!)
Megatolle Badebomben, ganz ohne Müll? Perfekt.
(Gibt’s halt nur für Blogger/innen, die eine Kooperation mit der Firma haben.)

Und mit dem Ansatz, Müll im Laden zu lassen und sich dann darauf zu berufen, man habe ihn gar nicht erst produziert, kann ich gar nichts anfangen –
das hilft dem eigenen Gewissen, der Planet hat nichts davon.

Leute, seid doch ehrlich!

Es macht nichts, wenn nicht alles perfekt ist. Niemand ist perfekt.
Wenn du auf den tollen Lippenpflegestift nicht verzichten möchtest – okay. Dann achtest du eben auf etwas anderes. Gemeinsam achten wir dann auf alles!

Warum ich das so betone?
Weil es wichtiger ist, dass wir alle etwas weniger Müll produzieren, nicht nur ein paar vermeintlich gar keinen, das ist die viel bessere Variante, sonst ersticken wir im Müll.
Nur wenn wir alle zusammenarbeiten, können wir etwas bewegen –
dass jemand den ganzen Müll seines Jahres in einem Glas unterbringt, wird wohl eher Ausnahme bleiben, als zur Regel zu werden.

Es geht doch darum, dass wir uns alle ein wenig bemühen, ein wenig achtsamer werden, und uns bei manchen Dingen fragen:
Brauch ich das wirklich?

Denn ganz oft lautet die Antwort:
Nein.

#Namaste!

***

Eines möchte ich aber noch betonen:

Viele der Blog-Beiträge sind voller guter Anregungen und toller Tipps, ich hab mir da schon viel abgeschaut.

Danke dafür!

 

 

 

Weihnachten ist wunderbar! – oder: Kein Urteil, bitte.

Weihnachten naht mit Riesenschritten –
und in der yogischen Welt macht sich die alljährliche Aufregung breit:

Weihnachten und die Adventszeit, das ist doch viel zu laut, zu wenig besinnlich, zu viel Konsum, nimm Abstand davon, kauf keine Geschenke, mach da nicht mit!

Aber warum eigentlich?
Ist es unyogisch, Weihnachten toll zu finden?
Ist es unyogisch, die Adventszeit mit der Familie oder Freund/innen zu genießen?

Was ist schlecht daran, kleine Geschenke für die Lieben vorzubereiten, sich daheim einzukuscheln, über einen Weihnachtsmarkt zu wandern und die strahlenden Gesichter zu betrachten, an einem regnerischen Sonntag einen Weihnachtsfilm anzuschauen, oder gemeinsam leckere Weihnachtskekse zu backen?

Ist nicht genau das der Kern von Yoga?
Das Rückbesinnen auf die Familie, auf die Ruhe, die Stille, auf jene, die man liebt und von denen man geliebt wird?
Der Blick auf eine brennende Kerze beruhigt selbst unstete Kinderherzen, man fühlt sich geborgen –
und nichts ist erfüllender als das Strahlen in den Augen der Familie zu sehen, wenn die Kekse auch wirklich schmecken, wenn der Christbaum erstrahlt und ein, zwei Geschenke ausgepackt werden dürfen.

Im Advent fühl ich mich auf meiner Yogamatte übrigens noch wohler als sonst –
im Kerzenlicht yogieren, leise Musik, vielleicht sogar ein paar Schneeflocken, die vor dem Fenster tanzen…
perfekt.
(Ja, ich liebe Weihnachten!)

Ich kann schon verstehen, dass die Weihnachtszeit stressig sein kann, viele Menschen kaufen viel zu viel, überall erschallt Weihnachtsmusik –
aber wir reden im Yoga immer davon, dass wir nur uns selbst ändern können, dass wir lernen müssen, mit dem Außen umzugehen, weil wir es eben kaum beeinflussen können, und dass wir nicht urteilen sollen.

Wenn der Advent dich also stresst, nimm dir eine Auszeit, gönn dir entspannte Minuten oder Stunden auf deiner Yogamatte –
und wenn du Weihnachten generell nicht magst, dann ist das natürlich ok so.
Niemand muss Weihnachten toll finden …
aber alle dürfen.

Also üben wir uns doch in Gleichmut.
Lassen wir anderen doch ihre Freude –
und wenn Weihnachten uns selbst nicht erfreut, dann erfreuen wir uns doch an der Freude der anderen.

Was kann es Schöneres geben?

#Namaste!

 

 

#Yoga kann nicht alles heilen – hört auf, das zu erzählen!

Vor knapp einer Woche diagnostizierte mein Hausarzt bei mir eine Nierenbeckenentzündung. Offenbar hab ich eine Blasenentzündung nicht bemerkt und deshalb verschleppt, die Nacht von Donnerstag auf Freitag war eher unschön, mittlerweile geht es mir aber wieder besser –
moderner Medizin sei dank.

Warum ich über dieses Thema schreibe?
Weil ich von mehreren Bekannten aus der Yogaszene gefragt wurde, wieso ich als Yogalehrerin überhaupt auf die Idee komme, wegen so etwas zum Arzt zu gehen und Medikamente zu nehmen.
Es gäbe doch so tolle Detox-Asanas, die meine Nieren entgiften, außerdem könne ich ayurvedische Tees trinken, tägliche Yoga-Praxis sei natürlich ein Muss, am besten viele Dreh-Haltungen, die ja meine Niere entgiften. Mit diesen Tipps würde ich rasch wieder gesund werden, immerhin könne Yoga ja alles heilen.

Blödsinn!

Eine Nierenbeckenentzündung wird von Bakterien ausgelöst, und Bakterien wird man (wie alles andere auch) mit Detox nicht los –
denn Detox gibt es nicht.
Eine bakterielle Infektion sollte mit Antibiotika behandelt werden, vor allem, wenn sie schnell verschwinden und nicht wiederkommen soll.

Ganz abgesehen davon, dass so etwas weh tut, und zwar sehr. 
Wer noch nie an einer Nierenbeckenentzündung litt, kann sich das nicht vorstellen:
Es ist, als würde jemand seine Finger in die Nieren bohren und fest zudrücken, man kann kaum atmen, und das macht Angst.
Abends eine Schmerztablette nehmen zu können und zu wissen, dass die Nacht schmerzfrei sein und man daher schlafen können wird, ist eine tolle Errungenschaft unserer Zeit, auf die wir stolz sein können.

Was ich aber wirklich entsetzlich finde, ist der Satz ‚Yoga kann alles heilen‘.
Nein, Yoga kann nicht alles heilen –
schon gar nicht, was von Bakterien oder Viren ausgelöst wurde, genetische Erkrankungen oder Krebs (auch das hört und liest man immer wieder).
Ja, Yoga kann unterstützen, vielleicht nicht so sehr die Heilung, aber die Psyche, Yoga kann die Seele streicheln, Yoga kann auch körperliche Leiden verbessern, Schmerzen im Rücken etwa, und es gibt Studien, die zeigen, dass Yoga bei psychischen Leiden wie Depressionen oder Angstzuständen Wunder wirken kann.

Doch Yoga kann nicht alles heilen! 
Wann immer du an etwas leidest, das den Einsatz von echten Medikamenten erfordert, dann vertrau deinem Arzt oder deiner Ärztin und befolge deren Rat.
(Homöopathie ist übrigens wirkungslos und zählt nicht zu echten Medikamenten, und ein Heilpraktiker ist kein Arzt.)

Wir als Yogalehrende sollten uns nicht herausnehmen, medizinische Ratschläge zu geben, immerhin ist Medizin ein eigenes Studium, wir aber haben nur ein Yoga Teacher Training hinter uns.
Und wir sollten den Satz ‚Yoga kann alles heilen‘ ganz dringend aus unserem Sprachgebrauch verbannen –
unseren Yogi/nis zuliebe.

Ich hab mich übrigens nur bedingt an die Ratschläge meiner Bekannten gehalten. Stattdessen schluck ich brav die Medikamente, die mir mein Arzt verschrieben hat, trink sehr viel Tee (und ja, da sind auch ein paar ayurvedische dabei), sitz abends in der Badewanne und trag ständig mein Lieblingskleidungsstück, das kidneykaren, weil es wunderbar warm hält.
Dreh-Haltungen hab ich gar keine geübt in den letzten Tagen, die tun nämlich höllisch weh, wenn die Nieren schmerzen, und wenn überhaupt, dann hab ich nur ganz sanft yogiert, damit der Rücken entlastet wird und ich ein wenig zur Ruhe komme.

Denn ich bin davon überzeugt:
Wir sollten uns nicht von den Erkenntnissen der modernen Medizin, der modernen Wissenschaft abwenden. Rückbesinnung kann etwas Gutes sein, wer erkältet ist, dem wird Ingwertee natürlich guttun, aber das darf nicht bedeuten, dass wir allem entsagen, wo Medizin draufsteht.

Wär es nicht viel Sinnvoller, beides zu kombinieren?
Ich find ja schon!

#Namaste!

 

Black Friday? Nein danke. #SeiKeinWerbeopfer!

Heut ist er wieder, dieser ominöser Freitag, an dem viele Menschen komplett durchdrehen und sich um Dinge prügeln, die sie eigentlich gar nicht brauchen.
Der Schwarze Freitag kommt aus den USA und ist immer der Freitag nach Thanksgiving –
eigentlich ein Familientag, und (leider) auch der Start in die Weihnachtseinkaufsaison.

Viele Läden öffnen schon in den frühen Morgenstunden und bieten (vermeintliche) Rabatte und Sonderaktionen. In Österreich und Deutschland findet der Black Friday aber vor allem online statt.

Der Verbraucherschutz kritisiert, dass die Rabatte künstlich aufgeblasen werden –
oft berechnen sich die Rabatte von der unverbindlichen Preisempfehlung, die meist über dem tatsächlichen Marktpreis liegt. Wer mit anderen Anbietern vergleicht, stellt dann fest, dass der Rabatt nicht so groß ist wie erhofft …
was wenig verwundert:
Die Läden wollen uns nichts schenken, sie wollen ein Geschäft machen.

Dennoch sind Bilder wie diese keine Seltenheit:

Ich muss gestehen:
Mich macht das jedes Jahr fassungslos.

Menschen streiten sich um Dinge, die sie in den allermeisten Fällen nicht brauchen und die sie sich im schlechtesten Fall auch nicht leisten können.
Und wenn ich mir ansehe, wie viel Verpackungsmüll allein an diesem einen Tag entsteht, dann frag ich mich schon:
Muss das wirklich sein? Könnten wir nicht auch ein bisschen an die Umwelt denken?

Ja, klar, auch ich kauf Geschenke für meine Lieben, aber ich hab da einen super Trick:
Ich kauf sie das ganze Jahr über.
Immer dann, wenn ich etwas entdecke, das jemandem eine Freude macht, greif ich zu. Das erspart mir einerseits vorweihnachtlichen Geschenkestress, andererseits schont es auch die Geldbörse –
denn ich kauf nicht dann, wenn mir jemand einredet, dass ich es tun muss und mich mit vermeintlichen Rabatten lockt, ich kauf dann, wenn der Preis wirklich gut ist.
(Wir alle wissen doch, dass nach Weihnachten die meisten Dinge weitaus günstiger sind als davor.)
Und noch viel wichtiger:
Ich kaufe das, was ich kaufen möchte, und nicht irgendwas, nur weil billig draufsteht.

Anstatt mich heute in Einkaufszentren von den Massen niederrennen zu lassen oder im Internet Dinge zu kaufen, die ich bei genauem Hinsehen gar nicht brauche, gestalte ich den Black Friday im ursprünglichen Sinn –
als entspannten Familientag:

Achtsamkeit ist nichts, was nur auf der Yogamatte stattfindet –
Achtsamkeit zieht sich durch das gesamte Leben. Und zwar nicht nur von Menschen, die Yoga üben –
jede/r kann und sollte achtsam sein im Tun.

Brauchen wir wirklich 15 verschiedene Outfits, um Yoga zu üben?
Brauchen wir wirklich ein neues Handy, wenn das alte noch gut funktioniert?
Und brauchen wir wirklich ein Ding aus der Wühlkiste, nur weil jemand anderer es zuerst gesehen hat?

Eigentlich nicht, oder?

#Namaste!

* * *

Übrigens:

Das soll kein Aufruf zum Nicht-Shoppen sein!
Einkaufen ist notwendig, kann Spaß machen –
und gerade Geschenke kaufen ist toll!

Wenn einkaufen aber zum Stress wird und ob der Menschenmassen sogar gefährlich, dann ist es an der Zeit, innezuhalten, umzudenken und nicht wie ein Lemming der Masse nachzulaufen.

 

Was aus meinem #Plastikfrei-Experiment geworden ist. (Mit Video!)

Vor einiger Zeit hab ich ja beschlossen, Müll und Plastikmüll im Speziellen zu reduzieren.

Und ich muss gestehen:
Es läuft hervorragend.

Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, umso einfacher wird es, Einweg-Plastik im Alltag zu vermeiden und andere davon zu überzeugen, es auch mal zu probieren und mit Kleinigkeiten wie Einweg-Strohhalmen zu beginnen –
ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder den Anspruch, besser oder moralisch wertvoller zu sein.
Nein, mir geht es tatsächlich nur darum, anderen zu zeigen, dass es möglich ist, weniger Müll zu produzieren, und dass wir alle gemeinsam etwas bewirken können.

Was ich aber vor allem in die Welt tragen möchte, ist die Tatsache, dass plastikfrei allein die Welt nicht retten wird, dass es einen großen Unterschied zwischen Einweg-Plastik und Mehrweg-Plastik gibt –
und dass der ökologische Fußabdruck, den wir alle hinterlassen, noch viel wichtiger ist, auch wenn er die Sache ein wenig komplizierter werden lässt.
Immerhin macht es einen großen Unterschied, ob ich in Österreich eine Glas- oder eine Plastikflasche kaufe und ob diese vielleicht sogar mit dem LKW oder dem Flugzeug hergeflogen ist.
(Spoiler: Die recyclebare Plastikflasche ist meist besser für die Umwelt, sofern sie auch wirklich recycelt wird.)
Und ob es wirklich sinnvoll ist, mit dem Flugzeug um die Welt zu jetten und Vorträge zum Thema Zero Waste zu halten, darf ebenso bezweifelt werden wie der Tipp, Müll einfach im Laden zu lassen –
das hinterlässt nur ein reines Gewissen, weil man den Müll nicht mit nach Hause nimmt, mehr nicht.

Du merkst, mir liegt das Thema wirklich am Herzen, deshalb durfte ich dazu sogar ein Interview geben:

 

Das ganze Interview findest du hier zum Nachlesen –
und es gibt mich sogar in Bild und Ton, bitte sehr:

Gemeinsam können wir es schaffen, die Welt ein kleines Stück besser zu machen –

machst du mit?

#Namaste!

Mein Feiertagsprogramm oder: #Selfcare ist wichtig!

Viel zu selten nehmen wir uns die Zeit, auf uns selbst zu achen, uns zu hegen und zu pflegen, auf die Signale unseres Körpers zu achten und diese auch ernst zu nehmen.

Am heutigen Nationalfeiertag hab ich mir also für etwas sehr Wichtiges Zeit genommen:
für mich.

Die Kinder sind unterwegs, das Wetter ist traumhaft, und ich kann genau das machen, was ich gern mache.

Zuerst wurde der Garten auf den Winter vorbereitet, die letzten Kräuter wurden geerntet, und die verbleibenden Kapuzinerkresseknospen werden in Essig eingelegt –
eine Köstlichkeit!


Dann hab ich etwas übers Fermentieren gelernt, weil fermentieren eine meiner Leidenschaften ist –
Kombucha, Kefir und Co. sind aus meinem täglichen Speiseplan nicht mehr wegzudenken.
Übrigens:
Ein Mix aus Grüntee und Zitronenverbenentee, fermentiert zu Kombucha und dann kombiniert mit Zitrone und Basilikum, ist wirklich unglaublich lecker.


Danach war ich auf der Matte –
Yoga darf an meinem Tag auf keinen Fall fehlen.

Und heute Abend, wenn die lieben Kleinen dann im Bett sind, werd ich wieder an einem süßen Amigurumitier weiterhäkeln oder ein wenig stricken.


What a perfect day!

***

Was hast du heute für dich getan?

Vergiss nicht:
Etwas für dich selbst zu tun, hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern streichelt die Seele und hilft dir im Alltag.
Denn:

You can’t pour from an empty cup!

#Namaste!

Auf zu neuen Ufern … denn das ist nicht mein Yoga!

Viele Jahre meines Lebens hab ich in den so genannten ‚Medien‘ gearbeitet –
zuerst beim Radio, dann beim Fernsehen, dann im Verlagswesen und wieder beim Fernsehen, und schließlich im Bereich ‚Content‘ im Internet.
In all diesen Jahren war ich es gewohnt, in einer von Männern dominierten Welt zu arbeiten, ich hab mir ein dickes Fell zugelegt, hab blöde Macho-Sprüche mit noch blöderen Emanzen-Sprüchen gekontert und mit der Zeit zu schätzen gelernt, wie die meisten Männer arbeiten:
offen und gerade heraus, was zählt, ist die Leistung, und nicht, ob und wie frau geschminkt ist, und wenn es ein Problem gibt, klärt man das, ohne monatelang nachtragend zu sein.
Eigentlich klasse.
Mit einem großen Aber –
denn die Medien haben auch Schattenseiten:
hoher Druck, familienunfreundliche Arbeitszeiten, übergroße Egos, mehr Sein als Schein, Intrigen und dummes Gerede.
Schwierig, auf Dauer, vor allem als Mutter.

Irgendwann hat das Schicksal dann für mich beschlossen:
Das war’s jetzt mit den Medien, darf ich vorstellen: Das ist Yoga.

Von wöchtentlichen Yogakursen zum YTT und weiter zum ersten Unterrichten war es nur ein kleiner Schritt –
hätte mir jemand vorher gesagt, wie das laufen wird, ich hätt denjenigen ausgelacht.
Vielleicht wär ein bisserl langsamer aber eh gscheit gewesen, irgendwann war’s dann nämlich doch zu viel. Yoga zu unterrichten hat für Mamas (und natürlich Papas) nämlich einen entscheidenden Nachteil:
Der Unterricht findet immer dann statt, wenn eigentlich gerade die eigenen Kinder versorgt werden müssten …
frühmorgens oder abends, wenn die Familie gerade isst und die Kleinen ins Bett müssen, oder am Wochenende, wenn eigentlich Familienzeit angesagt wäre.

Weil Arbeit für mich aber nicht unbedingt Selbstverwirklichung ist, bei der mir alle andren rundherum egal sind, hab ich beschlossen:
Das geht so nicht weiter.

Ich kann nicht jedes Mal die ganze Familie in Bereitschaft versetzen, nur weil ich zu unmöglichen Zeiten Yoga unterrichten will –
vor allem, wenn man dabei so wenig verdient.

Die Kinder-Yogastunden kamen da gerade richtig –
einerseits weil es wenig gibt, was so erfüllend ist, wie mit Kindern zu arbeiten, andererseits weil sie zu familienfreundlichen Zeiten stattfinden.

 

 

Doch trotz all der Freude am Yogaunterricht trübte schon von Anfang an ein großer Schatten meine Begeisterung:
die Stimmung in der Yoga-Community.
Gerade in dieser vermeintlich in sich gekehrten, urteilsfreien und spirituellen Welt begegnen mir mehr Verurteilungen, Intrigen und Scheinheiligkeit als in all den Jahren beim Fernsehen.

Das ist aber nicht yogisch ist ein Satz, der nicht nur mir unzählige Male begegnet ist –
nur sehr selten als Scherz, meist begleitet von selbstgefälligem Kopfschütteln und hochgezogenen Augenbrauen.
Die gegnerischen Yogi/nis werden beurteilt anhand ihrer Klamotten oder der Yogamatten, die sie benutzen, man definiert sich selbst über den Ernährungsstil und verbreitet Dogmen ebenso wie esoterische Wundermittel, wer anders (sprich kritisch) denkt, wird sofort blockiert (sowohl analog als auch digital), es werden Lügen verbreitet, es wird gemobbt –
und über all dem steht die eigene (Schein-)Heiligkeit, das Ich bin erleuchtet, du nicht.

Vermutlich ist das überall so, wo Menschen und Egos aufeinander treffen, aber gerade im Yoga fällt es auf –
man spricht salbungsvoll von Yamas und Niyamas, von Kleshas und dem Pfad der Erleuchtung …
und hintenrum ist alles komplett anders.

Was, die postet keinen Kopfstand auf Instagram? Und das soll yogisch sein?

 

Natürlich ist es verdammt schwer, als selbständige/r Yogalehrer/in von diesem Job leben zu können, und klar gibt es Konkurrenzkampf …
immerhin gehört es heutzutage fast schon zum guten Ton, Yogalehrer/in zu sein.
Doch es wird mit unmöglichen Mitteln um Kund/innen gebuhlt und vollkommen vergessen, dass wahre Zufriendenheit wirklich aus dem Inneren kommt, dass all das Predigen nichts bringt, wenn man nicht lebt, was man predigt, egal wie aggressiv man sich selbst bewirbt.
Dabei ginge das doch auch anders, man könnte zusammenarbeiten, respektvoll miteinander umgehen, sich helfen und gemeinsam erfolgreicher werden.
Mitnichten.
Unzählige Male hab ich versucht, Yoga-Menschen in meinem Umkreis zum Kommunizieren zu bewegen, zu gemeinsamen Aktionen oder gemütlichen Treffen, um wenigstens mal miteinander zu plaudern …
erfolglos.

Solche Verhaltensweisen halt ich an sich schon nur schwer aus –
in yogischen Kreisen macht es mich aber wirklich fertig, muss ich zugeben.
Da ich aber niemanden außer mir selbst ändern kann, hab ich beschlossen, genau das zu tun, diesem Wahnsinn zu entfliehen …
und Yoga zum Nebenjob werden zu lassen.

Ich hab bei einigen Kolleg/innen gesehen, wie sehr der Druck innerhalb der Community sie belastet, wie sie mit allen Mitteln versuchen, dem gerecht zu werden und manchmal auch daran zerbrechen …
aber das ist nicht mein Yoga.

Mein Yoga ist liebevoll, immer für mich da, es beschützt mich und fängt mich auf, es beurteilt mich nicht und klebt mir kein Etikett auf die Stirn –
es begleitet mich einfach.

Und auch, wenn das Unterrichten momentan weniger wird, weiß ich ganz genau:
Yoga wird immer ein Teil von mir sein …
denn Yoga macht mich ganz.#Namaste.

Yoga heißt abschalten – auch und gerade das Smartphone.

Der heutige Kinderyoga-Vormittag in einem Salzburger Kindergarten war wieder einmal super –
wir haben einen yogischen Bauernhof besucht, uns in Tiere, Bäume und Lastwägen verwandelt und dabei wie Bienen geatmet.
Alle Kinder haben begeistert mitgemacht, schon vor der ersten Einheit hab ich gehört, wie draußen einige ‚Juhu, Yoga!‘ gerufen haben. Ein Mädchen, das bisher lieber vom Rand aus zuschaute, hat sich heute sogar das erste Mal zu uns in den Kreis gesetzt und ein bisschen mityogiert.
Schön.

Auch in der letzten der vier Gruppen waren die meisten voller Freude dabei, nur ein kleiner Junge nicht, der zuerst nur auf seiner Matte lag und uns zusah –
bis er dann plötzlich ein Smartphone aus der Tasche zog und auf den Bildschirm schaute.
Ich muss gestehen: Ich war wirklich entsetzt.

Ein Smartphone? Im Kindergarten? In der Yogaeinheit?

Bei den Erwachsenen sag ich am Anfang meistens dazu, dass sie bitte das Handy draußen lassen und ausschalten sollen, immerhin kommt man ja zu Yoga, um abzuschalten –
sich selbst, aber auch alle Geräte, die uns davon abhalten, uns selbst abzuschalten.
Im Kinderyoga hab ich das noch nie gemacht, ich wär gar nicht auf die Idee gekommen, dass jemand ein Handy in der Hosentasche haben könnte.

Deshalb möcht ich heute alle Eltern bitten, die hier mitlesen:

Gebt euren Kindern kein Smartphone mit in den Kindergarten!

Euer Kind ist im Kindergarten bestens betreut, es kommt weder allein noch geht es allein nach Hause, es gibt unendlich viele Spiel- und Bastelsachen und meistens einen tollen Garten, es gibt Kinder, mit denen es spielen und sich anfreunden kann, die Pädagog/innen bemühen sich, allen Kindern bestmögliche Betreuung zukommen zu lassen und bieten abwechslungsreiches Programm, damit sich wirklich alle Kinder wohlfühlen und Spaß haben und gefördert werden können.
Ein Handy aber macht all diese Bemühungen zunichte:
Das Kind schaut natürlich dauernd auf’s Handy, weil es cool ist, eins zu haben, es wird die Sprache nicht lernen (so es dazu Bedarf gibt), weil es weniger mit den anderen spricht und spielt, die anderen Kinder sind vielleicht neidisch, weil sie entweder kein Handy haben oder es nicht mitnehmen dürfen, und spielen dann sowieso nicht mehr gern mit dem Kind, am Wichtigsten aber:
Das Kind lernt schon in so frühen Jahren eine immense Abhängigkeit von diesem technischen Gerät, das uns alle so fest im Griff hat.

Viele Erwachsene kommen in Yoga-Stunden, weil sie dort gezwungen sind, abzuschalten –
sich selbst, aber eben auch das Smartphone.
Egal wie wichtig ein Anruf vermeintlich ist, eine Status-Meldung, eine Nachricht:
Während der Yogastunde weiß man nicht mal, dass jemand anruft, weil das Handy ja ausgeschalten ist.
Und man erkennt plötzlich, dass es eigentlich nicht wichtig ist, ob man eine Statusmeldung um 18:00 oder um 19:30 liest, oder ob man mit der Freundin zehn Minuten später telefoniert.
Es ist wahnsinnig befreiend zu erkennen, dass viele der vermeintlich so wichtigen digitalen Dinge uns meist weder wirklich interessieren noch besonders wichtig sind, sondern dass uns der ständige Kontrollblick auf das Smartphone wertvolle Zeit raubt –
die wir für uns und unsere Lieben nutzen könnten.

Gönnen wir unseren Kindern doch wenigstens im Kindergarten die Freiheit, ohne elektronische Fußfessel durchs Leben zu gehen, kein Gerät in der Tasche zu haben, das sie auf Abruf hält –
lassen wir sie doch einfach Kind sein, spielen, lachen, yogieren, ohne den ständigen Blick auf ein Gerät, das sie mit vier, fünf Jahren noch nicht mal wirklich verstehen.

Denn eins ist sicher:
Im Kindergarten sind die lieben Kleinen ohnehin bestens betreut, dort braucht wirklich niemand ein Handy.

#Namaste!

 

 

Ich mach das jetzt auch! – oder: Die Nomaden des Yoga

Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, wie aufgeregt ich war, als ich vor Jahren mein erstes Yogawheel ausgepackt hab. Kaum hatte ich das Paket geöffnet, lief ich auch schon in den Garten, um es auszuprobieren –
und was soll ich sagen:

Es war Liebe auf den ersten Blick!

Meine ersten Wheel-Bilder

Nach Wochen der Recherche, was ich mit dem Teil eigentlich alles anstellen kann, hatte ich mich dazu durchgerungen, eins zu bestellen, und ich fand es von Anfang an genial.
Die mir früher verhassten Rückbeugen konnte ich so erlernen, ich hab auch meine Angst überwunden, in Ustrasana, dem Kamel, zu den Fersen zu greifen.
Je nach Lust und Laune kann ich auf dem Wheel entspannen oder aus der Yogapraxis ein richtig hartes Workout machen.
Und in vielen Asanas, die mir als Hüftopfer wahrlich schwer fallen, leistet mir das Wheel bis heute gute Dienste.

Ich hab Tage, wenn nicht gar Wochen und Monate, auf dem Wheel verbracht, hab geübt und recherchiert, hab jede Asana für mich auf dem Wheel erarbeitet, vor allem auch deswegen, weil es dazu bisher kaum Anleitungen gibt.
Wen wundert’s: Schließlich ist das Wheel nur in Kleingruppen für eher geübte Yogierende geeignet, und all die Fotos, die man im Internet findet, sind für mich sehr abschreckend –
außer Skorpion, Handstand und irre anstrengenden Übungen findet man da recht wenig.
Leider –
denn das Wheel ist unglaublich genial, wenn es darum geht, Yogierende zu unterstützen. Hat man sich mal an das Gefühl gewöhnt, unterstützt das Yogarad den Körper in seinen Bewegungen, es ist fast schwierig, die Wheel-Asanas nicht korrekt auszuführen, man muss anfangs nur ein wenig aufpassen, nicht umzufallen.

Als ich im Yoga Teacher Training das erste Mal vom Yogawheel gesprochen hab, haben mich alle ganz komisch angeschaut.
Yogawheel, was soll das denn sein? Das klingt ja komisch, ist das schon was Gescheites?
Ich hab es dann mal mitgenommen, und siehe da:
Alle, auch meine Ausbildnerin, fanden es toll, plötzlich verstanden alle, warum ich so verrückt nach dem Rad war, oder eher: bin.

Kaufen wollt es sich trotzdem kaum jemand, und verwenden ebenso nicht, manche hatten es sogar schon eine Zeit lang zu Hause, verwendeten es aber nie, andere haben es weiterverkauft –
und Kurse damit anbieten? Na geh bitte, wer soll denn da kommen?

Ein paar Monate später ist das Yogawheel auf einmal wahnsinnig hip.
Es gibt Wheel-Ambassadors, weil es natürlich auch Firmen gibt, die mit dem Trend verdienen wollen, es gibt plötzlich Workshops und sogar Teacher Trainings, es gibt extra Klamotten, damit man auf dem Wheel nicht rutscht, und natürlich allerhand Merchandisingartikel rund um das Yogarad.
Braucht man natürlich alles nicht, aber:
Jede/r will dabei sein und an dem Trend mitverdienen.

Wheel-Selfie

Ich geb zu, ich find das schon sehr lustig.
Ich bin sonst eher nicht so die Trendsetterin, ich mach das, was ich halt spannend find oder was mir gut tut, und ich lass mich auch nicht davon aus der Ruhe bringen, ob das grad in ist oder nicht.
Aber ich finde es schon ein wenig seltsam, dass es gerade im Yoga so viele … hm … nennen wir sie doch … Nomaden …
also dass es gerade im Yoga so viele Nomaden gibt:

Menschen, die irgendwie nicht ihren eigenen Weg gehen, sondern überall dort stehen bleiben, wo schon andere Leute stehen, und mitmachen wollen.
Genauer gesagt: Menschen, die mitverdienen wollen, und zwar nicht mit ihren eigenen Ideen, und die nach einiger Zeit eine neue heiße Liebe haben, immer gerade das, was halt alle machen.
Das betrifft gar nicht so sehr das Yogawheel, das ist vermutlich wirklich grad in Mode –
aber es ist auch im Kinderyoga so:
Kaum wussten ein paar Leute, dass ich für den Gesunden Kindergarten / die Gesunde Schule Yoga anbiete, kamen sofort Nachrichten, in denen ich gefragt wurde, wie man da als Expert/in mitmachen kann und wie viel man da verdient, teilweise von Leuten, die mir bisher immer erklärten, Kinderyoga wäre nichts für sie, weil sie mit Kindern nicht so gut können.
Warum dann ins Kinderyoga einsteigen?

Ich hab das Gefühl, jede/r will überall mitmachen und alles anbieten, solange es einen Markt dafür gibt, dann wird sich nach etwas Neuem umgeschaut –
aber ist das echt, ist das glaubwürdig, ist das Yoga?
Was ist mit den viel gepriesenen yamas und niyamas, von denen alle immer reden und schreiben –
alles vergessen, wenn es um das eigene Bankkonto geht?

Ich verbeuge mich.

Im Yoga geht es viel um Hingabe, die Hingabe zum Selbst, zum Leben, zur eigenen Praxis, auch die Hingabe zu den Menschen, die man unterrichtet, generell zu den Menschen –
ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber ich finde, Hingabe ist etwas Schwieriges, etwas, das geübt, erlernt werden muss, und etwas, das man nicht auf dutzende Dinge aufteilen kann.

Ich weiß, dass es schwierig ist, einerseits Yoga zu leben, andererseits aber auch vom Yoga leben zu können –
aber eins hab ich von all den inspirierenden Menschen gelernt, denen ich auf Instagram folge oder zu deren Youtube-Videos ich selbst praktiziere:

Erfolg hat nur, wer sich selbst treu bleibt – egal wie man diesen Erfolg definiert.

Wer plant, Kindern Yoga zu vermitteln, der sollte Kinder wirklich aus ganzem Herzen respektieren und mögen, alle Kinder, auch die lästigen, die, die stören und ein bisschen länger brauchen, bis sie merken, wie sehr ihnen Yoga helfen kann.
Wer plant, Yogakurse mit dem Wheel zu machen, sollte mehr Erfahrung haben als ein kurzes Teacher Training, gerade auf dem Wheel ist die eigene Praxis alles.
Und ganz ehrlich:
Wer Yoga unterrichten möchte, der sollte sich generell im Klaren darüber sein, dass ein Teacher Training allein nicht hilft, nichts ersetzt die eigene tägliche Praxis, die einsamen Stunden auf der Matte, das Lernen und Üben und Studieren, auch wenn das Teacher Training schon vorbei ist –
der Gesundheit der Menschen zuliebe.

Ich bin überzeugt davon, dass wir immer nur in dem gut sein werden, was wir wirklich wollen, was aus uns kommt und was wir mit echter Hingabe machen –
alles andere ist nur ein Abklatsch dessen, was andere tun, etwas, das wir kopieren wollen, es aber im seltensten Fall schaffen.
Das ist nicht nur im Yoga so, sondern betrifft das ganze Leben –
wie oft hab ich mir etwa sagen lassen müssen, dass meine Art zu schreiben niemandem gefällt, ich soll es lieber gleich lassen –
was ich niemals geschafft hätte, weil schreiben für mich ein immens wichtiger Teil meines Lebens ist.
Und heute, knapp zehn Jahre später, zeigt mir dir Anzahl meiner mittlerweile täglichen Leser/innen: Gut, dass ich weitergemacht hab, dass ich geübt und geschrieben hab, denn es ist wirklich erfüllend, zu schreiben, Menschen damit zu bewegen, sich gesellschaftspolitisch zu engagieren.

Also lass dich nicht von Modeströmungen und Trendsetter/innen beeinflussen, schau einfach tief in dich hinein, was es ist, das dich wirklich bewegt –
und folge diesem Pfad.
Folge ihm, solange es dir gut tut, egal was andere Menschen sagen, und versuche, aus deinen eigenen Fehlern und Schwächen zu lernen, um immer besser zu werden.
(Und ja, dafür braucht man auch manchmal Menschen, die einem jene Fehler und Schwächen zeigen, die man gern vor sich selbst verheimlicht.)

Nur dann bist du authentisch, nur dann kannst du wahres Glück finden –
und im allerbesten Fall sogar deine Miete bezahlen.

#Namaste!

 

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Ist bio und öko wirklich immer die bessere Wahl?

Die Reaktionen auf meinen Beauty-Artikel letztens waren ein Hit –
danke sehr!
Ich hab sehr viele sehr nette Zuschriften bekommen, einerseits von Menschen, die sich für Ideen bedankt haben, andererseits von Leuten, die neue Ideen eingebracht haben, und manch eine/r wollte einfach nur danke sagen –
ich hab mich über jede einzelne Nachricht sehr gefreut!
Zu einem anderen Artikel wiederum hab ich sehr durchwachsene Reaktionen bekommen –
auch, weil ich darin die vegane Lebensweise ein wenig kritisiere, das kommt nie gut an, das weiß ich schon. Nötig ist es manchmal aber trotzdem.

Doch gerade wegen des großen, nicht nur positiven Feedbacks auf die beiden Artikel hab ich angefangen, weiter nachzudenken und zu recherchieren.
Und nach und nach wird klar:
Bio und öko ist nicht immer die bessere Wahl.

Ausschlaggebend für meine Gedanken waren die Bambus-Zahnbürsten, die ich wirklich sehr gern mag, weil sie eben nicht aus Plastik sind, weil sie in den Bio-Müll geworfen werden dürfen, und weil sie mir (zugegeben) ein recht gutes Gewissen machen, genauer gesagt die Firma, die neben Zahnbürsten nun auch Toilettenpapier aus Bambus anbietet –
genauer betrachtet aber sind diese Teile ebenso wie das Klopapier der helle Wahnsinn:
Immerhin werden sie vom anderen Ende der Welt zu uns geflogen, nachdem das Rohmaterial in China verarbeitet wurde. Nix mit ‚Kauf im Ort, fahr nicht fort‘, ganz im Gegenteil:
Die Flugkilometer dieser Zahnbürsten zerstören komplett meinen ökologischen Fußabdruck, ebenso das Toilettenpapier.
Ob es da nicht besser ist, österreichisches Recycling-Papier für das heimische Klo zu kaufen, das zwar in Plastik verpackt ist, weil die rauen Fasern Papierverpackungen zerstören, das aber nicht um die halbe Welt reist –
plus: Diese Plastikverpackung landet weder im Meer noch in der Natur, sondern wird entsorgt, wie in Österreich üblich, und schädigt somit die Umwelt weniger als vermeintliches Bio-Bambus-Papier ‚Made in China‘.

Das mit dem Bio-Label ist ohnehin so eine Sache:
Die Bio-Avocados, die viele Menschen (inklusive mir) so lieben, sind vom Umweltstandpunkt her ein Graus
durch den vegetarischen/veganen Lebenstil vieler Menschen hat sich der pro Kopf mehr als verdreifacht, die Folgen davon sind für die Umwelt fatal.
Zitat aus dem verlinkten Artikel:
Durchschnittlich verbraucht ein Kilogramm Avocados 1000 Liter (Wasser). Zum Vergleich: Ein Kilogramm Tomaten kommt auf 180 Liter. Eine Avocado wiegt durchschnittlich 400 Gramm. Das heißt: 1000 Liter Wasser für zweieinhalb Avocados. Und das in Regionen, wo es so schon wenig Wasser gibt.
Doch damit nicht genug:
Im Normalfall (kommt die Avocado) jedoch aus Brasilien, Chile, Südafrika oder Peru. Während der gesamten Reise lagert die Butterfrucht, gut gepolstert, in einem strombetriebenen Container, in dem neben der Temperatur auch die Luftfeuchtigkeit und die CO2-Konzentration kontrolliert werden. Bei Nature’s Pride, einem der größten Avocado-Erzeuger, kommt sie außerdem noch in eine Reifekammer.

Wow.
Sogar Greenpeace warnt vor den Folgen des zu hohen Avocado-Konsums.
Wer also anstelle eines heimischen Bio-Wurstsemmerls einen hippen Avocado-Tofu-Snack verspeist, tut der Welt nichts Gutes, ganz im Gegenteil, so zerstören wir Wälder und damit auch Tiere. Nix mit achtsamer Genuss also.
Schreckliche Nachrichten für Menschen wie mich, die Avocados lieben …
aber dennoch:
Seit ich das weiß, greif ich im Bio-Supermarkt nicht mehr zu den essfertigen Avocados, sondern vermehrt zu Gemüse, das in Österreich gerade Saison hat.

Auch die Waschnüsse, die ich wirklich liebe, werde ich nicht mehr so oft nachkaufen.
Wieso?
Weil die Nüsse, die aus Indien stammen, durch den Bio-Boom bei uns für die Inder/innen so teuer geworden sind, dass die Menschen sich dort nicht mehr leisten können, damit ihre Wäsche zu waschen.
Dass die Inder/innen das nicht mehr tun, weil die meisten ohnehin Waschmaschinen besitzen, tut hier wenig zur Sache, denn auch die Waschnüsse haben einen zu weiten Weg hinter sich.
Wenn ich mir also meine Lieblings-Biohaarseife kaufe, von Hand hergestellt in Wien, in Papier verpackt und CO2-neutral mit der Post zu mir geschickt, dann ist das für den Planeten gesehen um ein Vielfaches besser.
Auch der Wascherde aus Frankreich, die so genial zum Duschen und Haarewaschen ist, werd ich den Vorzug geben und dafür die Waschnüsse von meiner Einkaufsliste streichen, so gern ich sie hab.

Es gibt dutzende Dinge, die vor allem Vegetarier/innen, Veganer/innen und Bio-Fetischist/innen wie ich gern als Ersatz für vermeintlich schlechtes kaufen, die bei näherer Betrachtung aber keineswegs besser sind.
Der Umstand allein, dass kein Tier leiden soll, reicht nicht, weil das ohnehin Augenauswischerei ist –
die Tatsache, dass der Klimawandel so schnell voran schreitet, sollte uns jedoch alle zum Nachdenken anregen.

Um das ganze aber noch komplizierter zu machen:
Wer meint, mit heimischen Produkten immer richtig zu liegen, irrt nämlich ebenso.
Bestes Beispiel: Äpfel.
Fast jede/r von uns greift zu den heimischen, das muss aber nicht unbedingt besser für’s Klima sein.
Hier ist gut beschrieben, warum ein Apfel aus Übersee nicht wirklich schlechter für unser Klima sein muss als ein Apfel aus der Heimat.
Im Winter, wenn heimische Äpfel in großen Kühlhäusern gelagert werden, ist so ein österreichisches/deutsches Apferl sogar schlechter als die Avocado aus Mexiko.
Es ist zum Davonlaufen.

Seit ich soviel recherchiert hab, steht für mich eines fest:
Lokal, regional und saisonal werd ich in Zukunft den Vorzug geben, immerhin hab ich Kinder, denen ich eine möglichst intakte Welt hinterlassen möchte. Das wird nur so funktionieren –

und wenn möglichst viele Menschen mitmachen, denn (Zitat):
Wer einerseits den Klimawandel verhindern, andererseits aber nicht auf frisches Obst verzichten will, kann im Frühjahr ruhigen Gewissens Obst von der Südhalbkugel kaufen. Um die Sünde wettzumachen, reicht es schon, statt mit dem Auto mit dem Fahrrad zum Supermarkt zu fahren.

Ich werde weiterhin lieber Omas Bio-Äpfel essen, ich werde auf Kokoswasser verzichten, weil es super Wasser aus Österreich gibt (oder wer mag: Birkenwasser etwa, das hat keine lange Reise hinter sich), ich kauf keine Sachen mehr, die es auch ‚Made in Austria/Europe‘ gibt, und ich verzichte auf Dinge, die mir nur ein gutes Gewissen machen, im Endeffekt für unseren Planeten aber tödlich sind.

Wir alle möchten etwas Gutes tun.
Und jede/r von uns tut es auf seine Weise.
Ich glaub mittlerweile aber, dass es mit einer Entscheidung nicht getan ist –
wir müssen uns jedes Mal, wenn wir etwas kaufen, neu überlegen, ob es das ist, was wir wollen, was wir brauchen, und was die Welt retten wird …
denn darauf wird es im Endeffekt hinauslaufen.

Machen wir das gemeinsam, ja?

#Namaste!

***

Nachtrag 1: Wer sich für das Thema interessiert, der lese sich bitte ein, Google ist voller Informationen –
es ist wahrlich unglaublich, was man für das gute Gewissen alles macht, das aber keineswegs gut ist. Dieses Wissen macht das Leben nicht einfacher, das nicht, unseren Planeten aber vielleicht ein Stückweit besser –
und nur darum geht’s.
Nicht um das eigene Gewissen, für das wir keine Tiere essen, nicht um das eigene Gewissen, für das wir Waschnüsse verwenden –
es geht nur darum, wie wir diesen Planeten unseren Kindern übergeben. Nur darum.
Denn das sollte unser aller Ziel sein: die Erde lebenswert erhalten.

Nachtrag 2: Ich hab bezüglich der CO2-Emissionen der Bambus-Zahnbürsten zwar nachgefragt, bisher aber keine Stellungnahme der Herstellerfirmen erhalten. Wenn ich was erfahre, trag ich es nach.

 

 

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