Vom Bett direkt auf die Matte – oder: Die Realität ist eine andere.

Wer kennt sie nicht, die Bilder und Texte diverser Yoga-Influencer und -innen, die uns erzählen, dass sie morgens nur heißes Zitronenwasser mit Honig zu sich nehmen, aber erst nachdem sie direkt vom Bett auf die Matte gefallen sind, um sich dort 90 Minuten lang auszupowern und danach noch mindestens eine Stunde zu meditieren …
der perfekte Start in einen yogischen Tag.

Und die beste Art, uns Normalos ein schlechtes Gewissen zu machen.
Denn obwohl ich Yogalehrerin bin und vermutlich mehr Yoga praktiziere als Nicht-Yogalehrende, ist das weit entfernt vom normalen Leben, das die Mehrheit von uns lebt –
ein Leben geprägt von Familie und Arbeitsalltag, von Hobbys und Freund/innen, und von Dutzenden Dingen, die man gerne machen würde, zu denen man aber einfach nicht kommt.
Das sagt uns nur keine/r, das ist eben nicht so glamourös.

Da ich aber ohnehin keine Freundin von Glamour bin, sag ich ganz ehrlich:
Das echte Leben schaut für die allermeisten Menschen anders aus.

Ich finde das gut so, denn:
Ich möchte nicht jeden Morgen die Zeit haben, mit den Vögeln aufzustehen, um dann die Yogamatte aufzurollen und mehrere Stunden Yoga zu praktizieren. Das ist manchmal nett, ja, im Urlaub am Meer etwa, oder an Samstagen im Garten.
Aber ich liebe die wilde, laute und manchmal anstrengende Stunde zwischen 6:30 und 7:30 morgens, wenn meine Familie sich bereit macht für den Tag, während ich mit Brille auf der Nase und Kaffeehäferl in der Hand mitten drin steh und versuche, Ordnung ins Chaos zu bringen.
Denn es gibt immer Dutzende Dinge zu tun, in dieser einen Stunde:
die Kinder wecken, Frühstück machen, Jause vorbereiten, Kleiderfragen klären, Frisuren machen oder kontrollieren, Sonnencreme verteilen, die Meerschweinchen füttern, alle Fenster öffnen, damit die kühle Morgenluft die Hitze der Nacht vertreibt, nach der Reihe mehrere Kinder zum Abschied küssen und auf den Weg schicken, und natürlich auch den Gatten verabschieden.
Das sind aber nur die Dinge, die täglich zu tun sind –
sehr oft kommen andere Dinge dazu, wie etwa Wandertage, die vergessen wurden, aber eine besondere Jause erfordern, verschollene Kleidungsstücke, kleinere oder größere Streits, die geschlichtet werden müssen, Zettel, die unterschrieben werden sollen …
wer Kinder hat, kennt das.

Und dann, erst dann, wenn all das erledigt ist, ist Zeit für ein wenig Yoga im Garten:

Hätte ich Zeit für frühmorgendliches Yoga samt Meditation, dann würde das bedeuten, dass ich meine Familie nicht hätte …
undenkbar. Das mag ich mir nicht einmal vorstellen.

Natürlich könnte ich jeden Tag eine Stunde früher aufstehen und mit der aufgehenden Sonne yogieren –
was wiederum bedeuten würde, dass ich früher schlafen gehen müsste, damit ich morgens fit bin. Aber auch das ist keine Option:
Wer Familie hat, weiß auch, wie wichtig die Zeit mit dem Partner oder der Partnerin ist, wir sind nicht nur Mamas und Papas, wir sind auch Freund/innen, Eheleute, Geliebte.
Zeit mit meinem Mann hab ich aber nur abends, wenn die Kinder im Bett sind –
und auch für mich ist eigentlich nur dann Zeit.
Zeit, um still im Garten zu sitzen und den Vögeln zu lauschen, um zu yogieren, zu entspannen, ein Buch zu lesen oder einen Film anzusehen, mit dem Gatten den Tag zu besprechen oder um einfach nur ein gutes Glas Wein zu trinken und die beiden Glühwürmchen zu beobachten, die in unserem Garten wohnen.

Ich mag das so und möchte mit niemandem tauschen.
Aber – und das ist wichtig! – ich verstehe auch alle, die das anders machen, die keine Kinder haben und auch keine wollen, die lieber frühmorgens yogieren anstatt Butterbrote zu schmieren, die lieber Zitronenwasser als Kaffee trinken und die abends gern vor 22 Uhr im Bett liegen, damit sie morgens fit sind fürs Yoga.
Wenn das für jemanden der richtige Weg ist, dann freu ich mich darüber!

Ich hab aber eine Bitte:
Tut nicht so, als wär das der einzig yogische Weg durchs Leben
denn das stimmt nicht.

Yoga ist so vielfältig wie auch wir Menschen und passt sich jeder Lebenssituation an, das ist ja das Wunderbare daran.
Egal wer, egal wo, egal wie oder wann:
Yoga ist für alle da …
und niemand ist weniger yogisch, nur weil morgens der Kaffee besser schmeckt als Zitronenwasser mit Honig.

Versprochen!

 

#Yoga kann nicht alles heilen – hört auf, das zu erzählen!

Vor knapp einer Woche diagnostizierte mein Hausarzt bei mir eine Nierenbeckenentzündung. Offenbar hab ich eine Blasenentzündung nicht bemerkt und deshalb verschleppt, die Nacht von Donnerstag auf Freitag war eher unschön, mittlerweile geht es mir aber wieder besser –
moderner Medizin sei dank.

Warum ich über dieses Thema schreibe?
Weil ich von mehreren Bekannten aus der Yogaszene gefragt wurde, wieso ich als Yogalehrerin überhaupt auf die Idee komme, wegen so etwas zum Arzt zu gehen und Medikamente zu nehmen.
Es gäbe doch so tolle Detox-Asanas, die meine Nieren entgiften, außerdem könne ich ayurvedische Tees trinken, tägliche Yoga-Praxis sei natürlich ein Muss, am besten viele Dreh-Haltungen, die ja meine Niere entgiften. Mit diesen Tipps würde ich rasch wieder gesund werden, immerhin könne Yoga ja alles heilen.

Blödsinn!

Eine Nierenbeckenentzündung wird von Bakterien ausgelöst, und Bakterien wird man (wie alles andere auch) mit Detox nicht los –
denn Detox gibt es nicht.
Eine bakterielle Infektion sollte mit Antibiotika behandelt werden, vor allem, wenn sie schnell verschwinden und nicht wiederkommen soll.

Ganz abgesehen davon, dass so etwas weh tut, und zwar sehr. 
Wer noch nie an einer Nierenbeckenentzündung litt, kann sich das nicht vorstellen:
Es ist, als würde jemand seine Finger in die Nieren bohren und fest zudrücken, man kann kaum atmen, und das macht Angst.
Abends eine Schmerztablette nehmen zu können und zu wissen, dass die Nacht schmerzfrei sein und man daher schlafen können wird, ist eine tolle Errungenschaft unserer Zeit, auf die wir stolz sein können.

Was ich aber wirklich entsetzlich finde, ist der Satz ‚Yoga kann alles heilen‘.
Nein, Yoga kann nicht alles heilen –
schon gar nicht, was von Bakterien oder Viren ausgelöst wurde, genetische Erkrankungen oder Krebs (auch das hört und liest man immer wieder).
Ja, Yoga kann unterstützen, vielleicht nicht so sehr die Heilung, aber die Psyche, Yoga kann die Seele streicheln, Yoga kann auch körperliche Leiden verbessern, Schmerzen im Rücken etwa, und es gibt Studien, die zeigen, dass Yoga bei psychischen Leiden wie Depressionen oder Angstzuständen Wunder wirken kann.

Doch Yoga kann nicht alles heilen! 
Wann immer du an etwas leidest, das den Einsatz von echten Medikamenten erfordert, dann vertrau deinem Arzt oder deiner Ärztin und befolge deren Rat.
(Homöopathie ist übrigens wirkungslos und zählt nicht zu echten Medikamenten, und ein Heilpraktiker ist kein Arzt.)

Wir als Yogalehrende sollten uns nicht herausnehmen, medizinische Ratschläge zu geben, immerhin ist Medizin ein eigenes Studium, wir aber haben nur ein Yoga Teacher Training hinter uns.
Und wir sollten den Satz ‚Yoga kann alles heilen‘ ganz dringend aus unserem Sprachgebrauch verbannen –
unseren Yogi/nis zuliebe.

Ich hab mich übrigens nur bedingt an die Ratschläge meiner Bekannten gehalten. Stattdessen schluck ich brav die Medikamente, die mir mein Arzt verschrieben hat, trink sehr viel Tee (und ja, da sind auch ein paar ayurvedische dabei), sitz abends in der Badewanne und trag ständig mein Lieblingskleidungsstück, das kidneykaren, weil es wunderbar warm hält.
Dreh-Haltungen hab ich gar keine geübt in den letzten Tagen, die tun nämlich höllisch weh, wenn die Nieren schmerzen, und wenn überhaupt, dann hab ich nur ganz sanft yogiert, damit der Rücken entlastet wird und ich ein wenig zur Ruhe komme.

Denn ich bin davon überzeugt:
Wir sollten uns nicht von den Erkenntnissen der modernen Medizin, der modernen Wissenschaft abwenden. Rückbesinnung kann etwas Gutes sein, wer erkältet ist, dem wird Ingwertee natürlich guttun, aber das darf nicht bedeuten, dass wir allem entsagen, wo Medizin draufsteht.

Wär es nicht viel Sinnvoller, beides zu kombinieren?
Ich find ja schon!

#Namaste!

 

Black Friday? Nein danke. #SeiKeinWerbeopfer!

Heut ist er wieder, dieser ominöser Freitag, an dem viele Menschen komplett durchdrehen und sich um Dinge prügeln, die sie eigentlich gar nicht brauchen.
Der Schwarze Freitag kommt aus den USA und ist immer der Freitag nach Thanksgiving –
eigentlich ein Familientag, und (leider) auch der Start in die Weihnachtseinkaufsaison.

Viele Läden öffnen schon in den frühen Morgenstunden und bieten (vermeintliche) Rabatte und Sonderaktionen. In Österreich und Deutschland findet der Black Friday aber vor allem online statt.

Der Verbraucherschutz kritisiert, dass die Rabatte künstlich aufgeblasen werden –
oft berechnen sich die Rabatte von der unverbindlichen Preisempfehlung, die meist über dem tatsächlichen Marktpreis liegt. Wer mit anderen Anbietern vergleicht, stellt dann fest, dass der Rabatt nicht so groß ist wie erhofft …
was wenig verwundert:
Die Läden wollen uns nichts schenken, sie wollen ein Geschäft machen.

Dennoch sind Bilder wie diese keine Seltenheit:

Ich muss gestehen:
Mich macht das jedes Jahr fassungslos.

Menschen streiten sich um Dinge, die sie in den allermeisten Fällen nicht brauchen und die sie sich im schlechtesten Fall auch nicht leisten können.
Und wenn ich mir ansehe, wie viel Verpackungsmüll allein an diesem einen Tag entsteht, dann frag ich mich schon:
Muss das wirklich sein? Könnten wir nicht auch ein bisschen an die Umwelt denken?

Ja, klar, auch ich kauf Geschenke für meine Lieben, aber ich hab da einen super Trick:
Ich kauf sie das ganze Jahr über.
Immer dann, wenn ich etwas entdecke, das jemandem eine Freude macht, greif ich zu. Das erspart mir einerseits vorweihnachtlichen Geschenkestress, andererseits schont es auch die Geldbörse –
denn ich kauf nicht dann, wenn mir jemand einredet, dass ich es tun muss und mich mit vermeintlichen Rabatten lockt, ich kauf dann, wenn der Preis wirklich gut ist.
(Wir alle wissen doch, dass nach Weihnachten die meisten Dinge weitaus günstiger sind als davor.)
Und noch viel wichtiger:
Ich kaufe das, was ich kaufen möchte, und nicht irgendwas, nur weil billig draufsteht.

Anstatt mich heute in Einkaufszentren von den Massen niederrennen zu lassen oder im Internet Dinge zu kaufen, die ich bei genauem Hinsehen gar nicht brauche, gestalte ich den Black Friday im ursprünglichen Sinn –
als entspannten Familientag:

Achtsamkeit ist nichts, was nur auf der Yogamatte stattfindet –
Achtsamkeit zieht sich durch das gesamte Leben. Und zwar nicht nur von Menschen, die Yoga üben –
jede/r kann und sollte achtsam sein im Tun.

Brauchen wir wirklich 15 verschiedene Outfits, um Yoga zu üben?
Brauchen wir wirklich ein neues Handy, wenn das alte noch gut funktioniert?
Und brauchen wir wirklich ein Ding aus der Wühlkiste, nur weil jemand anderer es zuerst gesehen hat?

Eigentlich nicht, oder?

#Namaste!

* * *

Übrigens:

Das soll kein Aufruf zum Nicht-Shoppen sein!
Einkaufen ist notwendig, kann Spaß machen –
und gerade Geschenke kaufen ist toll!

Wenn einkaufen aber zum Stress wird und ob der Menschenmassen sogar gefährlich, dann ist es an der Zeit, innezuhalten, umzudenken und nicht wie ein Lemming der Masse nachzulaufen.

 

Es herbstlt! oder: Warum ich nicht perfekt sein muss.

Der Wind, der uns die Haare ins Gesicht weht, fühlt sich kühler an –
und auch, wenn wir noch mutig barfuß durchs Gras laufen, merken wir doch, dass der Boden nicht mehr so warm ist wie noch vor einem Monat.
Rotgoldene Blätter fallen von den Bäumen –
und die Laubhaufen am Boden verleiten uns dazu, lustige Fotos zu machen und herumzualbern.

 

 

Dieses Foto hab ich übrigens gestern im Hellbrunner Park gemacht –
Bhujapidasana, die Armdruck-Haltung.
Gar nicht so einfach in Jeans.

Ich bin ein Fan von Ehrlichkeit, von Authentizität, und ich finde, das darf man auch auf Instagram sehen –
perfekt dürfen gern die anderen sein, ich mach lieber Quatsch mit meinen Kindern:

 

Habt eine feine Woche!
#Namaste!

Endlich Frühling!

Ihr wundert euch vielleicht, wieso es jetzt längere Zeit so still war hier, das ist ja sonst nicht so meine Art –
aber die Grippe hatte mich zwei Wochen lang voll im Griff, mit allem drum und dran:
Fieber, Halsweh, Husten, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen, das volle Programm. Manchmal hab ich mich auf meine Matte geschleppt und bin dort gesessen, aber mehr als tief durchatmen hab ich nicht geschafft.
Jetzt endlich bin ich wieder gesund, muss nur mehr leicht husten, kann aber endlich wieder yogieren und das Haus verlassen …
großartig!

Und genau in dieser Zeit, in diesen zwei Wochen, in denen ich rein gar nichts tun konnte, hab ich mich dazu entschlossen, ein CoWorking-Studio in Salzburg zu eröffnen –
ein Studio, in dem ich wieder Erwachsene unterrichten kann, in dem aber auch andere ihre Stunden abhalten können, egal ob es sich um Yogastunden, Tanzeinheiten, Pilates oder Beratung/Therapie handelt.
Weil es gemeinsam viel schöner ist, weil es mehr Spaß macht und bestimmt auch leichter ist, als einsam für den eigenen Traum zu kämpfen – ich freu mich jedenfalls sehr drauf und arbeite in jeder freien Sekunde daran, dass die Website fertig und die Facebook-Seite voller wird, dass meine Give-aways ankommen und ich den ersten Kennenlern-Abend organisieren kann.
Und dass ich das Studio so adaptiere, dass man sich darin wohlfühlt und tolle Stunden erleben kann.
Denn noch ist es ein bissl leer:

Heute war auch endlich wieder eine Kinderyoga-Stunde, ich hab die Kleinen wirklich vermisst –
und weil die Sonne so schön gescheint hat, haben wir die Yoga-Einheit kurzerhand in den Garten verlegt.

Die Kleinen waren begeistert, denn aus der geplanten Yogastunde wurde durch die Eindrücke aus der Natur eine Achtsamkeits-Stunde –
was hörst du, was siehst du, wie fühlt sich der Boden an, das Gras, und wer kann beschreiben, wie der Frühling riecht?

Wir haben Kirschkerne entdeckt, die frühlingshaft austreiben, konnten sechs verschiedene Arten von Vögeln singen hören und einige der Kleinen haben das erste Mal am frischen Gras und der feuchten Erde gerochen –
ein echtes Yoga-Garten-Abenteuer!

Beim Ausziehen fragte dann eine Betreuerin die Kinder, wie das Yoga im Garten denn gewesen sei –
und ein Chor glücklicher Kinderstimmen hat laut geschrien: Es war toll!

Was gibt es schöneres?

#Namaste!

 

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