Wie ich zum #Yoga gekommen bin.

Zehn Jahre sind es jetzt –
zehn Jahre, in denen Yoga eine mal kleine, mal größere Rolle in meinem Leben gespielt hat.

Begonnen hat alles während meiner zweiten Schwangerschaft:
Da hab ich das erste Mal Pilates ausprobiert, um fit zu bleiben, und weil es mit zunehmendem Bauchumfang immer schwieriger wurde, bin ich in den Yoga-Kurs gewechselt, der sehr ruhig und eher auf Meditation und sanftes Dehnen fokussiert war.
Nach der Geburt hab ich dann einiges daheim weitergemacht, mit der kleinen Maus im Arm, was sowohl sie als auch mich beruhigt und meinem Beckenboden in Rekordzeit zu alter Frische verholfen hat.
So ist es dann eine Zeit lang geblieben:
Ich hab Yoga-Kurse besucht, wenn ich gerade Lust dazu hatte, mehr oder weniger regelmäßig, hab daheim aber immer wieder mal versucht, mich an die Asanas zu erinnern, eigentlich immer dann, wenn es grad stürmische Zeiten in meinem Leben gab –
so ist das ja bei vielen Menschen.

Mein allererstes Yoga-Foto

Vor etwa drei Jahren wurden die Zeiten dann besonders stürmisch:
Meine Mutter, psychisch und physisch krank, übersiedelte von zu Hause in ein Pflegeheim Nahe Salzburg, wo ich sie (manchmal mit meinen Töchtern) natürlich recht oft besucht habe –
eine schwierige Angelegenheit, da eine Auswirkung ihrer Krankheit war, dass sie eigentlich jeden Menschen auf der Welt entsetzlich fand, allen voran ihre Tochter.

Nach Besuchen bei ihr war ich meistens völlig fertig, am Ende mit mir selbst und der Welt. Mehrere Male die Woche zu hören, wie doof und blöd man ist, macht das Leben nicht schöner –
meine Mutter nicht zu besuchen war aber auch keine Option.
Meistens hatte ich Stricksachen dabei und hab versucht, einfach nicht zuzuhören oder mit anderen Damen im Heim zu plaudern, manchmal kamen meine Kinder mit, weil sie dann abgelenkt war, manchmal aber saß ich da und musste mich wirklich zusammennehmen, um nicht laut loszuschreien.
Wieder zu Hause musste ich diesem Ärger natürlich Luft machen –
sehr zum Leidwesen meiner Familie.
So konnte es nicht weitergehen, weder für mich noch für meine Lieben.
Die Tatsache, dass meine Hochzeit bevorstand, die wir mit der Unterstützung lieber Freund/innen selber planten, machte den Stress keineswegs weniger –
und ich weiß jetzt:
So ein Hochzeitskleid in wenigen Wochen selbst zu nähen/häkeln ist auch kein Zuckerschlecken.

Also machte ich mich auf die Suche nach einem Yogastudio, das auf dem Weg zu meiner Mutter lag, und wurde auch schnell fündig –
der Beginn einer großen Liebe.
Ich legte die Besuche meiner Mutter so, dass ich direkt danach im Yogastudio einkehren konnte, und wenn das nicht klappte, rollte ich zu Hause meine Matte aus, yogierte zu einer Yoga-App oder Youtube-Videos –
und besuchte am nächsten Tag das Studio.

Eigentlich hab ich kein Wunder erwartet, aber dennoch eins erlebt:
Meine Stressanfälle wurden weniger, die teils harschen Worte meiner Mutter rückten zunehmend in den Hindergrund, es war einfacher zu erkennen, dass sie nicht aus echtem Hass so agierte, wie sie es eben tat, sondern der Krankheit wegen.
In der liebevollen Atmosphäre des Yogastudios war mein Stress schnell vergessen, kaum stand ich auf der Matte, war die Welt eine andere, auch dank all der entzückenden Yoginis, die mit mir yogierten –
und wunderbarerweise klappte das auch zu Hause, auf der heimischen Matte.

Vrksasana – toll für die Hüften

Innerhalb kürzester Zeit konnte ich mir ein Leben ohne Yoga kaum noch vorstellen, sowohl für meine geistige als auch meine körperliche Gesundheit –
denn mit jedem Lebensjahr geht es meinen Hüften weniger gut, das merk ich genau, schon ein Tag ohne Übungen für die Hüfte verschlechtert ihren Zustand enorm.

Und so geht das nun seit etwas mehr als drei Jahren ganz intensiv:
Yoga, mindestens jeden Tag, wenn nicht öfter, die Ausbildung zur Lehrerin, tägliches weiterlernen und einlesen, die Matte immer im Gepäck, egal wohin die Reise geht, und den Wunsch im Herzen, diese Liebe vollkommen undogmatisch an andere Menschen weiterzugeben –

ich will niemanden überreden, ich will nicht missionieren, keinem was aufzwingen, ich möcht nur zeigen, wie toll Yoga sein kann, auch wenn manch eine/r an der spirituellen Komponente nicht so interessiert ist, und ich möcht versuchen, ein bisschen mehr Achtsamkeit in den Alltag der Menschen zu bringen …
natürlich auch in meinen.

Einfach, weil Yoga ein tolles Werkzeug ist, mit all seinen Asanas, mit Meditation und Pranayama, ein Werkzeug, das für jede/n geeignet ist –
und ganz ehrlich:
Ihr braucht dafür weder Räucherstäbchen noch Haremshosen, das ist ein uraltes Klischee.

#Namaste!

***

Meine Mutter litt an Myotoner Dystrophie, gepaart mit einer daraus resultierenden Depression sowie einer schweren Soziophobie und einer extremen Hassliebe mir gegenüber –
kein leichtes Leben, weder für sie noch für uns als Familie.
2015 schlief sie friedlich in ihrem Lieblingssessel ein.

Ihr zu Ehren schrieb ich diesen Text, der im Adventkalender 2016 von mosaik veröffentlicht wurde.

Gehab dich wohl, wo auch immer du gerade bist.

 

 

 

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Aus der Reihe ‚Yoga mit dem Wheel‘: Richte den Blick nach innen!

Als ich das Yogawheel zum ersten Mal gesehen hab, hatte ich richtig Angst davor, muss ich gestehen.
Wunderhübsche Damen und Herren präsentierten sich in sexy Klamotten am Strand, vor sich ein Wheel, und machten damit nichts als Zirkuskunststücke:
Kopfstand, Handstand, Skorpion, einbeinig auf dem Wheel balancieren, zwei Wheels übereinander –
ich kam aus dem Staunen nicht heraus.

Aber das muss gar nicht sein:
Erst nach und nach hab ich erkannt, dass das Wheel viel mehr kann, und dass es mich mit meinen vielen kleinen Problemchen großartig unterstützt:
Es dient mir als Block, wenn gerade keiner greifbar ist, es unterstützt mich in Rückbeugen, ich benutz es auch, wenn ich Bakasana, die Krähe, übe –
und ja, auch für Handstand- oder Skorpion-Vorübungen ist es genial!

Je nachdem, wie ich üben möchte, setze ich das Yogarad als Unterstützung ein oder benutz es dazu, die Haltung fordernder zu machen.

Und manchmal, wenn meine Hüften knacken und meine Knie sich nicht in den Fersensitz pressen lassen wollen, dann setz ich mich einfach auf mein Wheel drauf, als wäre es ein Meditationshocker:

In dieser Position lässt es sich vortrefflich meditieren, der Rücken ist gerade, die ganze Haltung ist sthira und sukha, also stabil und leicht, ganz so, wie Patanjali in Vers 2.46 die Meditationshaltung beschrieben hat – sthira sukham asanam.

Natürlich ist das nicht genau die Haltung, die Patanjali im Sinn hatte, aber es ist meine Version davon, eine Variante, die vor allem Menschen mit Knieproblemen sehr zu schätzen wissen, gerade wenn es darum geht, länger in einer Haltung verweilen zu können –
denn das muss man ja in der Meditation.

Wenn du also dein Sitzkissen gerade nicht bei der Hand hast oder dein Meditationshocker nicht greifbar ist, nutz dein Wheel, um deine Haltung stabil und leicht zu machen und deinen Blick meditativ nach innen zu richten –
du wirst erstaunt sein, wie toll es sich darauf sitzt!

#Namaste!

*

Und nicht vergessen:
Wie bei allen Asanas gilt auch (und besonders!) mit dem Wheel:

Sei achtsam!
Überfordere deinen Körper nicht mit Haltungen, die er noch nicht kennt – vor allem, wenn du Anfänger/in bist!
Aktiviere Mula Bandha, deinen Beckenboden, und Uddiyana Bandha, in der Nähe deines Bauchnabels, indem du Beckenboden und Nabel sanft anspannst – aber nicht zuviel.
Wärme dich vor dem Üben mit dem Yogawheel gut auf – zuerst deinen ganzen Körper, etwa mit Sonnengrüßen oder einer sanften Praxis, gewöhne dann im Speziellen aber auch deine Wirbelsäule an das Wheel, etwa indem du sanft rollst und dich auf dem Rad einfindest.

Viel Spaß beim Yogieren!

Solltest du Fragen haben, meld dich einfach
oder komm mal vorbei!

#Namaste!

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Aus der Reihe ‚Yoga mit dem Wheel‘: Lass den Kopf nicht hängen!

Es gibt diese Tage …
… da schleppen wir uns auf die Yogamatte, sitzen dort eine Weile, wissen aber nicht genau, was wir jetzt tun sollen, und bleiben einfach in Stille sitzen.
… oder wir verzweifeln, weil manch eine Asana nicht und nicht klappen will, sei es, weil unser Geist noch nicht bereit ist, oder weil unser Körper sie einfach nicht ausführen kann.
… oder wir haben eine anstrengende Praxis hinter uns, möchten aber noch nicht in Savasana versinken, sondern zuvor nochmal tief durchatmen, in uns hineinhören, nachspüren.

Bisher hab ich mich in solchen Momenten in den Fersensitz gesetzt, manchmal auch in Sukhasana mit vielen Unterstützungen, damit meine Hüften mitspielen, und versucht, mich zu entspannen –
es muss ja nicht immer eine anstrengende und fordernde Yoga-Praxis sein.

Letztens aber hab ich etwas Anderes probiert und dabei was Tolles entdeckt:
Ich hab mich einfach auf mein Yogawheel gelegt und bin ein wenig hin und her gerollt, einfach, weil es entspannend und angenehm ist.
Ich hab die Beine gestreckt, meinen Kopf nach unten sinken lassen, bin wieder zurückgerollt, hin zu Pflug und Kerze, und hab das alles ein paar Mal wiederholt –

und als Ausgleich nach all den Rückbeugen hab ich dann, ohne viel nachzudenken, meine Fußsohlen ähnlich wie in Baddha Konasana aneinandergelegt, den Kopf auf dem Wheel platziert, die Augen geschlossen und ein paar tiefe Atemzüge genommen …

und es war großartig!

Lass den Kopf nicht hängen!

Mein Rücken war entspannt und fühlte sich gut an, weil die extrem sanfte Vorbeuge ein toller Ausgleich zu den Umkehrhaltungen war, genau richtig in diesem Moment. Meinen Kopf konnte ich sanft auf dem Wheel betten, anstatt ihn halten zu müssen oder hängen zu lassen, was dem Nacken oft zusätzlichen Stress bereitet. Mein Atem war tief und ruhig, ohne dass ich etwas erzwingen musste.

Ich weiß gar nicht, wie lange ich so auf der Matte gesessen bin, einfach weil es so entspannend war. Seitdem schätze ich diese Haltung sehr, vor allem nach Umkehrhaltungen oder Rückbeugen, wenn ich zwischendurch eine sanfte Ausgleichshaltung brauche.
Oder einfach so, wenn ich fünf Minuten Ruhe auf meiner Matte suche, um kurz dem Alltag zu entfliehen.
Das Wheel ist also auch wunderbar zum Entspannen –
oder um ein wenig Spaß zu haben.

Und auch Spaß muss manchmal sein.

Aber bitte denk immer daran:
Wie bei allen Asanas gilt auch (und besonders!) mit dem Wheel:
Sei achtsam!
Überfordere deinen Körper nicht mit Haltungen, die er noch nicht kennt – vor allem, wenn du Anfänger/in bist!
Aktiviere Mula Bandha, deinen Beckenboden, und Uddiyana Bandha, in der Nähe deines Bauchnabels, indem du Beckenboden und Nabel sanft anspannst – aber nicht zuviel.
Wärme dich vor dem Üben mit dem Yogawheel gut auf – zuerst deinen ganzen Körper, etwa mit Sonnengrüßen oder einer sanften Praxis, gewöhne dann im Speziellen aber auch deine Wirbelsäule an das Wheel, etwa indem du sanft rollst und dich auf dem Rad einfindest.

Ich wünsch dir viel Freude in deiner Yogapraxis!
Wenn du Fragen hast, schreib mir doch
oder komm mal in einen Wheel-Workshop!

#Namaste!

 

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Sonne im Herzen

Früh morgens aufstehen, Frühstück herrichten, einen Matcha latte schlürfen, Töchterlein in den Kindergarten bringen und sich auf den Weg machen zur Lieblings-Yogastunde
ein perfekter Start in den Tag.

Abendliches Yoga ist zwar klasse, aber noch schöner finde ich es, von Vogelgezwitscher geweckt zu werden und dann direkt vom Bett auf die Matte zu steigen –
am allerliebsten im eigenen Garten, wenn das Gras noch feucht vom Tau ist und ich mich mit geschlossenen Augen langsam vom Schlaf befreie und erst so richtig aufwache.

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel’s Morgen-Yoga

Leider ist das nur im Frühling und im Sommer wirklich fein –
aber Tage wie heute sind auch klasse:
Morgen-Yoga außer Haus, dann ist man gleich viel entspannter und bleibt es auch den restlichen Tag, Körper und Geist sind topfit, ein tolles Gefühl.

Das Einzige, was mir nach einer Yogaeinheit außer Haus fehlt, ist eine ausgedehnte Meditation –
eine gute halbe Stunde, in der ich auf der Matte sitze, den Vögeln lausche, dem Meeresrauschen vom Band
oder auch einfach nur in mich hinein.
Ganz still, mit geschlossenen Augen, alle Sinne nach innen gerichtet –
kein müssen, kein wollen, nur sitzen und sein.

Als Mutter von drei Kindern habe ich gelernt, solche Momente zu genießen und jeden Morgen zu versuchen, auf meiner Matte zur Ruhe zu kommen –
denn das ist die Zeit, in der keiner etwas von mir will, niemand etwas braucht, in der das Telefon ausgeschalten bleibt –
und sogar mein Postbote weiß, dass er morgens nicht zu läuten braucht, er stellt Pakete einfach still und leise vor die Tür.

Wunderbar!

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel meditiert in der Sonne

Es ist eine Wohltat, die Sonne auf der Haut zu spüren, ihre Wärme und Geborgenheit –

aber noch genialer ist es, die Kraft der Sonne mit jedem Atemzug einzuatmen und im Herzen zu speichern.

Namaste!

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Damals, am Meer, da war diese tiefe Ruhe in mir – wo ist sie jetzt?

Damals,
am Meer,
da war diese tiefe Ruhe in mir,
da konnte ich stundenlang aufs Meer schauen,
ohne dass mich irgendetwas gestört hätte,
nicht die lärmenden Menschen ringsum,
nicht die streitenden Kinder
oder der Eisverkäufer, der alle fünf Minuten fragte,
ob ich ein Eis möchte.

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel

Damals,
am Meer,
da war innerer Frieden in mir,
ganz egal, was rund um mich geschah,
ich brauchte nur meinen Blick auf die Wellen zu richten,
schon konnte ich spüren,
wie sich die Wogen in mir glätteten,
als hätte es sie nie gegeben.

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel

Damals,
am Meer,
da konnte ich stundenlang Asanas üben,
abends,
wenn die Menschen den Strand verlassen hatten,
und es schien,
als würde allein diese innere Ruhe mir helfen zu meistern,
was ich zuvor nur selten schaffte.

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel

Damals,
am Meer,
da schien meine innere Seherin
immer zu lächeln,
schon der Gedanke ans Meer
zaubert ihr ein Lächeln ins Gesicht,
auch heute wieder –
aber was mach ich ohne Meer?

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel

Am Meer fällt es uns oft viel leichter, unseren rastlosen Geist zu beruhigen, die chitta vrittis, die Bewegungen unseres Geistes, zur Ruhe kommen zu lassen und einfach zu sein.
Das geht ganz von allein, ohne dass wir darüber nachdenken müssen –
und wahrscheinlich ist genau das der Punkt: nicht darüber nachdenken.

Wenn ich dann daheim bin, auf meiner Matte, frage ich mich oft, wo sich diese Ruhe abseits vom Meer eigentlich immer versteckt.
Mein Trick:
Ich hol mir das Meer auf meine Matte!

Wenn es mir wirklich nicht gelingt, abends mal abzuschalten und für wenigstens ein paar Minuten meine Gedanken rasten zu lassen, dann lausche ich dem Meeresrauschen vom Band –
das ist zwar natürlich nur halb so schön, es fehlt der Duft des Meeres, das Salz auf der Haut, der schier endlose Blick bis zum Horizont, das sanfte Abendrot über den Wellen, die Schreie der Möwen, der Schaum auf dem Wasser …
aber es klappt!

Probiert es mal aus!
#Namaste!

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Und schon ist es vorbei – eine Art Rückblick.

Ich kann mich noch ganz genau erinnern, wie aufgeregt ich vor dem ersten Yogateachertrainings-Wochenende war.
Die verrücktesten Gedanken gingen mir durch den Kopf –
und dann wieder war er ganz leer, weil ich nicht wusste, was ich denken sollte.

Da waren so viele neue Gesichter, so viele unterschiedliche Menschen, so viele verschiedene Arten zu yogieren –
und mitten drin ich, mit klopfendem Herzen, aber einem Lächeln im Gesicht.

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel am 1. Tag der YLA

Ich,
die beim ersten Zusammentreffen noch groß erklärt hat, die Ausbildung für sich selbst machen zu wollen –
und die diesen Plan dann schon vier Wochen später über den Haufen warf, weil das Angebot, Karenzvertretung in einem Yogastudio sein zu dürfen, doch spannender war als dieses für mich selbst.

Die ersten Wochenenden waren unglaublich spannend –
wir durften geniale Menschen kennenlernen, die uns als Gastlehrende unterrichteten, wir erfuhren an jedem einzelnen Tag so viel neues, dass mein Kopf zu platzen schien, vor allem weil ich daheim weiterlernen wollte …
wer während einer Ausbildung schon zu unterrichten beginnt, der sollte sich darauf vorbereiten, so mein Credo.

Und das Beste daran?
Es funktionierte!
Ich lernte daheim, so viel ich konnte, hatte dennoch Zeit für meine Heim-Yogapraxis (und meine Familie), abends unterrichtete ich verschiedene Yogaklassen … es war toll!
Doch es war auch anstrengend, es war oft schwer zu managen, und es war manchmal sehr ernüchternd, weil ich binnen kürzester Zeit lernte, das Yoga eben auch nur ein Business ist
ein Business voller Stress, voller Anstrengung, sogar voller Neid.
Und dennoch bin ich unendlich dankbar für diese Chance, die ich bekommen habe –
es waren wunderbare Stunden mit wunderbaren Menschen, die ich da halten durfte, es erfüllte mich mit Freude, dass wirklich jemand zu mir in die Stunden kam, und zwar nicht nur einmal, und ich kam nach jeder Stunde mit einem breiten Lächeln im Gesicht nach Hause.

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel beim Garten-Yoga

Und während sich über den vergangenen Sommer die Karenzvertretung langsam ihrem Ende entgegen neigte, so nahm auch die Yogalehrausbildung ihren Lauf.

Die Arbeit vertiefte sich, kreiste näher um den Kern –
und je mehr ich selbst lernte, umso schlüssiger war für mich das, was ich hörte.

Spannender Höhepunkt: das intensive Philosophie-Wochenende auf einer abgelegenen Hütte, an dem ich dank einiger geistiger Watschn plötzlich für mich das philosophische Konzept hinter Yoga verstand –
oder zumindest soweit verstand, dass ich heute darüber nachdenken kann, ohne einen Knoten in meinen Gedanken zu riskieren.
(An dieser Stelle ein großes Danke an denjenigen, der mir diese geistige Ohrfeige verpasste – manchmal braucht frau sowas.)

Danach war ausbildungstechnisch eine längere Sommerpause –
und auch ich hab mir die Zeit für mich und meine Lieben genommen, um dann voller Tatendrang wieder ins Lernen und Unterrichten starten zu können …
was sich aber schwieriger gestaltete, als ich angenommen hatte:
Den Unterrichtseinheiten fehlte ein wenig das Feuer, da ich manchmal den Eindruck hatte, manche der Teilnehmer/innen waren nicht mehr so richtig bei der Sache, so als würde Yoga ihnen nicht mehr besonders viel Spaß machen –
oder anders gesagt: nicht so viel wie mir.

Man hört ja immer von den Dingen, die man bei so einer Ausbildung angeblich über sich selbst lernt –
und es stimmt:
Ich hab gerade in diesen für mich verwirrenden herbstlichen Unterrichtseinheiten eine wahre Fülle gelernt:
wie ich mit Störfaktoren umgehen kann, wie ich auf persönliche Angriffe reagiere, wie ich mich selbst auf das Wesentliche konzentriere und ausblende, was rund um mich geschieht, was das alles mit mir und meiner Yogapraxis macht, und wie ich verhindere, dass ich mich wovon auch immer in einen Sog ziehen lasse, der weder mir noch meinen Lieben gut tut.
Und hey, welch eine Überraschung:
Yoga hat mir geholfen.
In diesen Wochen hab ich damit begonnen, jeden Abend vor dem Schlafengehen im Nachthemd im Dunklen auf der Matte zu entspannen, ganz sanft nur und vor allem den Geist, um vor dem Einschlafen alles ziehen zu lassen, was mir mein inneres Lächeln raubt –
eine Angewohnheit, die ich bis heute beibehalten habe und nicht mehr missen möchte.

Und dieses Ziehenlassen, nicht daran Festhalten, hat wahre Wunder gewirkt, hat mir neue Aufgaben beschert, hat mir die Kraft gegeben, meine Liebe zum Yoga an Kinder weiterzugeben –
eine wunderbare, wenn auch sehr intensive Aufgabe, die mir unglaublich viel Spaß macht.

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel beim Kinder-Yoga

Jetzt, zwei Tage danach, kann ich es eigentlich kaum glauben:
Vor zehn Monaten war ich zwar sicher, dass ich die Ausbildung beenden werde, hatte jedoch keine Ahnung davon, was eigentlich bei dieser Ausbildung herauskommen würde.
Klar, man lernt die Asanas besser kennen, lernt etwas über Philosophie und Ayurveda, darf dann unterrichten (was auch immer das heißen mag) –
aber das eigentliche Resultat der Yogalehrausbildung ist für mich ein anderes:

Ich hab gelernt zu erkennen, wann etwas an mir selbst liegt und nicht an anderen –
und dass das fast immer der Fall ist.
Ich hab gelernt, demütig mein Haupt vor anderen zu senken – auch wenn es manchmal weh tut.
Ich hab gelernt, was ich tun muss, damit es mir gut geht –
und das hab ich vor allem aus den Querelen während der Ausbildung gelernt, aus persönlichen Untergriffigkeiten und kleineren Streitereien, die zwar auch so ein bisschen schmerzhaft waren, die mir aber dennoch ein klareres Bild von mir selbst bescherten.

Ja, ich kann jetzt Adho Mukha Svanasana besser und länger halten als vor zehn Monaten, und ich hab im Laufe der Ausbildung sogar erfolgreich an meinen Sirsasana-Skills gearbeitet –

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel im Kopfstand

was ich aber vor allem gelernt habe ist Demut, Ruhe in mir und ein inneres Lächeln, das viel seltener erlischt als früher …
und das Wissen:
Manchmal ist es einfacher zu lächeln und sich nicht zu ärgern –
so verrückt das auch klingen mag.

Namaste!

***

Danke an alle, die an der Ausbildung teilgenommen haben! Ihr seid super!
Danke auch an alle unsere Ausbildner/innen, die mit viel Herzblut und Engagement ihre Liebe zum Yoga mit uns geteilt haben! Ihr seid genauso super!
Und auch ein Danke an jene, mit denen es während der letzten Monate zu diversen Meinungsverschiedenheiten gekommen ist –
wer hätte gedacht, dass man daraus etwas lernen kann! Das ist natürlich auch super!

Tausend Dank!
(Ihr bekommt jetzt alle ein Stückchen Schokolade!)

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel schenkt euch Schokolade!

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gedanken.karussell. (#ytt)

sinn.wort.spiel.

augen schließen.
ein.atmen.
und aus.atmen.
schultern rotieren weg von den ohren.
nach hinten.
oder unten?
unten.hinten?
oh, ein.atmen!
und aus.atmen.
gewicht auf das rechte bein verlagern,
langsam das linke bein heben
und den fuß einstellen,
auf den rechten oberschenkel.
ach, und natürlich wieder ein.atmen.
nicht umfallen!
einen punkt auf der wand fixieren,
wie war noch der name von dem punkt an der wand,
den ich immer anstarre,
damit ich nicht umfalle,
einbeinig?
oh, ein.atmen!
augen schließen.
nein, augen wieder auf,
sonst falle ich um,
den punkt anstarren,
drishti,
war es nicht drishti?
ja, genau,
aus.atmen,
drishti, das war’s,
ach mann,
eigentlich wollte ich doch die gedanken fliegen lassen,
und jetzt vergess ich sogar auf’s
ein.atmen,
oh, es ist schon das andere bein dran,
aus.atmen,
nicht umfallen,
und die gedanken fliegen lassen.

namaste.

© Sybille Ebner - sinn.wort.spiel. © Sybille Ebner – sinn.wort.spiel.

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