Ein Geständnis – und eine Liebeserklärung.

Ich bin ein sehr ehrlicher Mensch, und ein ebenso emotionaler –
eine manchmal schwierige Mischung.
Wieso?
Weil ich noch dazu mein Herz auf der Zunge trage und ebendieses Herz der Wahrheit und den Fakten verschrieben habe.

Nicht gerade einfach in Zeiten wie diesen, in denen Glauben und Spüren höher bewertet wird als Wissen und Fakten, und in denen jede/r meint, die eigene Meinung ist immer besser/gscheiter/toller/wichtiger als die des Gegenübers und übertrumpft sogar die Wissenschaft.

Als grundkritischer Mensch, interessiert an wissenschaftlichen Erkenntnissen und deren Auswirkungen auf unser aller Leben, tu ich mir gerade in der Yoga-Community manchmal ein wenig schwer, muss ich gestehen –
im Yoga geht es ja generell viel ums Spüren, das find ich auch richtig toll, weil es mich näher an mich selbst bringt, und das möchte ich auch gern weitergeben, weil das viele Menschen ein wenig verlernt haben, das sich-selber-Spüren, sich-selbst-Nahesein, zu erkennen, wer man eigentlich ist (oder wer man sein möchte) und dadurch ein besserer Mensch werden zu können …

aber für mich hat das alles Grenzen.

Wenn mir jemand erzählt, dass ein Kind erspüren kann, ob und welche Medizin es bekommen sollte, wenn es krank ist …
oder wenn mir jemand erklärt, die Gravitation könne es nicht geben, man spürt sie ja nicht, dafür wisse er, wie das damals mit dem Urknall war, sowas erkennt man in der Meditation, alle, die das nicht erkennen, sind noch nicht erwacht
oder wenn ich in den sozialen Medien lese, wie gerade in der Yoga-Community der Trend hin zur veganen Kinderernährung geht, zum Nicht-Impfen, zu Astrolog/innen als Ratgeber/innen, zu Flacherde-Theorien und Edelsteinen als Chakra-Reiniger, dann klappt das manchmal nicht so mit der inneren Seherin, die lächeln und einfach zusehen sollte, dann heult sie stattdessen laut auf und muss ihrem Unmut Luft machen.

Yoga ist wirklich eine tolle Sache –
Yoga entspannt Körper und Geist, kann vieles lindern und manches heilen, Yoga ist mein sicherer Hafen, mein Ich bin daheim, selbst wenn ich in einem fremden Land bin, Yoga holt mich auf den Boden zurück, wenn ich abzuheben drohe, und gibt mir die Kraft, die ich als berufstätige Mutter dreier Kinder brauche.

Doch eins ist für mich klar:
Yoga darf keine Ausrede sein, um krude Verschwörungstheorien zu verbreiten, der Wissenschaft Lebewohl zu sagen und sich selbst für einen besseren/schlaueren/tolleren Menschen zu halten, nur weil man eben Yoga macht.
Auch wenn man täglich mit Herz und Seele auf der Matte steht und meditiert, wenn man Patanjali liest und Räucherstäbchen mag, darf man weiterhin in Wissenschaftsmagazinen schmökern und Dogmen hinterfragen. Man darf trotzdem Fakten zu Dingen zeigen, die man halt einfach nicht erspüren kann (Stichwort impfen oder Urknall), und man darf sich im Krankheitsfall auch jemandem anvertrauen, der menschlichen Krankheiten und ihre Heilmethoden studiert und nicht nur erspürt hat.

Doch ein Diskurs ist meist kaum möglich:
Wissen scheint verpönt zu sein, Fakten werden einfach so geleugnet, Argumente mit einem Du bist halt noch nicht so weit vom Tisch gewischt –
und über allem, was die Wissenschaft erreicht und erforscht hat, steht plötzlich groß das, was Einzelne erspüren und als allumfassende Wahrheit verkaufen.
Schwierig.

Ich versuche jeden Menschen so zu akzeptieren, wie er oder sie eben ist –
ich erwarte das aber auch von meinem Gegenüber.
Wer öffentlich im Internet einen Aluhut trägt, muss damit rechnen, dass ihm jemand einen Spiegel vorhält –
Stichwort satya, die Wahrhaftigkeit.
(Und ja, ich weiß, es gibt verschiedene Wahrheiten für verschiedene Menschen – doch nicht für Dinge, die durch die Wissenschaft bewiesen sind, da gibt es nur eine Wahrheit, denn:
Wer etwa in der Meditation erkennt, dass die Erde eine Scheibe ist, irrt dennoch, auch wenn sich die eigene Wahrheit gut und wahr anfühlt.)

Dies soll also ein Aufruf sein:
ein Aufruf zur Rückbesinnung auf das, was unsere Vorfahren für uns erarbeitet haben, ein Aufruf zur Dankbarkeit für die Macht der Medizin, die uns ein vergleichsweise sorgloses und langes Leben beschert, ein Aufruf anzuerkennen, dass es Dinge gibt, die wir nicht wissen, und dass es eben Menschen gibt, die diese Dinge besser wissen als wir.

Es ist nicht großartig, mit Unwissen zu prahlen –
aber es ist wahre Größe zugeben zu können, etwas nicht zu wissen.
Und das ist etwas, was ich wirklich auf meiner Yogamatte erkannt habe.

#Namaste!

 

 

Yoga heißt abschalten – auch und gerade das Smartphone.

Der heutige Kinderyoga-Vormittag in einem Salzburger Kindergarten war wieder einmal super –
wir haben einen yogischen Bauernhof besucht, uns in Tiere, Bäume und Lastwägen verwandelt und dabei wie Bienen geatmet.
Alle Kinder haben begeistert mitgemacht, schon vor der ersten Einheit hab ich gehört, wie draußen einige ‚Juhu, Yoga!‘ gerufen haben. Ein Mädchen, das bisher lieber vom Rand aus zuschaute, hat sich heute sogar das erste Mal zu uns in den Kreis gesetzt und ein bisschen mityogiert.
Schön.

Auch in der letzten der vier Gruppen waren die meisten voller Freude dabei, nur ein kleiner Junge nicht, der zuerst nur auf seiner Matte lag und uns zusah –
bis er dann plötzlich ein Smartphone aus der Tasche zog und auf den Bildschirm schaute.
Ich muss gestehen: Ich war wirklich entsetzt.

Ein Smartphone? Im Kindergarten? In der Yogaeinheit?

Bei den Erwachsenen sag ich am Anfang meistens dazu, dass sie bitte das Handy draußen lassen und ausschalten sollen, immerhin kommt man ja zu Yoga, um abzuschalten –
sich selbst, aber auch alle Geräte, die uns davon abhalten, uns selbst abzuschalten.
Im Kinderyoga hab ich das noch nie gemacht, ich wär gar nicht auf die Idee gekommen, dass jemand ein Handy in der Hosentasche haben könnte.

Deshalb möcht ich heute alle Eltern bitten, die hier mitlesen:

Gebt euren Kindern kein Smartphone mit in den Kindergarten!

Euer Kind ist im Kindergarten bestens betreut, es kommt weder allein noch geht es allein nach Hause, es gibt unendlich viele Spiel- und Bastelsachen und meistens einen tollen Garten, es gibt Kinder, mit denen es spielen und sich anfreunden kann, die Pädagog/innen bemühen sich, allen Kindern bestmögliche Betreuung zukommen zu lassen und bieten abwechslungsreiches Programm, damit sich wirklich alle Kinder wohlfühlen und Spaß haben und gefördert werden können.
Ein Handy aber macht all diese Bemühungen zunichte:
Das Kind schaut natürlich dauernd auf’s Handy, weil es cool ist, eins zu haben, es wird die Sprache nicht lernen (so es dazu Bedarf gibt), weil es weniger mit den anderen spricht und spielt, die anderen Kinder sind vielleicht neidisch, weil sie entweder kein Handy haben oder es nicht mitnehmen dürfen, und spielen dann sowieso nicht mehr gern mit dem Kind, am Wichtigsten aber:
Das Kind lernt schon in so frühen Jahren eine immense Abhängigkeit von diesem technischen Gerät, das uns alle so fest im Griff hat.

Viele Erwachsene kommen in Yoga-Stunden, weil sie dort gezwungen sind, abzuschalten –
sich selbst, aber eben auch das Smartphone.
Egal wie wichtig ein Anruf vermeintlich ist, eine Status-Meldung, eine Nachricht:
Während der Yogastunde weiß man nicht mal, dass jemand anruft, weil das Handy ja ausgeschalten ist.
Und man erkennt plötzlich, dass es eigentlich nicht wichtig ist, ob man eine Statusmeldung um 18:00 oder um 19:30 liest, oder ob man mit der Freundin zehn Minuten später telefoniert.
Es ist wahnsinnig befreiend zu erkennen, dass viele der vermeintlich so wichtigen digitalen Dinge uns meist weder wirklich interessieren noch besonders wichtig sind, sondern dass uns der ständige Kontrollblick auf das Smartphone wertvolle Zeit raubt –
die wir für uns und unsere Lieben nutzen könnten.

Gönnen wir unseren Kindern doch wenigstens im Kindergarten die Freiheit, ohne elektronische Fußfessel durchs Leben zu gehen, kein Gerät in der Tasche zu haben, das sie auf Abruf hält –
lassen wir sie doch einfach Kind sein, spielen, lachen, yogieren, ohne den ständigen Blick auf ein Gerät, das sie mit vier, fünf Jahren noch nicht mal wirklich verstehen.

Denn eins ist sicher:
Im Kindergarten sind die lieben Kleinen ohnehin bestens betreut, dort braucht wirklich niemand ein Handy.

#Namaste!

 

 

Warum ich Yoga so toll finde? Sieh selbst!

Gestern war ein komischer Tag –
viel Stress, hundert Dinge zu tun, daneben Kinderlärm und laute Musik.

Das beste Mittel dagegen:
Ab auf die Matte und yogieren –
und schon sind die Nerven wieder beruhigt.

Das lieb ich so an Yoga –
und natürlich den After-Yoga-Glow!

https://www.instagram.com/p/BZQki6_jbxo/?taken-by=sibl_and_the_wheel

Happy Yoga-Tag!
<3

Vom Ziehenlassen – und wieso das immer weh tut. Und trotzdem schön ist.

Let it go
ein Schlüsselelement im Leben, und auch Yoga.
Wir hören in jeder Yogastunde, was wir alles ziehenlassen sollen, wenn wir abends im Bett liegen, denken wir darüber nach, was wir alles loslassen müssten, damit wir uns besser fühlen würden, und es gibt sogar Songs über dieses Loslassen – und zwar mehr als diesen, den ich sehr gern mag, weil ich einen Inside Flow dazu erlernen durfte:

Das Schlimme am Loslassen ist (zumindest für mich), dass man immer Dinge loslassen muss, die man gern hat –
liebgewonnene Angewohnheiten, so schlecht sie auch für einen selbst sein mögen, Gedanken, die einem wichtig erscheinen, die aber eigentlich nur vom Wesentlichen ablenken, Menschen, an denen man hängt, auch wenn man manchmal gar nicht genau weiß, wieso.

Leider kenn ich das nur allzu gut –
ich mach alles, was ich mache, zu 100 Prozent, ich stürze mich voller Elan in Freundschaften, in Backerlebnisse, in neue Hobbys, ich investiere all meine Liebe in meine Kinder, und ich hab auch Yoga so sehr verinnerlicht, dass es mir fast körperlich weh tut, wenn ich irgendwohin fahre und keine Yogamatte mitgenommen hab.

Dachgeschoss-Yoga in Bella Italia

(Was erst einmal vorgekommen ist, und ich möchte hier ein kurzes Danke an meine bessere Hälfte aussprechen:
Der Gute hat nach einigen Kilometern auf der Autobahn einfach umgedreht und ist zurückgefahren, damit ich nicht ohne Yogamatte ans Meer fahren muss. Obwohl wir schon eine Zeit lang unterwegs waren. <3

Ja, ähm, am Meer gab’s dann bloß keinen Strand in der Nähe, an dem ich hätte yogieren können, es wurde dann ein Dachzimmer mit ohne Aussicht.
Heiß war’s dort oben aber eh auch, und aus meinem Handy drang Meeresrauschen – fast wie am Meer, also.
Schön war’s trotzdem – das Meer und das Yogieren.
Und es war eine Lektion in Sachen die eigenen Erwartungen loslassen.)

Angewohnheiten oder Dinge ziehen zu lassen, das kann ich mittlerweile recht gut, auch unliebsame Gedanken, die mich auf der Matte oder abends im Bett quälen, werd ich recht schnell wieder los.

Eins jedoch werd ich wohl nie lernen:
dass ich manchmal auch Menschen ziehen lassen muss.
Menschen, die mir sehr viel bedeuten.
Menschen, die ich gern hab, die einen Platz in meinem Herzen erobert haben, den sie dann aber gar nicht haben wollen.
Menschen, die einem Freundschaft vorgaukeln, weil es ihnen zu einem gewissen Zeitpunkt gerade hilft, und die sich dann verdrücken, auf Nimmerwiedersehen.
Jede/r von uns kennt das, und uns allen tut das weh –
ganz tief innen drinnen, dort, wo niemand hinsieht, wo wir all die kleinen Nadelstiche speichern, die uns andere (oder wir selbst) im Lauf des Lebens zufügen, und deren Wunden immer dann weh tun, wenn wir eigentlich Ruhe suchen –
des Nachts, wenn wir nicht schlafen können, auf der Matte, während Savasana, allein zuhaus, mit einem Glas Wein in der Hand und einer Träne im Augenwinkel.

Aber ich sag euch eines:
Ich hab darauf keine Lust mehr!
Ich hab keine Lust mehr, darauf zu warten, dass sich Menschen bei mir melden, denen eigentlich gar nichts an mir liegt.
Ich hab auch keine Lust mehr darauf, Menschen nachzulaufen, mit meiner Freundschaft zu wedeln und zu rufen: Da, schau her, ich bin hier, nimm mich!
Das bin ich mir selber schuldig.
Denn durch all die Selbstzweifel, die uns alle so oft quälen, vergessen wir das Wichtigste:

Es gibt ohnehin Menschen, die uns gern haben, ganz ohne Hintergedanken, die für uns da sind, wenn wir sie brauchen, und nicht nur dann, wenn es ihnen gerade in den Zeitplan passt.
Manchmal sehen wir sie nicht, weil sie nicht so hell leuchten wie die Blender/innen, manchmal hören wir sie nicht, weil sie nicht so laut schreien, und manchmal vergessen wir sie, weil sie sich uns nicht aufdrängen.
Aber sie sind da –
und wir sollten ihnen unbedingt dafür danken.

Ich jedenfalls werd in Zukunft versuchen, mich weniger an Dinge oder Menschen zu klammern, die mir meinen Seelenfrieden rauben, öfter denen zu danken, die in meinem Herzen einen Fixplatz haben, und halt es mit der wunderbaren Elsa:

Let it go, let it go
And I’ll rise like the break of dawn
Let it go, let it go
That perfect girl is gone
Here I stand in the light of day
Let the storm rage on
The cold never bothered me anyway!

 

 

***

Du hast gerade diese Zeilen gelesen?

Dann lass alles stehen und liegen, nimm dir eine Minute Zeit und danke all jenen, die an deiner Seite stehen, komme, was wolle, auch wenn du manchmal vergisst, dass sie immer da sind!

<3

 

 

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Wie ich zum #Yoga gekommen bin.

Zehn Jahre sind es jetzt –
zehn Jahre, in denen Yoga eine mal kleine, mal größere Rolle in meinem Leben gespielt hat.

Begonnen hat alles während meiner zweiten Schwangerschaft:
Da hab ich das erste Mal Pilates ausprobiert, um fit zu bleiben, und weil es mit zunehmendem Bauchumfang immer schwieriger wurde, bin ich in den Yoga-Kurs gewechselt, der sehr ruhig und eher auf Meditation und sanftes Dehnen fokussiert war.
Nach der Geburt hab ich dann einiges daheim weitergemacht, mit der kleinen Maus im Arm, was sowohl sie als auch mich beruhigt und meinem Beckenboden in Rekordzeit zu alter Frische verholfen hat.
So ist es dann eine Zeit lang geblieben:
Ich hab Yoga-Kurse besucht, wenn ich gerade Lust dazu hatte, mehr oder weniger regelmäßig, hab daheim aber immer wieder mal versucht, mich an die Asanas zu erinnern, eigentlich immer dann, wenn es grad stürmische Zeiten in meinem Leben gab –
so ist das ja bei vielen Menschen.

Mein allererstes Yoga-Foto

Vor etwa drei Jahren wurden die Zeiten dann besonders stürmisch:
Meine Mutter, psychisch und physisch krank, übersiedelte von zu Hause in ein Pflegeheim Nahe Salzburg, wo ich sie (manchmal mit meinen Töchtern) natürlich recht oft besucht habe –
eine schwierige Angelegenheit, da eine Auswirkung ihrer Krankheit war, dass sie eigentlich jeden Menschen auf der Welt entsetzlich fand, allen voran ihre Tochter.

Nach Besuchen bei ihr war ich meistens völlig fertig, am Ende mit mir selbst und der Welt. Mehrere Male die Woche zu hören, wie doof und blöd man ist, macht das Leben nicht schöner –
meine Mutter nicht zu besuchen war aber auch keine Option.
Meistens hatte ich Stricksachen dabei und hab versucht, einfach nicht zuzuhören oder mit anderen Damen im Heim zu plaudern, manchmal kamen meine Kinder mit, weil sie dann abgelenkt war, manchmal aber saß ich da und musste mich wirklich zusammennehmen, um nicht laut loszuschreien.
Wieder zu Hause musste ich diesem Ärger natürlich Luft machen –
sehr zum Leidwesen meiner Familie.
So konnte es nicht weitergehen, weder für mich noch für meine Lieben.
Die Tatsache, dass meine Hochzeit bevorstand, die wir mit der Unterstützung lieber Freund/innen selber planten, machte den Stress keineswegs weniger –
und ich weiß jetzt:
So ein Hochzeitskleid in wenigen Wochen selbst zu nähen/häkeln ist auch kein Zuckerschlecken.

Also machte ich mich auf die Suche nach einem Yogastudio, das auf dem Weg zu meiner Mutter lag, und wurde auch schnell fündig –
der Beginn einer großen Liebe.
Ich legte die Besuche meiner Mutter so, dass ich direkt danach im Yogastudio einkehren konnte, und wenn das nicht klappte, rollte ich zu Hause meine Matte aus, yogierte zu einer Yoga-App oder Youtube-Videos –
und besuchte am nächsten Tag das Studio.

Eigentlich hab ich kein Wunder erwartet, aber dennoch eins erlebt:
Meine Stressanfälle wurden weniger, die teils harschen Worte meiner Mutter rückten zunehmend in den Hindergrund, es war einfacher zu erkennen, dass sie nicht aus echtem Hass so agierte, wie sie es eben tat, sondern der Krankheit wegen.
In der liebevollen Atmosphäre des Yogastudios war mein Stress schnell vergessen, kaum stand ich auf der Matte, war die Welt eine andere, auch dank all der entzückenden Yoginis, die mit mir yogierten –
und wunderbarerweise klappte das auch zu Hause, auf der heimischen Matte.

Vrksasana – toll für die Hüften

Innerhalb kürzester Zeit konnte ich mir ein Leben ohne Yoga kaum noch vorstellen, sowohl für meine geistige als auch meine körperliche Gesundheit –
denn mit jedem Lebensjahr geht es meinen Hüften weniger gut, das merk ich genau, schon ein Tag ohne Übungen für die Hüfte verschlechtert ihren Zustand enorm.

Und so geht das nun seit etwas mehr als drei Jahren ganz intensiv:
Yoga, mindestens jeden Tag, wenn nicht öfter, die Ausbildung zur Lehrerin, tägliches weiterlernen und einlesen, die Matte immer im Gepäck, egal wohin die Reise geht, und den Wunsch im Herzen, diese Liebe vollkommen undogmatisch an andere Menschen weiterzugeben –

ich will niemanden überreden, ich will nicht missionieren, keinem was aufzwingen, ich möcht nur zeigen, wie toll Yoga sein kann, auch wenn manch eine/r an der spirituellen Komponente nicht so interessiert ist, und ich möcht versuchen, ein bisschen mehr Achtsamkeit in den Alltag der Menschen zu bringen …
natürlich auch in meinen.

Einfach, weil Yoga ein tolles Werkzeug ist, mit all seinen Asanas, mit Meditation und Pranayama, ein Werkzeug, das für jede/n geeignet ist –
und ganz ehrlich:
Ihr braucht dafür weder Räucherstäbchen noch Haremshosen, das ist ein uraltes Klischee.

#Namaste!

***

Meine Mutter litt an Myotoner Dystrophie, gepaart mit einer daraus resultierenden Depression sowie einer schweren Soziophobie und einer extremen Hassliebe mir gegenüber –
kein leichtes Leben, weder für sie noch für uns als Familie.
2015 schlief sie friedlich in ihrem Lieblingssessel ein.

Ihr zu Ehren schrieb ich diesen Text, der im Adventkalender 2016 von mosaik veröffentlicht wurde.

Gehab dich wohl, wo auch immer du gerade bist.

 

 

 

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Als gäb’s nur eine Asana – die ‚Push mein Ego‘-Asana

Weil es immer wieder ein Thema ist in der yogischen Welt, und weil ich mir dazu schon vor Jahren mal Gedanken gemacht hab, poste ich heute einen etwas älteren, neu überarbeiteten Artikel von mir.
Denn:

Ich geb’s ja zu, ich hab damals meine Handgelenke überlastet.

Kein Wunder, wenn man von Ich mach hin und wieder Yoga zu Ich mach jeden Tag Yoga und unterrichte übergeht, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, wenn man täglich mehr Chaturangas macht, als man zählen kann, jeden Armbalance-Workshop besucht, den man findet.
Es ist nichts tragisches, ein Erbe meiner Großmutter mütterlicherseits, ich kenn das schon gut und weiß, wie ich damit umgehen muss –
doch auch, wenn es mich ein wenig nervt, muss ich gestehen:
Es hat mir die Augen geöffnet.

Und das kommt so:
Wenn ich morgens im Bett liege und langsam aufwache, nehme ich gern mein Smartphone zur Hand und schau mir tolle Yogafotos an.

Die hier zum Beispiel find ich großartig – Yoga am Meer, Sonnenauf- und -untergänge, wirklich toll.
Oder hier, ganz wunderbare Bilder.
Doch auf den meisten der Bilder sind Menschen zu sehen, die wie Zirkusartist/innen die schwierigsten Asanas zeigen, mit einer Leichtigkeit, die schier unglaublich ist.
Sehr oft sind es junge Frauen, deren Körper so zerbrechlich scheint, dass sich mir unweigerlich die Frage aufdrängt:
Wie machen die das nur?

Auch ich achte auf meine Handgelenke, weiß, wie ich das Gewicht verlagern muss, damit ich im down dog meine Gelenke schone, und benutze sogar manchmal einen Keil.
Aber in Asanas, wo das gesamte Gewicht des Körpers auf den Händen liegt, kann ich nur schwer meine Handgelenke entlasten, da müssen sie das Gewicht tragen –
mit ein Grund, warum ich kaum Handstand übe, sondern den Kopfstand bevorzuge.

Natürlich sind Fotos im Sonnenuntergang klasse, eine schöne Frau im knappen Bikini, ein lässiger Skorpion direkt am Meer –
keine Frage, solche Fotos sind toll!
Ein bisschen schade finde ich die Einseitigkeit dennoch:
Denn es gibt so viele tolle Yogaposen, die es wert wären, gezeigt zu werden.
Oder lustige ideen, wie man eine scheinbar einfache Pose fotografieren oder aufnehmen kann:

https://www.instagram.com/p/BJnLuTlBowp/?taken-by=sibl_and_the_wheel

Denn Yoga ist so viel mehr als reine Artistik –
und selbst Menschen, die ihr Leben lang keine extremen Umkehrhaltungen praktizieren, können dennoch von sich behaupten, gutes Yoga zu machen …
einfach, weil Yoga kein Zirkus ist.

Was an vielen artistischen Yoga-Fotos aber das Traurigste für mich ist:
Wenn das Bild an sich zwar toll ist, das Outfit top, die Frau sexy, die gezeigte Haltung aber komplett falsch, teilweise so falsch, dass sich jede/r, der sie nachmacht, verletzen könnte.
Selbst extrem durchtrainierte Yogi/nis riskieren Verletzungen, wenn sie sich nicht an die Grundregeln halten, entweder, weil sie diese nicht kennen, vielleicht auch, weil sie ihnen einfach egal sind.
Das hat für mich, gerade bei besonders gehypten Yogi/nis, auch etwas mit Verantwortung den Followern gegenüber zu tun, von denen man weiß, dass sie nachmachen, was man vorzeigt –
ich möchte nicht, dass sich jemand wehtut, weil ich so cool bin und auf die richtige Ausrichtung verzichte.

Und ganz ehrlich:
Wie oft sieht man die hippen Lifestyle-Yogi/nis meditierend auf einem Bild?
Neue Klamotten, tolle Frisur, super Location, die angesagteste Matte und eine #zerowaste-Wasserflasche –
aber Patanjali? Was ist das?

Wir dürfen eines nicht vergessen:
Yoga ist das, was in uns steckt, etwas, das wir vielleicht erst finden, mit dem wir aber sehr achtsam umgehen müssen. In jedem von uns steckt aber was anderes, nicht jede/r kann das, was wir können – und das ist vollkommen okay so.
Yoga ist ein Geschenk, das wir hüten und das wir ebenso sorgsam pflegen müssen wie den Körper, mit dem wir dieses Geschenk ausüben.
Das kann ein Handstand sein, natürlich!
Der Unterschied für mich ist nur:
Es muss kein Handstand sein –
denn besser ist es, die Asanas richtig zu beherrschen, den Körper so auszurichten, dass er nicht unter der täglichen Praxis leidet, und nicht nur Posen zu üben, die sich komisch anfühlen, damit man dann irgendwann vielleicht ein tolles Foto machen kann.

Und ich finde, das dürfen die Menschen da draußen ruhig wissen.

#Namaste!

***
https://www.instagram.com/p/BXsudXbja_8/?taken-by=sibl_and_the_wheel

An dieser Stelle möchte ich gestehen:
Ja, auch ich bin sehr aktiv in diversen sozialen Netzwerken. Als Yogalehrerin kommt man daran kaum vorbei, eine bessere und einfachere Art der Werbung gibt es nicht. Und natürlich zeig auch ich manchmal ausgefallenere Posen wie oben gezeigt –
vor allem dann, wenn ich die Haltung nach Jahren des Übens endlich schaffe.

Ich hab aber für mich selbst sehr strenge Regeln verfasst, was ich poste, und warum –
und dazu gehört vor allem:
Poste keine Asana, die du nicht exakt beherrschst, und poste niemals eine Asana, die nicht korrekt gezeigt wird.
Ich hab anfangs ganze Fotoserien vernichtet, auch wenn sie toll waren, einfach weil gewissen Details nicht gestimmt haben. Und wenn nur ein Mensch allein daheim das falsch nachmacht …
nein, da möcht ich ein ruhiges Gewissen haben.
Außerdem poste ich keine Asanas, für die man jahrelange Erfahrung braucht –
die hab ich selbst noch nicht, und das machen ohnehin alle anderen, ich zeig lieber, das Yoga etwas ist, das wirklich alle machen können, egal ob Kinder oder Schwiegermütter …
so schaut’s nämlich aus.

***
Dieser Artikel erschien in seiner Urform zuerst hier.

 

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Ich mach das jetzt auch! – oder: Die Nomaden des Yoga

Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, wie aufgeregt ich war, als ich vor Jahren mein erstes Yogawheel ausgepackt hab. Kaum hatte ich das Paket geöffnet, lief ich auch schon in den Garten, um es auszuprobieren –
und was soll ich sagen:

Es war Liebe auf den ersten Blick!

Meine ersten Wheel-Bilder

Nach Wochen der Recherche, was ich mit dem Teil eigentlich alles anstellen kann, hatte ich mich dazu durchgerungen, eins zu bestellen, und ich fand es von Anfang an genial.
Die mir früher verhassten Rückbeugen konnte ich so erlernen, ich hab auch meine Angst überwunden, in Ustrasana, dem Kamel, zu den Fersen zu greifen.
Je nach Lust und Laune kann ich auf dem Wheel entspannen oder aus der Yogapraxis ein richtig hartes Workout machen.
Und in vielen Asanas, die mir als Hüftopfer wahrlich schwer fallen, leistet mir das Wheel bis heute gute Dienste.

Ich hab Tage, wenn nicht gar Wochen und Monate, auf dem Wheel verbracht, hab geübt und recherchiert, hab jede Asana für mich auf dem Wheel erarbeitet, vor allem auch deswegen, weil es dazu bisher kaum Anleitungen gibt.
Wen wundert’s: Schließlich ist das Wheel nur in Kleingruppen für eher geübte Yogierende geeignet, und all die Fotos, die man im Internet findet, sind für mich sehr abschreckend –
außer Skorpion, Handstand und irre anstrengenden Übungen findet man da recht wenig.
Leider –
denn das Wheel ist unglaublich genial, wenn es darum geht, Yogierende zu unterstützen. Hat man sich mal an das Gefühl gewöhnt, unterstützt das Yogarad den Körper in seinen Bewegungen, es ist fast schwierig, die Wheel-Asanas nicht korrekt auszuführen, man muss anfangs nur ein wenig aufpassen, nicht umzufallen.

Als ich im Yoga Teacher Training das erste Mal vom Yogawheel gesprochen hab, haben mich alle ganz komisch angeschaut.
Yogawheel, was soll das denn sein? Das klingt ja komisch, ist das schon was Gescheites?
Ich hab es dann mal mitgenommen, und siehe da:
Alle, auch meine Ausbildnerin, fanden es toll, plötzlich verstanden alle, warum ich so verrückt nach dem Rad war, oder eher: bin.

Kaufen wollt es sich trotzdem kaum jemand, und verwenden ebenso nicht, manche hatten es sogar schon eine Zeit lang zu Hause, verwendeten es aber nie, andere haben es weiterverkauft –
und Kurse damit anbieten? Na geh bitte, wer soll denn da kommen?

Ein paar Monate später ist das Yogawheel auf einmal wahnsinnig hip.
Es gibt Wheel-Ambassadors, weil es natürlich auch Firmen gibt, die mit dem Trend verdienen wollen, es gibt plötzlich Workshops und sogar Teacher Trainings, es gibt extra Klamotten, damit man auf dem Wheel nicht rutscht, und natürlich allerhand Merchandisingartikel rund um das Yogarad.
Braucht man natürlich alles nicht, aber:
Jede/r will dabei sein und an dem Trend mitverdienen.

Wheel-Selfie

Ich geb zu, ich find das schon sehr lustig.
Ich bin sonst eher nicht so die Trendsetterin, ich mach das, was ich halt spannend find oder was mir gut tut, und ich lass mich auch nicht davon aus der Ruhe bringen, ob das grad in ist oder nicht.
Aber ich finde es schon ein wenig seltsam, dass es gerade im Yoga so viele … hm … nennen wir sie doch … Nomaden …
also dass es gerade im Yoga so viele Nomaden gibt:

Menschen, die irgendwie nicht ihren eigenen Weg gehen, sondern überall dort stehen bleiben, wo schon andere Leute stehen, und mitmachen wollen.
Genauer gesagt: Menschen, die mitverdienen wollen, und zwar nicht mit ihren eigenen Ideen, und die nach einiger Zeit eine neue heiße Liebe haben, immer gerade das, was halt alle machen.
Das betrifft gar nicht so sehr das Yogawheel, das ist vermutlich wirklich grad in Mode –
aber es ist auch im Kinderyoga so:
Kaum wussten ein paar Leute, dass ich für den Gesunden Kindergarten / die Gesunde Schule Yoga anbiete, kamen sofort Nachrichten, in denen ich gefragt wurde, wie man da als Expert/in mitmachen kann und wie viel man da verdient, teilweise von Leuten, die mir bisher immer erklärten, Kinderyoga wäre nichts für sie, weil sie mit Kindern nicht so gut können.
Warum dann ins Kinderyoga einsteigen?

Ich hab das Gefühl, jede/r will überall mitmachen und alles anbieten, solange es einen Markt dafür gibt, dann wird sich nach etwas Neuem umgeschaut –
aber ist das echt, ist das glaubwürdig, ist das Yoga?
Was ist mit den viel gepriesenen yamas und niyamas, von denen alle immer reden und schreiben –
alles vergessen, wenn es um das eigene Bankkonto geht?

Ich verbeuge mich.

Im Yoga geht es viel um Hingabe, die Hingabe zum Selbst, zum Leben, zur eigenen Praxis, auch die Hingabe zu den Menschen, die man unterrichtet, generell zu den Menschen –
ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber ich finde, Hingabe ist etwas Schwieriges, etwas, das geübt, erlernt werden muss, und etwas, das man nicht auf dutzende Dinge aufteilen kann.

Ich weiß, dass es schwierig ist, einerseits Yoga zu leben, andererseits aber auch vom Yoga leben zu können –
aber eins hab ich von all den inspirierenden Menschen gelernt, denen ich auf Instagram folge oder zu deren Youtube-Videos ich selbst praktiziere:

Erfolg hat nur, wer sich selbst treu bleibt – egal wie man diesen Erfolg definiert.

Wer plant, Kindern Yoga zu vermitteln, der sollte Kinder wirklich aus ganzem Herzen respektieren und mögen, alle Kinder, auch die lästigen, die, die stören und ein bisschen länger brauchen, bis sie merken, wie sehr ihnen Yoga helfen kann.
Wer plant, Yogakurse mit dem Wheel zu machen, sollte mehr Erfahrung haben als ein kurzes Teacher Training, gerade auf dem Wheel ist die eigene Praxis alles.
Und ganz ehrlich:
Wer Yoga unterrichten möchte, der sollte sich generell im Klaren darüber sein, dass ein Teacher Training allein nicht hilft, nichts ersetzt die eigene tägliche Praxis, die einsamen Stunden auf der Matte, das Lernen und Üben und Studieren, auch wenn das Teacher Training schon vorbei ist –
der Gesundheit der Menschen zuliebe.

Ich bin überzeugt davon, dass wir immer nur in dem gut sein werden, was wir wirklich wollen, was aus uns kommt und was wir mit echter Hingabe machen –
alles andere ist nur ein Abklatsch dessen, was andere tun, etwas, das wir kopieren wollen, es aber im seltensten Fall schaffen.
Das ist nicht nur im Yoga so, sondern betrifft das ganze Leben –
wie oft hab ich mir etwa sagen lassen müssen, dass meine Art zu schreiben niemandem gefällt, ich soll es lieber gleich lassen –
was ich niemals geschafft hätte, weil schreiben für mich ein immens wichtiger Teil meines Lebens ist.
Und heute, knapp zehn Jahre später, zeigt mir dir Anzahl meiner mittlerweile täglichen Leser/innen: Gut, dass ich weitergemacht hab, dass ich geübt und geschrieben hab, denn es ist wirklich erfüllend, zu schreiben, Menschen damit zu bewegen, sich gesellschaftspolitisch zu engagieren.

Also lass dich nicht von Modeströmungen und Trendsetter/innen beeinflussen, schau einfach tief in dich hinein, was es ist, das dich wirklich bewegt –
und folge diesem Pfad.
Folge ihm, solange es dir gut tut, egal was andere Menschen sagen, und versuche, aus deinen eigenen Fehlern und Schwächen zu lernen, um immer besser zu werden.
(Und ja, dafür braucht man auch manchmal Menschen, die einem jene Fehler und Schwächen zeigen, die man gern vor sich selbst verheimlicht.)

Nur dann bist du authentisch, nur dann kannst du wahres Glück finden –
und im allerbesten Fall sogar deine Miete bezahlen.

#Namaste!

 

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Ist bio und öko wirklich immer die bessere Wahl?

Die Reaktionen auf meinen Beauty-Artikel letztens waren ein Hit –
danke sehr!
Ich hab sehr viele sehr nette Zuschriften bekommen, einerseits von Menschen, die sich für Ideen bedankt haben, andererseits von Leuten, die neue Ideen eingebracht haben, und manch eine/r wollte einfach nur danke sagen –
ich hab mich über jede einzelne Nachricht sehr gefreut!
Zu einem anderen Artikel wiederum hab ich sehr durchwachsene Reaktionen bekommen –
auch, weil ich darin die vegane Lebensweise ein wenig kritisiere, das kommt nie gut an, das weiß ich schon. Nötig ist es manchmal aber trotzdem.

Doch gerade wegen des großen, nicht nur positiven Feedbacks auf die beiden Artikel hab ich angefangen, weiter nachzudenken und zu recherchieren.
Und nach und nach wird klar:
Bio und öko ist nicht immer die bessere Wahl.

Ausschlaggebend für meine Gedanken waren die Bambus-Zahnbürsten, die ich wirklich sehr gern mag, weil sie eben nicht aus Plastik sind, weil sie in den Bio-Müll geworfen werden dürfen, und weil sie mir (zugegeben) ein recht gutes Gewissen machen, genauer gesagt die Firma, die neben Zahnbürsten nun auch Toilettenpapier aus Bambus anbietet –
genauer betrachtet aber sind diese Teile ebenso wie das Klopapier der helle Wahnsinn:
Immerhin werden sie vom anderen Ende der Welt zu uns geflogen, nachdem das Rohmaterial in China verarbeitet wurde. Nix mit ‚Kauf im Ort, fahr nicht fort‘, ganz im Gegenteil:
Die Flugkilometer dieser Zahnbürsten zerstören komplett meinen ökologischen Fußabdruck, ebenso das Toilettenpapier.
Ob es da nicht besser ist, österreichisches Recycling-Papier für das heimische Klo zu kaufen, das zwar in Plastik verpackt ist, weil die rauen Fasern Papierverpackungen zerstören, das aber nicht um die halbe Welt reist –
plus: Diese Plastikverpackung landet weder im Meer noch in der Natur, sondern wird entsorgt, wie in Österreich üblich, und schädigt somit die Umwelt weniger als vermeintliches Bio-Bambus-Papier ‚Made in China‘.

Das mit dem Bio-Label ist ohnehin so eine Sache:
Die Bio-Avocados, die viele Menschen (inklusive mir) so lieben, sind vom Umweltstandpunkt her ein Graus
durch den vegetarischen/veganen Lebenstil vieler Menschen hat sich der pro Kopf-Verbrauch mehr als verdreifacht, die Folgen davon sind für die Umwelt fatal.
Zitat aus dem verlinkten Artikel:
Durchschnittlich verbraucht ein Kilogramm Avocados 1000 Liter (Wasser). Zum Vergleich: Ein Kilogramm Tomaten kommt auf 180 Liter. Eine Avocado wiegt durchschnittlich 400 Gramm. Das heißt: 1000 Liter Wasser für zweieinhalb Avocados. Und das in Regionen, wo es so schon wenig Wasser gibt.
Doch damit nicht genug:
Im Normalfall (kommt die Avocado) jedoch aus Brasilien, Chile, Südafrika oder Peru. Während der gesamten Reise lagert die Butterfrucht, gut gepolstert, in einem strombetriebenen Container, in dem neben der Temperatur auch die Luftfeuchtigkeit und die CO2-Konzentration kontrolliert werden. Bei Nature’s Pride, einem der größten Avocado-Erzeuger, kommt sie außerdem noch in eine Reifekammer.

Wow.
Sogar Greenpeace warnt vor den Folgen des zu hohen Avocado-Konsums.
Wer also anstelle eines heimischen Bio-Wurstsemmerls einen hippen Avocado-Tofu-Snack verspeist, tut der Welt nichts Gutes, ganz im Gegenteil, so zerstören wir Wälder und damit auch Tiere. Nix mit achtsamer Genuss also.
Schreckliche Nachrichten für Menschen wie mich, die Avocados lieben …
aber dennoch:
Seit ich das weiß, greif ich im Bio-Supermarkt nicht mehr zu den essfertigen Avocados, sondern vermehrt zu Gemüse, das in Österreich gerade Saison hat.

Auch die Waschnüsse, die ich wirklich liebe, werde ich nicht mehr so oft nachkaufen.
Wieso?
Weil die Nüsse, die aus Indien stammen, durch den Bio-Boom bei uns für die Inder/innen so teuer geworden sind, dass die Menschen sich dort nicht mehr leisten können, damit ihre Wäsche zu waschen.
Dass die Inder/innen das nicht mehr tun, weil die meisten ohnehin Waschmaschinen besitzen, tut hier wenig zur Sache, denn auch die Waschnüsse haben einen zu weiten Weg hinter sich.
Wenn ich mir also meine Lieblings-Biohaarseife kaufe, von Hand hergestellt in Wien, in Papier verpackt und CO2-neutral mit der Post zu mir geschickt, dann ist das für den Planeten gesehen um ein Vielfaches besser.
Auch der Wascherde aus Frankreich, die so genial zum Duschen und Haarewaschen ist, werd ich den Vorzug geben und dafür die Waschnüsse von meiner Einkaufsliste streichen, so gern ich sie hab.

Es gibt dutzende Dinge, die vor allem Vegetarier/innen, Veganer/innen und Bio-Fetischist/innen wie ich gern als Ersatz für vermeintlich schlechtes kaufen, die bei näherer Betrachtung aber keineswegs besser sind.
Der Umstand allein, dass kein Tier leiden soll, reicht nicht, weil das ohnehin Augenauswischerei ist –
die Tatsache, dass der Klimawandel so schnell voran schreitet, sollte uns jedoch alle zum Nachdenken anregen.

Um das ganze aber noch komplizierter zu machen:
Wer meint, mit heimischen Produkten immer richtig zu liegen, irrt nämlich ebenso.
Bestes Beispiel: Äpfel.
Fast jede/r von uns greift zu den heimischen, das muss aber nicht unbedingt besser für’s Klima sein.
Hier ist gut beschrieben, warum ein Apfel aus Übersee nicht wirklich schlechter für unser Klima sein muss als ein Apfel aus der Heimat.
Im Winter, wenn heimische Äpfel in großen Kühlhäusern gelagert werden, ist so ein österreichisches/deutsches Apferl sogar schlechter als die Avocado aus Mexiko.
Es ist zum Davonlaufen.

Seit ich soviel recherchiert hab, steht für mich eines fest:
Lokal, regional und saisonal werd ich in Zukunft den Vorzug geben, immerhin hab ich Kinder, denen ich eine möglichst intakte Welt hinterlassen möchte. Das wird nur so funktionieren –

und wenn möglichst viele Menschen mitmachen, denn (Zitat):
Wer einerseits den Klimawandel verhindern, andererseits aber nicht auf frisches Obst verzichten will, kann im Frühjahr ruhigen Gewissens Obst von der Südhalbkugel kaufen. Um die Sünde wettzumachen, reicht es schon, statt mit dem Auto mit dem Fahrrad zum Supermarkt zu fahren. 

Ich werde weiterhin lieber Omas Bio-Äpfel essen, ich werde auf Kokoswasser verzichten, weil es super Wasser aus Österreich gibt (oder wer mag: Birkenwasser etwa, das hat keine lange Reise hinter sich), ich kauf keine Sachen mehr, die es auch ‚Made in Austria/Europe‘ gibt, und ich verzichte auf Dinge, die mir nur ein gutes Gewissen machen, im Endeffekt für unseren Planeten aber tödlich sind.

Wir alle möchten etwas Gutes tun.
Und jede/r von uns tut es auf die eigene Weise.
Ich glaub mittlerweile aber, dass es mit einer Entscheidung nicht getan ist –
wir müssen uns jedes Mal, wenn wir etwas kaufen, neu überlegen, ob es das ist, was wir wollen, was wir brauchen, und was die Welt retten wird …
denn darauf wird es im Endeffekt hinauslaufen.

Machen wir das gemeinsam, ja?

#Namaste!

***

Nachtrag 1: Wer sich für das Thema interessiert, lese sich bitte ein, Google ist voller Informationen –
es ist wahrlich unglaublich, was man für das gute Gewissen alles macht, das aber keineswegs gut ist. Dieses Wissen macht das Leben nicht einfacher, nein, unseren Planeten aber vielleicht ein Stückweit besser –
und nur darum geht’s.
Nicht um das eigene Gewissen, für das wir keine Tiere essen, nicht um das eigene Gewissen, für das wir Waschnüsse verwenden –
es geht nur darum, wie wir diesen Planeten unseren Kindern übergeben. Nur darum.
Denn das sollte unser aller Ziel sein: die Erde lebenswert erhalten.

Nachtrag 2: Ich hab bezüglich der CO2-Emissionen der Bambus-Zahnbürsten zwar nachgefragt, bisher aber keine Stellungnahme der Herstellerfirmen erhalten. Wenn ich was erfahre, trag ich es nach.

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Wann wird die Yogablase platzen?

Der Sommer hat seinen Höhepunkt erreicht, langsam trudeln die Menschen wieder aus ihren Sommerurlauben ein, und auch ich widme mich wieder vermehrt meinen yogischen Pflichten –
ich erarbeite neue Stundenbilder fürs Kinderyoga, tüftle an Stunden für die Senior/innen und an weiteren Ideen für Workshops mit dem Yogawheel, und bin rundum zufrieden.
Mein Email-Postfach zeigt mir, dass auch andere Yogis und Yoginis wieder aktiv werden, dass es neue Kurse und Workshops gibt –
und zu meiner Überraschung auch massenhaft Ausbildungen.

SUP-Yogalehrerin könnt ich werden, extra Kinder-Yogalehrerin und Wheel-Yogalehrerin, natürlich werden auch sämtliche Yoga-Richtungen angeboten, die man sich nur vorstellen kann, außerdem Ausbildungen zur Meditationstrainerin, Tier-Yogalehrerin wurde mir nahegelegt, reine Pranayama-Lehrausbildungen gibt es, Yoga-Lehrgänge für die Psychohygiene, eigene Ausbildungen für Yoga und (man setze ein, was die Fantasie so hergibt), natürlich auch Ausbildungen zu allen Yoga-Stilen, die jemand selbst erdacht hat  –
und mit Sicherheit noch etliches mehr.

Jede dieser Ausbildungen kostet eine Stange Geld, und alle Ausbildungen haben eines gemeinsam:

Sie werfen pro Lehrgang um die zwanzig Yogalehrer/innen auf den Markt, von denen etwa die Hälfte auch wirklich unterrichten möchte – pro Ausbildungslehrgang, nicht pro Jahr, wohl gemerkt.

Viele dieser Menschen, die in Salzburg ihre Ausbildung gemacht haben, durfte ich im Co-WorkingStudio kennenlernen, weil sie einen Ort suchen, an dem sie unterrichten können –
sich als Anfänger/in in einem etablierten Studio einzumieten, ist oft kaum leistbar, vor allem, wenn man noch keinen festen Kund/innenstamm hat.

Nachdem ich aber immer noch Nachrichten von frisch gebackenen Yogalehrer/innen bekomme, die sich bei mir einmieten möchten (obwohl es das Co-Working-Studio nicht mehr gibt, man findet es aber nach wie vor im Internet), und nachdem sich die Zahl der angebotenen Ausbildungen in den letzten Monaten scheinbar vervielfacht hat, frag ich mich:
Wann wird die Yogablase platzen?

In einem Artikel hab ich letztens gelesen, dass Yogastudios heutzutage Ausbildungslehrgänge brauchen, um zu überleben, weil die wöchentlichen Kund/innen ausbleiben –
doch da frag ich mich:
Wenn allein in Salzburg jedes Jahr etwa 60 neue Yogalehrer/innen auf den Markt drängen, von denen die Hälfte unterrichten möchte, wie lange kann das weitergehen?
Irgendwann kommt auf jeden Menschen in Salzburg ein/e Yogalehrer/in, es ist allerdings keineswegs so, dass alle Einwohner/innen Yoga praktizieren wollen, und viele der frisch ausgebildeten Yogalehrer/innen (wie ich etwa) besuchen dann auch keine Kurse mehr, weil sie selbst unterrichten oder hauptsächlich alleine yogieren …
machen wir uns mit diesem System also selber den Markt kaputt?

Ich für meinen Teil bin sehr froh, im Kinder- und Senior/innen-Yoga eine tolle Aufgabe gefunden zu haben und nicht täglich um Kund/innen buhlen zu müssen, weil ich weiß, wie schwer das ist und wie furchtbar es sein kann, wenn die Yogi/nis ausbleiben –
wie soll man Fremde dazu überreden, zum Yoga zu kommen, wenn es nicht mal im eigenen Freundeskreis einfach ist?
Ich freu mich natürlich wieder auf meine wöchentlichen Kurse und Workshops, aber ich weiß auch:
Das Angebot an Yogalehrenden ist unglaublich riesig, fast unüberschaubar, dabei ist Salzburg gar nicht besonders groß –
und es werden nicht weniger, ganz im Gegenteil.

Ich versteh ja beide Seiten:
einerseits die Studios, die Geld verdienen wollen/müssen, andererseits die Menschen, die diese Ausbildungen besuchen –
aber ich weiß auch, dass viele Menschen die Ausbildung für sich selbst machen, weil sie eigentlich gar nicht unterrichten möchten.
Wäre es nicht besser, Lehrgangsabschlüsse aufzuteilen in ‚Lehrzertifikat‚ und ‚Erfolgreich teilgenommen‚?
Jemand wie ich, der das Teacher Training anfangs für sich machen möchte und dann doch ins Unterrichten hineinfällt, weil der Weg eben dorthin führt, der könnte ja die Prüfung nachmachen –

denn auch wenn es in Yogakreisen oft als unyogisch gilt, Prüfungen abzulegen:
Wenn es so viele Menschen gibt, die Yoga unterrichten möchten, dann sollte so eine Ausbildung auch sicherstellen, dass die Teilnehmer/innen das danach auch wirklich können, dass sie selbst Yoga praktizieren, dass sie sich klar darüber sind, dass sie mit Menschen und deren Gesundheit arbeiten, eine verantwortungsvolle Aufgabe, die viel Wissen erfordert (was ich immer wieder bemerke, wenn ich vor Yogierenden stehe und sehe: Die meisten sind hier, weil sie ein gesundheitliches Problem haben, kaum jemand kommt, weil es ihm oder ihr so gut geht).

Natürlich eignet man sich dieses Wissen aus Büchern, in Workshops und Weiterbildungen an, aber auch und vor allem in der eigenen Praxis. Wer nicht täglich auf der heimischen Matte steht, dem helfen auch Dutzende Ausbildungen nicht weiter –
die man sich vor allem auch kaum leisten kann, wenn die Kund/innen ausbleiben …
ein Teufelskreis.

Und die eigentliche Frage bleibt weiterhin:
Wann wird die Yogablase platzen?
Denn platzen wird sie, so viel steht fest –
vielleicht könnten wir dem entgegenwirken, würden wir zusammenhalten und gemeinsam Strategien entwickeln, wie und womit wir die Kund/innen ansprechen …
zum Beispiel, indem nicht jede/r Lehrende und jedes Studio alles anbietet, was es so gibt (was auch die Kund/innen verwirrt), sondern wenn sich jede/r spezialisiert und den anderen gönnt, sich ebenfalls zu spezialisieren.
Es ist vermutlich auch nicht notwendig, mit immer abgefahreneren Yoga-Ideen Kund/innen anzulocken –
auch wenn in Amerika Yoga mit Tequila, Bier, Ziegen, Seifenblasen oder bei 45 Grad boomt.

Aber eins hab ich schon gelernt:
In der Yogaphilosophie lernen wir zwar von aparigraha, einem der fünf Yamas nach Patanjali, das mit Nicht-Besitzen-Wollen, Nicht-Gierig-Sein, Unbestechlichkeit, Zufrieden sein übersetzt wird –
doch das gilt meistens nur für die anderen.

#Namaste

*
Dieser Artikel wurde überarbeitet. (2019)

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Ich hab ein Experiment gemacht … und niemand hat es bemerkt. Toll!

Ich hab schon immer einen leichten Öko-Fimmel gehabt –
aber in den letzten Jahren wurde der immer größer. Das hat unter anderem mit wachsender Achtsamkeit durch Yoga und Meditation zu tun –
vor allem aber mit der Tatsache, dass wir durch die sozialen Medien und das Internet immer mehr Informationen darüber haben, was wir unserem Planeten mit unseren Gewohnheiten eigentlich antun.
(Spoiler: Es ist wenig Gutes dabei.)

Also hab ich vor etwa einem Jahr beschlossen, meine Gewohnheiten zu ändern und vor allem im Badezimmer damit zu beginnen, weil dort immer am meisten Plastik und Chemie herumsteht –
nicht auf einen Schlag, sondern nach und nach, damit sich auch meine Familie an die Veränderungen gewöhnen kann.
An sich ist das jetzt nichts besonderes, das ist mir klar, viele Menschen ändern aufgrund der Dinge, die auf unserem Planeten passieren, ihre Lebensweise und versuchen, achtsamer mit den Dingen umzugehen –
aber ich möchte trotzdem darüber berichten, und zwar wegen der vielen Menschen, die damals meinten, mir ins Gewissen reden zu müssen.

Ich würde ganz sicher stinken, wenn ich auf Naturkosmetik umsteige, alle Ökos stinken, und ich würde die unzähligen Duschgelflaschen und Shampoos vermissen, und natürlich die Kaffees, die ich mir gerne unterwegs hole, die aber immer in Papp- oder Plastikbechern daherkommen und auch noch mit Plastikstrohhalm serviert werden und die ich deshalb nicht mehr kaufen kann, oh und die Badesalze, die ich im Winter so liebe, die kann ich dann leider auch nicht mehr verwenden, außerdem werde ich ganz sicher um Jahre älter aussehen, weil ich so viele graue Haare bekommen werde (und färben darf ich ja nicht mehr), und die Zähne werden mir alle ausfallen, weil ich mir ja keine Zahnbürsten mehr kaufen kann. Überall werd ich Haare haben, weil ich mich ja nicht mehr rasieren kann, und meine Haut! Um Himmels willen, meine Haut! Cremes sind immer in Plastikdöschen verpackt, wie werde ich mich denn einschmieren im Winter? Und was mach ich gegen Pickel?

Jedes Mal, wenn ich mit jemandem gesprochen und erwähnt habe, dass ich gern vor allem in Sachen Kosmetik ein bissl umdenken möchte, kamen solche Aussagen. Also hab ich zu manchen Leuten nichts mehr gesagt und einfach damit begonnen.

Und weil Achtsamkeit nicht nur damit zu tun hat, achtsam mit uns selbst umzugehen, sondern mit allem rund um uns, schreib ich heute, das allererste Mal, einen Beauty-Beitrag inklusive Werbung (ich kann es eh selber kaum glauben) –
es ist nämlich wirklich leicht, Plastik und Geld zu sparen und sich dabei trotzdem gut zu fühlen …
in meinem Fall bedeutet das: sauber, frisch, gepflegt und geschmiert.

Als erstes haben wir die Kapsel-Kaffeemaschine gegen einen tollen Vollautomaten ersetzt –
der steht zwar nicht im Badezimmer, aber wenn drei Kaffeetrinker/innen im Haushalt leben, sind die Kapseln erstens extrem teuer und produzieren zweitens eine immense Menge an Müll. Mittlerweile trinken wir weitaus wohlschmeckenderen Fairtrade-Kaffe nur minimal Müll produziert, weil die Reste entweder auf den Kompost, ins Hochbeet oder in die Öl-Peeling-Mischung wandern.

Dann wurden die Plastikzahnbürsten aus dem Badezimmer verbannt. Die ganze Familie und alle unsere Gäste mussten auf Bambus-Zahnbürsten umsteigen, die man nach dem Gebrauch im Biomüll entsorgen kann – und sogar die Zahnpasta kommt ohne Plastik aus (und reicht dreimal so lang wie herkömmliche).
Lustigerweise sind die Bambus-Zahnbürsten im Mund aber so angenehm, dass sich alle auf’s Zähneputzen freuen und sogar meine Schwiegermama alle paar Monate eine Bestellung aufgibt –
diese Umstellung ist keinem von uns schwergefallen.
(Und ja, wir benutzen alle auch eine elektrische Zahnbürste, die natürlich Plastikteile enthält – die Mundhygiene meiner Familie ist mir sehr wichtig, und wir schmeißen die elektrische Zahnbürste ja nicht alle paar Wochen weg.)
Ich hab noch alle Zähne, ich stinke nicht, meine Zähne sind auch nicht gelb und voller Beläge – ein Wunder.
Auf dem Bild sieht man auch ein Sammelsurium an Seifen – denn Flüssigseife findet man nur in kleinen Plastikbehältern. Alle Reststücke wandern daher auf die Muschelschale und werden zum Hände waschen benutzt – wir haben also auch keine Schmutzränder unter den Fingernägeln.

Links im Bild: meine Alepposeife und die wunderbare Salzseife, die für Gesicht, Körper, Haare und Zähne geeignet ist (und in Papier verpackt geliefert wird). Ich brauch nämlich auch zum Abschminken nix Chemisches mehr aus einer Plastikflasche, die nach fünfmal benutzen leer ist, sondern ich wende die so genannte Oil Cleansing Methode an, gepaart mit einer der beiden Seifen – und war wohl noch nie zuvor so pickelfrei wie jetzt. (Hätte mir das bloß jemand in meiner Jugend verraten!)
Keine Spur von schlechter Haut, ganz im Gegenteil: Meine Haut freut sich offensichtlich darüber, nicht mehr mit Chemie vollgepumpt zu werden.
Zum Abschminken nehm ich übrigens selbst gemachte Wattepads – die sind waschbar und aus Garnresten gehäkelt. Ziemlich super und schnell gemacht.
Und sparen massig Müll, wenn man sich, wie ich, jeden Abend abschminkt.

Und nach der Reinigung?
Kommt die Pflege, eh klar –
aber auch hier: möglichst Chemie- und Plastikfrei.
Erst durch meine Recherche, was ich denn anstelle diverser Cremes in Plastikdosen verwenden könnte, hab ich herausgefunden, dass so genannte Trockenöle das Beste bei Mischhaut sind, dass ich weniger Pickel bekomme, auch keine Falten, und dass ich wirklich Unmengen an Geld spare. Mit so einer Flasche Kokos- oder Olivenöl kommt man echt lange aus, und selbst die teureren, weil besonderen Öle halten ewig.
Im Winter mit ein wenig Sheabutter gemischt, im Sommer mit einem Tropfen Pfefferminzöl – perfekt.
Mit dieser geballten Pflegekraft kann keine Creme mithalten, die ich je gekauft habe – und ich weiß genau, was drin ist.
Außerdem eignen sich die Öle auch für den ganzen Körper (auch als After Sun etwa) und je nach Sorte für alle Bedürfnisse in der Familie.

Danach ging es meiner Flaschensammlung in der Dusche an den Kragen –
ich hab seit mehreren Monaten für’s Badezimmer nichts mehr in kleinen Plastikflaschen gekauft. Nur die 1,5 Liter Apfelessig sind in einer Plastikflasche – und zwar deswegen. Glas ist nicht immer besser als Plastik, gerade in Österreich nicht.
(Einzige Ausnahme: Sonnencreme. Ich hab noch keine gefunden, die nicht in Plastik verkauft wird – meine Kinder und mich selbst vor allem am Meer oder auf den Bergen  nicht einzucremen, kommt aber nicht in Frage. Wer Tipps hat: Ich freu mich drüber. Und nein, Kokosöl mit weniger Lichtschutzfaktor als Nutella ist keine Option.)

Das Problem an den Shampoos und Duschgels sind aber auch die Inhaltsstoffe, die etwa Lotionen flüssig halten und vor dem Schimmeln bewahren sollen, oder das Mikroplastik, das aus unerfindlichen Gründen überall versteckt ist – nichts davon möchte ich auf meiner Haut oder der meiner Kinder.

Zum Duschen verwenden meine Töchter und ich mittlerweile nur mehr Naturseifen (etwa von hier oder hier oder hier) –
die gibt es in allen Variationen, stark überfettet für trockene und empfindliche Haut, oder intensiv reinigend und sogar als Peeling, wenn man das möchte. Fast immer sind sie in Papier oder praktische Säckchen verpackt, die man gleich zum Duschen verwenden kann, und sie duften toll!
Sogar zum Rasieren hab ich ein Waschstück gefunden.
Und wenn ich aus der Dusche komme, benutze ich ein Natur-Deo, das so gut wirkt, dass noch keiner bemerkt hat, dass irgendetwas anders ist. Ich stinke also wirklich nicht und mir wächst auch kein Fell.

Wunderbarerweise gibt es auch Haarseifen, etwas, wovon ich schon oft gehört, das ich aber noch probiert hab, einfach weil ich es komisch fand, mir meine vom langen Bleichen kaputten Haare mit Seife zu waschen.
Nur mit Wasser wollte ich mir die Haare aber auch nicht waschen, also hab ich irgendwann doch diese Haarseife ausprobiert –
und seitdem schon dreimal nachbestellt:
Haare waschen, mit kaltem Wasser und manchmal Apfelessig nachspülen, in die feuchten Haare ein bisschen Klettenwurzel- oder Rizinusöl, fertig. Sogar die Kleinen lieben diese Haarseife.
Ich hab ein bissl einen Vogel mit meinen Haaren, nach zwanzig Jahren chemischer Farbe und viel zu viel silikonhaltigen Haarmitteln waren die echt am Ende, ohne Haarprodukte aller Art hab ich mich kaum außer Haus getraut. Ständig hab ich irgendwelche Beautybloggerinnen gesehen, die davon geschwafelt haben, dass sie jetzt no’Poo gehen, hab das zwar bewundert, aber auch für a bissl irre gehalten, und im Hinterkopf hab ich immer die Stimmen diverser Friseur/innen gehört, die mir zugeflüstert haben:

Haare wäscht man nur mit Shampoo, sonst sind sie grauslich, du musst das und das kaufen, dann werden sie schön, und das natürlich auch, und wehe, du wendest das nicht an
aber gestimmt hat es nie.
Gestern abend hab ich auf Empfehlung meine Haare übrigens mit selbst gekochtem Waschnuss-Rosmarin-Shampoo gewaschen –
genial, sag ich euch. Quietschsauber, gepflegt, glänzend –
und das um ca. fünfzehn Cent. Wenn überhaupt.
(Das werd ich sicher wiederholen.)
Bemerkt hat die Umstellung übrigens niemand, ich stinke nicht und hab keine fettigen Haare, ganz im Gegenteil, denn:

Seit der Umstellung auf Natur merk ich einen riesigen Unterschied. Meine Haare fühlen sich dicker an, gesünder, wachsen schneller, müssen weniger oft gewaschen werden.
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal in der Früh außer Haus gegangen bin, ohne langwierig meine Haare zu stylen.
Stylingprodukte verwend ich jetzt aber gar nicht mehr, überhaupt keine. Auch keine Pflegespülungen oder sowas. Gefärbt hab ich letztens übrigens schon, mit Hennapulver, ist super geworden, graue Haare weg, Farbe toll, und gesund ist es auch noch.
Wenn jemand was bemerkt, dann eher, dass es gut ausschaut und sich gesund anfühlt –
aber ich hab weder Haarausfall noch vor Fett triefende Haare. Und wenn sie doch einmal am Ansatz ein wenig fettig sind, benutz ich Heilerde als Trockenshampooersatz –
gesund, günstig, leicht anzuwenden, und kaufen kann ich’s im Karton.
Als ich letztens auf einer Hochzeit war und meine Hochsteckfrisur fixieren wollt, hab ich ein wenig Honig mit warmem Wasser gemischt und wie Haarspray benutzt – wunderbar, und so duftig!

Was werd ich aber im nächsten Winter tun, als riesengroßer Badewannen-Fan?
Ich werd zu meiner Badewannen-Bar greifen und mir ein Genussbad einlassen –
mit Seifenraspeln aus Seifenresten, Meersalz, Milchpulver, Lavendelblüten und Kokosöl, alles aus Glas- oder Kartonverpackungen …

und den Rest aus der Flasche rechts, Kräutersalz für die Badewanne aus Rumänien, die noch aus Plastik ist, aber vor dem Entsorgen natürlich verbraucht wird.

Komisch, irgendwie. Vor allem komisch, dass ich mittlerweile so wenige Plastikflaschen in meinem Bad stehen hab. Und je mehr ich nachdenke, was ich alles verbannen könnt, umso mehr fällt auf, wie sehr man sich eigentlich auf natürliche Dinge rückbesinnen kann –
und wie wenige Dinge man eigentlich wirklich braucht.
Denn mit der Abkehr von all den Kosmetikartikeln, die in Plastik verpackt verkauft werden, kam auch die Einsicht, dass ich vieles davon einfach nicht brauche.
Ich benutze gern Kosmetikartikel, das geb ich zu  –
aber brauch ich wirklich fünf Lippenstifte, sieben Duschgels, und für jeden Körperteil eine eigene Lotion, alles in kleinen Plastikflaschen und voller Inhaltsstoffe, die ich nicht mal kenn?

Minimalismus heißt das Zauberwort –
das ist wirklich befreiend und irrsinnig angenehm.

All jene, die mich vor den schlimmen Sachen gewarnt haben, haben nix bemerkt und hatten auch nicht recht, nicht mal ansatzweise –
es fühlt sich großartig an zu wissen, was man benutzt, vor allem wenn man weiß, dass die Haut alles aufnimmt, was wir draufschmieren.
Wer wie ich also nicht komplett auf Kosmetik verzichten möchte, dem sei gesagt:
Es geht ganz leicht, man muss nur wollen –
und man braucht auch keine Angst haben:

Es wird kein stinken geben, keinen Haarausfall, keine Haare auf dem Körper (außer man mag die), die Zähne werden heil bleiben, man kann trotzdem jeden Abend mit einem anderen Duft duschen, so man das möchte –

und man kann weiterhin in einem feinen Café einen Kaffee zum Mitnehmen ordern, oder einen Smoothie oder einfach Wasser.
So ein Bambusbecher lässt sich nämlich sehr einfach in der Handtasche oder dem Rucksack verstauen und nahezu überall befüllen, auch im Urlaub eine tolle Option.
Gepaart mit einem waschbaren Strohhalm aus Aluminium ist man dann mindestens so cool wie all jene, die einen Plastikbecher in der Hand tragen –
weiß aber, dass man dem Planeten etwas Gutes tut.

Und jetzt?
Jetzt werd ich das Experiment auf das restliche Haus ausdehnen.
In der Küche bin ich schon gut dabei, auch wenn es schwer ist, müllvermeidend einzukaufen –
aber ich hab hier im Haushalt wirklich tolle Helfer/innen, das klappt bestimmt.

Wenn ihr Tipps habt –
ich freu mich drüber:

Weil wir nur diesen einen Planeten haben.
#SaveThePlanet!

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