Die Ruhe nach dem Sturm. Oder davor?

Vor zehn Minuten lag ich noch in Savasana auf meiner Yogamatte und hab versucht, mein Gedankenkarussell zu stoppen –
aber das wollte heute partout nicht klappen.

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel

Immer wieder kehrte mein monkey mind zu irgendwelchen Themen zurück, die mir momentan am Herzen liegen.
Und wie so oft war es auch heute das eine Thema, das mich besonders gefangenhält:
meine mir eigene Art, den Menschen rund um mich die Wahrheit zu sagen.
Meistens versuch ich es sehr liebevoll, meistens mit wirklich guter Absicht, und am allermeisten passiert es einfach, ohne dass ich es wirklich kontrollieren kann:
Die Wahrheit sprudelt nur so aus mir heraus.

Ich vergreif mich zwar nur sehr selten im Tonfall und mein es wirklich immer gut –
aber das ändert nichts an der Tatsache, dass die meisten Menschen die Wahrheit nicht hören wollen, nicht einmal, wenn sie explizit danach fragen.
(Das ist etwas, das ich wohl nie verstehen werde –
Warum fragen sie dann?)

Es gibt aber so Fälle, in denen kann ich mich einfach nicht beherrschen –
wenn mir zum Beispiel jemand ständig erzählt, wie schlecht es ihm geht, sich aber keineswegs darum bemüht, etwas an seiner Situation zu ändern.
Wenn mir jemand ständig damit in den Ohren liegt, dass ich ihm helfen soll, meine Hilfe aber jedesmal ablehnt.
Oder wenn mir Freund/innen Tag und Nacht erzählen, wir schrecklich ihre Beziehung ist, diese aber Jahr um Jahr fortführen.

Da überholt mein Mund manchmal meinen Kopf, ohne dass ich es wirklich steuern kann.

Ich hab auf der Yogamatte sehr viel über mich gelernt, auch zu akzeptieren, dass man Menschen eben nicht retten kann, dass es meistens nicht mal sinnvoll ist, es zu versuchen, und dass meine manchmal extreme Ehrlichkeit wohl auch mit meiner Kindheit zu tun hat.
Denn:
Ich war ein furchtbares Kind.

Ich war laut, lästig, ich hab gelogen und meiner Familie wohl nicht nur einmal das Leben zur Hölle gemacht.
Klar, man könnte jetzt sagen, meine Eltern hätten mich besser erziehen sollen, das ist wohl auch ein bisschen wahr, aber als dreifache Mutter hab ich mittlerweile gelernt:
Es ist nicht alles Erziehung, jedes Kind ist anders, und manche Kinder vertragen Regeln besser als andere.
Ich hätte schon als Kind dringend Yoga gebraucht, glaub ich.

Irgendwann kam der Punkt, an dem ich erkannt habe, dass Lügen wirklich kurze Beine haben, dass ich mit Lügen im Leben nichts erreiche –
und auch, dass die Wahrheit zwar manchmal weh tut, mir aber ein persönliches Anliegen ist.

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel

Yoga hat mir dabei geholfen, meinen rastlosen Geist wenigstens manchmal beruhigen und besser entscheiden zu können, wann ich den Mund aufmache und wann nicht.
Yoga hat mich aber auch gelehrt, mich selbst so zu lieben, wie ich bin –
und ich bin eben ein Mensch, dem die Wahrheit am Herzen liegt und der es wohl nie aufgeben wird zu versuchen, anderen zu helfen …
wer will schon seinen Familienmitgliedern oder Freund/innen beim Leiden zusehen?
Eben.

Seit ich weiß, dass es im Yoga yamas und niyamas gibt und dass satya eines der fünf yamas ist und Wahrhaftigkeit bedeutet – Wahrhaftigkeit in Worten, Taten und Gedanken, gegenüber anderen und gegenüber sich selbst – seitdem versuche ich noch mehr als zuvor, Wahrheit und Wahrhaftigkeit in meinem Leben zu integrieren.
Natürlich soll diese Wahrheit niemand anderen verletzen –
das ist nur leichter gesagt als getan.
Manchmal kann die Wahrheit auch aufrütteln und jemandem helfen, selbst wenn sie ihm kurz weh tut –
eine Gratwanderung, vor allem in dieser postfaktischen Zeit, in der wir leben, in der persönliche Gefühle mehr Wert zu sein scheinen als harte Fakten.

Manchmal ist es schwer, jemand zu sein, der wahrhaft spricht und auch kleine Notlügen oder unehrlichen small talk nicht besonders toll findet.
Aber ich hab allein auf meiner Matte mit mir selbst gelernt:
Ich muss andere so annehmen, wie sie sind, denn ich kann sie nicht ändern –
ich muss aber auch mich so annehmen, wie ich bin, wenngleich ich bei mir selbst kleinere odere größere Korrekturen vornehmen kann.

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel

Doch das heißt umgekehrt auch:
Ich darf so sein, wie ich bin, ich muss mich nicht verstellen –
eine echte Befreiung für jemanden wie mich, der lange Zeit versucht hat, jemand anderer zu sein, nur damit er …
ja, was eigentlich wird?
Cooler?
Beliebter?
Begehrenswerter?

Nein danke.

Ich hab eine tolle Familie, die ich mehr als alles andere liebe.
Ich hab Freund/innen, die mich so mögen, wie ich bin.
Und ich kann mittlerweile in den Spiegel schauen und sagen:
Ja, ich mag dich.
(Das war lange Zeit vollkommen anders.)

All das hab ich auf meiner Yogamatte gelernt.
Was gibt es schöneres?

Namaste!

***

Dennoch:
Ein kleines Entschuldigt! an alle, die ich mit meinen Worten manchmal verletze …
das ist niemals meine Absicht.

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Restless Legs – kennt Ihr das auch?

Letzte Nacht war es wieder besonders schlimm:
Meine Beine wollten und wollten nicht still liegen –
egal, was ich machte, wie ich mich hinlegte, egal wie oft ich aufstand, um Wasser zu trinken und die Beine ein wenig zu bewegen, es klappte nicht.
Und obwohl ich sogar die doppelte Dosis Magnesium eingenommen habe (ein Tipp meiner Ärztin und das einzige Nicht-Medikament, das meine Beine abends zumindest ein bisschen beruhigt), konnte ich stundenlang nicht einschlafen.

Warum?
Ich leide seit meiner ersten Schwangerschaft vor sechzehn Jahren am sogenannten primären Restless-Legs-Syndrom, einer neurologischen Erkrankung, die meine Beine in  manchen Nächten unkontrolliert zucken lässt, weil ich das Gefühl habe, im Bett laufen zu müssen, ohne es stoppen zu können, und die mit zunehmendem Alter immer stärker wird –
das liegt bei uns in der Familie.
(Danke Genetik.)

Das sekundäre RLS wird von verschiedenen Faktoren ausgelöst und verschwindet in der Regel wieder von selbst oder nach einer entsprechenden Behandlung.
RLS ist zwar nicht gefährlich, aber sehr unangenehm und lästig –
und kann im Alter immer stärker werden, sodass irgendwann Medikamente eingenommen werden müssen, das wird wohl auch mir nicht erspart bleiben.

Leider kommt es nicht immer nur in Nächten vor, sondern auch an Tagen wie diesen …
https://www.instagram.com/p/BMv0SewDZFI/?taken-by=sibl_and_the_wheel

… wenn ich eigentlich nur entspannen möchte, meine Beine davon aber nichts wissen wollen.

Seit ich es mir zur Gewohnheit gemacht habe, vor dem Schlafengehen im Pyjama noch einige Minuten auf der Yogamatte zu Verbringen, geht es mir viel besser, an manchen Tagen brauche ich sogar überhaupt kein Magnesium, um einschlafen zu können –
sanftes Dehnen der Beine, entspannende Vorbeugen und ausgedehntes Viparita Karani, bei dem ich die Beine nach oben an eine Wand lege, das wirkt wahre Wunder.

Gestern aber, da hab ich das vergessen –
und nach mehreren Stunden beschlossen, mich mitten in der Nacht ganz leise auf meine Matte zu schleichen und im Dunklen zu dehnen, zu entspannen, meine Beine zu beruhigen.

Und ich muss gestehen:
Das war wunderbar!
Es war ganz still, kein Laut, nur mein eigener Atem und das sanfte Glucksen der Heizungsrohre, von draußen kam kühles Mondlicht ins Zimmer, unter mir die weiche Yogamatte, genial!
Und geholfen hat es auch –
ich werd wohl trotzdem lieber vor Mitternacht meine rastlosen Beine entspannen, dann steht es sich nämlich am nächsten Morgen viel leichter auf.

Probiert es einmal aus, vielleicht hilft Yoga auch euren rastlosen Beinen –
hier hab ich für ein paar Tipps!

Namaste!

***

Achtung!
In schweren Fällen von Restless-Legs-Syndrom ist es wichtig, ärztlichen Rat einzuholen und nicht eigenmächtig Medikamente einzunehmen oder sich rein auf Yoga zu verlassen! Primäres RLS ist eine zwar ungefährliche Krankheit, dennoch ist ärztlicher Rat immer besser als Internetrecherche oder Selbstmedikation!

 

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Yoga mit dem Wheel – eine spannende Sache

Seit ich letzten Sommer mein erstes Yogawheel bekommen habe, sind ein paar Monate vergangen, in denen ich nur wenig damit üben konnte –
klassische Stunden mussten vorbereitet, auf die Yogateachertrainings-Prüfung gelernt werden, dann kam das Kinder Yoga und natürlich dutzende nicht-yogische Tätigkeiten …
es war immer etwas los.

Aber jetzt,
jetzt hab ich Zeit –
und die werd ich nutzen:

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel beim Tüfteln

Momentan bin ich dabei, klassische Yoga-Haltungen in Wheel-Haltungen zu verwandeln, um je nach Übungswunsch die Asana anstrengender oder entspannter zu gestalten –
eine spannende und auch interessante Aufgabe.

Und dann, irgendwann, werd ich das, was ich mir da erarbeite, anderen Yogabegeisterten weitergeben –

darauf freu ich mich schon!

Namaste!

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Im Yoga die eigene Seele verkaufen? Nein danke.

Wer Yoga unterrichten möchte, braucht einen gewissen Hang zur Selbstdarstellung –
immerhin steht man ja vor Menschen, quasi auf einer kleinen Bühne, jede Bewegung wird von unterschiedlich vielen Augenpaaren begleitet, und meist trägt man auch noch enge Leggings, während man mit einem Lächeln im Gesicht Haltungen vorzeigt und sanfte Anweisungen gibt.
Alles, was man sagt und tut, wird beobachtet, oft auch bewertet.
Das muss man mögen –
oder es zumindest ertragen lernen, sonst wird jede Unterrichtseinheit zur Tortur.

Ich gebe zu, ich mag das –
beruflich stand ich schon des öfteren im Rampenlicht, Lampenfieber kenne ich nicht, ich fühle mich auch wohl, wenn mich Menschen ansehen und ich ihnen etwas erklären darf oder soll, das finde ich schön, denn man bekommt so vieles zurück, das den Stress und die Aufregung wiedergutmacht.

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel beim Park-Yoga

Ich habe für mich auch entschieden, dass es mich nicht stört, Fotos von mir zu posten –
wer mal beim Fernsehen gearbeitet hat, der verliert die Angst, dessen Hemmschwelle sinkt, denn:
Es sind nur Fotos.
Und nur Fotos von mir.
Meine Familie nehme ich da aus, sowohl die Erwachsenen als auch die Kinder.

Fotos können tolle Werbeträger sein, sie lassen sich kunstvoll gestalten und bilden so auch eine Erinnerung an ganz besondere Momente:

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel im Schnee

Das ist gut für mich, gut für alle, die sich über mich informieren wollen, und natürlich für all jene, die Anregungen oder Inspirationen suchen.

Doch auch meine Offenherzigkeit hat Grenzen.
Ich überprüfe etwa ganz genau, was ich von mir wo poste, welche Angaben ich mache –
und in Sachen Yoga überlege ich auch immer, ob das für mich stimmig ist.
Selbstdarstellung gut und schön –
wenn ich für mich aber das Gefühl habe, dass es nicht passt, dann lasse ich es.

Ich hab schon in jungen Jahren einige Werbeverträge abgelehnt, weil das zu bewerbende Produkt mir nicht gefallen hat und ich deshalb auch nicht für Geld sagen wollte:
Super Sache, kauf das!
Das ist vielleicht blöd, weil Werbeverträge wirklich gutes Geld einbringen –
aber ich hab wahrlich keine Lust darauf, meine Seele zu verkaufen.
Wenn ich sehe, wie Menschen des Geldes wegen Parteien unterstützen, die sie niemals wählen, Artikel anpreisen, die sie nicht kaufen würden, dann macht mich das traurig –
vor allem, weil ich den Glauben daran verliere, dass der- oder diejenige wirklich hinter dem steht, was er oder sie tut.

Wenn es von einem Menschen mehr teure Merchandisingartikel gibt, als man zählen kann, wenn jede Chance auf noch mehr Geld genutzt wird, egal was dabei herauskommt, dabei aber das in den Hintergrund tritt, was eigentlich an vorderster Stelle stehen sollte, dann stimmt für mich etwas nicht.
Und das gilt für Schauspieler/innen genauso wie für Musiker/innen oder Yogalehrer/innen –
wenn auch vielleicht für Yogi/nis mehr als für andere:
Sollten nicht gerade wir danach streben, die yamas und niyamas in unser Leben zu integrieren, und wenigstens versuchen, uns auf die inneren Werte zu konzentrieren und Äußerlichkeiten in den Hintergrund treten zu lassen?

Auch wir Yogalehrer/innen brauchen Geld zum Leben, klar, da unterscheiden wir uns in keinster Weise von anderen Menschen.
Allerdings drängt sich dann die Frage auf:
Will ich für noch mehr Geld ein Stück meiner Seele verkaufen?

Für mich ist die Antwort ganz klar:
Nein danke. 

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel

Namaste!

 

 

 

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Und schon ist es vorbei – eine Art Rückblick.

Ich kann mich noch ganz genau erinnern, wie aufgeregt ich vor dem ersten Yogateachertrainings-Wochenende war.
Die verrücktesten Gedanken gingen mir durch den Kopf –
und dann wieder war er ganz leer, weil ich nicht wusste, was ich denken sollte.

Da waren so viele neue Gesichter, so viele unterschiedliche Menschen, so viele verschiedene Arten zu yogieren –
und mitten drin ich, mit klopfendem Herzen, aber einem Lächeln im Gesicht.

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel am 1. Tag der YLA

Ich,
die beim ersten Zusammentreffen noch groß erklärt hat, die Ausbildung für sich selbst machen zu wollen –
und die diesen Plan dann schon vier Wochen später über den Haufen warf, weil das Angebot, Karenzvertretung in einem Yogastudio sein zu dürfen, doch spannender war als dieses für mich selbst.

Die ersten Wochenenden waren unglaublich spannend –
wir durften geniale Menschen kennenlernen, die uns als Gastlehrende unterrichteten, wir erfuhren an jedem einzelnen Tag so viel neues, dass mein Kopf zu platzen schien, vor allem weil ich daheim weiterlernen wollte …
wer während einer Ausbildung schon zu unterrichten beginnt, der sollte sich darauf vorbereiten, so mein Credo.

Und das Beste daran?
Es funktionierte!
Ich lernte daheim, so viel ich konnte, hatte dennoch Zeit für meine Heim-Yogapraxis (und meine Familie), abends unterrichtete ich verschiedene Yogaklassen … es war toll!
Doch es war auch anstrengend, es war oft schwer zu managen, und es war manchmal sehr ernüchternd, weil ich binnen kürzester Zeit lernte, das Yoga eben auch nur ein Business ist
ein Business voller Stress, voller Anstrengung, sogar voller Neid.
Und dennoch bin ich unendlich dankbar für diese Chance, die ich bekommen habe –
es waren wunderbare Stunden mit wunderbaren Menschen, die ich da halten durfte, es erfüllte mich mit Freude, dass wirklich jemand zu mir in die Stunden kam, und zwar nicht nur einmal, und ich kam nach jeder Stunde mit einem breiten Lächeln im Gesicht nach Hause.

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel beim Garten-Yoga

Und während sich über den vergangenen Sommer die Karenzvertretung langsam ihrem Ende entgegen neigte, so nahm auch die Yogalehrausbildung ihren Lauf.

Die Arbeit vertiefte sich, kreiste näher um den Kern –
und je mehr ich selbst lernte, umso schlüssiger war für mich das, was ich hörte.

Spannender Höhepunkt: das intensive Philosophie-Wochenende auf einer abgelegenen Hütte, an dem ich dank einiger geistiger Watschn plötzlich für mich das philosophische Konzept hinter Yoga verstand –
oder zumindest soweit verstand, dass ich heute darüber nachdenken kann, ohne einen Knoten in meinen Gedanken zu riskieren.
(An dieser Stelle ein großes Danke an denjenigen, der mir diese geistige Ohrfeige verpasste – manchmal braucht frau sowas.)

Danach war ausbildungstechnisch eine längere Sommerpause –
und auch ich hab mir die Zeit für mich und meine Lieben genommen, um dann voller Tatendrang wieder ins Lernen und Unterrichten starten zu können …
was sich aber schwieriger gestaltete, als ich angenommen hatte:
Den Unterrichtseinheiten fehlte ein wenig das Feuer, da ich manchmal den Eindruck hatte, manche der Teilnehmer/innen waren nicht mehr so richtig bei der Sache, so als würde Yoga ihnen nicht mehr besonders viel Spaß machen –
oder anders gesagt: nicht so viel wie mir.

Man hört ja immer von den Dingen, die man bei so einer Ausbildung angeblich über sich selbst lernt –
und es stimmt:
Ich hab gerade in diesen für mich verwirrenden herbstlichen Unterrichtseinheiten eine wahre Fülle gelernt:
wie ich mit Störfaktoren umgehen kann, wie ich auf persönliche Angriffe reagiere, wie ich mich selbst auf das Wesentliche konzentriere und ausblende, was rund um mich geschieht, was das alles mit mir und meiner Yogapraxis macht, und wie ich verhindere, dass ich mich wovon auch immer in einen Sog ziehen lasse, der weder mir noch meinen Lieben gut tut.
Und hey, welch eine Überraschung:
Yoga hat mir geholfen.
In diesen Wochen hab ich damit begonnen, jeden Abend vor dem Schlafengehen im Nachthemd im Dunklen auf der Matte zu entspannen, ganz sanft nur und vor allem den Geist, um vor dem Einschlafen alles ziehen zu lassen, was mir mein inneres Lächeln raubt –
eine Angewohnheit, die ich bis heute beibehalten habe und nicht mehr missen möchte.

Und dieses Ziehenlassen, nicht daran Festhalten, hat wahre Wunder gewirkt, hat mir neue Aufgaben beschert, hat mir die Kraft gegeben, meine Liebe zum Yoga an Kinder weiterzugeben –
eine wunderbare, wenn auch sehr intensive Aufgabe, die mir unglaublich viel Spaß macht.

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel beim Kinder-Yoga

Jetzt, zwei Tage danach, kann ich es eigentlich kaum glauben:
Vor zehn Monaten war ich zwar sicher, dass ich die Ausbildung beenden werde, hatte jedoch keine Ahnung davon, was eigentlich bei dieser Ausbildung herauskommen würde.
Klar, man lernt die Asanas besser kennen, lernt etwas über Philosophie und Ayurveda, darf dann unterrichten (was auch immer das heißen mag) –
aber das eigentliche Resultat der Yogalehrausbildung ist für mich ein anderes:

Ich hab gelernt zu erkennen, wann etwas an mir selbst liegt und nicht an anderen –
und dass das fast immer der Fall ist.
Ich hab gelernt, demütig mein Haupt vor anderen zu senken – auch wenn es manchmal weh tut.
Ich hab gelernt, was ich tun muss, damit es mir gut geht –
und das hab ich vor allem aus den Querelen während der Ausbildung gelernt, aus persönlichen Untergriffigkeiten und kleineren Streitereien, die zwar auch so ein bisschen schmerzhaft waren, die mir aber dennoch ein klareres Bild von mir selbst bescherten.

Ja, ich kann jetzt Adho Mukha Svanasana besser und länger halten als vor zehn Monaten, und ich hab im Laufe der Ausbildung sogar erfolgreich an meinen Sirsasana-Skills gearbeitet –

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel im Kopfstand

was ich aber vor allem gelernt habe ist Demut, Ruhe in mir und ein inneres Lächeln, das viel seltener erlischt als früher …
und das Wissen:
Manchmal ist es einfacher zu lächeln und sich nicht zu ärgern –
so verrückt das auch klingen mag.

Namaste!

***

Danke an alle, die an der Ausbildung teilgenommen haben! Ihr seid super!
Danke auch an alle unsere Ausbildner/innen, die mit viel Herzblut und Engagement ihre Liebe zum Yoga mit uns geteilt haben! Ihr seid genauso super!
Und auch ein Danke an jene, mit denen es während der letzten Monate zu diversen Meinungsverschiedenheiten gekommen ist –
wer hätte gedacht, dass man daraus etwas lernen kann! Das ist natürlich auch super!

Tausend Dank!
(Ihr bekommt jetzt alle ein Stückchen Schokolade!)

© Sibl and the Wheel
© Sibl and the Wheel schenkt euch Schokolade!

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die zeiten haben sich geändert. (#kolumne)

sinn.wort.spiel.

wir leben in einer komischen zeit.
einer zeit, die man am besten durch das internationale wort des jahres 2016 beschreiben kann:
post.faktisch.
der gesunde haus.verstand scheint ausgestorben, was zählt sind persönliche meinungen und argumente, die nur auf den ersten blick überzeugen –
manchmal nicht einmal das.

ein beispiel gefällig?
im internet finden sich einhorn.essenzen, die wirklich von menschen gekauft werden –
von menschen, die sich davon unter anderem gesundheit, erkenntnis, frieden erwarten.
die tat.sache, dass es keine ein.hörner gibt, dass aus genau diesem grund wohl kaum entsaftetes ein.horn in den flakons enthalten sein wird, oder dass der preis dieser wunder.mittel meist das grandioseste daran ist, tut nichts zur sache –
stichwort: post.faktisch.
besonders schlimm ist es, wenn es um gesundheitliche oder politische themen geht –
stets beschleicht mich das gefühl, fakten interessieren nicht mehr, die werden ja von der lügen.pressegefälscht, wacht doch endlich auf und…

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von den kleinen dingen. (#kolumne) (#ytt)

sinn.wort.spiel.

zwanzig kleine gesichter sehen mich erwartungs.voll an.
zwanzig kleine gesichter, die nicht genau wissen, was auf sie zu.kommt –
außer der tat.sache, dass mein für sie überraschender besuch eine aus.zeit vom schnöden schul.alltag bedeutet.

wir sitzen im sessel.kreis und sprechen über yoga
denn die lehrerinnen der alters.gemischten volksschul.klasse meiner tocher haben mich gefragt, ob ich kleine yoga.einheiten in ihren montäglichen schul.alltag einbauen könnte …
einerseits um für ein wenig abwechslung zu sorgen –
andererseits aber auch, um den kindern ein bisschen achtsamkeit zu lehren, körper.bewußtsein, und vielleicht sogar das wissen um die macht des eigenen atems.

die erste einheit ist eine frage.antwort.stunde.
eigentlich soll ich kurz erzählen, was yoga eigentlich ist, als auch schon die ersten kinder ihre arme in die luft strecken, um mitreden zu dürfen –
und ich stelle voller staunen fest, dass jedes kind zumindest schon einmal von yoga gehört hat, einige kennen es von ihren…

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das ende ist kein ende ist ein anfang. (#kolumne) (#ytt)

sinn.wort.spiel.

heute abend geht mein erstes großes yoga.abenteuer zu ende:
heute abend unterrichte ich hier meine letzte ashtanga.yoga.stunde.

und mittlerweile traue ich mich wirklich zu sagen:
ich unterrichte.
unter anderem, weil ich in den letzten monaten unglaublich viel lernen durfte, weil ich keine angt mehr habe vor dem ablauf der einzelnen asanas, sondern mich darauf konzentrieren kann, was die menschen auf ihren matten machen, weil ich seit der intensiven anatomie.einheit ein wenig besser weiß, worauf genau ich achten und wie ich die yogi/nis ausrichten muss, und weil ich merke, dass ich durch die ausbildung und mein eigenes weiter.lernen doch ein großes stück des weges hinter mich gebracht habe und den menschen, die in meine yoga.stunden kommen, auch ein wenig mehr bieten kann als das bloße ansagen der verschiedenen positionen.

natürlich gibt es gerade im yoga –
wie auch sonst im leben –
immer etwas zu lernen.
man lernt nie aus,

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