Was mich meine elektrische Schall-Zahnbürste gelehrt hat – und was das mit #Yoga zu tun hat.

Wir alle haben es schon oft gehört:
Yoga hat eine lange Tradition, bis zu 4.000 Jahre soll er schon auf dem Buckel haben –
plusminus.

Dabei hat Patanjali, der oft als jener Mann angeführt wird, der Yoga als erster beschrieben/erfunden/in Worte gefasst hat, nur davon geschrieben, wie die Sitzhaltung sein soll, in der wir meditieren, sthira sukham asanam, fest und entspannt, mit keinem Wort erwähnt er die 2.100 Haltungen, die es heute im Yoga zu geben scheint –
und es werden immer mehr.
Die Asanas, die wir heutzutage im Yoga gelehrt bekommen und lehren, haben eine weitaus kürzere Tradition –
und irgendwie scheint sich niemand so wirklich klar darüber zu sein, woher sie eigentlich kommen.
Aber ich schweife vom Thema ab …
denn darum geht es mir heute gar nicht.

In der Ausbildung haben wir grundlegende Regeln gelernt, wie Asanas auszuführen sind, und hier kommt sthira sukham asanam wieder ins Spiel, denn die Yoga-Haltungen sollen fest und stabil, aber auch entspannt und leicht ausgeführt werden.
Und natürlich lernt man in so einer Ausbildung ebenso, wie sich der Körper laut Yoga-Handbuch in den einzelnen Asanas bewegen soll, wie er dastehen soll –
und das ist etwas, worüber ich mir sehr oft Gedanken mache, weil diese Regeln oft im krassen Widerspruch zu wissenschaftlichen Anatomie-Büchern stehen …
oder zu meinem eigenen Körper.

Wenn ich mir den nämlich ansehe, erkenne ich schnell, dass diese angeblich Jahrtausende alten Regeln nicht für alle gelten –
sehr oft hab ich den Eindruck, sie gelten eigentlich nur für mega durchtrainierte Menschen, die hyperflexibel sind und täglich mehrere Stunden Yoga praktizieren.
Nicht für mich also – obwohl ich täglich praktiziere.

In unserer heutigen Welt, in der wir alle viel zu oft vor dem Computer sitzen, in der wir keine Zeit für morgendliche Dehneinheiten und viele von uns mit kleineren oder größeren Wehwehchen zu kämpfen haben, sind viele dieser Alignment-Vorgaben vor allem eines:
ungültig.

Wie ich das meine?

Ein Beispiel:
Jahrelang wurde ich in Yoga-Klassen angewiesen, aus Uttanasana langsam Wirbel für Wirbel aufzurollen. Niemand hat mir je gesagt, ich solle dabei die Knie leicht beugen
und obwohl ich aus früheren Trainingseinheiten eigentlich weiß, dass man beim Heben schwerer Gewichte immer die Knie beugen soll, hab ich die Anweisungen befolgt, ohne darüber nachzudenken.
Seit vielen Jahren gibt es im Yoga offenbar den Irrglauben, dieses Aufrollen mit gestreckten Knien sei generell sanfter für den Rücken –
aber das ist falsch, rein anatomisch gesehen.
Besser wäre es für die meisten, bei gestreckten Beinen den Rücken gerade nach oben zu führen –
oder eben die Beine zu beugen.
Ich bevorzuge übrigens ‚gebeugte Beine und gerader Rücken‘, das fühlt sich für mich am natürlichsten an.

https://www.instagram.com/p/BTjLRNvDw_1/?taken-by=sibl_and_the_wheel

Ich weiß nicht, ob auch dieses Aufrollen eine lange Tradition hinter sich hat, aber so muss es wohl sein, denn anscheinend wird es auch in indischen Yogaschulen so gelehrt –
und das bringt mich genau zu dem Punkt, zu dem ich heute kommen möchte:

Davon ausgehend, dass Yoga auf eine lange Geschichte zurückblicken kann, dürfen wir hier im Westen nicht ausblenden, dass die Wissenschaft weitergegangen ist.
Gerade in der Yoga-Community wird gerne vergessen, dass das Verständnis unseres Körpers, das Wissen um Krankheiten, Anatomie, Auswirkungen verschiedener Haltungen, uns einen anderen Blick auf einzelne Asanas und ihre Wirkung erlaubt, als es noch vor einigen Jahren möglich war.
Galt es früher als gesund, sehr lange im Kopfstand zu stehen, weiß man heute, dass das sogar gefährlich sein kann.
Wurde man früher in gewisse Haltungen hinein gedrückt, weiß man heute, dass manche Körper manche Asanas einfach nicht so ausführen können, wie sie beschrieben werden –
und benutzt stattdessen Gurte und Blöcke, um die Haltung dennoch möglich zu machen.
Auch wenn es im Yoga viel ums Spüren geht, um innere Ruhe, um Spiritualität und den Weg zu sich selbst, dürfen wir die Wissenschaft nicht vollkommen ausgrenzen –
unsere Vorfahren haben ganz wunderbare Erfindungen für uns gemacht, haben Medikamente entwickelt, Impfungen, haben den menschlichen Körper erforscht, innen und außen …
wir sollten diese Geschenke nicht mit Füßen treten, nur weil es gerade angesagt ist, sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen: Das bedeutet nämlich nicht, der Wissenschaft und der Medizin zu entsagen und wieder so zu leben wie vor ein paar tausend Jahren –
es geht auch anders.

Für mich bedeutet das:
Yoga muss immer direkt an den Menschen angepasst werden, der vor mir auf der Matte steht.
Der eine muss mit geradem Rücken üben, die andere langsam aufrollen, mancher braucht einen Gurt, und andere können die Haltungen genau so ausführen, wie so vor vielleicht Jahrtausenden erdacht wurden.
Natürlich macht das den Yoga-Unterricht um einiges schwieriger, denn das bedeutet, dass wir genau wissen müssen, wer da vor uns auf der Matte steht, dass wir jede Anweisung personalisieren müssen, und vielleicht damit aufhören, in einer Yoga-Klasse mehr als zwanzig Menschen zu unterrichten –
den Menschen zuliebe, die uns ihre Gesundheit anvertrauen.

Ich glaube, wir sollten wieder ein wenig davon abkommen, Dinge aus Prinzip so zu machen, wie sie vor vielen tausend Jahren in einem fremden Land gemacht wurden, und öfter darüber nachdenken, ob das heutzutage bei uns im Westen wirklich immer sinnvoll ist –
und ich gebe zu:
Das wurde mir letztens klar, als ich mit meiner neuen elektrischen Schall-Zahnbürste morgens im Badezimmer stand.

Über mehrere Jahre hinweg hab ich versucht, eine ökologische, biologische und dennoch sinnvolle Zahnhygiene in meinen Alltag einzubauen.
Ich hab morgens mit ayurvedischen Zahnölen gespült, minutenlang, was meinem Abluss nur bedingt gut getan hat. Klar fühlen sich die Zähne nach dem Ölziehen toll und glatt an, sie sind ja quasi eingeschmiert, aber so richtig begeistert hat mich das nicht.
Ich bin von Plastikzahnbürsten auf welche aus Bambus umgestiegen (und benutze diese manchmal immer noch, ebenso wie meine Familie, weil sie wirklich toll sind), und hab natürlich keine herkömmliche Zahnpasta mehr benutzt, sondern selbst gemachte mit Kokosöl (was mein Abfluss noch blöder fand) oder auf Basis von Natron oder Salz (mein Zahnfleisch hat gebrannt wie Feuer, schrecklich).
Außerdem hab ich mehrmals in der Woche auf Anraten einer Ayurveda-Beraterin meine Zähne mit Kurkuma geputzt – als Tee- und Kaffeeliebhaberin will ich ja trotzdem keine gelblich-braunen Zähne haben, und der gelbe Gatsch soll angeblich die Zähne aufhellen.
Nach mehreren Monaten, in denen ich das wirklich regelmäßig gemacht habe, kann ich nun sagen: Nein, Kurkuma hilft überhaupt nicht, ganz im Gegenteil.

Dann wurde meine alte elektrische Zahnbürste kaputt und ich hab mich im Geschäft spontan für eine Schallzahnbürste entschieden –
die ich jetzt seit drei Wochen benutze, meine Zähne sind mittlerweile strahlend weiß und fühlen sich toll an, dabei benutz ich nicht mal mehr Zahnpasta, sondern geb einen Tropfen Mundwasser (bio, aus einer Glasflasche) auf das Bürstchen, bevor ich putze.

Was ich damit sagen will:
Viele der Hausmittel, die wir von früher kennen, und auch viele der ayurvedischen Tipps, die auch ich gerne in meinen Alltag einbaue, stammen aus einer Zeit, in der die Menschen nichts anderes hatten.
Wer in der Apotheke kein Medikament kaufen kann, weil es keine Apotheke gibt, der nutzt natürlich die Kraft der Natur –
und gerade ich bin großer Fan von Naturheilkunde und hab mir auch einen Ruf als Kräuterhexe erarbeitet.
Trotzdem sollten wir nicht vergessen, all die wunderbaren Errungenschaften unserer Zeit zu nutzen –
und dazu gehört eben auch:

Lasst uns Yoga als etwas sehen, das sich entwickelt, lasst uns Naturheilkunde als etwas sehen, das wir mit Schulmedizin kombinieren, ohne diese abzulehnen –
wir dürfen und sollen auch im Yoga nach vorne schauen, der Zukunft entgegenschreiten …
auch wenn wir die alten Traditionen ehren.

#Namaste!

***

Wenn ich in diesem Artikel Yoga schreibe, meine ich damit den körperlichen Aspekt der Asanas.

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Von der Liebe zur Einsamkeit – oder: Warum einsames #Yoga für mich erfüllender ist.

Bevor ich das Yoga Teacher Training begonnen habe, war ich jede Woche in einem abendlichen Yoga-Kurs –
manchmal auch öfter.
Außerdem hab ich am Wochenende Workshops besucht, auch Festivals, und natürlich: Yoga daheim gemacht.

Je mehr ich aber über die einzelnen Asanas gelernt und erkannt habe, wie Yoga eigentlich praktiziert werden soll – oder besser: kann –, umso mehr lernte ich die Einsamkeit zu schätzen.
Auch, weil ich in dieser Zeit selbst unterrichtet und erst da wirklich gesehen habe: Unterrichten hat mit der eigenen Praxis nichts zu tun, ganz im Gegenteil, das Unterrichten klappt nur, wenn ich daheim sehr achtsam und am besten täglich praktiziere –
und das ist wirklich schwer!

An manchen Tagen betrete ich frühmorgens die Matte, stelle die Zehen auf, setze mich in den Fersensitz und dehne minutenlang meine Fußsohlen –
und manchmal war’s das dann auch schon …
entweder weil ich keine Zeit oder manchmal auch einfach keine Lust habe.
An anderen Tagen verbringe ich den ganzen Nachmittag auf der Matte und mache nur das, was mir gerade in den Sinn kommt, was sich gut anfühlt, wonach mein Körper sich sehnt, und vergesse dabei völlig, wie lange ich mich bewege oder unbewegt auf der Matte sitze.
Manchmal ist es auch einfach nur der Wunsch nach einem Workout, der mich antreibt, dann möchte ich schwitzen und mich einfach nur bewegen, am besten zu lauter Musik.

Und an wieder anderen Tagen ruft die Matte abends nach mir, um mir Ruhe zu schenken, meine rastlosen Beine zu entspannen, oder damit ich einfach mal nichts tun zu muss, außer in Stille einfach nur zu sein.
Wie schön sind diese Momente, in denen man als Mutter oder Vater keine kindlichen Anfragen beantworten muss –
oder nach einem langen Arbeitstag kein/e Chef/in Arbeitsaufträge erteilt.

Selten, aber doch, komm ich auch nachts auf meine Matte, wenn ich nicht schlafen kann, wenn meine Beine zucken, wenn ich aber niemanden nerven möchte und auf der Matte abwarte, bis es wieder besser wird.

Ich möchte in diesen Momenten nicht auf die Uhr schauen, mich an niemand anderen als mich selbst anpassen müssen, ich möchte solange in Savasana liegen, wie ich mag, oder auch gar nicht, ich möchte Musik hören, laut atmen, ich möchte mich weder besonders stylen noch irgendetwas besonderes anziehen, ich möchte keine komischen Blicke bekommen, wenn ich der oder dem Unterrichtenden erkläre, wieso mein Körper ein wenig komisch auf der Matte steht, ich möchte jede Asana so kurz oder lang halten, wie ich sie gerade brauche, und nicht nach einem von jemand anderem geplanten Schema exakt 75 Minuten yogieren –
ich möchte einfach mein Yoga machen.

Ich möchte mit meiner Matte an besonderen Orten yogieren, nur mit mir selbst, ich möchte dabei keine Zuschauer/innen haben und nur meiner eigenen inneren Uhr folgen –
einfach, weil es eben mein Yoga ist.

https://www.instagram.com/p/BU4e2cJD9WG/

Mir ist klar, dass das auf manche ein wenig egoistisch wirkt, auch wenn ich nicht nachvollziehen kann, warum –
denn das ist der Kern von Yoga:
mit sich selbst ins Reine kommen, sich selbst genügen, sich so annehmen, wie man ist, den Körper auf langes Sitzen in der Meditation vorbereiten, und so zu agieren, wie der Körper es braucht.
Ich muss mich in keine Asanas quetschen, die mein Körper (noch) nicht beherrscht, und wenn ich die Arme beim Sonnengruß nicht über die Seite nach oben führen kann, ohne jemandem ins Gesicht zu schlagen, dann fühle ich mich in meiner Praxis eingeengt.

Wanderlust Festival München

Natürlich kommt es vor, dass ich Workshops von wunderbaren Yogi/nis besuche und diese so voll sind, dass man kaum Platz für die eigene Matte findet, aber solche Workshops zählen für mich nicht als mein Yoga, sondern sind Weiterbildung, neue Erfahrung, Erweiterung des eigenen Horizonts.

Ebenso wie die vielen Events, die es rund um Yoga gibt –
die sind lustig, keine Frage, aber vor allem zum Schauen, Lachen, vielleicht Lernen. Wie ein netter Ausflug in eine andere Welt …

meine Yogawelt aber ist zu 98 Prozent dort, wo ich mit meiner Matte allein bin, egal ob zu Hause oder irgendwo in der Natur.
Und ich muss gestehen:
Seit ich das weiß, kann ich innerlich während des Yogierens noch besser abschalten als zuvor – egal wo ich mich gerade befinde.

Eins aber ist wirklich wichtig und muss an dieser Stelle extra erwähnt werden, denn:
Wie immer im Yoga gilt auch bei diesem Thema:
Sei achtsam!
Überfordere deinen Körper nicht mit Haltungen, die er noch nicht kennt – vor allem, wenn du Anfänger/in bist!
Das bedeutet auch:
Praktiziere nicht rein nach deinem Empfinden, manchmal ist gerade das besonders schlecht für den Körper, was sich besonders gut anfühlt. Es reicht auch nicht, nur nach Onlinevideos zu praktizieren, denn da gibt es niemanden, der dich korrigiert, dir die Grundlagen beibringt, deinen Körper in der Haltung ansieht und so entscheiden kann, welches die beste Variante einer Asana für dich ist.
Auch wenn du am liebsten zu Hause praktizierst: Besuche dennoch hin und wieder einen Kurs mit echten Unterrichtenden, damit du deine persönliche Ausrichtung kennenlernst und dann nicht wieder verlierst!
Erst wenn du die Grundlagen kennst und beherrschst, solltest du es wagen, nur mit dir allein zu üben –
deiner Gesundheit zuliebe.

Auch wer wie ich ein Teacher Training hinter sich hat, sollte nicht rein mit sich alleine praktizieren –
ich hab in so manchem Workshop beobachten dürfen, wie auch jene Menschen korrigiert wurden, die mehrere Ausbildungen hinter sich haben und auf jahrelange Praxis zurückblicken können, denn:
Jede/r macht mal Fehler, Körper verändern sich ebenso wie Sichtweisen, es gibt neue Erkenntnisse in Sachen Asanas und Ausrichtung …
wer auf seinen Körper achtet, sollte ihn deshalb auch hin und wieder dem geschulten Auge einer/s Unterrichtenden zeigen, er wird es euch danken.
(Der Körper, aber vermutlich auch der oder die Unterrichtende.)

#namaste!

***

Das soll natürlich kein Plädoyer gegen Yogakurse sein, nur ein kleiner Einblick in meine persönliche Praxis –
und die findet, wie vermutlich bei den meisten, die mit Yoga ihr Geld verdienen, doch meistens allein daheim statt.
<3

 

 

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Warum #Bodyshaming ein Blödsinn ist – und warum es uns alle betrifft.

Eigentlich sollte ich gerade an meinem Computer sitzen und an einer Übersetzung arbeiten –
aber während einer kleinen Kaffeepause vorhin hab ich einen Blick auf Instagram geworfen und einen Post entdeckt, der mich so fassungslos gemacht hat, dass ich beschlossen hab, darüber zu schreiben.

Auf dem Account einer sehr inspirierenden Yogini war ein Video zu sehen, die junge Dame trug einen Bikini, weil sie am Strand war, und zeigte im Sand allerhand Asanas, manche sehr perfekt, andere ein bisserl wackelig –
ich möchte noch mal wiederholen: Sie stand am Strand, unter ihr nur Sand, da wackelt man gerne mal während Vrksasana, zum Beispiel –
wer das nicht glaubt:
Schuhe ausziehen und auf einem Bein in die Wiese stellen, Arme nach oben, Blick ebenfalls nach oben, in den Himmel, in etwa so:

ein Baum am Meer

Das Setting des Videos war super, tolles Licht, eine tolle Frau am Strand, die Yoga macht und sich wenig um Perfektion schert –
was kann da schon komisch dran sein, fragt man sich, das klingt doch wunderbar.

Bis man die Kommentare liest.
Dutzende Menschen lassen sich über den Körper der jungen Frau aus, der – no na – beim Bewegen und Drehen und Beugen mal hier, mal da eine Falte wirft …
Menschen, die die junge Frau nicht kennen und die, wenn es nach ihnen selbst geht, beim Blick in den Spiegel tot umfallen müssten.

Ich sehe in dem Video eine junge Frau, die den Mut hat, ohne Photoshop-Tricks, ohne Visagistin oder teurer Ausstattung einfach zu zeigen, was sie macht –
und das, was sie macht, macht sie richtig klasse:
Die Asanas werden korrekt ausgeführt, sie lässt sich Zeit, ich bin sicher, ihr Atem fließt ruhig, und ein Lächeln umspielt ihre Lippen.
Genau so sollte Yoga sein, genau so sieht es aus, wenn jemand mit sich und der Welt im Reinen ist und einfach fließt.

Ich wollte das wunderbare Video eigentlich hier verlinken, aber es wurde wohl ob der vielen negativen Kommentare gelöscht –
und deshalb hab ich beschlossen:
Ich kann das so nicht hinnehmen!

Wie kann es sein, dass jemand ein wunderschönes Video postet, und hunderte andere beschließen einfach so, einen Shitstorm auszulösen, aus dem einfachen Grund, dass sich unser Körper der Bewegung anpasst und es sich erlaubt, auch mal Falten zu werfen –
sowas aber auch!
Natürlich ist mir klar, dass Übergewicht weltweit ein großes Problem ist, und ich weiß auch, dass es viel zu viele magersüchtige Menschen gibt, diese Probleme möchte ich in keinster Weise verharmlosen –
aber manchmal hab ich das Gefühl, dass gerade in den sozialen Medien die Leute komplett den Bezug zur Realität verloren haben.

Können wir das nicht bitte einfach sein lassen?
Können wir nicht bitte einfach wieder den Mittelweg entdecken?
Weder zu viel noch zu wenig ist erstrebenswert, das gilt für so ziemlich alles im Leben –
aber am Wichtigsten ist: Urteilma doch bitte nicht über alle anderen –
und auch nicht so harsch über uns selbst!

Lasst uns ein Zeichen setzen, wir alle, die wir als Yogaunterrichtende (oder Yoga-Praktizierende) täglich mit Menschen jeden Alters zu tun haben!

Ich fang einfach mal damit an, Hashtag: #SoBinIchEben –
bitte sehr, so seh ich aus, wenn ich auf der heimischen Matte Yoga übe:

https://www.instagram.com/p/B2ymnJIog_N/

 

https://www.instagram.com/p/BklOkdinTWW/

Das bin ich, Sybille, ich bin mittlerweile 40 Jahre alt und habe drei Kinder. Ich freue mich, dass ich trotz meiner drei Schwangerschaften nicht wirklich zugenommen habe – aber ich würde niemals eine Frau verspotten, bei der das anders ist. Laut BMI bin ich untergewichtig, eine Tatsache, die mich als Jugendliche irrsinnig gestört und mir auch schon des öfteren Hasstiraden anderer Frauen eingebracht hat (Stichwort #Thinshaming) – aber dafür kann ich nichts. Ich ernähre mich gesund, beweg mich recht viel und hab wohl auch einfach Glück – denn ich esse sehrsehr gern, auch und gerade Schokolade und all die Dinge, die gemeinhin als Dickmacher gelten.
Natürlich hab auch ich so meine Problemzonen, die mich manchmal nerven, mir aber meistens ziemlich egal sind.
Und wie man sieht: Beim Bewegen entstehen Falten! Überall, am ganzen Körper! Trotz angeblichem Untergewicht! Und das ist auch noch bei jedem Menschen so, krass oder?

https://www.instagram.com/p/B2yOxJ3IqSb/

Ich glaube, dass es an der Zeit ist, endlich wieder die viel zitierte goldene Mitte zu entdecken und interessant zu machen:
ein bisserl gesunde Ernährung, ein bisserl Bewegung, ein bisserl Achtsamkeit, ein bisserl mehr Toleranz und ganz viel mehr Liebe!

Wär das nicht eine tolle Idee?
Dann mach doch mit und zeig dir und den anderen, wie toll du bist –
ich glaub wirklich, dass das wichtig ist!

(Hashtag: #SoBinIchEben – dann finden es auch andere.)

#Namaste!

***

Übrigens, nur damit ich es angesprochen hab:

Zwischen all den Hasskommentaren gab es auch eine Vielzahl von meist männlichen Kommentierenden, die in sexuell sehr anzüglicher Weise über die Frau schrieben –
auch das ist nicht okay!
Wir schreiben das Jahr 2017, und jede Frau darf sich im Bikini filmen lassen, ohne eine Karriere in der Pornoindustrie anzustreben …
manchmal vergessen das die Leute.

Aber das ist wichtig!

 

 

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Warum Kinderyoga anstrengender ist als Erwachsenenyoga – und wieso ich das toll finde.

Wenn ich mich auf eine Yogastunde für Erwachsene vorbereite, bin ich schnell fertig –
den Ablauf der Stunde hab ich im Kopf, ich bereite mich zwar jedes Mal vor, habe aber keinen allzu genauen Plan, weil ich mich an die Bedürfnisse der Yogi/nis anpassen möchte …
nicht selten kommt es vor, dass manch eine/r über Beschwerden klagt, die wir mit ein paar Asanas schnell in den Griff bekommen, Nackenschmerzen etwa. Auf so etwas möchte ich schnell reagieren können, ein starrer Stundenplan würde mich da nur behindern.
Dann schnapp ich mir Leggings, meine Matte, meine Lieblingsmala und etwas zu trinken –
und los geht’s.
Die Stunden an sich sind immer anders, immer neu und spannend, aber auch immer ohne gröbere Vorkommnisse –
manchmal geht jemand auf die Toilette, manchmal lacht jemand, und ganz selten schläft jemand in Savasana ein und schnarcht ein wenig.
Aus solchen Stunden gehe ich immer glücklich nach Hause, bin aber meistens noch ziemlich fit und kann mich unter Menschen wagen, ohne ein olfaktorisches Risiko einzugehen.

Als ich aber heute nach vier Einheiten Kinderyoga in einem Kindergarten nahe Salzburg zu Hause angekommen bin, wurde mir klar, was der eigentlich Unterschied von Erwachsenenyoga zu Kinderyoga ist –
seht selbst:

Yogischer Krimskrams

Diese Sachen hab ich beim Kinderyoga immer mit:

Im Korb hinten im Bild sind zehn Yogamatten, in der Tasche davor meine magische blaue Box voller Yoga-Krimskrams, Asana-Karten zum Sammeln, mein Zwuddha, der immer im Zentrum der Matten sitzt, eine elektrische Kerze, Koshi-Klangspiele, eine Klangschale, meine Mappe mit den Stundenbildern und natürlich ein Getränk für zwischendurch.

Manchmal hab ich auch mein iPad und Lautsprecher dabei –
nicht jeder Kindergarten hat so etwas im Turnsaal, dann nehm ich es eben mit, weil etwa Tiefsee-Yoga mit akustischer Meeresrauschen-Untermalung toll ist.

Als ich heute im Kindergarten ankam, war ich schon ziemlich außer Atem, weil der Korb mit den Matten wirklich schwer und leider ziemlich unhandlich ist.

Dann leg ich natürlich alle Matten auf, richte je nach Motto der Stunde das Zentrum her, und freu mich auf die Kinder.

Im Zentrum: der Zwuddha und das Thema der Stunde

Und auch die Yoga-Einheiten lassen sich nicht mit Stunden von Erwachsenen vergleichen:

Es wird geplaudert, gesungen, gekichert, manchmal gepupst (und dann noch lauter gekichert), vor allem den Kleineren fällt zu jeder Asana eine Variation oder eine Geschichte ein, sie stellen Fragen zu den Figuren oder Karten –
und dann fassen wir uns an den Händen und tanzen im Kreis, weil Meerjungfrauen unter Wasser das eben so machen.

Abschauende Hunde werden schnell zu einem Rudel Wölfe, die den Mond anheulen, Schildkröten kriechen langsam auf der Matte auf und ab, und Kobras müssen sich natürlich laut zischend eine Runde im Kreis winden.

Nach jeder bewegten Asana treffen wir uns dann wieder auf der Matte und verharren kurz still in der Haltung –
und schon geht’s weiter.
Wie auch bei den Erwachsenen kommen im Kinderyoga die kleinen Yogi/nis über die Bewegung zur Ruhe, die Phasen der Stille sind gerade bei Jüngeren eher kurz, die Kinder spüren in sich hinein, fühlen ihr Herz schlagen, schnell oder langsam, oder beobachten den Atem – und genießen diese kurze, aber intensive Stille.
Wenn dann die kleinen Yogi/nis müde werden, legen sie sich auf die Matten, decken sich damit auch zu –
und bevor dann ein wenig Ruhe einkehren kann, wollen kleine Köpfe gestreichelt, kleine Zehen gekrault und kleine Hände gehalten werden, bis sich alle zu einer entspannten Ruhephase einfinden und den Koshi-Klängen lauschen –
und natürlich wollen manche Köpfe auch währenddessen gestreichelt werden.
Wer nicht mitmachen möchte, sitzt ruhig auf der Matte und sieht zu, niemand wird im Yoga zu etwas gezwungen –
und ganz oft sind es genau diese Kinder, die am meisten mitnehmen und das, was sie bei den anderen sehen, zu Hause nachmachen, wenn keiner zusieht.

Danach sitzen wir noch auf der Matte, besprechen, was wir erlebt haben, jede/r erzählt von sich selbst, manchmal schließen wir auch mit Atemübungen und einem gemeinsamen Om, und dann werden meditative Mandalas gelegt, Figuren aufgebaut, Sammelkarten verteilt –
und die nächste Gruppe kommt.

Mit den größeren Kindern spiele ich manchmal Yoga-Memory, vor allem dann, wenn sie die einzelnen Haltungen schon besser kennen und wissen, was sie machen müssen –

Yoga als Spiel: Yoga-Memory

auch das kommt immer sehr gut an!

Wenn dann alle Kinder dran waren, räum ich alles wieder ein, roll die Matten auf, pack zusammen und mach mich schwer beladen auf den Heimweg –
verschwitzt, müde, aber unglaublich glücklich!

Die Kinder machen Yoga jedes Mal zu etwas Neuem, erfinden Geschichten rund um die Asanas und Atemübungen, und vergessen dennoch nicht, auf sich selbst und die anderen zu achten –
wie schlägt mein Herz, was macht mein Atem, wie fühlt sich mein Körper an, wem muss ich die Hand geben, weil er oder sie sonst umfällt.
Völlig ohne Vorbehalte erzählen sie, wie es ihnen geht, was ihnen gefällt –
und verkünden natürlich auch lautstark, wenn ihnen etwas gar nicht gefällt, damit muss man bei Kindern immer rechnen und darf es ihnen keinesfalls übel nehmen.

Beim Yogieren mit Kindern muss man als Unterrichtende immer voll dabei sein, auf jede Kleinigkeit achten, muss schnell auf Unstimmigkeiten oder kleinere Wehwehchen reagieren, beim Aus- und wieder Anziehen helfen, Socken umstülpen, Lieder singen und Zöpfe flechten, Fragen zu Meeresbewohnern beantworten und manchmal auch Tränen trocknen.
Wenn Lehrende in Erwachsenenstunden sagen: Und jetzt bleiben wir fünf Atemzüge in dieser Haltung, dann können sie diese Atemzüge als Pause nutzen, in Gedanken die weitere Stunde durchgehen oder vielleicht auch einfach an der Hose zupfen.
Wenn ich in Kinderyogastunden an meiner Hose zupfe, machen das alle Kinder nach –
auch wenn ich mich kratze oder meine Haare richte.

Wenn ich dann mit Sack und Pack zu Hause ankomme, kann ich es manchmal gar nicht glauben, dass man gleichzeitig so müde und so glücklich sein kann –
und sich so auf die nächste Stunde freut!

#Namaste!

 

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Aus der Reihe ‚Yoga mit dem Wheel‘: Spann mal den Bauch an!

In den meisten Yoga-Stunden gibt es nach unzähligen Steh- und Balancehaltungen diesen einen Moment, wenn man sich endlich für die Drehhaltungen auf seine Matte setzen darf, sich erleichtert und glücklich auf Vorbeugen und Dehnungen freut, und der oder die Unterrichtende plötzlich sagt:
Und dann mach dich bereit für Navasana, das Boot.

Meist hört man dann ein kollektives Raunen und Ächzen, jede/r versucht, Mula Bandha und Uddiyana Bandha möglichst richtig zu aktivieren, macht sich geistig bereit auf die Anstrengung, die jetzt folgt –
und vor lauter Anspannung in den Bauchmuskeln vergisst manch eine/r auf die Haltung des Oberkörpers.

Dabei kann Navasana so wunderbar sein –
etwa, wenn man es mit dem Yogawheel übt:

Und so geht’s:
Setz dich auf deine Yogamatte, das Wheel liegt vor dir. Platziere nun achtsam beide Beine nebeneinander auf dem Wheel –
Vorsicht:
Dabei kippt das Rad leicht um!
Wenn die Beine stabil sind, richte deinen Oberkörper aus:
Achte auf Länge im Oberkörper, der Rücken sollte gerade sein, die Schultern sinken tendenziell eher nach hinten-unten, Mula Bandha und Uddiyana Bandha geben dir Stabilität. Verbinde die Haltung mit einer leichten Herzöffnung, richte den Blick etwas nach oben, präsentiere dem Himmel dein Herz.
Probier für dich aus, wie lange du diese Position mit ruhigem Atem halten kannst, und vermeide es, die Luft anzuhalten!
Wenn es nicht mehr geht, leg die Beine auf der Matte ab, entspanne –
und wiederhole die Übung.

Du kannst auch verschiedene Armhaltungen ausprobieren und die Arme etwa nach vorne strecken, wie in der klassischen Boot-Haltung:

Halte deine Wheel-Boot-Variation für einige Atemzüge, dann entspanne. Versuch, in die Haltung hineinzuspüren, zu erkennen, was dir Schwierigkeiten bereitet –
da du die Beine ablegen kannst, wird dir die Haltung leichter fallen, sodass du besser spüren kannst.
Nach und nach wird Navasana immer angenehmer werden, sodass du auf das Yogawheel als Unterstützung verzichten kannst –
und irgendwann bist du dann vielleicht soweit, dass du Variationen üben möchtest, die diese Haltung schwieriger machen.

Extra-Anstrengung gefällig?
Denn auch das geht mit dem Wheel –
und zwar so:
  

Platziere nur ein Bein auf dem Wheel, das andere liegt ausgestreckt auf deiner Matte. Richte deinen Oberkörper aus, denk an die Länge im Rücken und deine Bandhas, und heb dann das Bein, das auf der Matte liegt, ein Stück an. Verlier nicht die Ausrichtung des Oberkörpers, beweg aber dein Bein sanft auf und ab.
Versuch, möglichst ruhig weiterzuatmen, leg dann dein Bein achtsam wieder auf der Matte ab –
und wechsle die Seiten.
Wiederhole diese Übung einige Male –
und vergiss danach nicht, deinen Muskeln Entspannung zu gönnen!

Schon nach kurzer Zeit wirst du merken, dass dir das klassische Navasana im Unterricht oder deiner Praxis um einiges leichter fallen wird –
vielleicht auch deshalb, weil du mit dem Wheel für dich herausfinden kannst, wie du am besten in die Haltung kommst.

Und wie immer im Yoga gilt auch hier, besonders mit dem Wheel:
Sei achtsam!
Überfordere deinen Körper nicht mit Haltungen, die er noch nicht kennt – vor allem, wenn du Anfänger/in bist!
Aktiviere Mula Bandha, deinen Beckenboden, und Uddiyana Bandha, in der Nähe deines Bauchnabels, indem du Beckenboden und Nabel sanft anspannst – aber nicht zuviel.
Wärme dich vor dem Üben mit dem Yogawheel gut auf – zuerst deinen ganzen Körper, etwa mit Sonnengrüßen oder einer sanften Praxis, gewöhne dann im Speziellen aber auch deine Wirbelsäule an das Wheel, etwa indem du sanft rollst und dich auf dem Rad einfindest.

Ich wünsch dir ent.spannende Stunden mit dem Wheel –
wenn du Fragen hast, meld dich einfach!

Ich freu mich auf dich!
#Namaste!

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Aus der Reihe ‚Yoga mit dem Wheel‘: Lass den Kopf nicht hängen!

Es gibt diese Tage …
… da schleppen wir uns auf die Yogamatte, sitzen dort eine Weile, wissen aber nicht genau, was wir jetzt tun sollen, und bleiben einfach in Stille sitzen.
… oder wir verzweifeln, weil manch eine Asana nicht und nicht klappen will, sei es, weil unser Geist noch nicht bereit ist, oder weil unser Körper sie einfach nicht ausführen kann.
… oder wir haben eine anstrengende Praxis hinter uns, möchten aber noch nicht in Savasana versinken, sondern zuvor nochmal tief durchatmen, in uns hineinhören, nachspüren.

Bisher hab ich mich in solchen Momenten in den Fersensitz gesetzt, manchmal auch in Sukhasana mit vielen Unterstützungen, damit meine Hüften mitspielen, und versucht, mich zu entspannen –
es muss ja nicht immer eine anstrengende und fordernde Yoga-Praxis sein.

Letztens aber hab ich etwas Anderes probiert und dabei was Tolles entdeckt:
Ich hab mich einfach auf mein Yogawheel gelegt und bin ein wenig hin und her gerollt, einfach, weil es entspannend und angenehm ist.
Ich hab die Beine gestreckt, meinen Kopf nach unten sinken lassen, bin wieder zurückgerollt, hin zu Pflug und Kerze, und hab das alles ein paar Mal wiederholt –

und als Ausgleich nach all den Rückbeugen hab ich dann, ohne viel nachzudenken, meine Fußsohlen ähnlich wie in Baddha Konasana aneinandergelegt, den Kopf auf dem Wheel platziert, die Augen geschlossen und ein paar tiefe Atemzüge genommen …

und es war großartig!

Lass den Kopf nicht hängen!

Mein Rücken war entspannt und fühlte sich gut an, weil die extrem sanfte Vorbeuge ein toller Ausgleich zu den Umkehrhaltungen war, genau richtig in diesem Moment. Meinen Kopf konnte ich sanft auf dem Wheel betten, anstatt ihn halten zu müssen oder hängen zu lassen, was dem Nacken oft zusätzlichen Stress bereitet. Mein Atem war tief und ruhig, ohne dass ich etwas erzwingen musste.

Ich weiß gar nicht, wie lange ich so auf der Matte gesessen bin, einfach weil es so entspannend war. Seitdem schätze ich diese Haltung sehr, vor allem nach Umkehrhaltungen oder Rückbeugen, wenn ich zwischendurch eine sanfte Ausgleichshaltung brauche.
Oder einfach so, wenn ich fünf Minuten Ruhe auf meiner Matte suche, um kurz dem Alltag zu entfliehen.
Das Wheel ist also auch wunderbar zum Entspannen –
oder um ein wenig Spaß zu haben.

Und auch Spaß muss manchmal sein.

Aber bitte denk immer daran:
Wie bei allen Asanas gilt auch (und besonders!) mit dem Wheel:
Sei achtsam!
Überfordere deinen Körper nicht mit Haltungen, die er noch nicht kennt – vor allem, wenn du Anfänger/in bist!
Aktiviere Mula Bandha, deinen Beckenboden, und Uddiyana Bandha, in der Nähe deines Bauchnabels, indem du Beckenboden und Nabel sanft anspannst – aber nicht zuviel.
Wärme dich vor dem Üben mit dem Yogawheel gut auf – zuerst deinen ganzen Körper, etwa mit Sonnengrüßen oder einer sanften Praxis, gewöhne dann im Speziellen aber auch deine Wirbelsäule an das Wheel, etwa indem du sanft rollst und dich auf dem Rad einfindest.

Ich wünsch dir viel Freude in deiner Yogapraxis!
Wenn du Fragen hast, schreib mir doch
oder komm mal in einen Wheel-Workshop!

#Namaste!

 

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Aus der Reihe ‚Yoga mit dem Wheel‘: Hoch das Bein!

Salamba Sarvangasana, der gestützte Schulterstand, wird wegen der vielen positiven Auswirkungen auf den Körper auch gern die Mutter aller Asanas genannt.
Der gestützte Schulterstand aktiviert die Durchblutung, entlastet die Beine und die Organe, stimuliert den Hormonhaushalt und kann dabei helfen, die Atemwege zu befreien. Außerdem hat diese Asana eine positive Wirkung auf die Verdauung, kann bei Krampfadern helfen und (richtig geübt) durch die Dehnung Nackenverspannungen lösen.
Der gestützte Schulterstand verbessert außerdem das Selbstwertgefühl, regeneriert das Prana und baut neue Energien auf.

Auch die sanfte Version davon, Viparita Karani, bei der die Beine an einer Wand und der Po auf einer Decke liegen, ist toll –
sie entspannt auch bei Bluthochdruck oder während der Menstruation, also immer dann, wenn man aufpassen muss und vom Schulterstand lieber Abstand nehmen sollte.

Ruhe für Körper und Geist
Umkehrhaltungen beruhigen den Geist, was gerade abends und/oder bei Schlafstörungen sehr hilfreich sein kann –
oder wenn man wie ich mit dem Restless Legs Syndrom zu kämpfen hat.
Außerdem kann es toll sein, mal den Blickwinkel zu ändern –
es muss gar kein Kopfstand sein, manchmal reicht es schon, die Zehen über dem Kopf zu sehen und zu wissen:
Es geht auch andersrum!

Umkehrhaltungen bergen aber auch Risiken, deshalb an dieser Stelle:

Achtung!
Während der Periode und Schwangerschaft sollte man auf Umkehrhaltungen verzichten, ebenso bei Nacken- oder Netzhautproblemen, bei Bluthochdruck sowie bei einigen Herzkrankheiten. Sprich am Besten mit deinem Arzt/deiner Ärztin darüber und informiere deine/n Lehrer/in, wenn du trotzdem die Beine in den Himmel strecken möchtest, damit er/sie dich bestmöglich dabei unterstützen kann!

Wenn du sicher bist, dass du gefahrlos Umkehrhaltungen üben kannst, dann probier den sanften Schulterstand doch mal auf einem Yogarad.
Vor allem für all jene, denen der gestützte Schulterstand schwer fällt, weil sie die Beine nicht gerade nach oben strecken können oder weil das Gewicht des eigenen Körpers zu sehr in den Händen lastet, ist die Version auf dem Wheel eine tolle Option, die so aussieht:

Gestützter Schulterstand

Und so geht’s:
Setz dich an den vorderen Rand deiner Matte und platziere das Wheel hinter deinem Rücken, etwa in Höhe deiner Brustwirbelsäule. Leg dich darauf und roll ein paar Mal auf und ab, um dich auf dem Wheel einzufinden.
Vergiss nicht, deine Bandhas zu aktivieren, sie geben dir Stabilität!
Roll dann weiter nach hinten, bis dein Kopf sanft die Matte berührt und bleib kurz in dieser Position. Denk wieder an deine Bandhas und roll sanft weiter nach hinten ab, bis auch deine Schultern auf der Matte aufliegen. Greif währenddessen mit deinen Händen das Wheel, damit es nicht unter deinem Po herausrollt, und finde dich in der Haltung ein:
Dein Nacken ist entspannt und liegt nicht auf der Matte auf, nur dein Hinterkopf und die Schultern berühren die Matte, dein Kinn hebt sich leicht vom Brustkorb weg. Deine Hände greifen von außen das Rad, so positionierst du deine Schultern besser und öffnest deinen Herzraum noch ein wenig mehr. Das Wheel liegt sicher unter deinem Kreuzbein, deine Beine ragen vertikal nach oben Richtung Himmel, dein Atem fließt ruhig und gleichmäßig. Du kannst für dich entscheiden, ob du deine Füße flexen oder die Zehen Richtung Himmel strecken möchtest – oder vielleicht sogar abwechseln.

Hier siehst du im Schnelldurchlauf, wie ich das mache:
https://www.instagram.com/p/BTGhOM-DRZE/?taken-by=sibl_and_the_wheel

Wenn dir diese Haltung zu fordernd ist oder du das Gefühl hast, die Beine nicht mehr länger gerade nach oben strecken zu können, dann lass sie ein Stück weit nach unten sinken, zu Ardha Sarvangasana, dem halben Schulterstand –
hier ist es wichtig, dass du das Yogarad wirklich nicht loslässt, weil es sich sonst verselbständigt und du auf die Matte fällst. Achte auch hier wieder auf deinen Nacken und atme entspannt weiter.
Und spür in deinen unteren Rücken, denn der wird diese Haltung lieben!

Wenn du die Haltung verlassen möchtest, lass deine Beine achtsam hinter deinen Kopf sinken, zu Halasana, dem Pflug, roll dann mit deinen Händen langsam das Wheel ein Stück weit die Matte entlang, weg von deinem Po, komm aus Halasana zurück, stell deine Beine auf der Matte ab, lass die Knie gegeneinander sinken und spür nach.
Schließ für einen Moment die Augen, lass deinen Atem fließen, und streck dann die Beine zu Savasana.

Ardha Sarvangasana – der halbe Schulterstand

Denk aber bitte daran:

Wie bei allen Umkehrhaltungen gilt auch (und besonders!) mit dem Wheel:
Sei achtsam!
Überfordere deinen Körper nicht mit Haltungen, die er noch nicht kennt – vor allem, wenn du Anfänger/in bist!
Aktiviere Mula Bandha, deinen Beckenboden, und Uddiyana Bandha, in der Nähe deines Bauchnabels, indem du Beckenboden und Nabel sanft anspannst – aber nicht zuviel.
Wärme dich vor dem Üben mit dem Yogawheel gut auf – zuerst deinen ganzen Körper, etwa mit Sonnengrüßen oder einer sanften Praxis, gewöhne dann im Speziellen aber auch deine Wirbelsäule an das Wheel, etwa indem du sanft rollst und dich auf dem Rad einfindest.

Wenn du Fragen hast, meld dich einfach, ich helf dir gern weiter.
Oder komm mal zu einem Wheel-Workshop und lern mit mir die Basics von Yoga mit dem Wheel.

Ich freu mich darauf, mit dir zu üben!
#Namaste!

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Aus der Reihe ‚Yoga mit dem Wheel‘: Öffne dein Herz!

Anahata Chakra, das Herz-Chakra, ist eines der Haupt-Chakren im Yoga und gilt als Sitz der kosmischen und individuellen Seele. Diesem Chakra werden Freude und bedingungslose Liebe ebenso zugeordnet wie Mitgefühl und Hingabe, Sanftheit und Geduld. Wer sein Anahata Chakra aktiviert, findet besseren Zugang zu Liebe und Freude, empfindet kaum Eifersucht oder Gier und toleriert alles und jeden, wertet nicht, nimmt an, was ist.

Un-yogisch ausgedrückt bedeutet das, wertfrei und ohne Vorurteile durchs Leben zu gehen, mit einem Lächeln auf den Lippen und Liebe im Herzen –
Liebe für sich selbst, aber auch Liebe für andere und die Welt an sich.
Eben mit einem offenen Herzen.

Diese innere Haltung haben wir alle ein wenig verlernt –
ob man nun sagt, dass Anahata Chakra geöffnet werden muss, oder wir einfach liebevoller mit uns und der Welt umgehen müssen, ist unerheblich, weil wir alle dasselbe meinen.

Im Yoga heißt es, dass alle Rückbeugen dazu beitragen, Anahata Chakra aus eigener Kraft wieder zu öffnen –
und das kann schwerer sein, als man glaubt.
Einerseits, weil der Job uns vielleicht in eine nach vorne gebeugte Haltung zwingt, oder weil die Muskeln am Rücken nicht so trainiert sind wie die Brustmuskulatur.
Andererseits können die Gründe auch in unserem Inneren liegen. Nicht nur einmal hab ich in Yogastunden erlebt, dass Menschen in Tränen ausbrechen, wenn sie eine Rückbeuge über längere Zeit hinweg halten, dass längst vergessene Gefühle wieder hochkommen, oder dass der ganze Körper sich dagegen sträubt, eine Rückbeuge zu machen.

Rückbeugen können auch für Schmerzen im unteren Rücken verantwortlich sein:
Wer ständig sein Herz öffnet, die Bewegung aber aus der Lendenwirbelsäule kommen lässt anstatt aus der Brustwirbelsäule, schädigt auf Dauer seinen unteren Rücken und wird keine Freude mehr an herzöffnenden Asanas haben, weil er sie für seine Schmerzen verantwortlich macht.

Und hier kommt das Yogawheel ins Spiel:

Öffne dein Herz!

Wie du siehst, lieg ich ganz entspannt auf dem Wheel, mein Kreuzbein liegt genau auf dem Wheel auf und ist gut unterstützt, sodass ich kein Hohlkreuz erzeuge und Schmerzen in der Lendenwirbelsäule vorbeuge –

ich bin recht anfällig für Schmerzen im unteren Rücken und hab diese oft durch falsche Haltungen verschlimmert …
eine Rückbeuge, die rein aus der Brustwirbelsäule kommt, fühlt sich nicht so intensiv an wie eine, bei der ein Hohlkreuz die Beugung verstärkt, auch wenn sie besser für den ganzen Körper wäre.

Mit dem Yogarad aber kann ich entspannt mein Anahata Chakra öffnen, mein Kopf liegt wie in Matsyasana, dem Fisch, auf der Matte auf, mein Nacken ist ebenfalls entspannt und mein Atem kann tief und ruhig fließen.

Ein weiterer Vorteil:
Durch das sanfte in die Rückbeuge hineinrollen lernt mein Körper, wie die Haltung auch ohne Wheel geübt werden muss, sodass ich nach und nach lerne, Rückbeugen ohne Hohlkreuz zu bewerkstelligen.

Auf meinem Instagram-Account kannst du es als Timelapse-Video anschauen:

https://www.instagram.com/p/BTBdGlLDgav/?taken-by=sibl_and_the_wheel

Und so geht’s:
Setz dich an den vorderen Rand deiner Matte, die Knie gebeugt, und platziere das Wheel so an deinem Rücken, dass deine Brustwirbelsäule auf dem Wheel liegt.
Greif dann dein Wheel oder lass die Hände neben deinem Körper auf der Matte liegen, aktiviere Mula Bandha und Uddiyana Bandha und roll langsam und achtsam nach hinten. Roll vielleicht ein paar Mal hin und her, bis du so weit nach hinten rollen kannst, dass dein Kopf die Matte berührt –
das Wheel liegt jetzt idealerweise unter deinem Kreuzbein und unterstützt deinen unteren Rücken. Deine Hände kannst du locker neben dem Körper auf der Matte liegen lassen, die Beine sind gestreckt und bleiben aktiv, sodass die Füße nicht auseinanderfallen, dein Atem fließt ruhig und sanft, direkt hinein in dein geöffnetes Herz-Chakra.
Bleib einige Atemzüge in dieser Haltung, bring danach wieder Aktivität in deine Beine und deine Bauchdecke und roll achtsam wieder zurück nach vorne, wo du für einen Moment einfach entspannt sitzen bleibst und der Rückbeuge nachspürst.

Wie bei allen Rückbeugen gilt aber auch (und besonders!) mit dem Wheel:
Sei achtsam!
Überfordere deinen Körper nicht mit Haltungen, die er noch nicht kennt – vor allem, wenn du Anfänger/in bist!
Aktiviere Mula Bandha, deinen Beckenboden, und Uddiyana Bandha, in der Nähe deines Bauchnabels, indem du Beckenboden und Nabel sanft anspannst – aber nicht zuviel.
Wärme dich vor dem Üben mit dem Yogawheel gut auf – zuerst deinen ganzen Körper, etwa mit Sonnengrüßen oder einer sanften Praxis, gewöhne dann im Speziellen aber auch deine Wirbelsäule an das Wheel, etwa indem du sanft rollst und dich auf dem Rad einfindest.

Rollen zum Aufwärmen

Wenn du Fragen hast, meld dich einfach, ich helf dir gern weiter.
Oder komm mal zu einem Wheel-Workshop und lern mit mir die Basics von Yoga mit dem Wheel.

Ich freu mich auf dich!
#Namaste!

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Wie Musik dein Yoga noch wunderbarer machen kann.

Yoga ist etwas, das in aller Stille praktiziert wird, das hab ich ganz zu Beginn meiner Yogapraxis eingetrichtert bekommen.
Es geht rein um die Musik in dir selbst, darum, diese Stille als Musik wahrzunehmen, und zu erkennen, wie wunderbar diese Stille ist.

Stimmt, gar keine Frage.
Die Welt rund um uns ist laut genug, kaum jemals kann man wirklich in Stille sitzen –
und selbst wenn es draußen mal still ist, dann irritieren uns die Stimmen und Gedanken in unserem Kopf, die ohne Unterlass auf uns einreden und uns ablenken.

In meinem Fall ist die vollkommene Stille leider unmöglich –
seit ich ein kleines Kind bin, rauschen meine Ohren, ein sanfter, aber stetig wahrnehmbarer Tinnitus, verursacht durch zu viele Mittelohrentzündungen.
Je nachdem, wie gut oder schlecht es mir geht, ist das Rauschen leiser oder lauter, das ist manchmal recht praktisch, weil ich etwa schon im Vorhinein merke, wenn ich krank werde oder eine Auszeit brauche.

Allein auf meiner Matte ist es allerdings weniger praktisch, das andauernde Geräusch, das manchmal so laut ist, dass es mich richtig ablenkt, obwohl es mich schon seit mehr als zwanzig Jahren begleitet.
Das ist einer der Gründe, warum ich oft Meeresrauschen abspiele, wenn ich meditiere, und meistens mit Musik yogiere, die ich gut kenne –
so vergesse ich das Rauschen in meinen Ohren und kann mich völlig auf die Yogapraxis konzentrieren.

Und deswegen möchte ich euch heute meine liebste Yoga-Playlist präsentieren –
manchmal ist mir nach indischen Mantras, manchmal nach purer Klavierbegleitung, aber meistens genieße ich diese 49 Minuten Musik:

Die Art der Songs, das Tempo und die Intensität weisen mir den Weg durch die Asanas –
vom Ankommen auf der Matte, übers Aufwärmen und Dehnen hin zu kräftigen und anspruchsvolleren Posen, weiter zu Dreh- und Umkehrhaltungen, bis dann die Schlussentspannung kommt.
Wenn mir danach ist, bau ich zu James Bay den Inside Flow ein, den ich in einem Workshop mit Young Ho Kim lernen durfte –
wie einen kleinen Tanz zwischendurch.

Ich denke gar nicht darüber nach, was ich mache, und ich mach auch nicht immer das gleiche, aber ich kann mich vollkommen der Musik hingeben, höre kein Rauschen in den Ohren, kann meine Gedanken abschalten und auf der Matte einfach nur sein.

Und ich muss sagen:
Es gibt nichts schöneres!

#Namaste!

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Wenn das Problem zur Chance wird oder: Wie es ist, ein Hüftopfer zu sein.

Bei der Anfertigung meines Körpers haben sich leider ein paar Produktionsfehler eingeschlichen –

ich hab eine Vielzahl an Allergien, die mich in meiner Kindheit in den Wahnsinn getrieben haben und das Personal diverser Allergiezentren alljährlich zum Staunen bringen, ich hab das so genannte Restless Legs Syndrom, das mich in vielen Nächten nicht schlafen lässt, und ich kam mit dem Po voran auf die Welt, denn:

Meine Hüften waren bei der Geburt so gut wie nicht vorhanden. Das erste, was der Arzt nach meiner Geburt damals zu meiner Mutter gesagt hat, war, dass ich niemals richtig gehen können werde –
der Arzt war wohl wirklich ein … sagen wir es mal freundlich: Idiot.

Ich wurde also von Geburt an mittels Gipsschale breit gewickelt –

hier auf dem Bild sieht man die Gurte dieser Schale.
Lustigerweise schau ich auf dem Bild so drein, als würde mich das fürchterlich stören –
und das kann ich mir fast vorstellen:

Meine Kinder musste ich auch alle breit wickeln, als Vorsichtsmaßnahme, weil Hüftprobleme ausgeschlossen werden sollten, ich wickelte sie aber auf Anraten meiner Ärzt/innen mit einer Stoffwindel einfach dicker …
sicher die angenehmere Variante.
Aber eins muss man natürlich sagen: Die Gipsschale hat ihren Zweck erfüllt.

Später bekam ich eine Art Laufgestell mit Spreizhose, ein Wägelchen, in dem meine Beine breit zur Seite standen, das es mir aber ermöglichte, mich in der Wohnung fortzubewegen.

Meine Mutter hat mir einmal erzählt, dass sie die mitleidigen Blicke mancher Mitmenschen kaum aushalten konnte, oder die Frage, welche Behinderung ich denn hätte –
wobei eine direkte Frage sicher angenehmer ist als das verstohlene Flüstern und Schauen.
Und es gibt die Anekdote, dass Bekannte meiner Eltern sie als schlechte Eltern bezeichneten, zu jung und dumm für ein Kind, weil ich als Baby diese Gipsschale tragen musste –
es wäre ja viel besser, ein körperlich behindertes, aber psychisch gesundes Kind zu haben.
(Manchmal fragt man sich, was in den Köpfen der Mitmenschen so vorgeht.
Deshalb:
Danke für die Gipsschale, Mama und Papa! Ich find gehen können schon ziemlich lässig – und meiner Psyche geht’s auch ganz gut.)

Ich bin mir aber ganz sicher, dass ich dieses Wägelchen recht lustig gefunden hab, ich mein: Schaut euch mal an, wie ich dreinschau! So schaut kein Kind drein, das traurig ist oder sich über etwas ärgert.

Irgendwann waren meine Hüften dann bereit zum Einsatz, ich lernte gehen. Und laufen!
Ich glaube, ich kann mich noch daran erinnern, wie genial ich das fand.

Einige Jahre lang waren meine Hüften dann kein Thema mehr für mich –
bis ich im Gymnasium eine Sportlehrerin bekam, die sich zwar freute, dass ich im Leichtathletik-Team war und einige Wettkämpfe für meine Schule gewinnen konnte, die mir aber dennoch eine schlechte Note ins Zeugnis schrieb, weil ich (Zitat) so schirch (also hässlich) laufen würde.

Erst ein Attest meines Orthopäden konnte sie davon überzeugen, dass das keine sehr objektive Beurteilung meiner Leistung im Sportunterricht war. Ich wiederhole: Ich war die Schnellste im Leichtathletik-Team der Schule!

Und bumm!
Schon waren meine Hüften wieder ein Thema –
denn es stimmt: Wenn ich gehe oder laufe, sieht es wirklich anders aus als bei anderen.
Doch nicht nur das:
Meine Hüften hatten früher auch die Tendenz, hin und wieder den Oberschenkel zu entkoppeln, einfach so. Oder in Situationen, in denen es toll wäre, schnell reagieren zu können, einfach gar nicht zu reagieren, mit dem Erfolg, dass man auf der Nase landet. Manchmal machen meine Hüften auch Geräusche, sie knirschen und knacken, oder es blubbert, so als würden Bläschen aus meinen Hüften aufsteigen – und zwar so laut, dass es manchmal auch andere Leute hören und vor Schreck ganz blass werden.

Natürlich ist diese Hüftproblematik auch ein Thema im Yoga.
Es gibt einige Asanas, die ich nicht nach Lehrbuch ausführen kann, einfach weil mein Körper nicht mitspielt.
Vorbeugen im Sitzen mit gleichzeitiger Grätsche etwa, oder Haltungen wie Virabhadrasana 1 / Krieger 1, bei denen man die Beine in gewissem Abstand hintereinander platziert, die Hüften aber parallel halten soll. Auch Trikonasana / Dreieck gehört dazu, da hört man ja oft die Anweisung, dass man die Hüften übereinander stapeln soll – ein Ding der Unmöglichkeit.
Alle Asanas, die eine sehr hohe Beweglichkeit in den Hüften verlangen, sind für mich der blanke Horror.

Ich hab in vielen Yogastunden versucht, mich in der letzten Reihe zu verstecken, damit kein/e engagierte/r Yogalehrer/in auf die Idee kommt, mich in die korrekte Haltung pressen zu wollen –
diese gut gemeinten Korrekturen führen bei mir nur zu Hüftschmerzen, schlimmstenfalls sogar zu Entzündungen im Gelenk.
Zu den Yogastunden gegangen bin ich aber trotzdem weiterhin:
Weil ich gemerkt hab, wie gut die Dehnung und die Bewegung tut, und weil die durch Yoga gewonnene Stabilität mir geholfen hat, die Unbeweglichkeit meiner Hüften auszugleichen.

Lange Zeit war ich aber der Meinung, dass ich es eben nicht besser könnte, dass Yoga halt vielleicht doch nichts für mich wäre, wenn ich schon so einfache Haltungen wie Krieger 1 nicht hinbekomme –
bis ich dann im Teacher Training meine Ausbildnerin kennenlernte, die ein ähnliches Hüftproblem hat wie ich, und die mir die Augen öffnete, denn:
Ich kann natürlich Yoga machen – und muss dabei auch nicht glauben, dass ich es falsch mache!

Ich muss in manchen Fällen mehr Unterstützung in Form von Block, Gurt oder Wheel verwenden als andere, ich werde wohl nie entspannt in der Grätsche sitzen können, meine Taube sieht immer ein wenig komisch aus, und ich stehe in Krieger 1 anders als alle anderen, damit meine Hüften mitspielen, aber hey:

Das ist eben mein Yoga!

In der Ausbildung wurde ich dann recht schnell zum Hüft-Testobjekt, denn es gibt einige Tricks, mit denen man Menschen unterstützen kann, deren Hüften nicht nur ein bisschen ungelenkig sind, sondern wie in meinem Fall einfach … nun, nennen wir es: von der Natur mit weniger Beweglichkeit versehen.

Keine Sorge:
Auf den Bildern sieht das viel wilder aus, als es war –
denn ich sage euch: Es war wunderbar!
Dieses Gefühl, wenn die Hüften sich plötzlich annähernd so bewegen, wie sie sollen, weil jemand weiß, wo sie hingreifen, wie sie ziehen muss – himmlisch!
(Vielen Dank, liebe Selma, das war echt genial!)

Auch die Anatomiestunden in der Ausbildung waren toll, weil mir endlich klar wurde, wie mein Körper eigentlich funktioniert, wie ich ihm helfen kann, im Alltag und im Yoga, und dass ich als selbst ernanntes Hüftopfer mein bisheriges Problem in Zukunft als Chance sehen werde:

Ich kann mich sehr gut in Yogi/nis hineinversetzen, die sich mit gewissen Asanas quälen, denn das sind meistens jene, die mich auch quälen –
und unter uns gesagt:
Mich quälen eine Menge Asanas.
Ich weiß mittlerweile aber sehr genau, welche Unterstützung ich brauche, damit ich die für mich problematischen Haltungen korrekt ausführen kann –
und kann dieses Wissen meinen Yogi/nis weitergeben.
Ich hab auch erkannt, dass die perfekte Ausrichtung nicht alles ist –
ich weiß nämlich nicht, wie die Leute innen drinnen aussehen, vielleicht haben sie ähnliche Probleme wie ich und die Ausrichtung nach Lehrbuch macht ihnen mehr Probleme als kleinere Unrichtigkeiten.
Ich werde ganz sicher nie die Lehrende sein, die ihre Yogi/nis ins Schwitzen bringt, weil sie alles so perfekt vormacht, dass sich die anderen im Raum denken:
Das werd ich nie schaffen!
meine Senior/innen danken es mir jedes Mal, wenn ich in Vorbeugen nicht wie ein Taschenmesser zusammenklappe oder für Trikonasana ebenso einen Block verwende wie sie.
Und ja, ich sitze mittlerweile immer auf einem dünnen Kissen oder einer gefalteten Decke, wenn ich Sitzhaltungen übe oder vorzeige –
das ist vielleicht uncool, aber was soll’s?
Ich muss nicht cool sein, um Yoga üben zu können.

Aber ich hab beim Yoga mittlerweile immer einen Gurt dabei, auch ein Kissen und mein Wheel, einfach weil ich weiß:
Es hilft mir.

Und das ist mir weitaus wichtiger als alles andere –
denn ich bin jetzt 38 Jahre alt und hab die Hüftprobleme, die andere erst im hohen Alter bekommen, schon hinter mir, nein danke, die brauch ich nicht mehr.

Wenn ich nach einer Trikonasana-Ardha Chandrasana-Session abends noch die Treppe hinaufgehen können möchte, muss ich mit Block und Wheel arbeiten –
nicht weil Yoga schlecht für die Gelenke ist, sondern weil meine Gelenke das eben so brauchen, damit sie bestmöglich unterstützt werden …

und genau darauf kommt es an:
Im Yoga darauf schauen, was man selbst braucht oder was die anderen brauchen, und den Schüler/innen klar machen:

Nur weil all die Insta-Yogi/nis ausschließlich Fotos von Kopfstand, Handstand und Skorpion posten, heißt das noch lange nicht, dass es nicht andere, weitaus forderende Asanas für sie gibt …
und es ist weder peinlich noch uncool, das auch zuzugeben.

Manch eine/r tut sich irrsinnig leicht mit dem Handstand, schafft aber grade mal so Trikonasana, manche posten unzählige Fotos von Unterarmständen, können aber kaum gerade in Tadasana, der Berghaltung, stehen –
und ich kann mittlerweile angenehm im Kopfstand stehen, scheitere aber nach wie vor an Krieger 1.

So ist es eben –
und es ist gut so!

***

Dank an meinen Vater für die entzückenden Fotos! Und für die Gipsschale.

 

 

 

 

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