Kleines Update – und dann geht’s Richtung Weihnachten!

Die Tage vor Weihnachten vergehen immer wie im Flug –
heuer aber hab ich es wirklich geschafft, nicht im Stress unterzugehen, sondern gemütlich alles zu erledigen, was erledigt werden muss, Zeit für die Familie zu haben …
und nebenbei auch noch ein, zwei neue Dinge auszuprobieren.

So hab ich etwa gestern das erste Mal meine Haare mit Roggenmehl gewaschen –
und bin restlos begeistert!

Die Haare fühlen sich super an, sauber und kräftig, die befürchteten Teigreste klebten nicht in den Haaren, ich konnte alles restlos auswaschen, und ich spar mir so die tägliche Essigspülung, die die Haare ohnehin eher austrocknet.
Großes Plus: Das Roggenmehl kommt aus Österreich und ist komplett plastikfrei verpackt – das erfreut natürlich mein ökofreakisches Herz!

Ich glaub, das ist mein neues Lieblingsshampoo – danke an alle, die mir dazu geraten haben!

(Achtung! Das geht nur mit Roggenmehl!)

Außerdem hab ich es mir an den vergangenen kuscheligen Winterabenden mit einer Tasse Tee oder einem Glas Punsch auf dem Sofa gemütlich gemacht und meinen Vorrat an gehäkelten Wattepads aufgestockt.

Das geht schnell, macht Spaß, ich kann meine Wollreste sinnvoll nutzen –
und ich kann ohne schlechtes Gewissen jeden Tag mehrere Pads verwenden, weil sie danach ohnehin in das Wäschesackerl wandern und von dort in die Waschmaschine.

Ganz nebenbei geben diese Pads auch ein super Weihnachtsgeschenk für Freund/innen oder Familienmitglieder ab, die sich auch dafür interessieren, weniger Müll zu produzieren –

perfekt!

Und wo wir schon beim Thema Müllvermeidung sind:
Ich hab auch meine Monatshygiene auf #ZeroWaste umgestellt.

Menstruationstassen verwend ich ja schon länger, aber seit ein paar Monaten benutze ich auch waschbare Slipeinlagen. Die gibt es in verschiedensten Ausführungen und von einigen Anbietern, ich hab mich für diese hier entschieden, weil sie klein sind und für meine Zwecke völlig ausreichend.

Ja, ich geb’s zu: Ich fand das anfangs auch ein bisserl schräg, mittlerweile bin ich aber sehr begeistert.
Der Tragekomfort ist top, nix verrutscht, nix zwickt, nach dem Tragen wandern sie ins Wäschesackerl und werden dann einfach in der Waschmaschine gewaschen.

Ich lass sie danach auf der Heizung trocknen – fertig.
Und was man sich an Geld spart, kann sich jede/r selbst ausrechnen – wirklich top!

Außerdem hab ich meine letzten Kinderyoga-Stunden in diesem Jahr gehalten, wurde von den Kleinen viel geknuddelt und gedrückt, ich hab neue Stundenbilder für’s Golden Age Yoga im kommenden Jahr gebastelt, das letzte Mal in diesem Jahr als Lesepatin in der Volksschule vor- und mitgelesen und etliche Laibe Brot sowie viele Kekse gebacken.

Und in all dem Trubel hab ich dennoch immer wieder Zeit dafür gefunden, auf meiner eigenen Matte tief durchzuatmen, für einen Moment die Augen zu schließen und die Seele baumeln zu lassen –
selbst wenn es nur zehn Minuten waren.

Und das ist etwas, was ich nur kann, weil Yoga mir dabei hilft –
danke, liebes Yoga, schön ist es mir dir!

https://www.instagram.com/p/BcxGlGBjC49/?taken-by=sibl_and_the_wheel

Genießt die Tage vor Weihnachten, feiert ein wunderbares Fest –
und vergesst nicht, hin und wieder einmal tief durchzuatmen und etwaigen Stress für den Moment zu vergessen.

#Namaste!

Muss ich mich wirklich zum Yoga zwingen?

Letztens hab ich einen wundersamen Artikel gelesen –
jemand machte sich Gedanken darüber, was man alles tun kann, um sich zu mehr Yoga zu zwingen.
Wenn es einen mal nicht freut etwa, wenn andere Dinge wichtiger sind, wenn die heimische Matte eine Zeit lang weniger Aufmerksamkeit bekommt.

Ich soll mir eine Erinnerung im Handy stellen, damit ich weiß, wann ich auf die Matte muss
und ich soll mich dazu zwingen, egal wie es mir geht, acht Sonnengrüße müssen es täglich mindestens sein.
Wenn ich mal einen Tag auslasse, dann soll ich mich bestrafen
wahlweise mit mehr Yoga, weniger essen, weniger Genuss, mehr Workout.
Und wenn ich mal wirklich einen Durchhänger hab, soll ich mich vor den Spiegel stellen und mich selbst anschreien.

Eins ist schon mal sicher:
Diese Person hat keine Kinder, vermutlich auch weder Familie noch einen Job, und recht wenig Ahnung von Motivation und dem wahren Leben –
ich bin mir aber auch nicht sicher, ob sie Ahnung von Yoga hat.

Bestrafung? Anschreien?
Das soll mein inneres yogisches Feuer wieder anheizen, wenn es mal weniger hell brennt?
Na ich weiß nicht.

Der Artikel hat mich vor allem deswegen zum Nachdenken gebracht, weil ich bis gestern auch mal wieder ein wenig Yoga-Faul war und ein paar Tage lang meine Matte nur sporadisch besucht habe …
viele Geburtstage stehen an, Weihnachten steht vor der Tür, kranke Familienmitglieder mussten gepflegt werden, die Kinder wollten Zeit mit mir verbringen und Kekse backen und Geschenke basteln.
Meist blieb mir am Abend nur wenig Zeit, um auf der Matte zu sitzen und zu atmen und die Augen für einen Moment zu schließen …
aber das war schön so.
Erst gestern hatte ich wieder das tiefe Verlangen, mal wieder länger auf der Matte zu sein, Körper und Geist auf diese besondere Art zu bewegen.

Ich bezweifle wirklich, dass Yoga etwas ist, zu dem ich mich zwingen sollte, oder dass meine Hingabe tiefer wird, wenn ich mich selbst bestrafe.

Yoga ist wie ein guter Freund –
ich weiß, dass er da ist, auch wenn wir uns mal seltener sehen, manchmal treffen wir uns dafür jeden Tag.
Und das ist gut so!

#Namaste!

***

Du möchtest mehr Yoga in deinen Alltag einbauen, weil es dir gut tut, hast aber das Gefühl, manchmal drauf zu vergessen oder den inneren Schweinehund besiegen zu müssen?
Du möchtest öfter mal tief durchatmen, weißt aber nicht genau, wie du die Zeit dafür finden sollst?

Zuerst einmal:
Gerade wenn man am Anfang des persönlichen Yogaweges steht, vergisst man oft darauf, dass genau dann die richtige Zeit für Yoga ist, wenn man keine Zeit dafür zu haben meint.
Aber bitte:
Vergiss das Bestrafen und den Zwang!
Du wirst Yoga nie als lieben Freund sehen, wenn du dich dafür bestrafen musst, keine Kekse essen darfst, die Kinder vor der Tür weinen. Deine Matte ist immer für dich da, aber sie ist nicht nachtragend, sie wird dich immer willkommen heißen, wann auch immer du sie besuchst.

Mir hat anfangs eine Achtsamkeits-App am Handy geholfen –
hin und wieder hat sie mich daran erinnert, dass ich auch mal durchatmen, Zeit für mich genießen darf, auch dann, wenn alles ganz furchtbar stressig ist.

Aber denk dran:
Yoga ist Liebe …
für Bestrafung und Zwang ist da kein Platz.

Und wenn du heute Abend einfach nur auf der Matte sitzen und abschalten möchtest, hör dir dabei doch diesen Song an –
Entspannung pur!

Es war wunderbar! Kinderyoga eben.

Die heutigen vier Kinderyoga-Einheiten in einem Salzburger Kindergarten waren wirklich wunderbar.
(Kinderyoga-Stunden sind immer wunderbar, aber manchmal sind sie wunderbarer.)

Ich hatte für die heutigen Einheiten Yoga-Memory geplant, ein wunderbarer Weg, den Kindern spielerisch die Asanas in Erinnerung zu rufen und ihre Achtsamkeit zu schulen (und immer ein großer Spaß) –
aber ich hatte nicht mit so einer übergroßen Freude gerechnet.

In der ersten Einheit waren alle Kinder mit Begeisterung dabei, sie kannten alle Asanas und zeigten diese voller Stolz vor, ohne dass sie schauen mussten, was ich mache.
Am Ende riefen sie laut Namaste und waren traurig, dass es schon aus war.

In der zweiten Einheit setzte sich das Mädchen, das bisher nur daneben saß und zuschaute, ganz von selbst neben mich, drehte begeistert die Kärtchen um und machte sogar ein paar Asanas mit –
ich war so stolz, dass sie sich das heute getraut hat! (Und ich glaub, sie auch.)

In der dritten Einheit musste ich die Übung Wecker (hier sitzen die Kinder mit geschlossenen Augen ganz still und lauschen ihrem Atem) sogar abbrechen, weil sie so lange ruhig saßen, dass die Stunde plötzlich vorbei war. Sonst schaffen wir kaum eine halbe Minute, heute aber ging es wie von selbst.

Und in der vierten Einheit gab’s heut Kuschelalarm –
ein Mädchen drückte mich durchgehend, ein Junge massierte meinen Oberarm, zwischendurch bauten wir die Asanas ein, und als ein kleiner Blondschopf nach der Stunde den Raum verließ, warf er mir eine Kusshand zu und rief: Schön war’s heut!

*

Manchmal fragen mich Menschen, ob Kinderyoga nicht total anstrengend sei, weil Kinder ja generell anstrengend seien …
Quatsch!
Es ist wunderbar!

#Namaste!

 

worlds within.

sitting
breathing
listening
and smiling.

love
and peace
and calm
and stardust.

and the awareness that
there are worlds and worlds in all of us that we don’t know –
worlds that we need to discover with that overwhelming yes in our hearts.

thank you for making me aware.

jimmy

***

thank you, James Higgins, for that wonderful yoga class last friday, it was a pleasure!
can’t wait to yoga with you again!

and thank you, Michis Yoga, for making that wonderful evening possible!
<3

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Ein Geständnis – und eine Liebeserklärung.

Ich bin ein sehr ehrlicher Mensch, und ein ebenso emotionaler –
eine manchmal schwierige Mischung.
Wieso?
Weil ich noch dazu mein Herz auf der Zunge trage und ebendieses Herz der Wahrheit und den Fakten verschrieben habe.

Nicht gerade einfach in Zeiten wie diesen, in denen Glauben und Spüren höher bewertet wird als Wissen und Fakten, und in denen jede/r meint, die eigene Meinung ist immer besser/gscheiter/toller/wichtiger als die des Gegenübers und übertrumpft sogar die Wissenschaft.

Als grundkritischer Mensch, interessiert an wissenschaftlichen Erkenntnissen und deren Auswirkungen auf unser aller Leben, tu ich mir gerade in der Yoga-Community manchmal ein wenig schwer, muss ich gestehen –
im Yoga geht es ja generell viel ums Spüren, das find ich auch richtig toll, weil es mich näher an mich selbst bringt, und das möchte ich auch gern weitergeben, weil das viele Menschen ein wenig verlernt haben, das sich-selber-Spüren, sich-selbst-Nahesein, zu erkennen, wer man eigentlich ist (oder wer man sein möchte) und dadurch ein besserer Mensch werden zu können …

aber für mich hat das alles Grenzen.

Wenn mir jemand erzählt, dass ein Kind erspüren kann, ob und welche Medizin es bekommen sollte, wenn es krank ist …
oder wenn mir jemand erklärt, die Gravitation könne es nicht geben, man spürt sie ja nicht, dafür wisse er, wie das damals mit dem Urknall war, sowas erkennt man in der Meditation, alle, die das nicht erkennen, sind noch nicht erwacht
oder wenn ich in den sozialen Medien lese, wie gerade in der Yoga-Community der Trend hin zur veganen Kinderernährung geht, zum Nicht-Impfen, zu Astrolog/innen als Ratgeber/innen, zu Flacherde-Theorien und Edelsteinen als Chakra-Reiniger, dann klappt das manchmal nicht so mit der inneren Seherin, die lächeln und einfach zusehen sollte, dann heult sie stattdessen laut auf und muss ihrem Unmut Luft machen.

Yoga ist wirklich eine tolle Sache –
Yoga entspannt Körper und Geist, kann vieles lindern und manches heilen, Yoga ist mein sicherer Hafen, mein Ich bin daheim, selbst wenn ich in einem fremden Land bin, Yoga holt mich auf den Boden zurück, wenn ich abzuheben drohe, und gibt mir die Kraft, die ich als berufstätige Mutter dreier Kinder brauche.

Doch eins ist für mich klar:
Yoga darf keine Ausrede sein, um krude Verschwörungstheorien zu verbreiten, der Wissenschaft Lebewohl zu sagen und sich selbst für einen besseren/schlaueren/tolleren Menschen zu halten, nur weil man eben Yoga macht.
Auch wenn man täglich mit Herz und Seele auf der Matte steht und meditiert, wenn man Patanjali liest und Räucherstäbchen mag, darf man weiterhin in Wissenschaftsmagazinen schmökern und Dogmen hinterfragen. Man darf trotzdem Fakten zu Dingen zeigen, die man halt einfach nicht erspüren kann (Stichwort impfen oder Urknall), und man darf sich im Krankheitsfall auch jemandem anvertrauen, der menschlichen Krankheiten und ihre Heilmethoden studiert und nicht nur erspürt hat.

Doch ein Diskurs ist meist kaum möglich:
Wissen scheint verpönt zu sein, Fakten werden einfach so geleugnet, Argumente mit einem Du bist halt noch nicht so weit vom Tisch gewischt –
und über allem, was die Wissenschaft erreicht und erforscht hat, steht plötzlich groß das, was Einzelne erspüren und als allumfassende Wahrheit verkaufen.
Schwierig.

Ich versuche jeden Menschen so zu akzeptieren, wie er oder sie eben ist –
ich erwarte das aber auch von meinem Gegenüber.
Wer öffentlich im Internet einen Aluhut trägt, muss damit rechnen, dass ihm jemand einen Spiegel vorhält –
Stichwort satya, die Wahrhaftigkeit.
(Und ja, ich weiß, es gibt verschiedene Wahrheiten für verschiedene Menschen – doch nicht für Dinge, die durch die Wissenschaft bewiesen sind, da gibt es nur eine Wahrheit, denn:
Wer etwa in der Meditation erkennt, dass die Erde eine Scheibe ist, irrt dennoch, auch wenn sich die eigene Wahrheit gut und wahr anfühlt.)

Dies soll also ein Aufruf sein:
ein Aufruf zur Rückbesinnung auf das, was unsere Vorfahren für uns erarbeitet haben, ein Aufruf zur Dankbarkeit für die Macht der Medizin, die uns ein vergleichsweise sorgloses und langes Leben beschert, ein Aufruf anzuerkennen, dass es Dinge gibt, die wir nicht wissen, und dass es eben Menschen gibt, die diese Dinge besser wissen als wir.

Es ist nicht großartig, mit Unwissen zu prahlen –
aber es ist wahre Größe zugeben zu können, etwas nicht zu wissen.
Und das ist etwas, was ich wirklich auf meiner Yogamatte erkannt habe.

#Namaste!

 

 

Yoga heißt abschalten – auch und gerade das Smartphone.

Der heutige Kinderyoga-Vormittag in einem Salzburger Kindergarten war wieder einmal super –
wir haben einen yogischen Bauernhof besucht, uns in Tiere, Bäume und Lastwägen verwandelt und dabei wie Bienen geatmet.
Alle Kinder haben begeistert mitgemacht, schon vor der ersten Einheit hab ich gehört, wie draußen einige ‚Juhu, Yoga!‘ gerufen haben. Ein Mädchen, das bisher lieber vom Rand aus zuschaute, hat sich heute sogar das erste Mal zu uns in den Kreis gesetzt und ein bisschen mityogiert.
Schön.

Auch in der letzten der vier Gruppen waren die meisten voller Freude dabei, nur ein kleiner Junge nicht, der zuerst nur auf seiner Matte lag und uns zusah –
bis er dann plötzlich ein Smartphone aus der Tasche zog und auf den Bildschirm schaute.
Ich muss gestehen: Ich war wirklich entsetzt.

Ein Smartphone? Im Kindergarten? In der Yogaeinheit?

Bei den Erwachsenen sag ich am Anfang meistens dazu, dass sie bitte das Handy draußen lassen und ausschalten sollen, immerhin kommt man ja zu Yoga, um abzuschalten –
sich selbst, aber auch alle Geräte, die uns davon abhalten, uns selbst abzuschalten.
Im Kinderyoga hab ich das noch nie gemacht, ich wär gar nicht auf die Idee gekommen, dass jemand ein Handy in der Hosentasche haben könnte.

Deshalb möcht ich heute alle Eltern bitten, die hier mitlesen:

Gebt euren Kindern kein Smartphone mit in den Kindergarten!

Euer Kind ist im Kindergarten bestens betreut, es kommt weder allein noch geht es allein nach Hause, es gibt unendlich viele Spiel- und Bastelsachen und meistens einen tollen Garten, es gibt Kinder, mit denen es spielen und sich anfreunden kann, die Pädagog/innen bemühen sich, allen Kindern bestmögliche Betreuung zukommen zu lassen und bieten abwechslungsreiches Programm, damit sich wirklich alle Kinder wohlfühlen und Spaß haben und gefördert werden können.
Ein Handy aber macht all diese Bemühungen zunichte:
Das Kind schaut natürlich dauernd auf’s Handy, weil es cool ist, eins zu haben, es wird die Sprache nicht lernen (so es dazu Bedarf gibt), weil es weniger mit den anderen spricht und spielt, die anderen Kinder sind vielleicht neidisch, weil sie entweder kein Handy haben oder es nicht mitnehmen dürfen, und spielen dann sowieso nicht mehr gern mit dem Kind, am Wichtigsten aber:
Das Kind lernt schon in so frühen Jahren eine immense Abhängigkeit von diesem technischen Gerät, das uns alle so fest im Griff hat.

Viele Erwachsene kommen in Yoga-Stunden, weil sie dort gezwungen sind, abzuschalten –
sich selbst, aber eben auch das Smartphone.
Egal wie wichtig ein Anruf vermeintlich ist, eine Status-Meldung, eine Nachricht:
Während der Yogastunde weiß man nicht mal, dass jemand anruft, weil das Handy ja ausgeschalten ist.
Und man erkennt plötzlich, dass es eigentlich nicht wichtig ist, ob man eine Statusmeldung um 18:00 oder um 19:30 liest, oder ob man mit der Freundin zehn Minuten später telefoniert.
Es ist wahnsinnig befreiend zu erkennen, dass viele der vermeintlich so wichtigen digitalen Dinge uns meist weder wirklich interessieren noch besonders wichtig sind, sondern dass uns der ständige Kontrollblick auf das Smartphone wertvolle Zeit raubt –
die wir für uns und unsere Lieben nutzen könnten.

Gönnen wir unseren Kindern doch wenigstens im Kindergarten die Freiheit, ohne elektronische Fußfessel durchs Leben zu gehen, kein Gerät in der Tasche zu haben, das sie auf Abruf hält –
lassen wir sie doch einfach Kind sein, spielen, lachen, yogieren, ohne den ständigen Blick auf ein Gerät, das sie mit vier, fünf Jahren noch nicht mal wirklich verstehen.

Denn eins ist sicher:
Im Kindergarten sind die lieben Kleinen ohnehin bestens betreut, dort braucht wirklich niemand ein Handy.

#Namaste!

 

 

Vom Ziehenlassen – und wieso das immer weh tut. Und trotzdem schön ist.

Let it go
ein Schlüsselelement im Leben, und auch Yoga.
Wir hören in jeder Yogastunde, was wir alles ziehenlassen sollen, wenn wir abends im Bett liegen, denken wir darüber nach, was wir alles loslassen müssten, damit wir uns besser fühlen würden, und es gibt sogar Songs über dieses Loslassen – und zwar mehr als diesen, den ich sehr gern mag, weil ich einen Inside Flow dazu erlernen durfte:

Das Schlimme am Loslassen ist (zumindest für mich), dass man immer Dinge loslassen muss, die man gern hat –
liebgewonnene Angewohnheiten, so schlecht sie auch für einen selbst sein mögen, Gedanken, die einem wichtig erscheinen, die aber eigentlich nur vom Wesentlichen ablenken, Menschen, an denen man hängt, auch wenn man manchmal gar nicht genau weiß, wieso.

Leider kenn ich das nur allzu gut –
ich mach alles, was ich mache, zu 100 Prozent, ich stürze mich voller Elan in Freundschaften, in Backerlebnisse, in neue Hobbys, ich investiere all meine Liebe in meine Kinder, und ich hab auch Yoga so sehr verinnerlicht, dass es mir fast körperlich weh tut, wenn ich irgendwohin fahre und keine Yogamatte mitgenommen hab.

Dachgeschoss-Yoga in Bella Italia

(Was erst einmal vorgekommen ist, und ich möchte hier ein kurzes Danke an meine bessere Hälfte aussprechen:
Der Gute hat nach einigen Kilometern auf der Autobahn einfach umgedreht und ist zurückgefahren, damit ich nicht ohne Yogamatte ans Meer fahren muss. Obwohl wir schon eine Zeit lang unterwegs waren. <3

Ja, ähm, am Meer gab’s dann bloß keinen Strand in der Nähe, an dem ich hätte yogieren können, es wurde dann ein Dachzimmer mit ohne Aussicht.
Heiß war’s dort oben aber eh auch, und aus meinem Handy drang Meeresrauschen – fast wie am Meer, also.
Schön war’s trotzdem – das Meer und das Yogieren.
Und es war eine Lektion in Sachen die eigenen Erwartungen loslassen.)

Angewohnheiten oder Dinge ziehen zu lassen, das kann ich mittlerweile recht gut, auch unliebsame Gedanken, die mich auf der Matte oder abends im Bett quälen, werd ich recht schnell wieder los.

Eins jedoch werd ich wohl nie lernen:
dass ich manchmal auch Menschen ziehen lassen muss.
Menschen, die mir sehr viel bedeuten.
Menschen, die ich gern hab, die einen Platz in meinem Herzen erobert haben, den sie dann aber gar nicht haben wollen.
Menschen, die einem Freundschaft vorgaukeln, weil es ihnen zu einem gewissen Zeitpunkt gerade hilft, und die sich dann verdrücken, auf Nimmerwiedersehen.
Jede/r von uns kennt das, und uns allen tut das weh –
ganz tief innen drinnen, dort, wo niemand hinsieht, wo wir all die kleinen Nadelstiche speichern, die uns andere (oder wir selbst) im Lauf des Lebens zufügen, und deren Wunden immer dann weh tun, wenn wir eigentlich Ruhe suchen –
des Nachts, wenn wir nicht schlafen können, auf der Matte, während Savasana, allein zuhaus, mit einem Glas Wein in der Hand und einer Träne im Augenwinkel.

Aber ich sag euch eines:
Ich hab darauf keine Lust mehr!
Ich hab keine Lust mehr, darauf zu warten, dass sich Menschen bei mir melden, denen eigentlich gar nichts an mir liegt.
Ich hab auch keine Lust mehr darauf, Menschen nachzulaufen, mit meiner Freundschaft zu wedeln und zu rufen: Da, schau her, ich bin hier, nimm mich!
Das bin ich mir selber schuldig.
Denn durch all die Selbstzweifel, die uns alle so oft quälen, vergessen wir das Wichtigste:

Es gibt ohnehin Menschen, die uns gern haben, ganz ohne Hintergedanken, die für uns da sind, wenn wir sie brauchen, und nicht nur dann, wenn es ihnen gerade in den Zeitplan passt.
Manchmal sehen wir sie nicht, weil sie nicht so hell leuchten wie die Blender/innen, manchmal hören wir sie nicht, weil sie nicht so laut schreien, und manchmal vergessen wir sie, weil sie sich uns nicht aufdrängen.
Aber sie sind da –
und wir sollten ihnen unbedingt dafür danken.

Ich jedenfalls werd in Zukunft versuchen, mich weniger an Dinge oder Menschen zu klammern, die mir meinen Seelenfrieden rauben, öfter denen zu danken, die in meinem Herzen einen Fixplatz haben, und halt es mit der wunderbaren Elsa:

Let it go, let it go
And I’ll rise like the break of dawn
Let it go, let it go
That perfect girl is gone
Here I stand in the light of day
Let the storm rage on
The cold never bothered me anyway!

 

 

***

Du hast gerade diese Zeilen gelesen?

Dann lass alles stehen und liegen, nimm dir eine Minute Zeit und danke all jenen, die an deiner Seite stehen, komme, was wolle, auch wenn du manchmal vergisst, dass sie immer da sind!

<3

 

 

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Wie ich zum #Yoga gekommen bin.

Zehn Jahre sind es jetzt –
zehn Jahre, in denen Yoga eine mal kleine, mal größere Rolle in meinem Leben gespielt hat.

Begonnen hat alles während meiner zweiten Schwangerschaft:
Da hab ich das erste Mal Pilates ausprobiert, um fit zu bleiben, und weil es mit zunehmendem Bauchumfang immer schwieriger wurde, bin ich in den Yoga-Kurs gewechselt, der sehr ruhig und eher auf Meditation und sanftes Dehnen fokussiert war.
Nach der Geburt hab ich dann einiges daheim weitergemacht, mit der kleinen Maus im Arm, was sowohl sie als auch mich beruhigt und meinem Beckenboden in Rekordzeit zu alter Frische verholfen hat.
So ist es dann eine Zeit lang geblieben:
Ich hab Yoga-Kurse besucht, wenn ich gerade Lust dazu hatte, mehr oder weniger regelmäßig, hab daheim aber immer wieder mal versucht, mich an die Asanas zu erinnern, eigentlich immer dann, wenn es grad stürmische Zeiten in meinem Leben gab –
so ist das ja bei vielen Menschen.

Mein allererstes Yoga-Foto

Vor etwa drei Jahren wurden die Zeiten dann besonders stürmisch:
Meine Mutter, psychisch und physisch krank, übersiedelte von zu Hause in ein Pflegeheim Nahe Salzburg, wo ich sie (manchmal mit meinen Töchtern) natürlich recht oft besucht habe –
eine schwierige Angelegenheit, da eine Auswirkung ihrer Krankheit war, dass sie eigentlich jeden Menschen auf der Welt entsetzlich fand, allen voran ihre Tochter.

Nach Besuchen bei ihr war ich meistens völlig fertig, am Ende mit mir selbst und der Welt. Mehrere Male die Woche zu hören, wie doof und blöd man ist, macht das Leben nicht schöner –
meine Mutter nicht zu besuchen war aber auch keine Option.
Meistens hatte ich Stricksachen dabei und hab versucht, einfach nicht zuzuhören oder mit anderen Damen im Heim zu plaudern, manchmal kamen meine Kinder mit, weil sie dann abgelenkt war, manchmal aber saß ich da und musste mich wirklich zusammennehmen, um nicht laut loszuschreien.
Wieder zu Hause musste ich diesem Ärger natürlich Luft machen –
sehr zum Leidwesen meiner Familie.
So konnte es nicht weitergehen, weder für mich noch für meine Lieben.
Die Tatsache, dass meine Hochzeit bevorstand, die wir mit der Unterstützung lieber Freund/innen selber planten, machte den Stress keineswegs weniger –
und ich weiß jetzt:
So ein Hochzeitskleid in wenigen Wochen selbst zu nähen/häkeln ist auch kein Zuckerschlecken.

Also machte ich mich auf die Suche nach einem Yogastudio, das auf dem Weg zu meiner Mutter lag, und wurde auch schnell fündig –
der Beginn einer großen Liebe.
Ich legte die Besuche meiner Mutter so, dass ich direkt danach im Yogastudio einkehren konnte, und wenn das nicht klappte, rollte ich zu Hause meine Matte aus, yogierte zu einer Yoga-App oder Youtube-Videos –
und besuchte am nächsten Tag das Studio.

Eigentlich hab ich kein Wunder erwartet, aber dennoch eins erlebt:
Meine Stressanfälle wurden weniger, die teils harschen Worte meiner Mutter rückten zunehmend in den Hindergrund, es war einfacher zu erkennen, dass sie nicht aus echtem Hass so agierte, wie sie es eben tat, sondern der Krankheit wegen.
In der liebevollen Atmosphäre des Yogastudios war mein Stress schnell vergessen, kaum stand ich auf der Matte, war die Welt eine andere, auch dank all der entzückenden Yoginis, die mit mir yogierten –
und wunderbarerweise klappte das auch zu Hause, auf der heimischen Matte.

Vrksasana – toll für die Hüften

Innerhalb kürzester Zeit konnte ich mir ein Leben ohne Yoga kaum noch vorstellen, sowohl für meine geistige als auch meine körperliche Gesundheit –
denn mit jedem Lebensjahr geht es meinen Hüften weniger gut, das merk ich genau, schon ein Tag ohne Übungen für die Hüfte verschlechtert ihren Zustand enorm.

Und so geht das nun seit etwas mehr als drei Jahren ganz intensiv:
Yoga, mindestens jeden Tag, wenn nicht öfter, die Ausbildung zur Lehrerin, tägliches weiterlernen und einlesen, die Matte immer im Gepäck, egal wohin die Reise geht, und den Wunsch im Herzen, diese Liebe vollkommen undogmatisch an andere Menschen weiterzugeben –

ich will niemanden überreden, ich will nicht missionieren, keinem was aufzwingen, ich möcht nur zeigen, wie toll Yoga sein kann, auch wenn manch eine/r an der spirituellen Komponente nicht so interessiert ist, und ich möcht versuchen, ein bisschen mehr Achtsamkeit in den Alltag der Menschen zu bringen …
natürlich auch in meinen.

Einfach, weil Yoga ein tolles Werkzeug ist, mit all seinen Asanas, mit Meditation und Pranayama, ein Werkzeug, das für jede/n geeignet ist –
und ganz ehrlich:
Ihr braucht dafür weder Räucherstäbchen noch Haremshosen, das ist ein uraltes Klischee.

#Namaste!

***

Meine Mutter litt an Myotoner Dystrophie, gepaart mit einer daraus resultierenden Depression sowie einer schweren Soziophobie und einer extremen Hassliebe mir gegenüber –
kein leichtes Leben, weder für sie noch für uns als Familie.
2015 schlief sie friedlich in ihrem Lieblingssessel ein.

Ihr zu Ehren schrieb ich diesen Text, der im Adventkalender 2016 von mosaik veröffentlicht wurde.

Gehab dich wohl, wo auch immer du gerade bist.

 

 

 

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Als gäb’s nur eine Asana – die ‚Push mein Ego‘-Asana

Weil es immer wieder ein Thema ist in der yogischen Welt, und weil ich mir dazu schon vor Jahren mal Gedanken gemacht hab, poste ich heute einen etwas älteren, neu überarbeiteten Artikel von mir.
Denn:

Ich geb’s ja zu, ich hab damals meine Handgelenke überlastet.

Kein Wunder, wenn man von Ich mach hin und wieder Yoga zu Ich mach jeden Tag Yoga und unterrichte übergeht, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, wenn man täglich mehr Chaturangas macht, als man zählen kann, jeden Armbalance-Workshop besucht, den man findet.
Es ist nichts tragisches, ein Erbe meiner Großmutter mütterlicherseits, ich kenn das schon gut und weiß, wie ich damit umgehen muss –
doch auch, wenn es mich ein wenig nervt, muss ich gestehen:
Es hat mir die Augen geöffnet.

Und das kommt so:
Wenn ich morgens im Bett liege und langsam aufwache, nehme ich gern mein Smartphone zur Hand und schau mir tolle Yogafotos an.

Die hier zum Beispiel find ich großartig – Yoga am Meer, Sonnenauf- und -untergänge, wirklich toll.
Oder hier, ganz wunderbare Bilder.
Doch auf den meisten der Bilder sind Menschen zu sehen, die wie Zirkusartist/innen die schwierigsten Asanas zeigen, mit einer Leichtigkeit, die schier unglaublich ist.
Sehr oft sind es junge Frauen, deren Körper so zerbrechlich scheint, dass sich mir unweigerlich die Frage aufdrängt:
Wie machen die das nur?

Auch ich achte auf meine Handgelenke, weiß, wie ich das Gewicht verlagern muss, damit ich im down dog meine Gelenke schone, und benutze sogar manchmal einen Keil.
Aber in Asanas, wo das gesamte Gewicht des Körpers auf den Händen liegt, kann ich nur schwer meine Handgelenke entlasten, da müssen sie das Gewicht tragen –
mit ein Grund, warum ich kaum Handstand übe, sondern den Kopfstand bevorzuge.

Natürlich sind Fotos im Sonnenuntergang klasse, eine schöne Frau im knappen Bikini, ein lässiger Skorpion direkt am Meer –
keine Frage, solche Fotos sind toll!
Ein bisschen schade finde ich die Einseitigkeit dennoch:
Denn es gibt so viele tolle Yogaposen, die es wert wären, gezeigt zu werden.
Oder lustige ideen, wie man eine scheinbar einfache Pose fotografieren oder aufnehmen kann:

https://www.instagram.com/p/BJnLuTlBowp/?taken-by=sibl_and_the_wheel

Denn Yoga ist so viel mehr als reine Artistik –
und selbst Menschen, die ihr Leben lang keine extremen Umkehrhaltungen praktizieren, können dennoch von sich behaupten, gutes Yoga zu machen …
einfach, weil Yoga kein Zirkus ist.

Was an vielen artistischen Yoga-Fotos aber das Traurigste für mich ist:
Wenn das Bild an sich zwar toll ist, das Outfit top, die Frau sexy, die gezeigte Haltung aber komplett falsch, teilweise so falsch, dass sich jede/r, der sie nachmacht, verletzen könnte.
Selbst extrem durchtrainierte Yogi/nis riskieren Verletzungen, wenn sie sich nicht an die Grundregeln halten, entweder, weil sie diese nicht kennen, vielleicht auch, weil sie ihnen einfach egal sind.
Das hat für mich, gerade bei besonders gehypten Yogi/nis, auch etwas mit Verantwortung den Followern gegenüber zu tun, von denen man weiß, dass sie nachmachen, was man vorzeigt –
ich möchte nicht, dass sich jemand wehtut, weil ich so cool bin und auf die richtige Ausrichtung verzichte.

Und ganz ehrlich:
Wie oft sieht man die hippen Lifestyle-Yogi/nis meditierend auf einem Bild?
Neue Klamotten, tolle Frisur, super Location, die angesagteste Matte und eine #zerowaste-Wasserflasche –
aber Patanjali? Was ist das?

Wir dürfen eines nicht vergessen:
Yoga ist das, was in uns steckt, etwas, das wir vielleicht erst finden, mit dem wir aber sehr achtsam umgehen müssen. In jedem von uns steckt aber was anderes, nicht jede/r kann das, was wir können – und das ist vollkommen okay so.
Yoga ist ein Geschenk, das wir hüten und das wir ebenso sorgsam pflegen müssen wie den Körper, mit dem wir dieses Geschenk ausüben.
Das kann ein Handstand sein, natürlich!
Der Unterschied für mich ist nur:
Es muss kein Handstand sein –
denn besser ist es, die Asanas richtig zu beherrschen, den Körper so auszurichten, dass er nicht unter der täglichen Praxis leidet, und nicht nur Posen zu üben, die sich komisch anfühlen, damit man dann irgendwann vielleicht ein tolles Foto machen kann.

Und ich finde, das dürfen die Menschen da draußen ruhig wissen.

#Namaste!

***
https://www.instagram.com/p/BXsudXbja_8/?taken-by=sibl_and_the_wheel

An dieser Stelle möchte ich gestehen:
Ja, auch ich bin sehr aktiv in diversen sozialen Netzwerken. Als Yogalehrerin kommt man daran kaum vorbei, eine bessere und einfachere Art der Werbung gibt es nicht. Und natürlich zeig auch ich manchmal ausgefallenere Posen wie oben gezeigt –
vor allem dann, wenn ich die Haltung nach Jahren des Übens endlich schaffe.

Ich hab aber für mich selbst sehr strenge Regeln verfasst, was ich poste, und warum –
und dazu gehört vor allem:
Poste keine Asana, die du nicht exakt beherrschst, und poste niemals eine Asana, die nicht korrekt gezeigt wird.
Ich hab anfangs ganze Fotoserien vernichtet, auch wenn sie toll waren, einfach weil gewissen Details nicht gestimmt haben. Und wenn nur ein Mensch allein daheim das falsch nachmacht …
nein, da möcht ich ein ruhiges Gewissen haben.
Außerdem poste ich keine Asanas, für die man jahrelange Erfahrung braucht –
die hab ich selbst noch nicht, und das machen ohnehin alle anderen, ich zeig lieber, das Yoga etwas ist, das wirklich alle machen können, egal ob Kinder oder Schwiegermütter …
so schaut’s nämlich aus.

***
Dieser Artikel erschien in seiner Urform zuerst hier.

 

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Wie man seine Insta-Bilder entzaubert – oder: Satya in Höchstform.

Wenn ich eins der yogischen yamas nach Patanjali verinnerlicht habe, dann ist es satya, die Wahrhaftigkeit –
denn ich bin ein (manchmal) gnadenlos ehrlicher Mensch.
Das ist oft gut, manchmal weniger –
aber es ist befreiend, sich nicht verstellen oder gar lügen zu müssen.

Und ich möchte das auch gar nicht, muss ich ehrlicherweise (seht Ihr!?) gestehen.
Zu viel Schlechtes entsteht aus der Angewohnheit vieler Menschen, nicht die Wahrheit zu sagen, dafür hintenrum zu tuscheln und zu tratschen.
Das hat auch viel mit Mut zu tun:
Die Wahrheit ist nicht immer angenehm, manchmal braucht es wahrlich Mut, sie auszusprechen, und noch mehr, sie anzuhören –
oder auch einfach mal zu schweigen.
Denn satya bedeutet auch, zu überdenken, wie die Wahrheit bei meinem Gegenüber ankommt, Worte bewusst und achtsam zu wählen –
und das wiederum führt recht oft dazu, dass es besser ist, zu lächeln und nichts zu sagen.
Nicht immer ist es für alle Beteiligten angenehm, die Wahrheit zu sagen oder zu hören, und manchmal steht es mir auch einfach nicht zu, meine Meinung abzugeben.

Das Schwierigste an satya aber ist, dass man auch zu sich selbst ehrlich sein sollte.
Man muss sich Fehler eingestehen, sollte sich nicht selbst belügen, und öfter einmal das überdenken, was man sagt oder tut.

Oder was man auf Instagram postet.
Klingt komisch, ist aber so.

Es gibt unendlich viele Bilder auf Instagram, und mindestens die Hälfte davon gaukelt uns eine Welt vor, die es so nicht gibt –
ausgewählte Augenblicke, an denen lange gearbeitet wird, damit sie prunkvoll den Neid der Follower wecken.
Ich bin kein Fan dieser Scheinwelt –
ein Grund, warum ich etwa nie besonders ausgefallene Asanas poste, die ich vielleicht nicht einmal beherrsche, in die mir aber jemand hineinhilft, weil sie sich gut auf meinem Insta-Account machen, und unter die ich nicht schreibe, dass ich eigentlich noch daran arbeiten muss.
Fake it ‚til you make it – dieses Motto ist überhaupt nicht meins.
Aber ich poste sehr gern Fotos auf Instagram, ich liebe das Tüfteln mit Filtern und Bildausschnitten, und ich gebe zu, dass auch ich nur einen winzigen Ausschnitt meines Lebens festhalte.

Deshalb mach ich mir heute den Spaß und entzaubere ein paar Insta-Bilder –
natürlich nur meine eigenen.

Zum Beispiel dieses hier, für das ich sehr viel Lob bekommen hab:

Sieht so friedlich aus, nicht wahr, Snowga im idyllischen Bad Mitterndorf, how amazing!
Tja, unter den Schneemassen liegt meine Yogamatte, ich steck mit dem rechten Fuß in einem Winterstiefel, und es war so kalt, dass ich nach den paar Fotos, die mein Gatte dankenswerterweise machte, sofort wieder ins Haus lief und von der Schwiegermama heißen Tee bekam, damit ich mich nicht erkälte.
Hat sich ausgezahlt, weil die Fotos wirklich top geworden geworden sind:

https://www.instagram.com/p/B3O3a5oI8Gk/

Mit meiner eigenen Yogapraxis hat das aber natürlich nichts zu tun.
Ich mein:
Wer macht schon Yoga im Schnee, bei Minusgraden?
Das macht man tatsächlich nur für’s Foto, und daran ist ja auch nichts verwerflich.

Oder das, mein Lieblings-Yogavideo –
die Kriegerin auf dem Schi-Laufband:

https://www.instagram.com/p/B2WdNLnoG1E/

Ich mag das Video, es ist wirklich lustig, und es war natürlich ein Spaß, auf einem Rollband über den Berg zu fahren und Asanas vorzuführen –
Dutzende Male, weil ich immer den Einsatz verpasst hab, das schwarze Band war glühend heiß, und rundherum standen hunderte Menschen, die zugeschaut und Fotos von uns gemacht haben, weil da eigentlich gerade eine Veranstaltung war.
Ein paar Leute haben mich nachher darauf angesprochen, ob Yoga denn auch Spaß machen darf, und wenn ja, dann würden sie es doch mal ausprobieren –
da fand ich die Aktion dann noch lustiger, sogar sinnvoll, weil es genau das ist, warum ich (und viele andere Menschen) Yoga-Fotos posten:
Wir wollen in die Welt schreien: Yoga ist toll, mach mit!
Ich schrei das halt lieber mit Spaßbildern und Asanas in die Welt, die jede/r nachmachen kann, weil ich niemanden abschrecken möcht –
aber das ist nur meine persönliche Sicht der Dinge.

Spannend auch immer –
Fotos meiner Pflanzen (in den Storys):

https://www.instagram.com/sibl_and_the_wheel/

Ja, die blühen andauernd, irgendeine sicher, und ja, ich bring auch die schrägsten Orchideen durch, manche davon gedeihen wirklich auch teilweise in der Dusche, aber ich gestehe:
Ganz viele bring ich auch einfach nicht durch.
Mehrere Vandeen mussten dran glauben, weil mein Wohnzimmer halt doch kein Regenwald ist, und einige Versuche wie der Moringabaum wurden stillschweigend der Biotonne zugeführt – und davon macht niemand ein Foto, das er postet.
Aber pst, niemandem weitersagen!

Und natürlich hab ich auf der Hochzeit meines Vater in der Hotellobby keinen Yogaflow hingelegt:

Aber der Hochzeitsfotograf fand das Motiv schön, und das Foto wurde ja auch wirklich gut.

Es ist eine abgespeckte Ehrlichkeit, die wir auf Instagram oder Facebook leben, eine, die niemandem wirklich weh tut, aber eben immer ein kleines bisschen Wahrheit verschleiert, weglässt –
meistens natürlich die Wahrheit, die ohnehin keinen interessiert, das muss man schon sagen.

Was ich in Sachen Yoga nie mache?
Dinge posten, die wirklich #fake sind.

Wenn ich den Kopfstand nicht kann, dann poste ich kein Foto davon, nachdem mich jemand nach oben gezogen hat und vielleicht sogar meine Beine festhält.
Wenn ich ihn dann kann, freu mich mich natürlich umso mehr –
auch wenn’s damals noch nur mit Baum war und ich lange geübt hab.

Wir sollten die sozialen Medien als das ansehen, was sie sind:
Schlüssellöcher, durch die wir in fremde Welten sehen können, aber niemals exakte Abbildungen der Wirklichkeit. Fotos dienen in den allermeisten Fällen als Werbung, sind eine Kunstform und halten, wenn überhaupt, einen kleinen Augenblick im großen Ganzen fest.
Das macht aber überhaupt nichts –
solange wir uns klar darüber sind und nicht versuchen, jemandem nachzueifern, dessen Bilder so toll aussehen.
Denn auch diese Bilder zeigen nur einen kleinen Ausschnitt einer Wirklichkeit –

und dennoch blicken wir alle gern durch Schlüssellöcher, wenn wir ehrlich sind.
Nicht wahr?

#Namaste!

***
An dieser Stelle ein dickes, fettes Danke an meinen #Instahusband, der nicht nur meinen manchmal narrischen Fotowünschen nachkommt, sondern auch oft eigene Ideen hat, was cool ausschauen könnt –
danke dafür! <3

Denn eins ist klar:
Wer vom Yoga leben möcht, der muss für sich selbst Werbung machen –
und sich für eine Art und Weise entscheiden, wie er oder sie das tut.

#Namaste!

 

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