Die Stille in uns selbst – oder: Lasst euch bloß keinen Stress einreden!

Gestern war ich unerhört mutig:
Ich war in einem Einkaufszentrum! So kurz vor Weihnachten! Und das auch noch freiwillig!
In diversen sozialen Medien hab ich auch heuer wieder recht oft gelesen, wie schrecklich das angeblich ist –
die vielen Menschen, die Hektik, alle stressen und kaufen und keiner ist besinnlich, es geht allen nur um den Konsum! Wer weiß denn schon, was Weihnachten wirklich bedeutet? Nur wer Weihnachten fernab von all dem Konsumwahn und Lichterketten feiert, begreift den eigentlichen Sinn davon.

Da ich heuer aber beschlossen hab, Geschenke nicht im Internet zu besorgen, und mir noch ein, zwei Kleinigkeiten gefehlt haben, bin ich also morgens früh um neun losgefahren, um der allzu großen Hektik zu entgehen.
Das haben sich außer mir aber noch ein paar andre Leute gedacht, schon der Parkplatz war brechend voll, ich hab mich also für das Schlimmste gewappnet, tief durchgeatmet …
und meine erste Überraschung erlebt:
Eine ältere Dame hat in der Hektik ein Schild übersehen und ist versehentlich einige Meter gegen die Einbahn gefahren.
Ich hab wirklich damit gerechnet, jetzt ein Hupkonzert zu erleben, aber weit gefehlt:
Ein Dutzend Autos fuhren einfach langsam ein Stück zurück, damit die Dame wenden konnte, es gab keine Aufregung, niemand hat gehupt, ein älterer Herr hat ihr beim Wenden geholfen.
Einfach so.

Eigentlich war ich der Ansicht, dass ich eben zufällig an ein paar entspannte Leute geraten bin –
aber auch damit lag ich falsch:
Obwohl wirklich sehr viele Menschen im Einkaufszentrum herumliefen, war es eigentümlich still, sanfte Weihnachtsmusik war zu hören, die Leut haben sogar miteinander geredet!
Und als plötzlich eine Durchsage kam, dass sich doch bitte ein Arzt oder eine Ärztin bei der Information einfinden soll, sind allein aus dem Laden, in dem ich war, drei Leute losgelaufen.

Hm.
War ich im falschen Film? Wo war jetzt der Konsumwahn, die Hektik, der Egoismus, so knapp vor Weihnachten?

An einem Stand mit Produkten heimischer Imker/innen hab ich dann wirklich lang mit der Verkäuferin geplaudert und ein Geschenk bekommen, der Apropos-Verkäufer war umringt von Menschen, die ihm Geld und kleine Geschenke überreichten, und überall waren lachende Gesichter zu sehen.
Es herrschte eine so angenehme Stimmung, dass ich mir spontan einen Kaffee gekauft und mich mitten zwischen die Leut auf eine Bank gesetzt hab …
einfach weil es so fein war.
(Alle Vorbeigehenden haben mich übrigens angelächelt, manche sind sogar stehen geblieben und haben mir Frohe Weihnachten gewünscht. Mein Trick? Ich hab gelächelt.)

Und während ich so auf dieser Bank gesessen bin, ist mir ein Licht aufgegangen:

Weihnachten ist das, was wir draus machen.

Ich als bekennender Weihnachts-Fan brauch nicht viel, um in Weihnachtsstimmung zu kommen –
eigentlich bin ich ja das ganze Jahr in Weihnachtsstimmung, ich verberg es nur (mehr oder weniger) gekonnt.
Und mir ist klar, dass es vielen Menschen anders geht.

Aber ich denke, wir dürfen nicht einen schweren Fehler begehen:
zu glauben, dass wir das Recht haben zu kritisieren, was wir vielleicht einfach nicht verstehen oder anders empfinden.

Manch eine/r entflieht dem weihnachtlichen Trubel auf eine einsame Insel, andere verbringen die Tage in den Bergen, manche feiern im Kreise der Familie, andere wiederum mit Freund/innen auf einer Party …
manch eine/r beschenkt seine Familie reichlich, andere haben für jeden lieben Menschen genau ein Geschenk, manche sammeln schon unterm Jahr Geschenke, andere wiederum besorgen sie im letzten Moment …

und das ist okay so!

Gerade in yogischen Kreisen wird es gern für schlecht befunden, wenn man Weihnachten ganz klassisch angeht –
im dunklen Wohnzimmer, nur erhellt vom Licht der Christbaumkerzen, mit ein paar Geschenken unter dem Baum und leckerem Essen auf den Tellern.
Der Konsum wird kritisiert, die Abhängigkeit von Annehmlichkeiten wie Strom oder dem Auto, die Hektik und der viele Stress …
und dabei vergessen die Kritiker/innen recht oft, dass Stress etwas ist, das man sich selber macht –
und dass gerade wir Yogi/nis gelernt haben sollten, damit umzugehen.

Wer an Weihnachten um die halbe Welt fliegt, um dem Konsum zu entgehen, macht einen entscheidenden Denkfehler …
wer Weihnachten nur als stressige Zeit voll nervtötender Songs betrachtet, sollte mal in sein Inneres lauschen …
wer Weihnachten so entsetzlich findet, dass er in die Berge flüchten muss, soll das machen …
aber bitte:

Macht uns anderen kein schlechtes Gewissen!

Ich liebe Weihnachten, den Duft von Weihrauch, leuchtende Kinderaugen, Vanillekipferl und Bing Crosby –
und ich darf das!

Und vielleicht, ganz vielleicht, kann es sein, dass Ihr Weihnachtsmuffel einfach noch nie einen wirklich besinnlichen, gemütlichen Weihnachtsabend mit der Familie erlebt habt …
probiert es mal aus, das ist wirklich schön!
(Und ganz nebenbei auch Weihnachten im eigentlichen Sinn.)

Denn eins ist sicher:
Weihnachten ist das, was wir draus machen.

***

Happy Weihnachten, Ihr Lieben!

 

 

Muss ich mich wirklich zum Yoga zwingen?

Letztens hab ich einen wundersamen Artikel gelesen –
jemand machte sich Gedanken darüber, was man alles tun kann, um sich zu mehr Yoga zu zwingen.
Wenn es einen mal nicht freut etwa, wenn andere Dinge wichtiger sind, wenn die heimische Matte eine Zeit lang weniger Aufmerksamkeit bekommt.

Ich soll mir eine Erinnerung im Handy stellen, damit ich weiß, wann ich auf die Matte muss
und ich soll mich dazu zwingen, egal wie es mir geht, acht Sonnengrüße müssen es täglich mindestens sein.
Wenn ich mal einen Tag auslasse, dann soll ich mich bestrafen
wahlweise mit mehr Yoga, weniger essen, weniger Genuss, mehr Workout.
Und wenn ich mal wirklich einen Durchhänger hab, soll ich mich vor den Spiegel stellen und mich selbst anschreien.

Eins ist schon mal sicher:
Diese Person hat keine Kinder, vermutlich auch weder Familie noch einen Job, und recht wenig Ahnung von Motivation und dem wahren Leben –
ich bin mir aber auch nicht sicher, ob sie Ahnung von Yoga hat.

Bestrafung? Anschreien?
Das soll mein inneres yogisches Feuer wieder anheizen, wenn es mal weniger hell brennt?
Na ich weiß nicht.

Der Artikel hat mich vor allem deswegen zum Nachdenken gebracht, weil ich bis gestern auch mal wieder ein wenig Yoga-Faul war und ein paar Tage lang meine Matte nur sporadisch besucht habe …
viele Geburtstage stehen an, Weihnachten steht vor der Tür, kranke Familienmitglieder mussten gepflegt werden, die Kinder wollten Zeit mit mir verbringen und Kekse backen und Geschenke basteln.
Meist blieb mir am Abend nur wenig Zeit, um auf der Matte zu sitzen und zu atmen und die Augen für einen Moment zu schließen …
aber das war schön so.
Erst gestern hatte ich wieder das tiefe Verlangen, mal wieder länger auf der Matte zu sein, Körper und Geist auf diese besondere Art zu bewegen.

Ich bezweifle wirklich, dass Yoga etwas ist, zu dem ich mich zwingen sollte, oder dass meine Hingabe tiefer wird, wenn ich mich selbst bestrafe.

Yoga ist wie ein guter Freund –
ich weiß, dass er da ist, auch wenn wir uns mal seltener sehen, manchmal treffen wir uns dafür jeden Tag.
Und das ist gut so!

#Namaste!

***

Du möchtest mehr Yoga in deinen Alltag einbauen, weil es dir gut tut, hast aber das Gefühl, manchmal drauf zu vergessen oder den inneren Schweinehund besiegen zu müssen?
Du möchtest öfter mal tief durchatmen, weißt aber nicht genau, wie du die Zeit dafür finden sollst?

Zuerst einmal:
Gerade wenn man am Anfang des persönlichen Yogaweges steht, vergisst man oft darauf, dass genau dann die richtige Zeit für Yoga ist, wenn man keine Zeit dafür zu haben meint.
Aber bitte:
Vergiss das Bestrafen und den Zwang!
Du wirst Yoga nie als lieben Freund sehen, wenn du dich dafür bestrafen musst, keine Kekse essen darfst, die Kinder vor der Tür weinen. Deine Matte ist immer für dich da, aber sie ist nicht nachtragend, sie wird dich immer willkommen heißen, wann auch immer du sie besuchst.

Mir hat anfangs eine Achtsamkeits-App am Handy geholfen –
hin und wieder hat sie mich daran erinnert, dass ich auch mal durchatmen, Zeit für mich genießen darf, auch dann, wenn alles ganz furchtbar stressig ist.

Aber denk dran:
Yoga ist Liebe …
für Bestrafung und Zwang ist da kein Platz.

Und wenn du heute Abend einfach nur auf der Matte sitzen und abschalten möchtest, hör dir dabei doch diesen Song an –
Entspannung pur!

Es war wunderbar! Kinderyoga eben.

Die heutigen vier Kinderyoga-Einheiten in einem Salzburger Kindergarten waren wirklich wunderbar.
(Kinderyoga-Stunden sind immer wunderbar, aber manchmal sind sie wunderbarer.)

Ich hatte für die heutigen Einheiten Yoga-Memory geplant, ein wunderbarer Weg, den Kindern spielerisch die Asanas in Erinnerung zu rufen und ihre Achtsamkeit zu schulen (und immer ein großer Spaß) –
aber ich hatte nicht mit so einer übergroßen Freude gerechnet.

In der ersten Einheit waren alle Kinder mit Begeisterung dabei, sie kannten alle Asanas und zeigten diese voller Stolz vor, ohne dass sie schauen mussten, was ich mache.
Am Ende riefen sie laut Namaste und waren traurig, dass es schon aus war.

In der zweiten Einheit setzte sich das Mädchen, das bisher nur daneben saß und zuschaute, ganz von selbst neben mich, drehte begeistert die Kärtchen um und machte sogar ein paar Asanas mit –
ich war so stolz, dass sie sich das heute getraut hat! (Und ich glaub, sie auch.)

In der dritten Einheit musste ich die Übung Wecker (hier sitzen die Kinder mit geschlossenen Augen ganz still und lauschen ihrem Atem) sogar abbrechen, weil sie so lange ruhig saßen, dass die Stunde plötzlich vorbei war. Sonst schaffen wir kaum eine halbe Minute, heute aber ging es wie von selbst.

Und in der vierten Einheit gab’s heut Kuschelalarm –
ein Mädchen drückte mich durchgehend, ein Junge massierte meinen Oberarm, zwischendurch bauten wir die Asanas ein, und als ein kleiner Blondschopf nach der Stunde den Raum verließ, warf er mir eine Kusshand zu und rief: Schön war’s heut!

*

Manchmal fragen mich Menschen, ob Kinderyoga nicht total anstrengend sei, weil Kinder ja generell anstrengend seien …
Quatsch!
Es ist wunderbar!

#Namaste!

 

Vom Ziehenlassen – und wieso das immer weh tut. Und trotzdem schön ist.

Let it go
ein Schlüsselelement im Leben, und auch Yoga.
Wir hören in jeder Yogastunde, was wir alles ziehenlassen sollen, wenn wir abends im Bett liegen, denken wir darüber nach, was wir alles loslassen müssten, damit wir uns besser fühlen würden, und es gibt sogar Songs über dieses Loslassen – und zwar mehr als diesen, den ich sehr gern mag, weil ich einen Inside Flow dazu erlernen durfte:

Das Schlimme am Loslassen ist (zumindest für mich), dass man immer Dinge loslassen muss, die man gern hat –
liebgewonnene Angewohnheiten, so schlecht sie auch für einen selbst sein mögen, Gedanken, die einem wichtig erscheinen, die aber eigentlich nur vom Wesentlichen ablenken, Menschen, an denen man hängt, auch wenn man manchmal gar nicht genau weiß, wieso.

Leider kenn ich das nur allzu gut –
ich mach alles, was ich mache, zu 100 Prozent, ich stürze mich voller Elan in Freundschaften, in Backerlebnisse, in neue Hobbys, ich investiere all meine Liebe in meine Kinder, und ich hab auch Yoga so sehr verinnerlicht, dass es mir fast körperlich weh tut, wenn ich irgendwohin fahre und keine Yogamatte mitgenommen hab.

Dachgeschoss-Yoga in Bella Italia

(Was erst einmal vorgekommen ist, und ich möchte hier ein kurzes Danke an meine bessere Hälfte aussprechen:
Der Gute hat nach einigen Kilometern auf der Autobahn einfach umgedreht und ist zurückgefahren, damit ich nicht ohne Yogamatte ans Meer fahren muss. Obwohl wir schon eine Zeit lang unterwegs waren. <3

Ja, ähm, am Meer gab’s dann bloß keinen Strand in der Nähe, an dem ich hätte yogieren können, es wurde dann ein Dachzimmer mit ohne Aussicht.
Heiß war’s dort oben aber eh auch, und aus meinem Handy drang Meeresrauschen – fast wie am Meer, also.
Schön war’s trotzdem – das Meer und das Yogieren.
Und es war eine Lektion in Sachen die eigenen Erwartungen loslassen.)

Angewohnheiten oder Dinge ziehen zu lassen, das kann ich mittlerweile recht gut, auch unliebsame Gedanken, die mich auf der Matte oder abends im Bett quälen, werd ich recht schnell wieder los.

Eins jedoch werd ich wohl nie lernen:
dass ich manchmal auch Menschen ziehen lassen muss.
Menschen, die mir sehr viel bedeuten.
Menschen, die ich gern hab, die einen Platz in meinem Herzen erobert haben, den sie dann aber gar nicht haben wollen.
Menschen, die einem Freundschaft vorgaukeln, weil es ihnen zu einem gewissen Zeitpunkt gerade hilft, und die sich dann verdrücken, auf Nimmerwiedersehen.
Jede/r von uns kennt das, und uns allen tut das weh –
ganz tief innen drinnen, dort, wo niemand hinsieht, wo wir all die kleinen Nadelstiche speichern, die uns andere (oder wir selbst) im Lauf des Lebens zufügen, und deren Wunden immer dann weh tun, wenn wir eigentlich Ruhe suchen –
des Nachts, wenn wir nicht schlafen können, auf der Matte, während Savasana, allein zuhaus, mit einem Glas Wein in der Hand und einer Träne im Augenwinkel.

Aber ich sag euch eines:
Ich hab darauf keine Lust mehr!
Ich hab keine Lust mehr, darauf zu warten, dass sich Menschen bei mir melden, denen eigentlich gar nichts an mir liegt.
Ich hab auch keine Lust mehr darauf, Menschen nachzulaufen, mit meiner Freundschaft zu wedeln und zu rufen: Da, schau her, ich bin hier, nimm mich!
Das bin ich mir selber schuldig.
Denn durch all die Selbstzweifel, die uns alle so oft quälen, vergessen wir das Wichtigste:

Es gibt ohnehin Menschen, die uns gern haben, ganz ohne Hintergedanken, die für uns da sind, wenn wir sie brauchen, und nicht nur dann, wenn es ihnen gerade in den Zeitplan passt.
Manchmal sehen wir sie nicht, weil sie nicht so hell leuchten wie die Blender/innen, manchmal hören wir sie nicht, weil sie nicht so laut schreien, und manchmal vergessen wir sie, weil sie sich uns nicht aufdrängen.
Aber sie sind da –
und wir sollten ihnen unbedingt dafür danken.

Ich jedenfalls werd in Zukunft versuchen, mich weniger an Dinge oder Menschen zu klammern, die mir meinen Seelenfrieden rauben, öfter denen zu danken, die in meinem Herzen einen Fixplatz haben, und halt es mit der wunderbaren Elsa:

Let it go, let it go
And I’ll rise like the break of dawn
Let it go, let it go
That perfect girl is gone
Here I stand in the light of day
Let the storm rage on
The cold never bothered me anyway!

 

 

***

Du hast gerade diese Zeilen gelesen?

Dann lass alles stehen und liegen, nimm dir eine Minute Zeit und danke all jenen, die an deiner Seite stehen, komme, was wolle, auch wenn du manchmal vergisst, dass sie immer da sind!

<3

 

 

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Wie ich zum #Yoga gekommen bin.

Zehn Jahre sind es jetzt –
zehn Jahre, in denen Yoga eine mal kleine, mal größere Rolle in meinem Leben gespielt hat.

Begonnen hat alles während meiner zweiten Schwangerschaft:
Da hab ich das erste Mal Pilates ausprobiert, um fit zu bleiben, und weil es mit zunehmendem Bauchumfang immer schwieriger wurde, bin ich in den Yoga-Kurs gewechselt, der sehr ruhig und eher auf Meditation und sanftes Dehnen fokussiert war.
Nach der Geburt hab ich dann einiges daheim weitergemacht, mit der kleinen Maus im Arm, was sowohl sie als auch mich beruhigt und meinem Beckenboden in Rekordzeit zu alter Frische verholfen hat.
So ist es dann eine Zeit lang geblieben:
Ich hab Yoga-Kurse besucht, wenn ich gerade Lust dazu hatte, mehr oder weniger regelmäßig, hab daheim aber immer wieder mal versucht, mich an die Asanas zu erinnern, eigentlich immer dann, wenn es grad stürmische Zeiten in meinem Leben gab –
so ist das ja bei vielen Menschen.

Mein allererstes Yoga-Foto

Vor etwa drei Jahren wurden die Zeiten dann besonders stürmisch:
Meine Mutter, psychisch und physisch krank, übersiedelte von zu Hause in ein Pflegeheim Nahe Salzburg, wo ich sie (manchmal mit meinen Töchtern) natürlich recht oft besucht habe –
eine schwierige Angelegenheit, da eine Auswirkung ihrer Krankheit war, dass sie eigentlich jeden Menschen auf der Welt entsetzlich fand, allen voran ihre Tochter.

Nach Besuchen bei ihr war ich meistens völlig fertig, am Ende mit mir selbst und der Welt. Mehrere Male die Woche zu hören, wie doof und blöd man ist, macht das Leben nicht schöner –
meine Mutter nicht zu besuchen war aber auch keine Option.
Meistens hatte ich Stricksachen dabei und hab versucht, einfach nicht zuzuhören oder mit anderen Damen im Heim zu plaudern, manchmal kamen meine Kinder mit, weil sie dann abgelenkt war, manchmal aber saß ich da und musste mich wirklich zusammennehmen, um nicht laut loszuschreien.
Wieder zu Hause musste ich diesem Ärger natürlich Luft machen –
sehr zum Leidwesen meiner Familie.
So konnte es nicht weitergehen, weder für mich noch für meine Lieben.
Die Tatsache, dass meine Hochzeit bevorstand, die wir mit der Unterstützung lieber Freund/innen selber planten, machte den Stress keineswegs weniger –
und ich weiß jetzt:
So ein Hochzeitskleid in wenigen Wochen selbst zu nähen/häkeln ist auch kein Zuckerschlecken.

Also machte ich mich auf die Suche nach einem Yogastudio, das auf dem Weg zu meiner Mutter lag, und wurde auch schnell fündig –
der Beginn einer großen Liebe.
Ich legte die Besuche meiner Mutter so, dass ich direkt danach im Yogastudio einkehren konnte, und wenn das nicht klappte, rollte ich zu Hause meine Matte aus, yogierte zu einer Yoga-App oder Youtube-Videos –
und besuchte am nächsten Tag das Studio.

Eigentlich hab ich kein Wunder erwartet, aber dennoch eins erlebt:
Meine Stressanfälle wurden weniger, die teils harschen Worte meiner Mutter rückten zunehmend in den Hindergrund, es war einfacher zu erkennen, dass sie nicht aus echtem Hass so agierte, wie sie es eben tat, sondern der Krankheit wegen.
In der liebevollen Atmosphäre des Yogastudios war mein Stress schnell vergessen, kaum stand ich auf der Matte, war die Welt eine andere, auch dank all der entzückenden Yoginis, die mit mir yogierten –
und wunderbarerweise klappte das auch zu Hause, auf der heimischen Matte.

Vrksasana – toll für die Hüften

Innerhalb kürzester Zeit konnte ich mir ein Leben ohne Yoga kaum noch vorstellen, sowohl für meine geistige als auch meine körperliche Gesundheit –
denn mit jedem Lebensjahr geht es meinen Hüften weniger gut, das merk ich genau, schon ein Tag ohne Übungen für die Hüfte verschlechtert ihren Zustand enorm.

Und so geht das nun seit etwas mehr als drei Jahren ganz intensiv:
Yoga, mindestens jeden Tag, wenn nicht öfter, die Ausbildung zur Lehrerin, tägliches weiterlernen und einlesen, die Matte immer im Gepäck, egal wohin die Reise geht, und den Wunsch im Herzen, diese Liebe vollkommen undogmatisch an andere Menschen weiterzugeben –

ich will niemanden überreden, ich will nicht missionieren, keinem was aufzwingen, ich möcht nur zeigen, wie toll Yoga sein kann, auch wenn manch eine/r an der spirituellen Komponente nicht so interessiert ist, und ich möcht versuchen, ein bisschen mehr Achtsamkeit in den Alltag der Menschen zu bringen …
natürlich auch in meinen.

Einfach, weil Yoga ein tolles Werkzeug ist, mit all seinen Asanas, mit Meditation und Pranayama, ein Werkzeug, das für jede/n geeignet ist –
und ganz ehrlich:
Ihr braucht dafür weder Räucherstäbchen noch Haremshosen, das ist ein uraltes Klischee.

#Namaste!

***

Meine Mutter litt an Myotoner Dystrophie, gepaart mit einer daraus resultierenden Depression sowie einer schweren Soziophobie und einer extremen Hassliebe mir gegenüber –
kein leichtes Leben, weder für sie noch für uns als Familie.
2015 schlief sie friedlich in ihrem Lieblingssessel ein.

Ihr zu Ehren schrieb ich diesen Text, der im Adventkalender 2016 von mosaik veröffentlicht wurde.

Gehab dich wohl, wo auch immer du gerade bist.

 

 

 

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Wie man seine Insta-Bilder entzaubert – oder: Satya in Höchstform.

Wenn ich eins der yogischen yamas nach Patanjali verinnerlicht habe, dann ist es satya, die Wahrhaftigkeit –
denn ich bin ein (manchmal) gnadenlos ehrlicher Mensch.
Das ist oft gut, manchmal weniger –
aber es ist befreiend, sich nicht verstellen oder gar lügen zu müssen.

Und ich möchte das auch gar nicht, muss ich ehrlicherweise (seht Ihr!?) gestehen.
Zu viel Schlechtes entsteht aus der Angewohnheit vieler Menschen, nicht die Wahrheit zu sagen, dafür hintenrum zu tuscheln und zu tratschen.
Das hat auch viel mit Mut zu tun:
Die Wahrheit ist nicht immer angenehm, manchmal braucht es wahrlich Mut, sie auszusprechen, und noch mehr, sie anzuhören –
oder auch einfach mal zu schweigen.
Denn satya bedeutet auch, zu überdenken, wie die Wahrheit bei meinem Gegenüber ankommt, Worte bewusst und achtsam zu wählen –
und das wiederum führt recht oft dazu, dass es besser ist, zu lächeln und nichts zu sagen.
Nicht immer ist es für alle Beteiligten angenehm, die Wahrheit zu sagen oder zu hören, und manchmal steht es mir auch einfach nicht zu, meine Meinung abzugeben.

Das Schwierigste an satya aber ist, dass man auch zu sich selbst ehrlich sein sollte.
Man muss sich Fehler eingestehen, sollte sich nicht selbst belügen, und öfter einmal das überdenken, was man sagt oder tut.

Oder was man auf Instagram postet.
Klingt komisch, ist aber so.

Es gibt unendlich viele Bilder auf Instagram, und mindestens die Hälfte davon gaukelt uns eine Welt vor, die es so nicht gibt –
ausgewählte Augenblicke, an denen lange gearbeitet wird, damit sie prunkvoll den Neid der Follower wecken.
Ich bin kein Fan dieser Scheinwelt –
ein Grund, warum ich etwa nie besonders ausgefallene Asanas poste, die ich vielleicht nicht einmal beherrsche, in die mir aber jemand hineinhilft, weil sie sich gut auf meinem Insta-Account machen, und unter die ich nicht schreibe, dass ich eigentlich noch daran arbeiten muss.
Fake it ‚til you make it – dieses Motto ist überhaupt nicht meins.
Aber ich poste sehr gern Fotos auf Instagram, ich liebe das Tüfteln mit Filtern und Bildausschnitten, und ich gebe zu, dass auch ich nur einen winzigen Ausschnitt meines Lebens festhalte.

Deshalb mach ich mir heute den Spaß und entzaubere ein paar Insta-Bilder –
natürlich nur meine eigenen.

Zum Beispiel dieses hier, für das ich sehr viel Lob bekommen hab:

Sieht so friedlich aus, nicht wahr, Snowga im idyllischen Bad Mitterndorf, how amazing!
Tja, unter den Schneemassen liegt meine Yogamatte, ich steck mit dem rechten Fuß in einem Winterstiefel, und es war so kalt, dass ich nach den paar Fotos, die mein Gatte dankenswerterweise machte, sofort wieder ins Haus lief und von der Schwiegermama heißen Tee bekam, damit ich mich nicht erkälte.
Hat sich ausgezahlt, weil die Fotos wirklich top geworden geworden sind:

https://www.instagram.com/p/B3O3a5oI8Gk/

Mit meiner eigenen Yogapraxis hat das aber natürlich nichts zu tun.
Ich mein:
Wer macht schon Yoga im Schnee, bei Minusgraden?
Das macht man tatsächlich nur für’s Foto, und daran ist ja auch nichts verwerflich.

Oder das, mein Lieblings-Yogavideo –
die Kriegerin auf dem Schi-Laufband:

https://www.instagram.com/p/B2WdNLnoG1E/

Ich mag das Video, es ist wirklich lustig, und es war natürlich ein Spaß, auf einem Rollband über den Berg zu fahren und Asanas vorzuführen –
Dutzende Male, weil ich immer den Einsatz verpasst hab, das schwarze Band war glühend heiß, und rundherum standen hunderte Menschen, die zugeschaut und Fotos von uns gemacht haben, weil da eigentlich gerade eine Veranstaltung war.
Ein paar Leute haben mich nachher darauf angesprochen, ob Yoga denn auch Spaß machen darf, und wenn ja, dann würden sie es doch mal ausprobieren –
da fand ich die Aktion dann noch lustiger, sogar sinnvoll, weil es genau das ist, warum ich (und viele andere Menschen) Yoga-Fotos posten:
Wir wollen in die Welt schreien: Yoga ist toll, mach mit!
Ich schrei das halt lieber mit Spaßbildern und Asanas in die Welt, die jede/r nachmachen kann, weil ich niemanden abschrecken möcht –
aber das ist nur meine persönliche Sicht der Dinge.

Spannend auch immer –
Fotos meiner Pflanzen (in den Storys):

https://www.instagram.com/sibl_and_the_wheel/

Ja, die blühen andauernd, irgendeine sicher, und ja, ich bring auch die schrägsten Orchideen durch, manche davon gedeihen wirklich auch teilweise in der Dusche, aber ich gestehe:
Ganz viele bring ich auch einfach nicht durch.
Mehrere Vandeen mussten dran glauben, weil mein Wohnzimmer halt doch kein Regenwald ist, und einige Versuche wie der Moringabaum wurden stillschweigend der Biotonne zugeführt – und davon macht niemand ein Foto, das er postet.
Aber pst, niemandem weitersagen!

Und natürlich hab ich auf der Hochzeit meines Vater in der Hotellobby keinen Yogaflow hingelegt:

Aber der Hochzeitsfotograf fand das Motiv schön, und das Foto wurde ja auch wirklich gut.

Es ist eine abgespeckte Ehrlichkeit, die wir auf Instagram oder Facebook leben, eine, die niemandem wirklich weh tut, aber eben immer ein kleines bisschen Wahrheit verschleiert, weglässt –
meistens natürlich die Wahrheit, die ohnehin keinen interessiert, das muss man schon sagen.

Was ich in Sachen Yoga nie mache?
Dinge posten, die wirklich #fake sind.

Wenn ich den Kopfstand nicht kann, dann poste ich kein Foto davon, nachdem mich jemand nach oben gezogen hat und vielleicht sogar meine Beine festhält.
Wenn ich ihn dann kann, freu mich mich natürlich umso mehr –
auch wenn’s damals noch nur mit Baum war und ich lange geübt hab.

Wir sollten die sozialen Medien als das ansehen, was sie sind:
Schlüssellöcher, durch die wir in fremde Welten sehen können, aber niemals exakte Abbildungen der Wirklichkeit. Fotos dienen in den allermeisten Fällen als Werbung, sind eine Kunstform und halten, wenn überhaupt, einen kleinen Augenblick im großen Ganzen fest.
Das macht aber überhaupt nichts –
solange wir uns klar darüber sind und nicht versuchen, jemandem nachzueifern, dessen Bilder so toll aussehen.
Denn auch diese Bilder zeigen nur einen kleinen Ausschnitt einer Wirklichkeit –

und dennoch blicken wir alle gern durch Schlüssellöcher, wenn wir ehrlich sind.
Nicht wahr?

#Namaste!

***
An dieser Stelle ein dickes, fettes Danke an meinen #Instahusband, der nicht nur meinen manchmal narrischen Fotowünschen nachkommt, sondern auch oft eigene Ideen hat, was cool ausschauen könnt –
danke dafür! <3

Denn eins ist klar:
Wer vom Yoga leben möcht, der muss für sich selbst Werbung machen –
und sich für eine Art und Weise entscheiden, wie er oder sie das tut.

#Namaste!

 

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Was mich meine elektrische Schall-Zahnbürste gelehrt hat – und was das mit #Yoga zu tun hat.

Wir alle haben es schon oft gehört:
Yoga hat eine lange Tradition, bis zu 4.000 Jahre soll er schon auf dem Buckel haben –
plusminus.

Dabei hat Patanjali, der oft als jener Mann angeführt wird, der Yoga als erster beschrieben/erfunden/in Worte gefasst hat, nur davon geschrieben, wie die Sitzhaltung sein soll, in der wir meditieren, sthira sukham asanam, fest und entspannt, mit keinem Wort erwähnt er die 2.100 Haltungen, die es heute im Yoga zu geben scheint –
und es werden immer mehr.
Die Asanas, die wir heutzutage im Yoga gelehrt bekommen und lehren, haben eine weitaus kürzere Tradition –
und irgendwie scheint sich niemand so wirklich klar darüber zu sein, woher sie eigentlich kommen.
Aber ich schweife vom Thema ab …
denn darum geht es mir heute gar nicht.

In der Ausbildung haben wir grundlegende Regeln gelernt, wie Asanas auszuführen sind, und hier kommt sthira sukham asanam wieder ins Spiel, denn die Yoga-Haltungen sollen fest und stabil, aber auch entspannt und leicht ausgeführt werden.
Und natürlich lernt man in so einer Ausbildung ebenso, wie sich der Körper laut Yoga-Handbuch in den einzelnen Asanas bewegen soll, wie er dastehen soll –
und das ist etwas, worüber ich mir sehr oft Gedanken mache, weil diese Regeln oft im krassen Widerspruch zu wissenschaftlichen Anatomie-Büchern stehen …
oder zu meinem eigenen Körper.

Wenn ich mir den nämlich ansehe, erkenne ich schnell, dass diese angeblich Jahrtausende alten Regeln nicht für alle gelten –
sehr oft hab ich den Eindruck, sie gelten eigentlich nur für mega durchtrainierte Menschen, die hyperflexibel sind und täglich mehrere Stunden Yoga praktizieren.
Nicht für mich also – obwohl ich täglich praktiziere.

In unserer heutigen Welt, in der wir alle viel zu oft vor dem Computer sitzen, in der wir keine Zeit für morgendliche Dehneinheiten und viele von uns mit kleineren oder größeren Wehwehchen zu kämpfen haben, sind viele dieser Alignment-Vorgaben vor allem eines:
ungültig.

Wie ich das meine?

Ein Beispiel:
Jahrelang wurde ich in Yoga-Klassen angewiesen, aus Uttanasana langsam Wirbel für Wirbel aufzurollen. Niemand hat mir je gesagt, ich solle dabei die Knie leicht beugen
und obwohl ich aus früheren Trainingseinheiten eigentlich weiß, dass man beim Heben schwerer Gewichte immer die Knie beugen soll, hab ich die Anweisungen befolgt, ohne darüber nachzudenken.
Seit vielen Jahren gibt es im Yoga offenbar den Irrglauben, dieses Aufrollen mit gestreckten Knien sei generell sanfter für den Rücken –
aber das ist falsch, rein anatomisch gesehen.
Besser wäre es für die meisten, bei gestreckten Beinen den Rücken gerade nach oben zu führen –
oder eben die Beine zu beugen.
Ich bevorzuge übrigens ‚gebeugte Beine und gerader Rücken‘, das fühlt sich für mich am natürlichsten an.

https://www.instagram.com/p/BTjLRNvDw_1/?taken-by=sibl_and_the_wheel

Ich weiß nicht, ob auch dieses Aufrollen eine lange Tradition hinter sich hat, aber so muss es wohl sein, denn anscheinend wird es auch in indischen Yogaschulen so gelehrt –
und das bringt mich genau zu dem Punkt, zu dem ich heute kommen möchte:

Davon ausgehend, dass Yoga auf eine lange Geschichte zurückblicken kann, dürfen wir hier im Westen nicht ausblenden, dass die Wissenschaft weitergegangen ist.
Gerade in der Yoga-Community wird gerne vergessen, dass das Verständnis unseres Körpers, das Wissen um Krankheiten, Anatomie, Auswirkungen verschiedener Haltungen, uns einen anderen Blick auf einzelne Asanas und ihre Wirkung erlaubt, als es noch vor einigen Jahren möglich war.
Galt es früher als gesund, sehr lange im Kopfstand zu stehen, weiß man heute, dass das sogar gefährlich sein kann.
Wurde man früher in gewisse Haltungen hinein gedrückt, weiß man heute, dass manche Körper manche Asanas einfach nicht so ausführen können, wie sie beschrieben werden –
und benutzt stattdessen Gurte und Blöcke, um die Haltung dennoch möglich zu machen.
Auch wenn es im Yoga viel ums Spüren geht, um innere Ruhe, um Spiritualität und den Weg zu sich selbst, dürfen wir die Wissenschaft nicht vollkommen ausgrenzen –
unsere Vorfahren haben ganz wunderbare Erfindungen für uns gemacht, haben Medikamente entwickelt, Impfungen, haben den menschlichen Körper erforscht, innen und außen …
wir sollten diese Geschenke nicht mit Füßen treten, nur weil es gerade angesagt ist, sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen: Das bedeutet nämlich nicht, der Wissenschaft und der Medizin zu entsagen und wieder so zu leben wie vor ein paar tausend Jahren –
es geht auch anders.

Für mich bedeutet das:
Yoga muss immer direkt an den Menschen angepasst werden, der vor mir auf der Matte steht.
Der eine muss mit geradem Rücken üben, die andere langsam aufrollen, mancher braucht einen Gurt, und andere können die Haltungen genau so ausführen, wie so vor vielleicht Jahrtausenden erdacht wurden.
Natürlich macht das den Yoga-Unterricht um einiges schwieriger, denn das bedeutet, dass wir genau wissen müssen, wer da vor uns auf der Matte steht, dass wir jede Anweisung personalisieren müssen, und vielleicht damit aufhören, in einer Yoga-Klasse mehr als zwanzig Menschen zu unterrichten –
den Menschen zuliebe, die uns ihre Gesundheit anvertrauen.

Ich glaube, wir sollten wieder ein wenig davon abkommen, Dinge aus Prinzip so zu machen, wie sie vor vielen tausend Jahren in einem fremden Land gemacht wurden, und öfter darüber nachdenken, ob das heutzutage bei uns im Westen wirklich immer sinnvoll ist –
und ich gebe zu:
Das wurde mir letztens klar, als ich mit meiner neuen elektrischen Schall-Zahnbürste morgens im Badezimmer stand.

Über mehrere Jahre hinweg hab ich versucht, eine ökologische, biologische und dennoch sinnvolle Zahnhygiene in meinen Alltag einzubauen.
Ich hab morgens mit ayurvedischen Zahnölen gespült, minutenlang, was meinem Abluss nur bedingt gut getan hat. Klar fühlen sich die Zähne nach dem Ölziehen toll und glatt an, sie sind ja quasi eingeschmiert, aber so richtig begeistert hat mich das nicht.
Ich bin von Plastikzahnbürsten auf welche aus Bambus umgestiegen (und benutze diese manchmal immer noch, ebenso wie meine Familie, weil sie wirklich toll sind), und hab natürlich keine herkömmliche Zahnpasta mehr benutzt, sondern selbst gemachte mit Kokosöl (was mein Abfluss noch blöder fand) oder auf Basis von Natron oder Salz (mein Zahnfleisch hat gebrannt wie Feuer, schrecklich).
Außerdem hab ich mehrmals in der Woche auf Anraten einer Ayurveda-Beraterin meine Zähne mit Kurkuma geputzt – als Tee- und Kaffeeliebhaberin will ich ja trotzdem keine gelblich-braunen Zähne haben, und der gelbe Gatsch soll angeblich die Zähne aufhellen.
Nach mehreren Monaten, in denen ich das wirklich regelmäßig gemacht habe, kann ich nun sagen: Nein, Kurkuma hilft überhaupt nicht, ganz im Gegenteil.

Dann wurde meine alte elektrische Zahnbürste kaputt und ich hab mich im Geschäft spontan für eine Schallzahnbürste entschieden –
die ich jetzt seit drei Wochen benutze, meine Zähne sind mittlerweile strahlend weiß und fühlen sich toll an, dabei benutz ich nicht mal mehr Zahnpasta, sondern geb einen Tropfen Mundwasser (bio, aus einer Glasflasche) auf das Bürstchen, bevor ich putze.

Was ich damit sagen will:
Viele der Hausmittel, die wir von früher kennen, und auch viele der ayurvedischen Tipps, die auch ich gerne in meinen Alltag einbaue, stammen aus einer Zeit, in der die Menschen nichts anderes hatten.
Wer in der Apotheke kein Medikament kaufen kann, weil es keine Apotheke gibt, der nutzt natürlich die Kraft der Natur –
und gerade ich bin großer Fan von Naturheilkunde und hab mir auch einen Ruf als Kräuterhexe erarbeitet.
Trotzdem sollten wir nicht vergessen, all die wunderbaren Errungenschaften unserer Zeit zu nutzen –
und dazu gehört eben auch:

Lasst uns Yoga als etwas sehen, das sich entwickelt, lasst uns Naturheilkunde als etwas sehen, das wir mit Schulmedizin kombinieren, ohne diese abzulehnen –
wir dürfen und sollen auch im Yoga nach vorne schauen, der Zukunft entgegenschreiten …
auch wenn wir die alten Traditionen ehren.

#Namaste!

***

Wenn ich in diesem Artikel Yoga schreibe, meine ich damit den körperlichen Aspekt der Asanas.

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Aus der Reihe ‚Yoga mit dem Wheel‘: Spann mal den Bauch an!

In den meisten Yoga-Stunden gibt es nach unzähligen Steh- und Balancehaltungen diesen einen Moment, wenn man sich endlich für die Drehhaltungen auf seine Matte setzen darf, sich erleichtert und glücklich auf Vorbeugen und Dehnungen freut, und der oder die Unterrichtende plötzlich sagt:
Und dann mach dich bereit für Navasana, das Boot.

Meist hört man dann ein kollektives Raunen und Ächzen, jede/r versucht, Mula Bandha und Uddiyana Bandha möglichst richtig zu aktivieren, macht sich geistig bereit auf die Anstrengung, die jetzt folgt –
und vor lauter Anspannung in den Bauchmuskeln vergisst manch eine/r auf die Haltung des Oberkörpers.

Dabei kann Navasana so wunderbar sein –
etwa, wenn man es mit dem Yogawheel übt:

Und so geht’s:
Setz dich auf deine Yogamatte, das Wheel liegt vor dir. Platziere nun achtsam beide Beine nebeneinander auf dem Wheel –
Vorsicht:
Dabei kippt das Rad leicht um!
Wenn die Beine stabil sind, richte deinen Oberkörper aus:
Achte auf Länge im Oberkörper, der Rücken sollte gerade sein, die Schultern sinken tendenziell eher nach hinten-unten, Mula Bandha und Uddiyana Bandha geben dir Stabilität. Verbinde die Haltung mit einer leichten Herzöffnung, richte den Blick etwas nach oben, präsentiere dem Himmel dein Herz.
Probier für dich aus, wie lange du diese Position mit ruhigem Atem halten kannst, und vermeide es, die Luft anzuhalten!
Wenn es nicht mehr geht, leg die Beine auf der Matte ab, entspanne –
und wiederhole die Übung.

Du kannst auch verschiedene Armhaltungen ausprobieren und die Arme etwa nach vorne strecken, wie in der klassischen Boot-Haltung:

Halte deine Wheel-Boot-Variation für einige Atemzüge, dann entspanne. Versuch, in die Haltung hineinzuspüren, zu erkennen, was dir Schwierigkeiten bereitet –
da du die Beine ablegen kannst, wird dir die Haltung leichter fallen, sodass du besser spüren kannst.
Nach und nach wird Navasana immer angenehmer werden, sodass du auf das Yogawheel als Unterstützung verzichten kannst –
und irgendwann bist du dann vielleicht soweit, dass du Variationen üben möchtest, die diese Haltung schwieriger machen.

Extra-Anstrengung gefällig?
Denn auch das geht mit dem Wheel –
und zwar so:
  

Platziere nur ein Bein auf dem Wheel, das andere liegt ausgestreckt auf deiner Matte. Richte deinen Oberkörper aus, denk an die Länge im Rücken und deine Bandhas, und heb dann das Bein, das auf der Matte liegt, ein Stück an. Verlier nicht die Ausrichtung des Oberkörpers, beweg aber dein Bein sanft auf und ab.
Versuch, möglichst ruhig weiterzuatmen, leg dann dein Bein achtsam wieder auf der Matte ab –
und wechsle die Seiten.
Wiederhole diese Übung einige Male –
und vergiss danach nicht, deinen Muskeln Entspannung zu gönnen!

Schon nach kurzer Zeit wirst du merken, dass dir das klassische Navasana im Unterricht oder deiner Praxis um einiges leichter fallen wird –
vielleicht auch deshalb, weil du mit dem Wheel für dich herausfinden kannst, wie du am besten in die Haltung kommst.

Und wie immer im Yoga gilt auch hier, besonders mit dem Wheel:
Sei achtsam!
Überfordere deinen Körper nicht mit Haltungen, die er noch nicht kennt – vor allem, wenn du Anfänger/in bist!
Aktiviere Mula Bandha, deinen Beckenboden, und Uddiyana Bandha, in der Nähe deines Bauchnabels, indem du Beckenboden und Nabel sanft anspannst – aber nicht zuviel.
Wärme dich vor dem Üben mit dem Yogawheel gut auf – zuerst deinen ganzen Körper, etwa mit Sonnengrüßen oder einer sanften Praxis, gewöhne dann im Speziellen aber auch deine Wirbelsäule an das Wheel, etwa indem du sanft rollst und dich auf dem Rad einfindest.

Ich wünsch dir ent.spannende Stunden mit dem Wheel –
wenn du Fragen hast, meld dich einfach!

Ich freu mich auf dich!
#Namaste!

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Aus der Reihe ‚Yoga mit dem Wheel‘: Richte den Blick nach innen!

Als ich das Yogawheel zum ersten Mal gesehen hab, hatte ich richtig Angst davor, muss ich gestehen.
Wunderhübsche Damen und Herren präsentierten sich in sexy Klamotten am Strand, vor sich ein Wheel, und machten damit nichts als Zirkuskunststücke:
Kopfstand, Handstand, Skorpion, einbeinig auf dem Wheel balancieren, zwei Wheels übereinander –
ich kam aus dem Staunen nicht heraus.

Aber das muss gar nicht sein:
Erst nach und nach hab ich erkannt, dass das Wheel viel mehr kann, und dass es mich mit meinen vielen kleinen Problemchen großartig unterstützt:
Es dient mir als Block, wenn gerade keiner greifbar ist, es unterstützt mich in Rückbeugen, ich benutz es auch, wenn ich Bakasana, die Krähe, übe –
und ja, auch für Handstand- oder Skorpion-Vorübungen ist es genial!

Je nachdem, wie ich üben möchte, setze ich das Yogarad als Unterstützung ein oder benutz es dazu, die Haltung fordernder zu machen.

Und manchmal, wenn meine Hüften knacken und meine Knie sich nicht in den Fersensitz pressen lassen wollen, dann setz ich mich einfach auf mein Wheel drauf, als wäre es ein Meditationshocker:

In dieser Position lässt es sich vortrefflich meditieren, der Rücken ist gerade, die ganze Haltung ist sthira und sukha, also stabil und leicht, ganz so, wie Patanjali in Vers 2.46 die Meditationshaltung beschrieben hat – sthira sukham asanam.

Natürlich ist das nicht genau die Haltung, die Patanjali im Sinn hatte, aber es ist meine Version davon, eine Variante, die vor allem Menschen mit Knieproblemen sehr zu schätzen wissen, gerade wenn es darum geht, länger in einer Haltung verweilen zu können –
denn das muss man ja in der Meditation.

Wenn du also dein Sitzkissen gerade nicht bei der Hand hast oder dein Meditationshocker nicht greifbar ist, nutz dein Wheel, um deine Haltung stabil und leicht zu machen und deinen Blick meditativ nach innen zu richten –
du wirst erstaunt sein, wie toll es sich darauf sitzt!

#Namaste!

*

Und nicht vergessen:
Wie bei allen Asanas gilt auch (und besonders!) mit dem Wheel:

Sei achtsam!
Überfordere deinen Körper nicht mit Haltungen, die er noch nicht kennt – vor allem, wenn du Anfänger/in bist!
Aktiviere Mula Bandha, deinen Beckenboden, und Uddiyana Bandha, in der Nähe deines Bauchnabels, indem du Beckenboden und Nabel sanft anspannst – aber nicht zuviel.
Wärme dich vor dem Üben mit dem Yogawheel gut auf – zuerst deinen ganzen Körper, etwa mit Sonnengrüßen oder einer sanften Praxis, gewöhne dann im Speziellen aber auch deine Wirbelsäule an das Wheel, etwa indem du sanft rollst und dich auf dem Rad einfindest.

Viel Spaß beim Yogieren!

Solltest du Fragen haben, meld dich einfach
oder komm mal vorbei!

#Namaste!

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Aus der Reihe ‚Yoga mit dem Wheel‘: Hoch das Bein!

Salamba Sarvangasana, der gestützte Schulterstand, wird wegen der vielen positiven Auswirkungen auf den Körper auch gern die Mutter aller Asanas genannt.
Der gestützte Schulterstand aktiviert die Durchblutung, entlastet die Beine und die Organe, stimuliert den Hormonhaushalt und kann dabei helfen, die Atemwege zu befreien. Außerdem hat diese Asana eine positive Wirkung auf die Verdauung, kann bei Krampfadern helfen und (richtig geübt) durch die Dehnung Nackenverspannungen lösen.
Der gestützte Schulterstand verbessert außerdem das Selbstwertgefühl, regeneriert das Prana und baut neue Energien auf.

Auch die sanfte Version davon, Viparita Karani, bei der die Beine an einer Wand und der Po auf einer Decke liegen, ist toll –
sie entspannt auch bei Bluthochdruck oder während der Menstruation, also immer dann, wenn man aufpassen muss und vom Schulterstand lieber Abstand nehmen sollte.

Ruhe für Körper und Geist
Umkehrhaltungen beruhigen den Geist, was gerade abends und/oder bei Schlafstörungen sehr hilfreich sein kann –
oder wenn man wie ich mit dem Restless Legs Syndrom zu kämpfen hat.
Außerdem kann es toll sein, mal den Blickwinkel zu ändern –
es muss gar kein Kopfstand sein, manchmal reicht es schon, die Zehen über dem Kopf zu sehen und zu wissen:
Es geht auch andersrum!

Umkehrhaltungen bergen aber auch Risiken, deshalb an dieser Stelle:

Achtung!
Während der Periode und Schwangerschaft sollte man auf Umkehrhaltungen verzichten, ebenso bei Nacken- oder Netzhautproblemen, bei Bluthochdruck sowie bei einigen Herzkrankheiten. Sprich am Besten mit deinem Arzt/deiner Ärztin darüber und informiere deine/n Lehrer/in, wenn du trotzdem die Beine in den Himmel strecken möchtest, damit er/sie dich bestmöglich dabei unterstützen kann!

Wenn du sicher bist, dass du gefahrlos Umkehrhaltungen üben kannst, dann probier den sanften Schulterstand doch mal auf einem Yogarad.
Vor allem für all jene, denen der gestützte Schulterstand schwer fällt, weil sie die Beine nicht gerade nach oben strecken können oder weil das Gewicht des eigenen Körpers zu sehr in den Händen lastet, ist die Version auf dem Wheel eine tolle Option, die so aussieht:

Gestützter Schulterstand

Und so geht’s:
Setz dich an den vorderen Rand deiner Matte und platziere das Wheel hinter deinem Rücken, etwa in Höhe deiner Brustwirbelsäule. Leg dich darauf und roll ein paar Mal auf und ab, um dich auf dem Wheel einzufinden.
Vergiss nicht, deine Bandhas zu aktivieren, sie geben dir Stabilität!
Roll dann weiter nach hinten, bis dein Kopf sanft die Matte berührt und bleib kurz in dieser Position. Denk wieder an deine Bandhas und roll sanft weiter nach hinten ab, bis auch deine Schultern auf der Matte aufliegen. Greif währenddessen mit deinen Händen das Wheel, damit es nicht unter deinem Po herausrollt, und finde dich in der Haltung ein:
Dein Nacken ist entspannt und liegt nicht auf der Matte auf, nur dein Hinterkopf und die Schultern berühren die Matte, dein Kinn hebt sich leicht vom Brustkorb weg. Deine Hände greifen von außen das Rad, so positionierst du deine Schultern besser und öffnest deinen Herzraum noch ein wenig mehr. Das Wheel liegt sicher unter deinem Kreuzbein, deine Beine ragen vertikal nach oben Richtung Himmel, dein Atem fließt ruhig und gleichmäßig. Du kannst für dich entscheiden, ob du deine Füße flexen oder die Zehen Richtung Himmel strecken möchtest – oder vielleicht sogar abwechseln.

Hier siehst du im Schnelldurchlauf, wie ich das mache:
https://www.instagram.com/p/BTGhOM-DRZE/?taken-by=sibl_and_the_wheel

Wenn dir diese Haltung zu fordernd ist oder du das Gefühl hast, die Beine nicht mehr länger gerade nach oben strecken zu können, dann lass sie ein Stück weit nach unten sinken, zu Ardha Sarvangasana, dem halben Schulterstand –
hier ist es wichtig, dass du das Yogarad wirklich nicht loslässt, weil es sich sonst verselbständigt und du auf die Matte fällst. Achte auch hier wieder auf deinen Nacken und atme entspannt weiter.
Und spür in deinen unteren Rücken, denn der wird diese Haltung lieben!

Wenn du die Haltung verlassen möchtest, lass deine Beine achtsam hinter deinen Kopf sinken, zu Halasana, dem Pflug, roll dann mit deinen Händen langsam das Wheel ein Stück weit die Matte entlang, weg von deinem Po, komm aus Halasana zurück, stell deine Beine auf der Matte ab, lass die Knie gegeneinander sinken und spür nach.
Schließ für einen Moment die Augen, lass deinen Atem fließen, und streck dann die Beine zu Savasana.

Ardha Sarvangasana – der halbe Schulterstand

Denk aber bitte daran:

Wie bei allen Umkehrhaltungen gilt auch (und besonders!) mit dem Wheel:
Sei achtsam!
Überfordere deinen Körper nicht mit Haltungen, die er noch nicht kennt – vor allem, wenn du Anfänger/in bist!
Aktiviere Mula Bandha, deinen Beckenboden, und Uddiyana Bandha, in der Nähe deines Bauchnabels, indem du Beckenboden und Nabel sanft anspannst – aber nicht zuviel.
Wärme dich vor dem Üben mit dem Yogawheel gut auf – zuerst deinen ganzen Körper, etwa mit Sonnengrüßen oder einer sanften Praxis, gewöhne dann im Speziellen aber auch deine Wirbelsäule an das Wheel, etwa indem du sanft rollst und dich auf dem Rad einfindest.

Wenn du Fragen hast, meld dich einfach, ich helf dir gern weiter.
Oder komm mal zu einem Wheel-Workshop und lern mit mir die Basics von Yoga mit dem Wheel.

Ich freu mich darauf, mit dir zu üben!
#Namaste!

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